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Soziale Ordnung
3. Ländliche Gesellschaft

3.4. FUNKTIONEN DER LANDGEMEINDE

von Reemda Tieben

Mit Landgemeinde bezeichnet man einerseits auf der politisch-rechtlichen Ebene eine politische Körperschaft mit Literatur „öffentlichen Rechten“ und einem abgegrenzten territorialen Gebiet, die in der exklusiven - also nicht für alle Gemeindeeinwohner offenen - Gemeindeversammlung konstituiert wurde. Andererseits kann man mit Landgemeinde auch die Gruppe der in dem Siedlungsbereich lebenden Einwohner, ihr Territorium und ihr alltägliches Leben kennzeichnen. 

Die Hauptfunktionen der politisch-rechtlichen Landgemeinde lassen sich mit den drei Schlagworten Wirtschaft, Politik, Religion beschreiben. Dementsprechend regelt die ländliche Bevölkerung die wirtschaftlichen und die politischen Belange nach innen (innerhalb der Gemeinde) und nach außen (in Bezug auf die Herrschaft) durch die Gemeindeversammlung bzw. Gemeindeämter und -satzungen. Außerdem werden in der Gemeinde die Selbstverwaltungskompetenzen im religiösen Bereich ausgeübt. Hinzu kommen noch weitere Funktionen, die sich nicht auf die politisch-rechtliche Ebene der Gemeinde beziehen, sondern auf das alltägliche Leben: Die Gemeinde stellte einen „Heiratsmarkt“ zur Verfügung, sie bot Geselligkeit und sozial unterschiedlich zusammengesetzte Formen der Gemeinschaft (z.B. unter Hausvätern oder Heranwachsenden), war aber auch eine Konfliktgemeinschaft. Im Folgenden werden aber nur die drei Hauptfunktionen näher beleuchtet.

In der Landgemeinde, meist entstanden im Zuge der Auflösung der Villikationsverfassung, wurde dem Regelungsbedarf der wirtschaftlichen Nutzungsgenossenschaft Genüge getan. Im Verlauf des Spätmittelalters wurden die partikularen grund- und leibherrlichen Bindungen der einzelnen Höfe zunehmend durch die wirtschaftliche Nutzungsgenossenschaft überlagert, so dass v.a. in Dorfsiedlungen eine enge Zusammenarbeit zwischen der ländlichen Bevölkerung zustande kam, die durch die Gemeindeversammlung mit den gemeindlichen Beamten und manchmal per gemeindlicher Satzung geregelt wurden (Literatur Holenstein, Bauern, 13).

Im politischen Bereich existierte die politische Körperschaft der Gemeinde neben den lokalen grund-, gerichts- und ortsherrschaftlichen Instanzen, d.h. sie konkurrierte oder kooperierte mit ihnen. Über eigene Organe und Ämter wurden Selbstverwaltungskompetenzen und politische Funktionen ausgeübt, Normen und Satzungen erlassen sowie eine Sanktions- und Zwangsgewalt gegenüber den Gemeindeeinwohnern ausgeübt (Literatur Holenstein, Bauern, 14).

In Bezug auf den politisch-rechtlichen Begriff von Gemeinde kann man davon sprechen, dass auch im religiösen Bereich Selbstverwaltungskompetenzen der Kirchengemeinde v.a. durch die Institution der Kirchenpflegschaft ausgeübt wurden. Durch die Kirchenpflegschaft wurde das Einkommen und Vermögen der lokalen Kirche verwaltet. Bezieht man sich auf einen Begriff von Gemeinde, der das alltägliche Leben in der Gemeinschaft beleuchtet, so ist darauf hinzuweisen, dass die Kirchengemeinde eine Kult- oder Sakralgemeinschaft bildete. Religion, Kirche und ihre Riten strukturierten das Weltbild der ländlichen Gesellschaft in der Kirchengemeinde. 

3.4.1. Gemeinde als Wirtschaftseinheit

3.4.2. Gemeinde als politisch-rechtlicher Verband

3.4.3. Gemeinde als Kirchengemeinde/Kultverband

3.4.4. Regionale Differenzierung der Gemeindeformen

 

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