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Wirtschaftliche Grundstrukturen und Entwicklungen
 
Glossar

 Glossar Agrarkrise des Mittelalters  
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(ml) Mit Wilhelm Abel bezeichnet der Begriff „Agrarkrise des Mittelalters“ das „langfristige Missverhältnis zwischen den Erlös- und Kostenpreisen des Landbaues, den Rückgang des Getreideanbaus und den Abfall der Grundrenten, verbunden mit einem verstärkten Anfall leer werdender Dörfer und unbewirtschafteter Fluren (verwandte Wüstungen)“ (Literatur Abel, Strukturen, 7). 
Abel identifiziert eine konjunkturelle Depression in der Landwirtschaft im 14. und 15. Jh., die vor allem auf mangelnde Nachfrage und damit fehlende Absatzmöglichkeiten für landwirtschaftliche Produkte zurückzuführen sei. Der Grund für die mangelnde Nachfrage sei ein durch Hungersnöte seit Beginn und Glossar Pestepidemien seit Mitte des 14. Jh.s verursachter Bevölkerungsrückgang gewesen. Aufgrund der Überproduktion (=Marktungleichgewicht) hätten sich die Glossar Relativpreise für landwirtschaftliche Produkte im Verhältnis zu denen für Gewerbeprodukte ungünstiger entwickelt. Wegen des Bevölkerungsrückgangs seien zudem die Löhne gestiegen (verringertes Arbeitsangebot). Dies habe die Landwirtschaft unrentabler gemacht und zur Aufgabe von Dörfern („Wüstungen“) und bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen geführt.
Die maßgeblich auf Abels Habilitationsschrift von 1935 („Agrarkrisen und Agrarkonjunktur in Mitteleuropa vom 13. bis zum 19. Jahrhundert“, 1935; 3., neubearbeitete Auflage: Literatur Abel, Agrarkrisen) zurückgehende Bezeichnung hat sich – trotz vielfacher Diskussion - inzwischen als feststehender Begriff etabliert. 

Literatur Wilhelm Abel, Strukturen und Krisen der spätmittelalterlichen Wirtschaft (= Quellen und Forschungen zur Agrargeschichte 32), Stuttgart 1980.
externer Link Hieram Kümper, Referat: Zur Problematik der „Krise des Spätmittelalters“, Ruhr-Universität Bochum, WS 2001/02.

 Glossar Bergregal  
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(ml) Der Begriff „Regal“ wird im Wormser Konkordat (1122) erstmals nachgewiesen und bezeichnet Hoheitsrechte. 
Das Bergregal als das Recht, Erz abzubauen, gehört wie z.B. das Wasser- und Wegeregal, das Mühlenregal und das Fischereiregal zu den wirtschaftlichen Nutzen bringenden Regalien. Im Hochmittelalter verstärkte sich zwar die Einschätzung, die Nutzung von Erzfunden könne nur mit Einwilligung des Königs geschehen, doch erscheint sie bis ins 11. Jh. als Zubehör auch nichtköniglicher Grundherrschaften. Die praktische Durchsetzung des königlichen Bergregals gegenüber den Fürsten bleibt auch nach der Constitutio de regalibus Friedrich Barbarossas von 1158, die als Rechtsgrundlage des Bergregals angesehen wird, schwierig. Daher wurde in der Goldenen Bulle (1356) das Bergregal auf die Kurfürsten übertragen, im Westfälischen Frieden (1648) auch allen übrigen Fürsten das Bergregal verliehen. 
Mit dem Bergregal war ein unumschränktes Aneignungsrecht des Landesherrn über gewisse Mineralien verbunden, das er nach Belieben ausüben konnte. Beutete der Landesherr das Bergregal nicht selbst aus, so konnte er es wie eine Konzession an Dritte weiterverleihen, die als Gegenleistung den Bergzehnt zahlten und meist dem Landesherrn ein Vorkaufsrecht an den Metallen einzuräumen hatten. Auch die Veräußerung des Bergregals selbst an Dritte war möglich. Da der Erzabbau eng mit Metallgewinnung und Münzprägung verbunden war, ergaben sich durch die Abgaben der Hütten und Prägeanstalten weitere Einnahmen.

Literatur Raimund Willecke, Bergrecht, in: LexMA. Bd. 1, München/Zürich 1980, 1957-1959.

