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3. Ländliche Gesellschaft
 
Glossar

 Glossar Allmende  
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(el) Allmende bezeichnet Land, das sich in Gemeindeeigentum von Städten und Dörfern befand und von den Gemeindemitgliedern genutzt wurde. Die Allmende, das „allen zustehende Land“, bestand aus Weiden (v.a. in den Gebirgsgegenden), Ackerland (v.a. in der Ebene), Wald (Brennholz, Bauholz, Viehstreu, Waldfrüchte), Gewässern sowie aus Steinbrüchen, Sand- und Lehmgruben.
Bis ins 10. Jh. lässt sich die Allmende zurückverfolgen, bis ins HochMA umfasste sie auch Jagd- und Fischereirechte. 
Nutzungsberechtigt waren die Vollmitglieder der Gemeinde; in der Regel war das Nutzungsrecht an den Besitz einer Hufe, eines Bauernhofes oder zumindest einer Herdstelle gebunden. Streit um die Nutzgrenzen und um die Nutzungsdichte z.B. bei Weideland war gerade in Zeiten des schnellen Bevölkerungswachstums Anlass für Gerichtsprozesse. Versuche, neu Zugezogenen die Allmenderechte zu verweigern, führten zu sozialen Kämpfen, die schließlich auch einer der Auslöser für die Abschaffung der Allmende waren.

Literatur E. Sachers, Allmende, in: HRG, 108-120; L. Carlen, Allmende, in: LexMA, 439-440.

 Glossar Altenteil  
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(ms) Das Altenteil stellt eine vertragliche Regelung zwischen dem vererbenden Bauernpaar bzw. dem überlebenden Elternteil und dem Erben dar, die mündlich oder auch schriftlich getroffen wird. Sie beinhaltet mitunter sehr detaillierte Absprachen über die Versorgung mit Nahrung, Anteil an der Viehwirtschaft, Dienstleistungen sowie Zusicherung von Wohnraum. Eine Altenteil-Regelung war nur im Falle der Übergabe der Hofstelle bei mindestens noch einem lebenden Elternteil nötig (Vererbung inter vivos) und setzte eine gewisse Wirtschaftskraft des Hofes voraus.

 Glossar Aussaat  
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(el) Das Säen erfolgte über Jahrhunderte von Hand; Vorläufer von Sämaschinen gab es 1663 in Spanien und 1670 in England sowie 1758/59 auf einem Gut in der Westlausitz. Diese bewährten sich jedoch nicht gegenüber der Handaussaat. Erst die von James Cooke 1783 entwickelte Sämaschine hatte Zukunft, ihr hoher Preis verhinderte aber den Einzug in die bäuerliche Wirtschaft Deutschlands.

 Glossar Bannmeile  
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(el) Städtische Zünfte konnten bei ausreichendem Einfluss obrigkeitliche Verordnungen bewirken, nach denen sich im Umkreis der Stadt (½ - 2 Meilen) keine Landhandwerker niederlassen durften. Dies galt allerdings nur teilweise für die Handwerke der Grundversorgung. In Schleswig und Holstein z.B. war nach einer königlichen Konstitution von 1711 innerhalb der städtischen Bannmeilen in jedem Kirchspiel ein Rademacher, Grobschmied, Bauernschneider und Schuster erlaubt. Im Fürstbistum Göttingen dagegen durften nach einem Landtagsabschied von 1601 innerhalb der Bannmeile keine Handwerker ansässig sein.

 Glossar Bauern  
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(rt) Die Bauern (Glossar regional unterschiedliche Bezeichnungen der Bauern) mit einer zur Subsistenz ausreichenden Landwirtschaft bildeten die älteste Siedlungsschicht und waren vollberechtigte Gemeindemitglieder. Sie hatten das Recht, die Gemeinheit zu nutzen (Literatur Ritter, Nachsiedlerschichten, 94).

 Glossar Bezahlte Bedienstete  
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(af) Zu den bezahlten Bediensteten einer ländlichen Gemeinde gehörte der Hirte, ein Büttel (Erledigung von Botengängen, Schuldeintreibungen, Haussuchungen), der Flurschütz, der Holzknecht, der Feuermeister, der Brunnenwärter etc. Diese Beamten wurden für jeweils ein Jahr bestellt. Daneben gab es auch nur zeitweise eingestellte Bedienstete.

