{"id":440,"date":"2011-04-22T14:21:48","date_gmt":"2011-04-22T13:21:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/FSKusa\/?p=440"},"modified":"2011-04-22T14:21:48","modified_gmt":"2011-04-22T13:21:48","slug":"solidaritatserklarung-mit-den-bewohner_inner-der-grawertstrase-34","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/FSKusa\/?p=440","title":{"rendered":"Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rung mit den Bewohner_inner der Grawertstra\u00dfe 34"},"content":{"rendered":"<p><!-- p.p1 {margin: 0.0px 0.0px 10.0px 0.0px; text-align: justify; font: 11.0px 'Times New Roman'} span.s1 {letter-spacing: 0.0px} -->Vom 25. M\u00e4rz bis zum 14. April 2011 besetzte eine Gruppe M\u00fcnsteraner_innen gemeinschaftlich die Grawertstra\u00dfe 34 im Nordosten der Stadt. Sie wollen sozialen Wohnraum schaffen und der bis dato leer stehenden H\u00e4userzeile eine Zukunftsperspektive geben: Kreativ, offen gestaltet und f\u00fcr alle zug\u00e4nglich. Das Projekt ist eine Reaktion auf die Wohnungsknappheit, die sich im vergangenen Herbst mit der Schlie\u00dfung von Studierendenwohnheimen erneut versch\u00e4rft hat, als hunderte Studierende f\u00fcr Wochen in Turnhallen, Zelten und bei Freund_innen unterkommen mussten oder gar ihr Studium nicht antreten konnten. Neben Studierenden belastet die Wohnungsknappheit auch andere Menschen, wie Geringverdiener_innen, Fl\u00fcchtlinge und Asylsuchende &#8211; das Problem hat deshalb breitere gesellschaftliche Relevanz.<\/p>\n<p>Die Bewohnung der Grawertstra\u00dfe wurde von vielen Seiten sehr positiv aufgenommen &#8211; es gab politische Zustimmung, Solidarit\u00e4tsbekundungen und Freude bei Nachbar_innen. Doch die Staatsgewalt hat dem friedlichen Projekt ein Ende gesetzt und das Haus vergangene Woche ger\u00e4umt.<\/p>\n<p>Die Fachschaft Kultur- und Sozialanthropologie der Uni M\u00fcnster erkl\u00e4rt sich solidarisch mit den Bewohner_innen der Grawertstra\u00dfe 34!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><!-- p.p1 {margin: 0.0px 0.0px 10.0px 0.0px; text-align: justify; font: 11.0px 'Times New Roman'} p.p2 {margin: 0.0px 0.0px 10.0px 0.0px; text-align: justify; font: 11.0px 'Times New Roman'; min-height: 12.0px} span.s1 {letter-spacing: 0.0px} span.s2 {text-decoration: underline ; letter-spacing: 0.0px color: #ff1d17} -->Die Wohnsituation von Menschen mit niedrigen Einkommen ist in M\u00fcnster denkbar schlecht. Die Nachfrage nach freiem Wohnraum besonders in unteren Preiskategorien ist in den vergangenen Jahren konstant gestiegen. Im letzten Herbst brach schlie\u00dflich der Damm: Der Schwung neuer Student_innen, die zum Wintersemester mit ihrer Ausbildung beginnen wollten, \u00fcberlastete die ohnehin angespannte Situation am Wohnungsmarkt derart, dass viele wochenlang keine Wohnung finden und in Notunterk\u00fcnften untergebracht werden mussten. Gleichzeitig h\u00e4lt in vielen Wohnbl\u00f6cken M\u00fcnsters ein Trend an, der den sozialen Frieden innerhalb der Stadt nachhaltig ersch\u00fcttern k\u00f6nnte: Der Zuzug h\u00f6her Einkommensschichten aus allen Bev\u00f6lkerungsgruppen verdr\u00e4ngt nach und nach Menschen, die auf g\u00fcnstigen Wohnraum in der Stadt angewiesen sind. Die Macht des Kapitals sorgt somit f\u00fcr eine Exklusivit\u00e4t von Zugangsm\u00f6glichkeiten, die gleichzeitig Festungen gesellschaftlicher Eliten wie die <em>gated community<\/em> \u201eKlosterg\u00e4rten\u201c erm\u00f6glicht und die Verdr\u00e4ngung und den Ausschluss von Menschen, die den Verwertungslogiken einer ma\u00dflosen Gesellschaft nicht folgen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In den vergangenen Monaten ist in der bis dahin leer stehenden H\u00e4userzeile der Grawertstra\u00dfe ein Haus ge\u00f6ffnet und angeeignet worden, um Menschen Wohnraum zu schaffen, die von der kalten Logik \u201edes Marktes\u201c ausgeschlossen worden sind.