Einführung in die Frühe Neuzeit  
 
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Wirtschaft
Wirtschaftliche Grundstrukturen und Entwicklungen
2. Bevölkerungsentwicklung und langfristige Konjunkturphasen

 

2.3. WIRTSCHAFTLICHE WECHSELLAGEN

von Ulrich Pfister und Barbara Stollberg-Rilinger

nach unten 2.3.1. Theorie
nach unten 2.3.2. Säkulare Wechsellagen

 

  2.3.1. Theorie  
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Wirtschaftliche Wechsellagen werden anhand von Fluktuationen von Produktion und Preisen (sowohl absolut – Inflation und Deflation - als auch relativ zwischen verschiedenen Gütern und Produktionsfaktoren; Glossar Preissteigerung) beschrieben. Bis ca. 1850, d.h. bis zur Industrialisierung, sind diese Wechsellagen stark durch die ungleiche Entwicklung von (wachsender) Bevölkerung und (stagnierenden) landwirtschaftlichen Ressourcen geprägt.

Für die FNZ wurden solche Wechsellagen vor allem anhand von Getreidepreisen rekonstruiert, und es wurde eine parallele Entwicklung zum Bevölkerungswachstum festgestellt: Wachsende Bevölkerung und ansteigende Getreidepreise sind parallel zu beobachten (Literatur Kriedte, Spätfeudalismus; Literatur Abel, Agrarkrisen).

Erklärungen des Gesamtkomplexes oder von Teilaspekten bieten das verwandte Themen Malthusianische „Principle of Population“, die alternative Sicht von verwandte Themen Boserup (Bevölkerungswachstum stimuliert Wachstum der Produktivität) sowie die These, dass verwandte Themen Edelmetallzuflüsse in die entstehende Weltwirtschaft Preisfluktuationen beeinflussen. 

Diagramm: Langfristige Entwicklung der Getreidepreise

  3.2. Säkulare Wechsellagen   
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(Literatur Kriedte, Spätfeudalismus; Literatur Goldstein, Long cycles, Kap.9)

  1. Aufschwung des „langen 16. Jahrhunderts“ 
    Vielerorts steigen die Preise parallel zum Bevölkerungswachstum seit Ende des 15. Jh.s bis etwa zu Beginn des 17. Jh.s. Bereits Zeitgenossen führten diese Inflation auf verwandte Themen Silberimporte aus Amerika zurück, die tatsächlichen Ursachen dürften aber komplexer sein: Die Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln steigt, die Profite der marktproduzierenden Bauern und die Grundrenten steigen. Gewerbliche Löhne verlieren hingegen an Kaufkraft (konstante Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln, elastische Nachfrage nach gewerblichen Gütern).
  2. „Krise des 17. Jahrhunderts“
    Rückgang bzw. Stagnation von Preisen und Bevölkerung zwischen dem zweiten Viertel des 17. Jh.s bis vielerorts Mitte des 18. Jh.s. 
  3. „Industrielle Revolution“
    Ab der zweiten Hälfte des 18. Jh.s wächst die Bevölkerung und steigen die Preise. Nach der Glossar Subsistenzkrise von 1815/17 allgemeiner Preisrückgang, u.a. dank Produktivitätssteigerung durch Industrialisierung und Agrarreformen, gleichzeitig aber auch Unterkonsum (Pauperismus). Wieweit Preisfluktuationen auch realwirtschaftliche Fluktuationen anzeigen, ist ungewiss.
    Der Kreislauf zwischen steigender Bevölkerung, stagnierenden Ressourcen, wiederum abnehmender Bevölkerung usw. wird erstmals durchbrochen.

 

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