 Glossar Doppelte Buchführung  
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(ml) Das System der doppelten Buchführung als Verfeinerung der kommerziellen Buchführung (die seit dem 13. Jh. auch nördlich der Alpen anzutreffen ist) entstand seit dem 14. Jh., zunächst in Genua, Florenz und Venedig, ist aber auch in Lübeck für 1340 nachzuweisen. 
Jeder Vorgang wird bei der doppelten Buchführung zweimal gebucht: Ein Einkauf beispielsweise bedeutet eine Bestandsminderung an Geld und eine Bestandserhöhung des eingekauften Gutes. Beide werden auf unterschiedlichen Konten (Aktiv- und Passivkonten) gebucht.
Im 15. Jh. bahnte sich dem Zyklus der Steuerveranlagungen entsprechend ein periodischer Buchungskreislauf an, der zur Ermittlung von Bilanzen führte, die den Stand der Aktiv- und Passivkonten am Ende einer Geschäftsperiode darstellten. Auf einen solchen Entstehungsprozess deuten neben Genueser Quellen mehrere erhalten gebliebene „Probebilanzen“ aus der Toskana hin, erstellt unter den Medici. 
Neben dem Jahresabschluss erstellen kaufmännische Unternehmungen heute zur Ermittlung des Periodenerfolges eine Gewinn- und Verlustrechung, die die Veränderungen innerhalb des Geschäftsjahres anzeigt.

 Glossar Engelsches Gesetz  
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(ml) Das Engelsche Gesetz beschreibt die 1857 von Ernst Engel (1821-96) festgehaltene Beobachtung, dass die Nachfrage nach Nahrungsmitteln mit steigendem Einkommen zu-, der Anteil der Nahrungsmittelausgaben am Einkommen aber abnimmt, dass also die Einkommenselastizität bzgl. Nahrungsmitteln kleiner eins ist. Mit anderen Worten: Steigt das Einkommen eines Individuums um ein Prozent, werden seine Nahrungsmittelausgaben unterproportional, d.h. um weniger als ein Prozent steigen.
Im hier betrachteten Fall sinkender Reallöhne haben wir es mit dem umgekehrten Fall zu tun, dass nämlich der Anteil des für die Befriedigung grundlegender physiologischer Bedürfnisse (Ernährung) ausgegebenen Einkommens steigt und daher höherwertige Güter (Fleisch, gewerbliche Produkte) nur noch in überproportional sinkendem Maße nachgefragt werden können. 
Verschiedene empirische Studien haben gezeigt, dass das Engelsche Gesetz sowohl im Querschnitt (zu einem Zeitpunkt: ärmere Haushalte verwenden einen größeren Ausgabenanteil auf den Erwerb von Elementargütern) als auch im Längsschnitt (im Wachstumsprozess eines Landes nimmt die relative Nachfrage nach Elementarprodukten ab, die nach „Luxus“-Produkten und Dienstleistungen nimmt zu) beobachtbar ist.

 Glossar Fishersche Verkehrsgleichung  
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(up/mb/ml) Die Fishersche Verkehrsgleichung oder Quantitätsgleichung des Geldes trägt den Namen ihres Entwicklers Irving Fisher (amerikanischer Mathematiker und Ökonom, 1867-1947). Sie lautet: 
M • v = Y • P
(M = Geldmenge, v = Umlaufgeschwindigkeit des Geldes pro Jahr, Y = reales Bruttosozialprodukt einer Volkswirtschaft, P = Preisindex des Bruttosozialprodukts)

Der Ausdruck (Y • P) bezeichnet den Wert des gesamten jährliches Produkts einer Volkswirtschaft, der mit den verfügbaren Zahlungsmitteln bezahlt werden muss. Dieses Zahlungsvolumen kann durch (M • v) aufgebracht werden, d. h. durch die Geldmenge M, die im Durchschnitt jährlich v-mal in der Volkswirtschaft zirkuliert. Die Umlaufgeschwindigkeit v kann nicht direkt gemessen werden, sondern wird in der Regel durch die Gleichung v = Y • P / M geschätzt. 
Nimmt man an, dass v konstant ist, so verändert sich das Preisniveau (d.h. entwickelt sich die Inflationsrate) nach Maßgabe des Verhältnisses, in dem die Geldmenge M rascher als das Volkseinkommen Y wächst.

 Glossar Grenzprodukt  
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(up/mb) Ertrag, den der Einsatz einer zusätzlichen Einheit eines bestimmten Produktionsfaktors erbringt. Z.B. ist es plausibel, dass im Fall, dass ein bestimmtes Feld durch eine einzige Person gepflügt wird, ein Ertrag von, sagen wir, 200 kg Getreide resultiert. Hilft eine zweite Person mit (z. B. indem eine Person den Pflug lenkt, die andere die Pferde führt), so dürfte ein hoher zusätzlicher Ertrag von, sagen wir, 300 kg Getreide resultieren, da das Feld erheblich sorgfältiger gepflügt werden kann. Das Grenzprodukt des Wertes 2 des Faktors Arbeit beträgt somit 300 kg, das Produkt insgesamt 500 kg. Der Einsatz einer dritten Person dürfte nur mehr mit einem geringeren Grenzprodukt von, sagen wir, 100 kg, verbunden sein (vielleicht können die Pferde noch etwas besser gelenkt werden). Eine vierte Person wird kaum mehr etwas zu tun haben und damit ein Grenzprodukt von 0 aufweisen. 
Oft wird das Grenzprodukt mindestens für einen Wirtschaftssektor insgesamt zu schätzen versucht sowie in Geldwerten ausgedrückt (Wertgrenzprodukt).
Die oben beispielhaft genannten Werte sind Datenpunkte einer sog. Glossar Produktionsfunktion. Wie im Beispiel ab dem Wert von 2 geht man davon aus, dass Produktionsfunktionen in der Regel fallend sind, d.h. eine negative Steigung haben. Mit anderen Worten, die meisten wirtschaftlichen Aktivitäten sind durch ein abnehmendes Grenzprodukt der Arbeit, des Kapitals etc. gekennzeichnet.