 Glossar Beetpflug  
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Richtung der Furchen

(el) Mit dem Pflug wird der Boden erst senkrecht (mit Sech), dann waagerecht (mit Schar) geschnitten, um dann mit dem Streichbrett/-blech nach einer Seite gewendet zu werden. Mit dem Beetpflug ließ sich die Scholle nur zu einer Seite wenden. D.h. man konnte den Acker nur in eine Richtung pflügen und nicht neben der bereits gezogenen Furche zurückackern. Hier behalf man sich, indem man den Acker z.B. von außen nach innen pflügte.

 Glossar Carolina  
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(af) Constitutio Criminalis Carolina, auch Peinliche Gerichtsordnung: Erster Versuch eines allgemeinen deutschen Strafgesetzbuch, von Karl V. auf dem Reichstag zu Regensburg 1532 zum Reichsgesetz erhoben. Sie spiegelt den Umbruch vom Mittelalter zur Neuzeit im Rechtsbereich wider und steht unter dem Eindruck der Rezeption der römisch-italienischen Strafrechtslehre: z.B. endgültige Bestätigung des Offizial- und Inquisitionsprinzip (Strafrechtspflege als staatliche Aufgabe), Einführung der Lehre vom gesetzlichen Beweis nach der Theorie des italienisch-kanonischen Prozesses, die Anwendung der Folter nach genauen gesetzlichen Bestimmungen (Indizienlehre).
Die Carolina besaß allerdings gegenüber den einzelnen Landesrechten nur subsidiäre Geltung. Auf ihrer Grundlage entwickelte sich aber in den folgenden Jahrhunderten ein allgemeines deutsches Strafrecht.

 Glossar Chronologie der Dorfordnungen  
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nach: Literatur Reinheimer, Dorfordnungen, Bd.1.
Wie sich diese Entwicklung regional gestaltete, hing von vielfältigen Faktoren ab, wie der Etablierung der landesherrlichen Staatlichkeit bzw. der Intensität der Adelsherrschaft, vgl. Literatur Willoweit, Verfassungsgeschichte, 175.

 Glossar Dörfliche Gerichtsbarkeit  
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(af) „Das Bild dörflicher Gerichtsbarkeit ist insgesamt ziemlich diffus.“ (Literatur Schildt, Bauer, 129) Die Dorfgerichte waren regional verschieden zusammengesetzt, ebenso unterschieden sich ihre Kompetenzen. Sie unterstanden meist dem örtlichen Gerichtsherren und wurden vom Ortsvorsteher geleitet. Die Urteiler oder Schöffen entsprachen oft den Mitgliedern der gemeindlichen Kollektivorgane, konnten aber auch herrschaftlich eingesetzt werden. 
Die Zuständigkeit der Dorfgerichte war vielfältig: Neben der niederen Gerichtsbarkeit, der Ahndung von Verstößen gegen die Dorfordnung, der Regelung von Nachbarschaftsstreitigkeiten übernahmen sie auch verwaltungsrechtliche Aufgaben (z.B. Ausstellung von Kaufverträgen, Beurkundungen von Geburten, Heiraten und Sterbefällen). Es gab neben diesen dörflichen Gerichte solche, denen der Grund- und Gerichtsherr selbst oder sein Vogt vorstand. Diese Gerichte hatten umfangreichere Zuständigkeiten, z.T. sogar die Bluts- und Halsgerichtsbarkeit.
Die Strafen der dörflichen Gerichte reichten von einfachen Bußen über Ehrenstrafen, dem Entzug an gemeindeeigenen Ressourcen (z.B. Ausschluss von Wasser und Weide) bis hin zum Ausschluss aus der Gemeinde.

