Einführung in die Frühe Neuzeit  
 
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Soziale Ordnung
3. Ländliche Gesellschaft
3.4. Funktionen der Landgemeinde

3.4.4. REGIONALE DIFFERENZIERUNG DER GEMEINDEFORMEN

von Reemda Tieben

Die Intensität, politische Kraft und funktionale Zusammenarbeit der Gemeindeorganisation war abhängig von mehrere Faktoren. Dazu gehören

Im Folgenden soll exemplarisch eine regionale Differenzierung der Gemeindeformen entlang der Siedlungsformen vorgenommen werden, wobei zu beachten ist, dass jeweils andere Kriterien für eine Einschätzung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, des Zusammenhalts und der politischen Kraft von Gemeinde zumindest berücksichtigt werden müssen, wenn nicht sogar teilweise ausschlaggebender sind.

Am stärksten war die wirtschaftliche Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinde „in Gebieten mit geschlossener Dorfsiedlung, wo der Ackerbau in Dreizelgenbrachwirtschaft betrieben wurde; dort war es wegen der Nachbarschaft der Hofstätten und der Gemengelage der Parzellen in der Flur erforderlich, das dörfliche Zusammenleben, die Anbauordnung und die Flurnutzung verbindlich zu regeln” (Literatur Holenstein, Bauern, 13). Heide Wunder spricht davon, dass das Dorf einen Typus ländlicher Siedlung bildete, „in dem lokaler Siedlungsverband mit dem sozialen Verband (Nachbarschaft), dem wirtschaftlichen Verband (Flurgenossenschaft), dem politischen Verband (Gemeinde) und vielfach dem kultischen Verband (Pfarrei) zusammenfiel” (Literatur Wunder, Dorf, 71).

In Gebieten mit vorherrschender Einzelhof-, Weiler- oder Streusiedlung entwickelten sich andere korporativ-kommunale Organisationsformen, die laut André Holenstein meist durch eine geringere funktionale Verdichtung gekennzeichnet waren (Literatur Holenstein, Bauern, 14).

Außerdem verteilten sich die verschiedenen Regelungs- und Kompetenzbereiche auf mehrere Ebenen der Gemeindeorganisation (Literatur Holenstein, Bauern, Bauern, 14): Im oberdeutsch-schweizerischen Raum findet man in der FNZ unter den genossenschaftlich-kommunalen Organisationsformen die Bauernschaften als lokale Nutzungsverbände in Weilersiedlungen, die siedlungsübergreifenden, die Grundlage der Gerichtsverfassung bildenden Gerichtsgemeinden (Tirol, Vorarlberg, Graubünden) und Talgemeinden (inner- und westschweizerischer Alpenraum, Schwarzwald).

In Norddeutschland war die Gemeindeform des Kirchspiels nicht an Dorfsiedlungen gebunden. In Dithmarschen und Ostfriesland nahmen sie Aufgaben in der Rechtsprechung, im Deichbau und in der inneren Verwaltung wahr; in Ostfriesland bildeten sie auch die Basis bäuerlicher Repräsentation auf Landtagen. Wirtschaftliche Fragen wurden in Norddeutschland meist auf der unteren Ebene der aus Einzelhöfen und Siedlungsgruppen zusammengesetzen Bauernschaften entschieden. Dörfer fand man eher in der Lößbörde Niedersachsens und auf der schleswig-holsteinischen und niedersächsischen Geest (Literatur Holenstein, Bauern, 14). 

 

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