 Glossar Handelsgesellschaft  
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(ml) Eine Handelsgesellschaft ist die Vereinigung von zwei oder mehr Personen mit dem Ziel der Tätigung von Handelsgeschäften. Seit Beginn des 10. Jh.s ist in Italien, insbesondere für den Seehandel, die so genannte Commenda, eine Handelsgesellschaft zwischen zwei Partnern, nachweisbar. Im Landhandel entwickelten sich Formen wie die Compagnia mit drei oder mehr Partnern. 
Handelsgesellschaften waren zunächst zeitlich befristet oder zweckgebunden, konnten aber verlängert werden. Die Hauptpartner stellten dabei das Stammkapital, trafen die zentralen Firmenentscheidungen und hafteten mit ihrem Vermögen. Sie gewannen zusätzliches Kapital über sog. „stille Beteiligungen“, deren Kapitaleigner mit ihrem Kapitalanteil hafteten und entsprechend am Gewinn beteiligt wurden, und Depositen (Einlagen gegen Verzinsung) hinzu. 
In Oberdeutschland setzte im 16. Jh. ein Strukturwandel ein, der zum einen zu kleineren, oft kernfamiliären Gesellschafterkreisen führte (z.B. die Fugger mit Jakob und später Anton Fugger als einzigem „Regierer“) und zum anderen beinhaltete, dass ausführende Tätigkeiten an Handelsdiener (wie Kopisten, Schreiber, Buchhalter und Kassierer) und kaufmännische Angestellte delegiert wurden. Damit gingen ein Gewinnkonzentrationsprozess und steigende Personalkosten einher, der Kapital-/Kreditmarkt gewann an Bedeutung.

Literatur North, Kommunikation, 24-26; Literatur H. Kellenbenz, Handelsgesellschaft, in: LexMA. Bd. 4, München/Zürich 1989, 1901.

 Glossar Hanse  
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(ml) Der ursprünglich germanische Rechtsbegriff „Hanse“ (Schar) war seit dem 12. Jh. in Nordwesteuropa wieder im Gebrauch. Beginnend mit dem Zusammenschluss von Kaufleuten, die Handelstätigkeiten im Ausland unternahmen, bildete sich seit dem ausgehenden 13. Jh. die Gesamtheit „Hanse“, der schließlich die meisten Gruppen von Kaufleuten zwischen Niederrhein und Baltikum angehörten. Im Zusammenhang mit der Neugründung von Städten im Zuge der Ostsiedlung, dem Ausbau kommunaler Autonomie gegenüber den Landesherren und verschiedenen geographisch-strategischen Vorteilen gelang es der Hanse, andere Fernhandelstreibende (Friesen, Flamen, Dänen, Russen) zu verdrängen.
Die territorialen Schwerpunkte des Handels der Hanse zeigen ihre bedeutenden Niederlassungen in Nowgorod, Brügge, London und Bergen. 
Die Entwicklung der Hanse von einem Kaufleute- zu einem Städteverbund ging sukzessive vor sich: Die Städte hatten bereits im 13. Jh. die Interessen ihrer Kaufleute mitvertreten und diese unterstützt. Seit dem 14. Jh. entstand ein Verbund von etwa 70 Städten, denen weitere 100 zeitweise und/oder indirekt angeschlossen waren. Seit 1356/66 gab es als allgemeines Beschlussgremium der zur Hanse gehörenden Städte den Hansetag. 
Die wirtschaftliche und politische Macht der Hanse wurde seit dem 15. Jh. zunehmend geschwächt. Neue Produktionszentren, die Zunahme nicht-hansischer Handelstätigkeit, Konkurrenzkampf zwischen Hansestädten und die Erschließung neuer Handelsrouten ließen die Hanse bis zum Ende des 16. Jh.s politisch bedeutungslos werden. Der letzte Hansetag fand 1669 statt.

Literatur K. Wriedt, Hanse, in: LexMA. Bd. 4, München/Zürich 1989, 1922-1926.