 Glossar Eigenkirche  
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(af) Begriff nach Stutz, Eigenkirche: ein Gotteshaus, das dem Eigentümer in vermögensrechtlicher Beziehung unterstand und über das er auch die volle geistliche Leitungsgewalt beanspruchte, sie also der bischöflichen Kontrolle entzogen war. Diese Pfarrgemeinden beruhten auf ursprünglich grundherrlichen, also laikalen Kirchengründungen. Eigenkirchen waren typisch für die frühmittelalterliche Grundherrschaft. Von diesen Rechten blieb im Spätmittelalter und der FNZ vor allem das Patronatsrecht.

 Glossar Epoche von 1300 bis 1800  
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(rt) Das Kommunalismuskonzept versteht die gesellschaftlich-politische Entwicklung zwischen 1300 und 1550 als dynamischen Prozess, der geprägt ist durch einen von den Land- und Stadtgemeinden getragenen politischen Emanzipationsprozess zur Beseitigung des Feudalismus. Dieser Prozess musste zwangsläufig mit den Feudalgewalten kollidieren, die Gemeinden intensivierten ihren Widerstand im 15. und 16. Jh., scheiterten nach Blickle aber zuletzt mit der Niederlage im Bauernkrieg 1525. Darauf folgte eine Phase der politischen Entmündigung von 1550 bis 1800.

 Glossar Feudalrente  
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(ms) Unter Feudalrente ist die Aneignung bäuerlicher Mehrarbeit durch die örtlichen Herrschaftsträger und Grundherren in Form von Abgaben und Diensten zu verstehen. Die Abschöpfung der bäuerlichen Leistungen konnte im Wesentlichen auf dreierlei, teilweise kombinierte Arten erfolgen :

Die Legitimation solcher Abgabenforderungen konnte auf unterschiedlichen Herrschaftsbeziehungen beruhen.

 Glossar Forschungsüberblick  
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(rt) Erst nachdem in der ehemaligen DDR und den Ländern Ostmitteleuropas die Erforschung von bäuerlichen Aufständen auf der Grundlage der marxistischen Kategorie des Klassenkampfes schon etabliert war, und man sich auch in Frankreich im Zuge der Absolutismusforschung mit Bauernrevolten auseinandersetzte, wurde auch in der BRD systematisch nach den Ursachen, dem Ausmaß, den Verlaufsformen und den politischen Rhetoriken von Bauernaufständen auch nach dem Bauernkrieg von 1525 gefragt.
Profitieren kann die bäuerliche Widerstandsforschung von der Delinquenzforschung bzw. Kriminalitätsgeschichte (Literatur Schwerhoff, Aktenkundig und gerichtsnotorisch), besonders wenn wechselseitige Beziehungen zwischen einerseits innergemeindlichen Spannungen und Konflikten und andererseits Differenzen zwischen Obrigkeit und Untertanen zutage traten. Aber auch das gemeinsame Nachdenken über Krisenerfahrung und Konfliktlösungsmöglichkeiten, über die „Verrechtlichung sozialer Konflikte“ (Literatur Schulze, Bäuerlicher Widerstand, 76ff.; Literatur Schulze, „Rechte der Menschheit“, 45ff.) und den Umgang mit gesellschaftlichen Normen kann zu einer fruchtbaren Verbindung führen (Literatur Häberlein, Devianz, Widerstand).

 Glossar Friedewahrung  
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(rt) Friedewahrung sei nach Blickle eine leitende Kategorie für kommunale Ordnungen. Laut Blickle haben wir es mit der Forderung nach Frieden, nicht mit einer Banalität zu tun, die zu einer Norm stilisiert würde, denn nur über die Gemeinden wurde allmählich Frieden in Gemeinwesen hergestellt. Sie verdrängten die Fehde und mindere Formen der Gewalttätigkeit.

 Glossar Gemeindehaushalt  
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(af) Die ländliche Gemeinde verfügt als eigene Rechtskörperschaft über eigenes Vermögen: z.B. Gemeindewald, Gemeindegebäude, Einkommen durch Einzugsgeld neuer Gemeindebürger, Bußen, Kreditgeschäfte etc.

