Einführung in die Frühe Neuzeit  
 
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Soziale Ordnung
3. Ländliche Gesellschaft

3.1. Forschungskonzepte

3.1.1. DAS FORSCHUNGSKONZEPT DES „KOMMUNALISMUS“ (Peter Blickle)

von Reemda Tieben

Peter Blickle entfachte mit seiner These vom „Kommunalismus“ eine Diskussion um eine Neubewertung vom Bild des deutschen Spätmittelalters und der FNZ, indem er auf die Bedeutung von Stadt- und Landgemeinden als starken dynamischen Faktoren, die die damalige soziale und politische Ordnung beeinflussten, hinwies und die Darstellung von Gemeinden als statischen Größen ohne politisches Gewicht ablehnte. In der Gemeinde hätten seit der Auflösung der Villikationsverfassung Bauern und Bürger eine Plattform für ihre politischen Interessen gefunden, z.B. im Streben nach Landstandschaft oder der Organisation von verwandte Themen Widerstand.

Das Forschungskonzept des „Kommunalismus“ versucht die deutsche Geschichte „von unten“ – also nicht aus der Sicht des Reiches oder der Territorien - zu periodisieren: Die Glossar Epoche von 1300 bis 1800 sei sozial, wirtschaftlich und politisch charakterisiert „durch eine relativ-funktionale Freiheit, eigenverantwortliche Arbeit (in Form des bäuerlichen oder handwerklich-gewerblichen Familienbetriebes) und die politische Berechtigung des Hausvaters. Der institutionelle Rahmen, der dies ermöglicht und sichert, ist die Gemeinde“ (Literatur Blickle, Deutsche Untertanen, 76).

„Kommunalismus“ heißt für Blickle, dass „die Organisation gemeinschaftlicher alltäglicher Belange (ausgedrückt in Satzungshoheit, Administration und Rechtspflege), die Friedewahrung nach innen und außen und die aus beiden resultierenden Rechtsnormen als autochthone Rechte einer Gemeinde von allen Mitgliedern in gleicher Berechtigung und Verpflichtung wahrgenommen werden“ (Literatur Blickle, Kommunalismus, Parlamentarismus, 535). Dementsprechend bezieht sich der Begriff nicht auf jede Gemeindeform, sondern erfasst „politisch verfasste Gemeinden, die über eine Grundausstattung an Satzungs-, Gerichts- und Strafkompetenz verfügen“ (Literatur Blickle, Begriffsbildung, 10). Diese Kompetenzen müssen ihren Niederschlag in Institutionen der ländlichen Gemeinde finden, damit Blickle die politische Organisation und die Handlungen der Bauern als kommunal geprägt anerkennt. Er nennt als Institutionen die Glossar Gemeindeversammlung, eine Glossar kollegial organisierte Verwaltungsbehörde und das Glossar Gericht. Zu den Normen, die in einer kommunal organisierten Gemeinde gegeben sind, zählt Blickle die Glossar Friedewahrung, den Glossar „gemeinen Nutzen“ und die Glossar Hausnotdurft. Wenn diese Normen und Werte massiv bedroht wurden, wehrte sich die kommunal verfasste Gesellschaft, indem sie gegen die Herrschaft, die diese Werte bedrohte, ein „Naturrecht auf Defension“ geltend machte. Die gesellschaftliche Basis des Kommunalismus bildete nach Blickle der Glossar „gemeine Mann“: eine zeitgenössische Terminologie für soziale Gruppen, die durch ihre Nichtzugehörigkeit zur Herrschaft von Adel und Geistlichkeit gekennzeichnet waren. Die Kommunalismusforschung betont die Gleichheit und Glossar Gleichberechtigung der Mitglieder der Gemeinde, die als Bauern und Bürger selbstverantwortete Arbeit leisteten und ihre inneren Angelegenheiten durch Konsens zu regeln versuchten. 

Blickle zieht eine Verbindung zwischen kommunalem Verband und dem „frühen Parlamentarismus“, der verwandte Themen Ständeversammlung. Auf dem kommunalen System ruhe die „kommunale Repräsentation“ der Bürger und Bauern, die eine Alternative zu den mehr oder weniger durch den Adel beherrschten Landtagen darstellten. Durch die Landstandschaft der städtischen und ländlichen Gemeinden würden die „Ständeversammlungen zu Repräsentativkörperschaften“, dann wären 95% der Bevölkerung vertreten. Blickle formuliert folgendermaßen: „Repräsentation, allgemeiner Konsens und Öffentlichkeit halten Einzug in den Territorien, in denen sich der Kommunalismus entwickeln konnte.“ (Literatur Blickle, Kommunalismus, Parlamentarismus, 540).

 

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