Einführung in die Frühe Neuzeit  
 
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Soziale Ordnung
3. Ländliche Gesellschaft
3.5. Sozialstruktur der ländlichen Gesellschaft

3.5.3. UNTERBÄUERLICHE SCHICHTEN

von Reemda Tieben

Die ländliche Bevölkerung teilte sich in der FNZ in „Vollbauern“ und unterbäuerliche Schichten auf. Schon für das hohe Mittelalter lassen sich unterbäuerliche Schichten nachweisen. Nicht das Auftreten der unterbäuerlichen Schichten war demnach für die FNZ kennzeichnend, sondern die Vergrößerung dieser Schicht (Literatur Achilles, Landwirtschaft, 107).

Die unterbäuerlichen Schichten umfassten die Kleinbauern ohne genügend Land für eine ausschließlich agrarische Subsistenz, bloße Hausbesitzer und die land- und hausbesitzlosen Familien. Die „Vollbauern“ konnten demgegenüber ihre Familien allein auf Grundlage der Landwirtschaft ernähren (Literatur Mooser, Ländliche Klassengesellschaft, 22 f.).

Die Lebensgrundlage der ländlichen Unterschichten, die aus Glossar Nachsiedlern hervorgegangen waren, bildete die kleine Acker- oder Viehwirtschaft, oft auf der Basis von gepachtetem Land und der mehr oder weniger legalen Nutzung der Gemeindeländereien. Hinzu kamen ländliches Handwerk und hausgewerbliche Tätigkeit sowie Lohnarbeit in der Landwirtschaft (Literatur Mooser, Ländliche Klassengesellschaft, 23).

Da der substanziellen Intensivierung der Agrarproduktion und der Vermehrung subsistenzsichernder Bauernstellen relativ enge Grenzen gesetzt waren, wurde die ländliche Gesellschaft zu einer stärker sozial differenzierten Gesellschaft. Die durch die Wachstumsdynamik der ländlichen Gesellschaft in der FNZ entstandene Differenzierung entwickelte sich je nach den regional unterschiedlichen Erbgewohnheiten der Besitzenden (idealtypisch: Anerbenrecht oder Realteilung), nach dem Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Markengrund, nach der ländlichen Gemeindepolitik, der Ansiedlungspolitik der Landes- und Grundherren und nach den unterschiedlichen Möglichkeiten zur Gewerbeausübung (Literatur Holenstein, Bauern, 9, 45f.; Literatur Ritter, Nachsiedlerschichten, 95f.). Die Forschung geht davon aus, dass sich z.B. in Räumen mit Anerbenrecht nach dem Mittelalter eine - nicht nur auf sozialökonomischen Grundlagen wie in Realteilungsgebieten, sondern auch auf rechtlichen Grundlagen in den Gemeinden beruhende - Dreischichtung des Landvolkes ausbildete (Literatur Rösener, Bauern, 168; Literatur Ritter, Nachsiedlerschichten,, 95). Für die soziale Differenzierung der ländlichen Bevölkerung spielte also im Anerbengebiet nicht nur der Haus- und Grundbesitz eine Rolle, sondern auch die Berechtigungen innerhalb der gemeindlichen Verbände.

Für das Anerbengebiet Norddeutschlands gilt vermutlich folgende Dreischichtung, welche die Besitz- und Rechtsverhältnisse in der Gemeinde widerspiegelt: 

Es gab zentrale Momente, die Kleinbauern und Landlose bzw. Landarme vereinigten und gemeinsam von den Bauern absetzten. Beide Gruppen mussten durch Erwerbsarbeit für andere ihren Lebensunterhalt verdienen oder wenigstens ergänzen, sie mussten Lebensmittel kaufen oder zumindest zukaufen. Darüber hinaus genossen beide nur mindere Rechte und andere Pflichten in der dörflichen Gemeinde: Sie zahlten oft andere Abgaben, das Weide- und das Schutzgeld, und genossen geringere Allmenderechte als Bauern oder Halbbauern. Existierte eine Gemeindeversammlung, waren sie dort nicht oder nur gesondert vertreten. Außerdem gerieten sowohl Landlose wie auch Kleinbauern häufig in Abhängigkeit von den Vollbauern, von denen sie ein Stück Land pachteten oder für die sie gegen Lohn arbeiteten (Literatur Kocka, Weder Stand noch Klasse, 90).

Vom 16. bis 18. Jh. wuchsen die unterbäuerlichen Schichten im Reich parallel zu den Bevölkerungskonjunkturen an. Für das 17. und 18. Jh. sind zwei Wellen von Bevölkerungskonjunkturen auszumachen: vom Ende des Dreißigjährigen Krieges bis in die letzten Jahrzehnte des 18. Jh. sowie die Bevölkerungsexplosion in der zweiten Hälfte des 18. Jh. (Literatur Mooser, Unterschichten in Deutschland, 319; Literatur Franz, Bauernstand, 215; Literatur Henning, Landwirtschaft, 233; Literatur Literatur Rösener, Bauern, 197f.; Literatur Dipper, Übergangsgesellschaft, 60 f.). 

 

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