Einführung in die Frühe Neuzeit  
 
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Soziale Ordnung
3. Ländliche Gesellschaft
3.5. Sozialstruktur der ländlichen Gesellschaft

3.5.1. BAUERN

von Eva-Maria Lerche

Der Begriff „Bauer“ bezeichnet innerhalb der Dorfgemeinde den Besitzer eines Hofes oder zumindest einer Hofstelle, der ausschließlich von seiner landwirtschaftlichen Arbeit lebt. Daneben wurde der Begriff – in Abgrenzung zum Adel und Bürgertum – allgemein für die ländliche Bevölkerung verwendet. Nur ein kleiner Teil der Dorfbewohner waren Vollbauern, d.h. Besitzer eines Hofes, während der größere Teil der Dorfgemeinde aus Kleinbauern, Tagelöhnern, Landhandwerkern etc. bestand. Im Laufe der FNZ sank der Anteil der Vollbauern weiter.

Die bäuerliche Bevölkerung unterlag meist einer Vielzahl ineinander verschachtelter Herrschaftsverhältnisse und war mindestens dem Landesherrn zu Steuern, oft auch einem Grundherrn zu Abgaben und Diensten verpflichtet. Der Grad der Abhängigkeit (Besitzrecht, persönliche Freiheiten wie Freizügigkeit und Heirat etc.) unterschied sich allerdings regional und nach der vorherrschenden Agrarverfassung, wobei die Grundherrschaft eine größere Eigenständigkeit als die ostelbische Gutsherrschaft bot. In einigen Regionen, z.B. Ostfriesland, gab es auch von der Grundherrschaft freie Bauern mit eigenem Landbesitz.

Innerhalb des Dorfes hatten die Bauern einen hohen sozialen Status und bildeten die soziale und politische Dorfehrbarkeit. An der Gemeindeversammlung als politischem Organ nahmen nur die männlichen Hofbesitzer teil. Trotz des Prinzips der Selbstversorgung war der bäuerliche Haushalt eingebunden in eine Nachbarschafts- und Dorfgemeinde, die sowohl den Arbeitsablauf als auch das soziale Leben regelte und das Überleben sicherte. In Bezug auf die Arbeit zählt hierzu z.B. die Abstimmung der Feldarbeit, das gemeinsame Hüten des Viehs oder die Instandhaltung der Zäune. 

Die bäuerliche Familie stellte eine grundlegende wirtschaftliche und soziale Einheit dar (verwandte Themen „Ganzes Haus“). Als „Arbeitspaar“ leiteten der Bauer und die Bäuerin die Familienwirtschaft, in der auch die Frau eine zentrale Stellung innehatte (verwandte Themen geschlechtsspezifische Arbeitsteilung). Die Kernfamilie bestand aus dem Besitzerpaar und dessen Kindern. Zur Hausgemeinschaft zählten daneben auch – soweit vorhanden – unverheiratete Knechte und Mägde, die dem Hausvater bzw. der Hausmutter unterstanden. Eine Mehrgenerationenfamilie war nicht die Regel: Die Großeltern zogen mit der Hofübergabe – sofern sie noch lebten – auf das so genannte Glossar Altenteil, dessen Ausstattung allerdings von der wirtschaftlichen Lage des Hofes abhing.

Die Vererbung des Hofes erfolgte regional nach unterschiedlichen Regeln. Während im Süden und Südwesten des Reichsgebietes Realteilung vorherrschte, überwog im Norden, Nordosten und Südosten das Anerbenrecht. Allerdings existierten keine einheitlichen „Erbrechtslandschaften“ (Literatur Holenstein, Bauern, 12), selbst innerhalb von Dörfern wurden unterschiedliche Sitten praktiziert. Die geschlossene Vererbung förderte Besitzkonzentration und ständische Abschließung der Großbauern.

Zu dem Hof im engeren Sinne zählten das Bauernhaus, die Hofstatt und der Garten, hinzu kam die Flur aus Äckern, Wiesen, Weiden und Wald. Die bäuerlichen Arbeiten umfassten neben Feldbestellung und Viehhaltung umfangreiche Hausarbeiten wie die Verarbeitung von Lebensmitteln (Milch, Fleisch, Feldfrüchte), die Herstellung und Reparatur von Kleidung, Werkzeug etc. Dabei bestand in vielen Bereichen eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung. Die auf Subsistenz ausgerichtete Produktion erfolgte für den Eigenbedarf, nur Überschüsse wurden auf dem Markt verkauft oder gegen andere Produkte z.B. der Landhandwerker getauscht. 

 

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