 Glossar Hollandgängerei  
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(ml) Vereinzelt sind Arbeitswanderungen aus Nordwestdeutschland in die Niederlande bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen. Doch erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648), nahm der Umfang dieser Form der Saisonarbeitermigration stark zu. Sie bestand bis ins 19. Jh.
Während die häufig mit wenig fruchtbaren Geest-, Moor- und Heidelandschaften ausgestatteten Regionen Nordwestdeutschlands landwirtschaftlich und institutionell rückständig waren und gleichzeitig ein starkes Bevölkerungswachstum erfuhren, erlebten die Niederlande nach dem siegreichen Unabhängigkeitskrieg einen starken wirtschaftlichen Aufschwung, der sich besonders im wohlhabenden und stark urbanisierten Küstenstreifen bemerkbar machte.
Aus Westfalen zogen im Frühjahr vor allem junge Männer nach Holland, um dort im Frühjahr und Sommer Wiesen zu mähen (ab April/Mail) oder Torf zu stechen (ab Ende Juni), und zur Ernte zurückzukehren. Den Hauptstrom der Hollandgänger stellten landarme Kleinstellenbesitzer (Brinkkötter, Anbauern), insbesondere aber landlose Heuerleute, Einlieger- und Mietsleute, usw. Aber auch angesessene (verschuldete) Kleinbauern (Kötter), nichterbbechtigte Söhne von Kleinbauern und sogar Vollbauern befanden sich unter den Hollandgängern, da die Erträge der heimischen Landwirtschaft allein oft nicht ausreichten, um ausreichende Lebensbedingungen im Winter sicherzustellen. Während der Abwesenheit der Hollandgänger erledigten ihre Frauen die anfallenden Frühjahrs- und Sommerarbeiten in der Landwirtschaft bis zur Ernte.
Die harten Arbeitsbedingungen und oft mangelhaften Unterkünfte der Hollandgänger hatten vielfach aber auch Krankheit, körperliche Gebrechen (Arbeitsunfähigkeit) oder Tod zur Folge.

verwandte Themen Unterbäuerliche Schichten im Kapitel Ländliche Gesellschaft

 Glossar Inventur  
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(ml) Mit Inventur bezeichnet man die körperliche Bestandsaufnahme von Vermögen (inklusive Einrichtungsgegenständen und Lagerbeständen) und Schulden einer Körperschaft (Unternehmen, Institution, etc.) zu einem bestimmten Zeitpunkt. Das Ergebnis einer Inventur manifestiert sich im Inventar, dem Verzeichnis aller Schulden und Vermögensgegenstände.

