Einführung in die Frühe Neuzeit  
 
impressum :: feedback :: kontakt ::  
 
 LINKWEG ::: Inhalt / Wirtschaftliche Grundstrukturen / Subsistenzwirtschaft und Marktwirtschaft /
2.1. Bevölkerungsentwicklung  vor


Wirtschaft
Wirtschaftliche Grundstrukturen und Entwicklungen

 

1. SUBSISTENZWIRTSCHAFT UND MARKTWIRTSCHAFT

von Ulrich Pfister und Barbara Stollberg-Rilinger

nach unten 1.1. Agrargesellschaft
nach unten 1.2. Subsistenzwirtschaft
nach unten 1.3. Marktwirtschaft
nach unten 1.4. Geringe Rolle technologischer Innovationen

 

  1.1. Agrargesellschaft   
zum Seitenanfang
 

In der FNZ lebte die große Mehrzahl der Menschen (ca. 75-80%, heute: ca. 3%) ausschließlich oder überwiegend von der Bewirtschaftung von Grund und Boden, deren Ertrag nicht beliebig steigerbar war. 

Die Agrargesellschaft der FNZ war gekennzeichnet durch die Abschöpfung der bäuerlichen Produktion durch die Grundherren (adelige oder auch kirchliche Obereigentümer der Landes, das den Bauern zur Bearbeitung überlassen wird, und zugleich Inhaber von Herrschaftsrechten über die Bauern) und zunehmend auch durch die Landesherren; die Abschöpfung erfolgte in Form von Arbeitsleistung und Naturalabgaben, zunehmend auch in Form von Geld. (Literatur  Foster, Peasant Society)

  1.2. Subsistenzwirtschaft  
zum Seitenanfang
 

Diese Wirtschaftsform, die in der FNZ zunächst vorherrschte, bedeutete die Ausrichtung des Arbeitseinsatzes auf die Aufrechterhaltung der Glossar Subsistenz bzw. der standesspezifischen Lebenshaltung. In der Subsistenzwirtschaft besteht eine Einheit zwischen Produktion und Konsum (Selbstversorgung). Der Gebrauchswert der Produktion steht im Vordergrund, nicht der Tauschwert auf dem Markt. Meist dominierte eine familien- bzw. hauswirtschaftliche Produktionsweise, die auf Eigenbedarf und Risikominimierung ausgerichtet war („Hausnotdurft“, „standesgemäße Nahrung“). Der Arbeitseinsatz erfolgte bedürfnis- und aufgabenorientiert, d.h. richtete sich nach der Bedarfsdeckung der Hausgemeinschaft und den wechselnden Erfordernissen der Produktion (z.B. höherer Arbeitseinsatz in Erntezeiten, etc.). Waren diese Aufgaben erfüllt, so wurde in der Regel nicht mehr gearbeitet, d.h. Muße besaß einen hohen Stellenwert. Die demonstrative Verschwendung von Überschüssen (Geschenke, Feste, etc.) diente zur Pflege sozialer Netzwerke zum Ziel der Risikominimierung (Literatur Groh, Strategien).

Quelle: Der Pfarrer von Henggart (Kanton Zürich, Schweiz) über seine Pfarrgenossen, 1783

  1.3. Marktwirtschaft  
zum Seitenanfang
 

In der Marktwirtschaft, die sich in der FNZ zunehmend ausbreitet, ist die Produktion von Gütern nicht mehr an der unmittelbaren Bedarfsdeckung der Produzenten orientiert; sie erfolgt vielmehr an einem Markt orientiert und unter Gesichtspunkten der Gewinnmaximierung. (Produzenten von Gütern werden damit zu Anbietern auf Märkten.)

Der Arbeitseinsatz erfolgt im Hinblick auf die Produktion von Tauschwerten (abstrakt messbar: Anzahl, Zeitaufwand, etc.). Voraussetzungen dafür sind Überschussproduktion und Spezialisierung, d.h. verwandte Themen regionale und überregionale Arbeitsteilung. Folge ist eine höhere Anfälligkeit für Krisen durch konjunkturelle Schwankungen. Marktwirtschaftliche Orientierung erfordert einen Wandel des Wirtschaftsstils hin zu mehr individuellen Entscheidungen und längerfristiger Planung. 

  1.4. Geringe Rolle technologischer Innovationen  
zum Seitenanfang
 

In der FNZ sind Veränderungen der Arbeitsproduktivität durch technologische Innovationen relativ selten; es wird von einem technologisch statischen Zeitalter gesprochen. Erst die verwandte Themen Industrielle Revolution und Agrarreformen um 1800 bringen diesbezüglich systematische Änderungen mit sich. (Literatur U. Pfister, Zürcher Fabriques)

 

zurück   Wirtschaftliche Grundstrukturen
2.1. Bevölkerungsentwicklung  vor
 
zum Seitenanfang
             © 2003 by Barbara Stollberg-Rilinger • mail:  fnz.online@uni-muenster.de