<\/p>\n<p>Die Grawertstra\u00dfe ist eine H\u00e4userzeile mit insgesamt 40 Wohnungen verteilt auf ca. 20 H\u00e4user, die bisher von einem halbstaatlichen Unternehmen, der \u201eBundesimmobilienaufsicht\u201c kurz BIMA, an die britische Armee vermietet wurde. Die Armee hat zumindest <em>geplant<\/em>, die H\u00e4user f\u00fcr zur\u00fcckgekehrte Soldat_innen aus den Kriegsgebieten Afghanistan oder Irak zu nutzen. Bis heute haben kaum je britische Stiefel einen Fu\u00df in die leeren Wohnungen der Grawertstra\u00dfe gesetzt, die kahl, verlassen und still da lagen, ohne irgendeiner Art von Nutzung zugef\u00fchrt zu werden. Wie kann es sein, dass in einer Stadt, in der Menschen ohne Obdach leben m\u00fcssen, weil sie nicht das n\u00f6tige Kapital mitbringen, um sich in innenstadtnahe Festungslandschaften wie die \u201eKlosterg\u00e4rten\u201c einzukaufen, eine ganze H\u00e4user<em>zeile<\/em> leer und ungenutzt herumsteht?<\/p>\n<p>Mit der \u00d6ffnung eines Hauses in der Grawertstra\u00dfe sollte nicht nur ein Zeichen gegen die Verschwendungs-, Geltungs- und Wachstumssucht unserer Tage gesetzt werden, in der nur diejenigen sich behaupten k\u00f6nnen, die ihre Mitmenschen gnadenlos ausbeuten. Vielmehr sollte das Haus endlich <em>ge<\/em>nutzt werden, sollte die Stra\u00dfe wieder mit Leben und Freude erf\u00fcllt sein. Welchen Sinn w\u00fcrde es machen, die H\u00e4user weiter leer stehen zu lassen? Wem k\u00f6nnte die \u00d6ffnung \u2013 nicht Inbesitznahme \u2013 eines der H\u00e4user schaden? Sicherlich nicht der britischen Armee, die einige Tage nach der \u00d6ffnung den Vertrag mit der BIMA aufk\u00fcndigte und \u00fcberrascht feststellte, was f\u00fcr einen B\u00e4rendienst ihnen diese \u201eInvestition\u201c, die niemals genutzt wurde, erwiesen hatte. Sicherlich auch nicht den Anwohner_innen, die bei w\u00f6chentlich von den neuen Bewohner_innen ausgerichteten \u201eNachmittagskaffees\u201c vorbeikamen und sich mit leckerem Kaffee, Tee und Kuchen st\u00e4rkten \u2013 es gab am letzten Sonntag sogar ein Ponyreiten f\u00fcr die Kinder aus der Nachbarschaft. Auch aufgrund ihres umfangreichen, bunten, lebendigen Programms bekamen die neuen Bewohner_innen der Grawertstra\u00dfe durchweg positive R\u00fcckmeldungen der Nachbarschaft. Fast jeden Abend fanden Diskussionsrunden, Filmvorf\u00fchrungen, Vortr\u00e4ge und Essen statt, an denen jeder und jede teilhaben konnte und zu denen stets viele kamen.<\/p>\n<p>Leider ist dieses Projekt, das vielleicht die erste sinnhafte Nutzung der Grawertstra\u00dfe und ein Stachel innerhalb kapitalistischer Verwertungslogiken und Marktf\u00f6rmigkeiten ist, am Donnerstag, dem 14. April 2011 um 9.00 Uhr von der Polizei ger\u00e4umt worden. Die drei Bewohner_innen, die sich zu diesem Zeitpunkt im Haus aufhielten, wurden festgenommen und sind inzwischen wieder auf \u201efreien Fu\u00df\u201c gesetzt. Die Zukunftskonzepte, die die Bewohner_innen des Hauses im Rahmen von Verhandlungen mit der BIMA am 8. April vorbringen wollten, wurden von den Verantwortlichen der BIMA nicht einmal angeh\u00f6rt oder angesehen. Die Verhandlungsbem\u00fchungen waren offenbar sehr einseitig. Es ist schrecklich, wie die Stimmen von Menschen in den Ohren anderer ungeh\u00f6rt verhallen, wie Polizeifahrzeuge und eine gro\u00dfe Zahl Polizisten in R\u00fcstungen gegen gemeinschaftliche Bem\u00fchungen und Ideen mit unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiger struktureller Gewalt angehen und zersetzen, was in m\u00fchsamer, kostbarer Kleinstarbeit von Vielen in Stunden, Tagen, Wochen entstanden ist.<\/p>\n<p>Nietzsche mag Recht haben, wenn er schreibt, dass es nicht die Einmaligkeit eines Momentes ist, der unsere Welt erschafft, sondern die <em>Wiederholung<\/em>. Und so wie sich Zerst\u00f6rungen, Pl\u00fcnderungen und Brandschatzungen in den Archiven h\u00e4ufen, so wurde auch dieses faszinierende Projekt mit dem Wimpernzucken eines Augenblicks, der sich unendlich wiederholt, hinfort getreten.