 Glossar Komparativer Vorteil  
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(ml) Das auf das Werk „Principles of Political Economy and Taxation“ (1. Auflage 1817) von David Ricardo (1772-1823) zurückgehende Konzept des komparativen Vorteils lässt sich am Verständlichsten durch ein Beispiel erklären:
Angenommen, die Welt bestehe aus zwei Ländern (Portugal und England), in denen jeweils gleich viele Menschen leben, die mit einem identischen, festgelegten Kontingent an Arbeitsstunden zwei verschiedene Güter (Wein und Tuch) erzeugen. Die Produktivität (das Geschick) bei der Herstellung der Güter sei unterschiedlich zwischen Engländern und Portugiesen verteilt:
Erstere benötigen zur Herstellung einer Einheit Wein 6 Stunden, zur Herstellung einer Einheit Tuch 4 Stunden. Ihre Arbeitsproduktivität ist 0,16 Einheiten Wein pro Stunde bzw. 0,25 Einheiten Tuch pro Stunde. 
Letztere sind in der Lage, eine Einheit Wein in 3 Stunden herzustellen, benötigen aber 5 Stunden pro Einheit Tuch. Ihre Arbeitsproduktivität beträgt 0,33 Einheiten Wein pro Stunde und 0,2 Einheiten Tuch pro Stunde.
Damit kostet in England eine Einheit Wein 6 Arbeitsstunden oder 1,5 Einheiten Tuch. Eine Einheit Tuch kostet 4 Arbeitsstunden oder 0,67 Einheiten Wein.
In Portugal dagegen kostet eine Einheit Wein 3 Arbeitsstunden oder 0,6 Einheiten Tuch, eine Einheit Tuch dagegen 5 Arbeitsstunden oder 1,67 Einheiten Wein.
Damit ist es für die Engländer vorteilhaft, eine Einheit Tuch zu produzieren und sie nach Portugal zu exportieren, wo sie dafür 1,67 Einheiten Wein erhalten (im Gegensatz zu 0,67 Einheiten, die sei erhalten hätten, wenn sie daheim statt einer Einheit Tuch mit demselben Arbeitsaufwand Wein produziert hätten). Umgekehrt können die Portugiesen 1 Einheit Wein in England gegen 1,5 Einheiten Tuch eintauschen (und stellen sich damit deutlich besser, als wenn sie in den verkauften 3 Arbeitsstunden 0,6 Einheiten Tuch selbst produziert hätten).
Es sind also Unterschiede in den relativen Arbeitsproduktivitäten bezüglich der beiden Güter, die den internationalen Handel und die Spezialisierung auf die von ihnen mit höherer Produktivität hergestellten Güter für Engländer wie für Portugiesen lohnend machen. In unserem Beispiel fallen diese relativen Produktivitätsunterschiede allerdings mit absoluten zusammen: die Engländer können pro Stunde mehr Tuch (0,25:0,2), die Portugiesen mehr Wein (0,33:0,16) herstellen. Modifiziert man das Beispiel ein wenig, so sieht man, dass nicht diese absoluten, sondern komparative Produktivitätsvorteile den Handel lohnend machen:
Wir erhöhen (entgegen der historischen Erfahrung) die Produktivität der Portugiesen bei Tuch auf 0,33, so dass sie sowohl Tuch (0,3:0,25 Einheiten pro Stunde) als auch Wein (0,33:0,16) mit höherer Arbeitsproduktivität herstellen können als die Engländer. Dennoch lohnt es sich für sie zu handeln, denn:
Eine Einheit Tuch kostet in Portugal nun 3 Stunden oder 1 Einheit Wein, in England aber weiterhin 4 Arbeitsstunden oder 0,67 Einheiten Wein, während eine Einheit Wein in England weiterhin 1,5 Einheiten Tuch, in Portugal nun aber eine Einheit Tuch kostet. Analog zum obigen Beispiel lohnt sich internationaler Handel also noch immer, wenn sich die Portugiesen auf die Produktion von Wein, den sie pro Einheit in England gegen 1,5 Einheiten Tuch eintauschen können, und die Engländer auf die von Tuch, das sie in Portugal gegen eine Einheit Wein eintauschen können, spezialisieren. Dies ist das Prinzip des komparativen Vorteils, das besagt, dass Handel zu Wohlfahrtsgewinnen führt, wenn sich die beteiligten Länder auf die Produktion derjenigen Güter spezialisieren, die sie mit höherer relativer Arbeitsproduktivität herstellen können, bei deren Produktion sie also über einen komparativen Vorteil verfügen.
Eine alternative Erklärung für komparative Vorteile, die nicht auf unterschiedlichen relativen Arbeitsproduktivitäten, sondern auf unterschiedliche Ausstattung mit Produktionsfaktoren abstellt, geht auf den schwedischen Ökonomen Eli Heckscher (1879-1952) und seinen Schüler Bertil Ohlin (1899-1979) zurück. In ihrer Betrachtung ist die Arbeitsproduktivität in beiden Ländern identisch, so dass keine ricardianischen komparativen Vorteile vorhanden sind. Stattdessen betrachten sie neben Arbeit einen zweiten Produktionsfaktor (Kapital). Die beiden Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital sind zwischen beiden Ländern unterschiedlich verteilt, eines ist kapitalreich, das andere arbeitsreich. Von den beiden betrachteten Güter wird eines mit mehr Kapitaleinsatz, das andere mit mehr Arbeitseinsatz produziert. Das Inland wird dadurch relativ effizienter bei der Produktion des kapitalintensiven Gutes sein, während das Ausland das arbeitsintensive Gut effizienter herstellen kann. Da kapitalintensive Gut ist im Inland und das arbeitsintensive Gut im Ausland relativ günstiger. Bei Aufnahme von internationalem Handel werden nun die ausländischen Nachfrager das kapitalintensive Gut aus dem Inland und die inländischen das arbeitsintensive Gut aus dem Ausland verstärkt nachfragen. Hierdurch kommt es (im Vergleich zur Preisstruktur vor Aufnahme von Handel) 1. zu einem Ansteigen der Exportgüterpreise und 2. zu einem Absinken der Preise der importkonkurrierenden Güter. Ohne an dieser Stelle auf die Einkommensverteilungswirkungen des Handels einzugehen, lässt sich feststellen, dass damit insgesamt der Nutzen der Konsumenten und die Erträge der Produzenten gesteigert werden, die Aufnahme von Handel und die resultierende internationale Arbeitsteilung also zu Wohlfahrtsgewinnen geführt haben.

