Einführung in die Frühe Neuzeit  
 
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Soziale Ordnung
3. Ländliche Gesellschaft
3.6. Bäuerlicher Widerstand gegenüber der Herrschaft

3.6.5. FOLGEN VON WIDERSTAND

von Reemda Tieben

Bis zu den 70er Jahre des 20. Jh.s waren Historiker davon überzeugt, dass der Bauernstand für den historischen Prozess nichts oder wenig geleistet hatte. Nun betont man jedoch, dass sich durch bäuerlichen Widerstand die Agrarverfassung und die Territorialverfassung der betroffenen Gebiete veränderte. Diese Veränderungen führten entweder zu einer Stärkung oder einer Schwächung der herrschaftlichen Position und damit auch der Position der beherrschten Bauern. Winfried Schulze machte auf die Ambivalenz von fortschreitender Kontrolle und Kriminalisierung von Widerstand durch die Herrschaft einerseits und steigender Sensibilisierung derselben für den Zusammenhang von „Unterdrückung und Misswirtschaft und Widerstand“ andererseits hingewiesen. Er sieht demnach bäuerlichen Widerstand als einen „regulativen Faktor adliger und staatlicher Herrschaft“ und als einen „Impuls zur Rationalisierung von Herrschaft“ (Literatur Schulze, Wirkungen, 268ff., 274ff., 284f.). Nach Schulze wird durch die Widerstände der Bauern eine „Verrechtlichung sozialer Konflikte“ durch die Herrschaft eingeleitet. Verträge, Urteils- und Schiedssprüche, die Konflikte beenden und die strittigen Punkte in rechtlicher Form zum Ausgleich bringen konnten, berührten außerdem die Rechtsstellung der Bauern, die Rechtsformen der verliehenen Güter, das Gerichtsverfassungsrecht und die Kompetenzen der Gemeinden bzw. Genossenschaften. Wenn auch die Erfolge der Bauern hinter ihren Zielen zurückblieben, so ist doch festzuhalten, dass durch Rebellionen erheblicher Einfluss auf territoriale und grundherrschaftliche Politik genommen werden konnte (Literatur Blickle, Modell bäuerlicher Rebellion, 306-308).

Die Folgen bäuerlichen Widerstandes beschränkten sich allerdings nicht nur auf das Territorium oder den engeren grundherrschaftlichen politischen Verband, in dem der Bauer lebte. Aufgrund widerständigen Handelns wurde z.B. auch langfristiger Einfluss auf die politische Kultur frühneuzeitlicher Territorien und die Genese einer politischen Öffentlichkeit ausgeübt (Literatur Suter, Regionale politische Kulturen; Literatur Gabel, Schulze, Peasant Resistance; Literatur Gabel, Widerstand und Kooperation; Literatur Würgler, Modernisierungspotential; Literatur Würgler, Unruhen und Öffentlichkeit).

 

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