 Glossar Gemeindeversammlung  
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(af) = zentrales Organ der bäuerlichen Selbstverwaltung. Sie trat mehrmals im Jahr zusammen. Die Teilnahme war für alle Gemeindemitglieder verpflichtend. Die Einberufung erfolgte oft durch ein einfaches Läuten der Glocken. Alle Gemeindemitglieder hatten Rede- und Stimmrecht. Die Gemeindeversammlung endete mit der so genannten Gemeindezeche. Diese hatte eine kommunikativ-soziale und friedensstiftende Funktion, z.B. wurden Rechtsbrecher auf diese Weise wieder in die Gemeinde integriert (Literatur Wunder, Strukturprinzip, 392).
Aufgaben der Gemeindeversammlung:

Die Gemeindeversammlung war nur in Ausnahmefällen völlig frei von herrschaftlichem Einfluss. Vor allem im süddeutschen Raum musste die Herrschaft über Ort, Zeit und zu verhandelnde Gegenstände unterrichtet werden. Dies verstärkte sich, im 18. Jh. konnten Gemeinden kaum noch autonom solche Versammlungen ansetzen. Einzelne Punkte, wie z.B. die Erneuerung einer Dorfordnung, fand in Anwesenheit des Herren oder eines Vertreters statt.

 Glossar Gemeiner Nutzen  
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(rt) Ein weiterer Wert von Gemeinden sei laut Blickle der „gemeine Nutzen“, der oft genug zur Legitimation von Dorfordnungen bemüht wurde. Rechtsetzung sei auf dem Lande (und in der Stadt) viel enger mit dem „gemeinen Nutzen“ verknüpft als im Reich und in den Territorien. Er entwickelte eine „ideologische Sprengkraft“, weil der private Nutzen der Herrschaft sich an dem Nutzen der Gesamtheit, der Gemeinde messen lassen musste, so dass der „gemeine Nutzen“ zum Leitbegriff gegen feudale Herrschaft avancierte.

 Glossar „Gemeiner Mann“  
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(rt) Wer nun fand in der institutionell kommunalistisch geprägten Gemeinde seine politische Organisationsform? Blickle spricht mit der zeitgenössischen Terminologie von dem „gemeinen Mann“, der durch seine Nichtzugehörigkeit zu den Herrenständen Adel und Geistlichkeit charakterisiert wurde. Er schließt sich damit der Kategorisierung der Ständelehre an und benennt mit diesem Begriff die nicht an der Herrschaft beteiligten sozialen Gruppen im altständischen System. Dieser dritte Stand ist nach Blickle aber nicht der ganze Rest der Gesellschaft in seiner Abgrenzung zu den Herrenständen, sondern die unterständischen oder randständischen Gruppen werden von Blickle ausgeschlossen. Nur der „gemeine Mann“, der über seine eigenverantwortliche, „ordentliche und regelmäßige“ Arbeit definiert wurde und einen Hof auf dem Siedlungsgebiet der ländlichen Gemeinde besaß, wurde zu diesem Stand gezählt. Der „gemeine Mann“ war der Hausvater. Um eindeutig dem „gemeinen Mann“ die Gemeinde als seine originäre Organisationseinheit zuzuschreiben, wäre es nach Blickle verführerisch, den „gemeinen Mann“ mit dem Mitglied der Gemeinde gleichzusetzen. Er merkt jedoch an, dass auch Nichtmitglieder, die auf dem Siedlungsgebiet der Gemeinde wohnten, als „gemeine Männer“ gelten konnten und demnach in der Gemeinde auch ihre politische Organisationsform finden konnten.

 Glossar Gericht  
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(rt) Nach Blickle verfügte eine Gemeinde über ein Gericht, das durch die Untrennbarkeit von Rechtspflege und Verwaltung geprägt sein konnte, d.h. die kollegial organisierten Verwaltungsbehörden übernahmen oft die Rechtspflege. In anderen Fällen wurden die Mitglieder des Gerichts von der Gemeinde gewählt, vorgeschlagen oder aus der Gemeinde von den Richtern selbst hinzugewählt, gelegentlich auch durch die Obrigkeit bestimmt. Das Gericht war nach Blickle von den kommunalen Institutionen am ehesten herrschaftlich geprägt, die Rechtsgegenstände, die vor ihm verhandelt wurden und gegen die statuarisch festgelegten Normen der Gemeindeversammlung oder der kollegial organisierten Verwaltungsbehörde verstießen, machten es allerdings auch zu einer kommunalen Einrichtung.