<\/p>\n<p>Es ist traurig und erz\u00fcrnend, dass ein sogenannter \u201edemokratischer\u201c Staat wie die Bundesrepublik Deutschland ein Unternehmen wie die BIMA installieren musste, das keine Gnade vor kalter Effizienz kennt. Und es ist ebenso entt\u00e4uschend, dass die gew\u00e4hlten Vertreter_innen unsereiner in Berlin, noch die in M\u00fcnster, die so oft positive R\u00fcckmeldungen gaben, letztendlich uninteressiert blieben f\u00fcr die Belange <em>nicht<\/em> nur der Bewohner_innen der Grawertstra\u00dfe, sondern all jener, die von dem \u201ebreiten Fundaments des wirtschaftlichen Aufschwungs\u201c (Br\u00fcderle) \u00fcberrollt wurden und noch werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer mehr \u00fcber die Zukunft der Grawertstra\u00dfe erfahren m\u00f6chte, wird hier <a href=\"http:\/\/grawertstrasse.blogsport.de\/\"><strong>http:\/\/grawertstrasse.blogsport.de\/<\/strong><\/a> f\u00fcndig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"sharedaddy sd-sharing-enabled\"><div class=\"robots-nocontent sd-block sd-social sd-social-icon sd-sharing\"><h3 class=\"sd-title\">Teilen:<\/h3><div class=\"sd-content\"><ul><li class=\"share-facebook\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"sharing-facebook-440\" class=\"share-facebook sd-button share-icon no-text\" href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/FSKusa\/?p=440&amp;share=facebook\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um auf Facebook zu teilen\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um auf Facebook zu teilen (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-twitter\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"sharing-twitter-440\" class=\"share-twitter sd-button share-icon no-text\" href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/FSKusa\/?p=440&amp;share=twitter\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um \u00fcber Twitter zu teilen\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um \u00fcber Twitter zu teilen (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li><a href=\"#\" class=\"sharing-anchor sd-button share-more\"><span>Mehr<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><\/ul><div class=\"sharing-hidden\"><div class=\"inner\" style=\"display: none;\"><ul><li class=\"share-email\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"\" class=\"share-email sd-button share-icon no-text\" href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/FSKusa\/?p=440&amp;share=email\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um dies einem Freund per E-Mail zu senden\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um dies einem Freund per E-Mail zu senden (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-print\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"\" class=\"share-print sd-button share-icon no-text\" href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/FSKusa\/?p=440\" target=\"_blank\" title=\"Klicken zum Ausdrucken\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klicken zum Ausdrucken (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><li class=\"share-reddit\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"\" class=\"share-reddit sd-button share-icon no-text\" href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/FSKusa\/?p=440&amp;share=reddit\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um auf Reddit zu teilen\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um auf Reddit zu teilen (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><\/ul><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 25. 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