Einführung in die Frühe Neuzeit  
 
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Soziale Ordnung
3. Ländliche Gesellschaft
3.5. Sozialstruktur der ländlichen Gesellschaft

3.5.2. HANDWERKER

von Eva-Maria Lerche

Das Glossar Landhandwerk, das von Gewerbeformen wie Verlag und Manufaktur abzugrenzen ist, entwickelte sich aus der bäuerlichen Subsistenzwirtschaft und produzierte für den dörflich-landwirtschaftlichen Bedarf. Agrarische und handwerkliche Tätigkeiten waren eng miteinander verbunden. Kleinbauern, die nicht ausschließlich von der Landwirtschaft leben konnten, arbeiteten nebenberuflich z.B. in der Textilherstellung und -verarbeitung. Ebenso konnten die unterbeschäftigten Landhandwerker ihre Existenz in der Regel nur mit einem Stück Ackerland für die Selbstversorgung sichern. 

Durch das Bevölkerungswachstum seit dem Spätmittelalter wuchs die Schicht der Landbewohner, die ihre Existenz nicht mehr durch die Landwirtschaft sichern konnten und auf andere Erwerbsmöglichkeiten ausweichen mussten. Die damit verbundene Ausbreitung des Landhandwerks variierte allerdings regional und wurde von der vorherrschenden Agrarverfassung beeinflusst. In den dicht besiedelten Gebieten Süd- und Westdeutschlands und der Schweiz begünstigte die grundherrschaftliche Struktur und die Erbrechtssitte eine starke Zunahme des Landhandwerks, sodass es sogar das Stadthandwerk zahlenmäßig übertraf. In den ostelbischen gutsherrschaftlichen Gebieten dagegen blieb die Arbeitsteilung zwischen Stadt(handwerk) und Land(wirtschaft) weitgehend bestehen.

Verwandte Themen: Agrarverfassung und Vererbung

Die häufigsten Handwerker auf dem Land waren Schmiede, Müller, Zimmerleute, Rademacher, Leineweber, Schneider und Schuhmacher. Dagegen spielten die Nahrungsmittelgewerbe (Bäcker und Fleischer) aufgrund des hohen Grades der bäuerlichen Selbstversorgung bis ins 19. Jh. eine untergeordnete Rolle. Außer bei den Müllern dominierte der Einmann-Betrieb. Die geringe Auslastung verhinderte eine Spezialisierung der einzelnen Handwerkszweige. Die für die Landwirtschaft unentbehrlichen Schmiede (Hufeisenfertigung, Radbeschlag, Werkzeugherstellung, Reparaturarbeiten) besaßen von den Dorfhandwerkern das größte soziale Prestige. Leineweber, Schneider und Schuster gehörten häufig zur Landarmut und verfügten nur über ein geringes soziales Ansehen. Die Bezahlung der Handwerksprodukte erfolgte oft in Naturalien oder Arbeitsleistungen. 

Die Landhandwerker entstammten der Landbevölkerung, nur in Einzelfällen ließen sich städtische Handwerker auf dem Land nieder. Anforderungen an ihre Ausbildung waren geringer als in den Städten; es gab sowohl Landmeister und Gesellen mit – teilweise verkürzter – Lehre als auch angelernte und autodidaktische „Pfuscher“. Die geringere Qualität und v.a. der geringere Lohn waren Gründe für die Versuche der Stadtzünfte, gegen die ländliche Konkurrenz z.B. durch Glossar Bannmeilen vorzugehen. 

verwandte Themen: Stadtzünfte

Landzünfte sind bisher – mit Ausnahme der Schweiz (Literatur Dubler, Handwerk) – wenig untersucht. In einigen Regionen bildeten sich einzelne Landzünfte, die aber nicht die Durchsetzungskraft der Stadtzünfte erreichten, andere Regionen blieben zunftfrei. In der Schweiz konnten einige Stadtzünfte z.B. in Zürich die Einzünftung der ländlichen Handwerker durchsetzen und sie damit ihrer Kontrolle unterstellen. 

 

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