 Glossar Pestepidemien  
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(tl) Die Pest wurde aus Mittelasien auf die Krim eingeschleppt und 1347 nach Italien weitergetragen. Bis 1353 breitete sie sich bis auf wenige Ausnahmen in allen bewohnten Gebieten westlich des Urals aus (übertragen wurde sie zunächst meist durch den Rattenfloh, nach Ausbrechen der Krankheit auch durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch). Das pandemische Auftreten (d.h. mit zeitlicher und ohne örtliche Begrenzung) der Krankheit war der Hauptunterschied zu vorhergehenden Pestinfektionen (so war z.B. die justinianische Pest im 6. Jh. auf den Mittelmeerraum und die angrenzenden Gebiete beschränkt). Endemisch (d.h. mit örtlicher und ohne zeitliche Begrenzung) blieb die Pest in Europa bis Anfang des 18. Jh.s präsent, in größeren Gebieten (Territorien des Röm.-dt. Reiches, Frankreich) dürfte es nur wenige pestfreie Jahre gegeben haben.
Hauptfolge der wiederkehrenden Infektionswellen war ein extremer Bevölkerungsrückgang (allein in den Jahren 1347–1350 starben zwischen 20 und 60% der Bevölkerung in den von der Pest betroffenen Gebieten), der in der ersten Hälfte des 15. Jh.s einen Höhepunkt erreichte, als die Gesamtbevölkerung unter die Hälfte des Niveaus von 1348 sank. Gegen Ende des 15. Jh.s setzte ein nur in Ausnahmen durch politische Maßnahmen (wie zum Beispiel der Förderung von Wiederverheiratungen) gesteuerter Bevölkerungsanstieg ein, der im 16. Jh. die eingetretenen Verluste wettmachte. Danach hatte die Pest nie wieder eine dermaßen starke, langfristige Auswirkung auf die Gesamtbevölkerungszahl größerer Gebiete (allerdings verursachte die Pestepidemien im Zuge des Dreißigjährigen Krieges 1634-1640 einen temporären Einbruch der Bevölkerungszahl in den mittleren, östlichen und südlichen Territorien des Röm.-dt. Reiches).
Es gab keine gültige medizinische Erklärung der Pest (Robert Koch kam erst Ende des 19. Jh.s zu der Erkenntnis, dass Krankheiten wie die Pest durch bakterielle Infektionen verursacht werden). Isolierungsmaßnahmen (Pesthäuser, Quarantänestationen, Isolierung von kranken oder möglicherweise infizierten Personen in deren Häusern) und Schutzmaßnahmen (Unterbrechung des Handels, vollständige Abschottung betroffener Gebiete von der Außenwelt) sowie Maßnahmen zur Verbesserung der allgemeinen hygienischen Verhältnisse (Entsorgungsvorschriften, Auflagen zur Straßenreinigung, Verbot der Straßentierhaltung) wurden zwar ergriffen, unterschieden sich in ihrer Ausprägung regional jedoch stark (insbesondere waren sie im Süden ausgeprägter als im Norden Europas). Die Bereitschaft, sie zu ergreifen, wurde durch ihre hohen Kosten vermindert. Außerdem beschränkten häufig Ausnahmeregelungen für sozial hochstehende Personengruppen ihre Effizienz. Verschärfungen der Hygiene-Vorschriften wirkten zudem allenfalls langfristig.

Literatur N. Bulst, Pest, in: LexMA, Bd. 6. München/Zürich 1993, 1915-1918; Literatur Ann G. Carmichael, Plague, in: Paul F. Grendler (Hrsg.), Encyclopedia of the Renaissance, Bd. 5. New York 1999, 47-51.

 Glossar Potosí  
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(tl) Gegründet im Jahr 1547, entwickelte sich die Industrie- und Bergbaustadt Potosí zu Spaniens wichtigstem Bezugsort für Silber (so wurde die Inflation im Europa des 16. Jh.s maßgeblich durch Silberzuflüsse aus Potosí verursacht) und wurde zu einer der reichsten Städte der Welt (noch heute sichtbare Zeichen des damaligen Reichtums sind die im 16. Jh. errichtete Universität sowie ein Palast und ein Gerichtshaus aus der gleichen Zeit).
Im 18. Jh. wurde der Silberabbau in Potosí aufgrund ungünstiger Arbeitsbedingungen zu kostspielig. Folge war ein rascher Niedergang der Stadt. Erneute Beachtung erlangte sie im 19. Jh., nachdem man in der Nähe Zinnvorkommen entdeckt hatte.

Literatur Potosí, in: C. Canby, Encyclopedia of Historic Places, Bd. 2. London 1984, 753-754.

 Glossar Preissteigerung (absolut bzw. relativ)  
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(up/mb) Absolute Preissteigerung meint, dass das Preisniveau insgesamt (z.B. ein nach der Bedeutung der einzelnen Güter gewichteter Konsumgüterpreisindex) steigt. In diesem Fall spricht man von Inflation. 
Der Begriff der Veränderung relativer Preise bezieht sich auf Veränderungen im Verhältnis des Preises zweier Güter, z.B. Roggen im Vergleich zu Textilien.
Im Kontext der FNZ ist die Unterscheidung bedeutsam, weil die Forschungsliteratur lange vor allem den Getreidepreis beachtet hat und seine Fluktuationen sowohl mit Argumenten, die vor allem Veränderungen des Preisniveaus bzw. der Inflationsrate erklären können, als auch mit Argumenten, die sich auf die Veränderung relativer Preise beziehen, erklärt hat.

 Glossar Produktionsfaktor  
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(up/mb) Zur Produktion erforderlicher Input. Klassische Produktionsfaktoren sind Boden, Arbeit, Kapital (d.h. vor allem physisches Kapital in der Form von Instrumenten und Maschinen) und natürliche Ressourcen. 

