Transkribieren nach GAT

„Seit dem Beginn der modernen Gesprächsanalyse in den 60iger und 70iger Jahren ist die Transkription von Interaktion in natürlichen Situationskontexten eine ihrer grundlegenden Voraussetzungen. Sowohl in der Linguistik als auch in anderen Disziplinen wie Soziologie, Psychologie, Pädagogik usw. wurde bald deutlich, dass sprachliche Interaktion nicht hinreichend mit dem Standard-Schriftsystem erfasst werden kann, sondern ein eigenes Transkriptionssystem erfordert. Da es für die neuen Forschungsaufgaben keine bewährten Vorbilder und praktischen Richtlinien gab, wurden in den unterschiedlichen Forschungszusammenhängen jeweils eigene Transkriptionskonventionen entwickelt, die im Laufe der praktischen Arbeit verfeinert und immer besser auf die jeweiligen Forschungsziele zugeschnitten wurden. Vor diesem Hintergrund haben sich im deutschsprachigen Raum eine ganze Reihe z. T. ähnlicher, aber im Detail doch unterschiedlicher Transkriptionsverfahren entwickelt.
GAT ist mit jedem Textverarbeitungsprogramm verwendbar. Soweit wie möglich wurde auch eine betriebssystemübergreifende EDV- und Internettauglichkeit zumindest der Konventionen für das Basistranskript angestrebt.“ (GAT 1998)

Das Gesprächsanalytische Transkriptionssystem (GAT) ist ein Versuch der Vereinheitlichung und kommt ohne allzu große theoriegebundene Annahmen aus. Es legt fest,

* wie das allgemeine Layout von Transkriptionen, die publiziert werden sollen, aussehen soll und
* welche einzelnen Elemente im Zusammenhang lautsprachlicher Äußerungen zur Notation gehören.

Dabei gelten die folgenden Transkriptionsprinzipien und -kriterien:

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Neuere Entwicklungen im Bereich der Prosodieforschung, der Forschung zur Multimodalität der Interaktion, neuere technologische Entwicklungen im DV-Bereich und nicht zuletzt langjährige Erfahrungen in der Transkriptionspraxis mit GAT sowie die Internationalisierung der interaktionalen Linguistik haben es erforderlich gemacht, dass das “Gesprächsanalytische Transkriptionssystem” (GAT) nach 10 Jahren den neuen Anforderungen angepasst wird.

Anfang 2009 wurde folglich in der Zeitschrift Gesprächsforschung die neue GAT 2 Konvention veröffentlicht.
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An der Universität Freiburg wurde von Pia Bergmann, Christine Merzlufft und Uli Held das multimediale, interaktive Tutorial GAT-TO für das Erstellen von Gesprächstranskripten nach den Konventionen von GAT / GAT 2 entwickelt.
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