Einführung in die Frühe Neuzeit  
 
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Soziale Ordnung
3. Ländliche Gesellschaft

3.3. BAUERN UND HERRSCHAFT

von Antje Flüchter

Der Begriff „Herrschaft“ ist problematisch und in den letzten Jahren zunehmend in Kritik geraten (vgl. z.B. Literatur Landwehr, „Normdurchsetzung; Literatur Rublack, Staatlichkeit; Literatur Weber, Sozialdisziplinierung, bereits früh: Literatur Brunner, Land). Grund dafür ist vor allem, dass „Herrschaft“ lange in der historischen Forschung rein binär verstanden wurde, also als System, das nur ein oben und ein unten, einen Befehlsgeber und einen Befehlsempfänger beinhaltete ( Herrschaftsdefinition von Max Weber). 

Die neuere Forschung betont demgegenüber, dass Strukturen von „Herrschaft“ und „Macht“ Teil jeder Interaktion sind; oft wird deshalb das Bild des Kräftefelds benutzt (Literatur Lüdtke, Herrschaft; auch Machtbegriff bei Foucault). Das bedeutet auch, dass „Herrschaft“ in jeder Interaktion aktualisiert wird, aber auch verändert werden kann.

Diese allgemeinen Reflexionen betreffen auch die ländliche Gesellschaft: Die Gemeinde als Ganzes übte „Herrschaft“ aus, dies tat auch der einzelne Hausvater auf seinem Hof, aber auch andere Gruppe in verschiedenen Kontexten (z.B. soziale Kontrolle). 

In diesem Unterkapitel soll es um die „Herrschaft über die ländliche Bevölkerung“ gehen. Damit wird nicht ausgeschlossen, dass auch diese Herrschaft nur durch die Kooperation mit der ländlichen Bevölkerung funktionierte und die Gemeinden auch selbst an der Herrschaft beteiligt war (verwandte Themen Gemeinde als politisch-rechtlicher Verband). Der Schwerpunkt hier liegt aber auf dem obrigkeitlichen Herrschaftshandeln. 

„Herrschaft“ in diesem Zusammenhang bedeutete für die ländliche Bevölkerung vor allem ein ökonomisches, rechtliches und politisches Abhängigkeits- und auch Gewaltverhältnis. Dabei stellten die Bauern das schwächste Glied in dem Dreiecksverhältnis Bauer – Grundherr – Landesherrschaft dar. Veränderten sich hier die rechtlichen oder ökonomischen Rahmenbedingungen, traf es meist die ländliche Bevölkerung am härtesten (Literatur Schilling, Aufbruch, 141).

Dementsprechend sind zwei obrigkeitliche Herrschaftsformen zu unterscheiden:

Dabei ist eine Gewichtsverschiebung im Laufe der FNZ zu bemerken: Die territoriale Herrschaft drang in vielen Territorien des Reiches immer stärker bis in die ländliche Gesellschaft vor (zwei Schübe: 1. Konfessionalisierung, 2. Staatliche Wirtschaftslenkung und Rechtsvereinigung seit 17. Jh.) und trat damit in Konkurrenz zu den Grundherren, die den Bauern direkt übergeordnet waren.

 

3.3.1. Agrarverfassung und Vererbung

3.3.2. Territorialstaat und ländliche Gesellschaft

 

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