 Glossar Produktionsfunktion  
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(up/mb) Eine Produktionsfunktion stellt den Zusammenhang zwischen der Menge des Einsatzes eines oder mehrerer Produktionsfaktoren (Input) und der produzierten Menge eines Gutes (Output) dar:

P = F (L, K, B)
(P produzierte Gütermenge, F Funktion, L Arbeit, K Kapital, B Boden)

 Glossar Reallohn  
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(up/mb) Der Nominallohn (in Geld ausbezahlter Betrag) dividiert durch den Preisindex der Güter, die mit dem Lohn gekauft werden müssen (Deflator). Der Reallohn kann nur als Veränderung bzw. Index angegeben werden.
In der FNZ kann der Getreidepreis als einfacher, aber angesichts der Tatsache, dass Haushalte der Unterschicht einen überwältigenden Teil ihres Einkommens zum Kauf von Grundnahrungsmitteln verwenden mussten, halbwegs angemessener Deflator des Nominallohns dienen. Diese Größe gibt dann an, wie viele Einheiten (z.B. kg) Getreide mit dem zu einem bestimmten Moment erzielten Lohn gekauft werden können. Allgemein drückt ein Reallohnindex die Veränderung der Kaufkraft eines Lohns über die Zeit hinweg aus.

 Glossar Subsistenz  
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(up/mb) Aufrechterhaltung eines Existenzminimums. Dieses kann man reduktionistisch als physisches Existenzminimum ansehen, bei dem eine ausreichende Zufuhr von Kalorien, Proteinen und Vitaminen erfolgt, damit langfristig keine gesundheitliche Schäden durch Mangelernährung erfolgt. Angesichts der großen Bedeutung der Beschaffung von Grundnahrungsmitteln in der Hauswirtschaft der Unterschichten in der FNZ macht eine derartige Definition in diesem Kontext Sinn. Eine erweiterte Definition bezieht kulturelle Aspekte, im Fall der FNZ ständisch gesetzte Aufwandsnormen (z.B. bezüglich des Konsums von Kleidung und Genussmitteln), in die Festlegung eines sozial akzeptierbaren Existenzminimums mit ein.

 Glossar Subsistenzkrise  
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(up/mb) Klimatisch oder durch Krieg bedingte schlechte Ernte im Agrarsektor, die dazu führt, dass Getreidepreise extrem steigen, Unterernährung weit verbreitet ist und deshalb die Sterblichkeit hoch ist. 
In der FNZ traten Subsistenzkrisen alle paar Jahre ein. 1771/72, 1815/17, 1830/31 und 1846/48 sind die letzten großen Subsistenzkrisen in Westeuropa.

 Glossar Verleger  
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(tl) Im 14. und 15. Jh. war Verleger Bezeichnung für Kaufleute, die im Ausfuhrhandwerk flandrischer und florentinischer Tuchweber oder Lübecker Bernsteindrechsler tätig waren. Dann (15.-18. Jh.) wurde der Begriff auf Personen ausgeweitet, die für einen in seiner eigenen Wohnung oder Werkstatt tätigen Produzenten die Absatzfunktionen (Markterkundung und -erschließung) übernahmen und teilweise auch dessen produktive Selbstständigkeit beschränkten (wenn der betreffende Produzent für nur einen Verleger tätig war). Im letzteren Fall regelte der Verleger die Produktgestaltung nach den Wünschen seiner Abnehmer, überwachte jedoch nicht die Technologie der Erzeugung.
Das Verlagssystem bestand in drei unterschiedlichen Formen:

  1. Lohnsystem: der Verleger lieferte die Materialien und entlohnte den Heimarbeiter nach gelieferter Stückzahl.
  2. Kaufsystem: der Heimarbeiter stellte die Arbeitskraft sowie die benötigten Materialien und Werkzeuge, der Verleger nahm die Ware zu einem von ihm bestimmten Preis ab. Das Kaufsystem war besonders in Sektoren verbreitet, in denen benötigte Vorleistungen gut in bäuerlicher Hauswirtschaft erbracht werden konnten (zum Beispiel Leinwandfabrikation). Regionale Schwerpunkte bildeten Ostwestfalen und Schlesien.
  3. Zwischenmeistersystem: der Verleger lieferte die Materialien und zumeist auch die Werkzeuge; zudem bestimmte er, wie viel produziert wurde; der Zwischenmeister war ein selbstständiger Gewerbetreibender mit eigener Werkstatt, in der die Lohnaufträge von den Angestellten des Zwischenmeisters oder dessen Familienangehörigen erledigt wurden.

