Einführung in die Frühe Neuzeit  
 
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Theorien der Frühen Neuzeit
Modernisierung - Zivilisierung - Disziplinierung
5. Habitustheorie und Kapitalbegriff (Pierre Bourdieu)

5.4. SOZIALE FELDER

von Reemda Tieben

Die Frage nach der alltagspraktischen Umsetzung des Habitus kann mit Bourdieu mit dem dialektischen Verhältnis zwischen Habitus und sozialem Feld beschrieben werden. B. geht davon aus, dass die internen Habitusstrukturen nur die eine Seite der Praxis ausmachen, die andere Seite stellen die externen, objektiven Strukturen, genauer die Strukturen sozialer Felder dar.

Zwischen „Leib gewordener Geschichte“ (Habitustheorie) und dem Dingcharakter gesellschaftlicher Verhältnisse (Feldtheorie) herrsche ein dialektisches Verhältnis, d.h. als Synthese von Habitus und Feld entstehen die wiederum externen Praxisformen. So kann die Behauptung, dass objektive soziale Strukturen nur mittels leibhaftiger Akteure existieren, ersichtlich werden. Gleichzeitig wird der Habitus, wie wir gesehen haben, durch den Dingcharakter der gesellschaftlichen Verhältnisse geprägt. Das Verhältnis gegenseitiger Einflussnahme, sogar wechselseitiger Bedingung, macht die Dialektik von Habitus und Feld aus.

So sind Felder strukturierte Räume, in denen die Praxis, die vom Habitus hervorgerufen wird, stattfindet. Diese Strukturen sind vom Willen und Bewusstsein der Akteure relativ unabhängig, die, obwohl sie nur durch die Praxis der sozialen Akteure existieren, dennoch ein gewisses Eigenleben haben. Man könnte ein Feld auch als Spiel-Raum bezeichnen, in dessen Autonomie nach gewissen Regeln gespielt wird. Diese Regeln legen nicht die einzelnen Spielzüge fest, sondern das, was im Rahmen des Spiels möglich und was unmöglich ist.

Ein Beispiel für ein solches Feld sei nach B. genannt: ein ausdifferenziertes ökonomisches Feld in kapitalistisch organisierten Gesellschaften, in dem nach den Regeln einer positiven Kosten-Nutzen-Bilanz gespielt wird. Diese feldspezifischen Regeln stellen eine Art von Zwang dar, der sich die Akteure nicht entziehen können, ohne das Spiel zu verlassen. Ein weitere Zwang innerhalb der Felder kommt hinzu: der Zwang, der sich aus der Knappheit der Ressourcen ergibt, die den Akteuren in den Feldern zur Verfügung stehen. Die Verfügungsgewalt über bestimmte Ressourcen, die B. als „Kapital“ (akkumulierte Arbeit) bezeichnet, bestimmt also zusätzlich das Spiel. Nun bedingen sich Feld und Kapital gegenseitig, d.h. das spezifische Feld wird dadurch charakterisiert, dass in ihm hauptsächlich mit einer bestimmten Kapitalform gespielt werden kann. Gleichzeitig bestimmt die Verfügungsgewalt über die entsprechende Sorte von Kapital die Handlungs- und Profitchancen, die ein Akteur auf einem spezifischen Feld hat. So korrespondiert jedem Feld oder Teilfeld die Kapitalsorte, die in ihm als Machtmittel im Einsatz ist.

 

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