FORSCHUNG

Forschungamgk Final3
© Roman Khilchyshyn/123RF.com

Wie wir in der Gesellschaft leben, arbeiten, denken, entscheiden und nicht zuletzt kommunizieren, wird seit einigen Jahren von der fortschreitenden Digitalisierung beeinflusst. Wenn sich die Digitalisierung auf Formen des Zusammenlebens und des Kommunizierens auswirkt, stellt sich auch die Frage, welchen Einfluss sie auf das Vertrauen zwischen einzelnen Individuen oder in der Gesellschaft haben kann. Denn Vertrauen ist kein banales Konstrukt in modernen Gesellschaften. Auf Vertrauen basieren soziale Ordnung und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Die Bedeutsamkeit, aber auch die Fragilität von Vertrauen zeigen sich in jüngerer Zeit in zahlreichen Ereignissen und Entwicklungen: Banken- und Finanzkrise, Misstrauen in Politik und Medien, Lebensmittelskandale, Diskussionen um Doping im Sport.

Das Graduiertenkolleg "Vertrauen und Kommunikation in einer digitalisierten Welt" erforscht seit seiner Gründung 2012 das Spannungsfeld von Vertrauen und der fortschreitenden Digitalisierung der Gesellschaft. Besonders Vertrauen, das durch Kommunikation hergestellt wird, untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Graduiertenkollegs vor der Frage, welche Einflüsse Digitalisierung und digitale Kommunikation auf die Vertrauensentwicklung haben. Um der gesamtgesellschaftlichen Relevanz dieser Fragestellung Rechnung zu tragen, prägen die elf Professorinnen und Professoren (Antragsteller und Antragstellerinnen) des Graduiertenkollegs aus fünf verschiedenen Forschungsbereichen das interdisziplinäre Forschungsprofil des Kollegs.

Die Kollegiaten sammeln in empirisch-analytischen, methodischen und theoretisch-konzeptionellen Forschungsprojekten Erkenntnisse für die Vertrauensforschung. So tragen die Forschungsvorhaben zum Fortschreiten des jeweiligen disziplinären Forschungsstands bei, heben allerdings ebenso die Disziplin übergreifenden Aspekte der Kategorie Vertrauen hervor.

Innerhalb der vier prototypischen Untersuchungsbereiche Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Sport analysieren die Kollegiaten den Untersuchungsgegenstand Vertrauen. Sie betrachten die Vertrauensprozesse auf drei Ebenen: Individuen, Organisationen und Öffentlichkeit. Diese Vorgehensweise erlaubt es, Vertrauen und Kommunikation in digitalen Kontexten auf der Mikro-, Meso- und Makroebene zu erforschen. Dabei stehen vor allem die Überschneidungen dieser Ebenen im Fokus. So haben die Forschungsprojekte der vergangenen Jahre sich mit einem breiten Spektrum an Fragestellungen auseinandergesetzt und zahlreiche Publikationen hervorgebracht:

  • Wie wird in ortsverteilt arbeitenden Arbeitsteams Vertrauen aufgebaut?
  • Wie bewerten Jugendliche das Risiko von Selbstoffenbarungen in sozialen Medien?
  • Wie werden wissenschaftliche Kontroversen in Science Blogs rezipiert?
  • Wie versuchen des Dopings verdächtigte Sportler, über soziale Medien ihr Image zu verbessern?
  • Wie lässt sich Vertrauen gegenüber IT-Sicherheitsrisiken entwickeln?
  • Wie kontrollieren Medienredaktionen die Vertrauenswürdigkeit von Social-Media-Quellen?

Die Erkenntnisse aus den Forschungsprojekten der vergangenen Jahre liefern die Grundlage für das neue Forschungsprogramm, das neben den Bedrohungen zukünftig auch die Chancen von Digitalisierung für die Vertrauensentwicklung betont und fragt, wie digitale Medien die Entwicklung und die Aufrechterhaltung von Vertrauen unterstützen können.