In der Form des Lohn- und vor allem des Zwischenmeisterprinzips wurde das Verlagssystem im 18. Jh. in den nördlichen und süd-westlichen Territorien des heiligen römischen Reiches deutscher Nationen, in Sachsen, Thüringen sowie in der nördlichen Schweiz zu einem der wichtigsten Betriebssysteme in der Textil- und Eisenindustrie. Eine Gemeinsamkeit aller drei Erscheinungsformen war, dass sich die verlegten Personen in mehr oder weniger große wirtschaftliche Abhängigkeit ihres Verlegers begaben (insbesondere, wenn sie nur für einen Verleger tätig waren). Für den Verleger hatte das Verlagssystem vor allem zwei Vorteile: den geringen Bedarf an Anlagekapital und die Möglichkeit das Beschäftigungsrisiko vollständig auf die Beschäftigten abzuwälzen.
In den meisten Fällen kamen die Verleger aus Städten (zum Teil sogar aus weit entfernten; zum Beispiel kamen in Schlesien tätige Verleger aus Nürnberg und Hamburg). Sie waren in der Regel Angehörige der städtischen (adeligen aber zunehmend auch bürgerlichen) Oberschichten und entstammten Familien, die schon vor Aufnahme der Verlegertätigkeit im (Fern-)Handel tätig waren. In Baumwolle produzierenden Regionen (Niederschlesien, Nord-Schweiz, Sachsen) gab es auch ländliche Verleger, allerdings meist nur als zusätzliche Instanz zwischen städtischem Verleger und den Produzenten auf dem Land (etwa indem sie den Transport der hergestellten Güter zum Teil übernahmen). Diese Zwischenverleger kamen meist aus im lokalen Einzelhandel tätigen Familien und waren erheblich kleiner als die städtischen Verleger.
Die Produzenten waren in der Mehrzahl auf dem Land beheimatet. Meist waren sie vorher Handwerksgesellen oder selbstständige Handwerksmeister (insbesondere in den westlichen und südlichen Territorien des Röm-dt. Reiches). Insbesondere in Regionen mit Zwischenverlegersystem rekrutierten sie sich auch aus den verwandte Themen ländlichen Unterschichten (Landlose, zum Teil auch Kleinstbauern). Nur die wenigsten der Meister hatten Gesellen oder bezahlte Beschäftigte, daher war bei fast allen Produzenten Heimarbeit unter Einbeziehung der eigenen Familie die Regel.
Das Verlagssystem nivellierte die Unterschiede zwischen Meistern und Gesellen, indem es erstere zu abhängig Beschäftigten „erniedrigte“ und letztere zu selbstständigen Produzenten „beförderte“. Außerdem beförderte es die Verlagerung von handwerklich tätigen Produzenten von der Stadt aufs Land. Damit stand das Verlagssystem in Widerspruch mit der traditionellen Ordnung der städtischen Zünfte und schwächte diese zum Teil erheblich.

Literatur Rainer Gömmel, Die Entwicklung der Wirtschaft im Zeitalter des Merkantilismus (=Enzyklopädie deutscher Geschichte, Bd. 46), München 1998; Literatur Wilfried Reininghaus, Gewerbe in der frühen Neuzeit (=EDG, Bd. 3). München 1990; Literatur R. Sellien/H. Sellien (Hrsg), Gablers Wirtschaftslexikon, Bd. 4. 8. Aufl. Wiesbaden 1971.

 Glossar Wechsel  
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(ml) Ein Wechsel ist eine Schuldurkunde, in der der Aussteller verspricht oder einen Dritten anweist, an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Geldsumme an eine bestimmte Person zu zahlen. 
Wechsel entstanden im Mittelalter zunächst in Oberitalien und boten Händlern die Möglichkeit, Geld risikoloser und bequemer über weite Strecken zu transportieren als in bar. Die Kaufleute zahlten dazu bei einem Geldwechsler einen bestimmten Betrag ein und erhielten eine Urkunde, die die Anweisung an einen bestimmten Geldwechsler der Zielortes enthielt, die angegebene Summe (auch in anderer Währung) auszuzahlen.
Zunehmend dienten Wechsel auch als Kredit- und Zahlungsmittel, bei dem nicht mehr der räumliche Transport von Geld, sondern die intertemporale Komponente im Vordergrund stand.

 Glossar Wucher  
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(ml) Den Mittelpunkt der Wucherlehre bildet das kirchliche Zinsverbot, das bereits seit der Spätantike entstand und zweifache Wurzeln hat: Zum einen lehnen verschiedene Stellen im Alten Testament Kreditverzinsung als Ausbeutung von Bedürftigen ab, zum anderen besteht eine naturrechtliche Tradition seit der Antike, die die Vorstellung, das Tauschmedium Geld könne selbst Früchte (Zins) hervorbringen, als widernatürlich verwarf. Dementsprechend betraf das von den Kirchenvätern gefolgerte Zinsverbot nur den monetären Bereich, d.h. alle über die verliehene Summe hinaus zurückgezahlten Beträge. Pacht-, Leih- und Mietzinsen für fruchttragende Güter (z.B. Böden, Weinberge, etc.) fielen nicht unter das Zinsverbot.
Neben dem im Geldverleih auftretenden Wucher wurde auch derjenige verurteilt, der aus überhöhten Preisen entstand. Dahinter stand ein ebenfalls aus der Antike überliefertes Misstrauen gegen jede Art von Gewinn, der nicht in der Produktion, sondern im Handel erzielt wurde, insbesondere die Vorstellung, jedes Gut könne nur einen „gerechten Preis“ (pretium iustum) haben, von dem abzuweichen Ungerechtigkeit gegen Verkaufenden (Zwang zu zu niedrigem Preis) oder Käufer (zu hoher Preis) implizierte.

Literatur H.-J. Gilomen, Wucher, in: LexMA. Bd. 9, München/Zürich 1998, 342-346.

 

   
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