 Glossar Gerichtsbarkeit, höhere und niedere  
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(af) In der Rechtsgeschichte wird zwischen hoher und niederer Gerichtsbarkeit unterschieden.
Die niedere Gerichtsbarkeit befasste sich mit minderen Rechtsstreitigkeiten und leichten Straftaten, sie verhängte Buß-, Geld-, Ehren und leichtere körperliche Strafen (Strafen zu Haut und Haaren). 
Die höhere Gerichtsbarkeit (auch Blut-, Hals, Malefiz-, Obergericht) befasste sich dagegen mit Kapitalverbrechen bei den Leib- und Lebensstrafen verhängt wurden. Sie unterstand meist dem Landes- oder Gerichtsherr.

 Glossar Gleichberechtigung  
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(rt) Während die feudale Ordnung grundsätzlich auf vertikalen Abhängigkeiten und Herrschaftsbeziehungen von Lehnsherrn und Lehensmann, Grundherrn und Grundholden, Leibherren und Eigenmann beruhe, wird Gemeinde durch Peter Blickle als alternatives Prinzip sozialer Organisation definiert, das nach dem Prinzip der Gleichberechtigung und Solidarität strukturiert sei. Damit stehe der Kommunalismus dem Feudalismus in einem antagonistischen Verhältnis gegenüber.

 Glossar Grenzprodukt  
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(mb) Ertrag, den der Einsatz einer zusätzlichen Einheit eines bestimmten Produktionsfaktors erbringt. Z.B. ist es plausibel, dass im Fall, dass ein bestimmtes Feld durch eine einzige Person gepflügt wird, ein Ertrag von, sagen wir, 200 kg Getreide resultiert. Hilft eine zweite Person mit (z.B. indem eine Person den Pflug lenkt, die andere die Pferde führt), so dürfte ein hoher zusätzlicher Ertrag von, sagen wir, 300 kg Getreide resultieren, da das Feld erheblich sorgfältiger gepflügt werden kann. Das Grenzprodukt des Wertes 2 des Faktors Arbeit beträgt somit 300 kg, das Produkt insgesamt 500 kg. Der Einsatz einer dritten Person dürfte nur mehr mit einem geringeren Grenzprodukt von, sagen wir, 100 kg, verbunden sein (vielleicht können die Pferde noch etwas besser gelenkt werden). Eine vierte Person wird kaum mehr etwas zu tun haben und damit ein Grenzprodukt von 0 aufweisen. 
Oft wird das Grenzprodukt mindestens für einen Wirtschaftssektor insgesamt zu schätzen versucht sowie in Geldwerten ausgedrückt (Wertgrenzprodukt). 
Die oben beispielhaft genannten Werte sind Datenpunkte einer sog. Produktionsfunktion. Wie im Beispiel ab dem Wert von 2 geht man davon aus, dass Produktionsfunktionen in der Regel fallend sind, d.h. eine negative Steigung haben. M.a.W., die meisten wirtschaftlichen Aktivitäten sind durch ein abnehmendes Grenzprodukt der Arbeit, des Kapitals etc. gekennzeichnet.

 Glossar Haken  
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(el) Der Haken (Arl) gehört zu den Pfluggeräten, besaß aber im Gegensatz zum Pflug kein Radvorgestell und kein Streichbrett. Seine Verbreitung war regional unterschiedlich. Gebietsweise wurde zur Ackerbearbeitung ausschließlich der Haken benutzt, in anderen Regionen diente er – neben dem Pflug – der Erstbearbeitung stark verunkrauteter Felder, dem Unterpflügen der Saat, aber auch zum Ziehen der zweiten Furche, die quer zur ersten, mit dem Pflug gezogenen Furche angelegt wurde.

 Glossar Handwerk  
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(el) Das Handwerk ist gekennzeichnet durch selbstständige Gewerbetätigkeit, bei der der Meister Eigentümer des Werkzeuges und sonstiger Produktionsmittel ist. Er arbeitet in der eigenen Werkstatt mit begrenztem Maschineneinsatz und bei Bedarf mit Hilfskräften, Lehrlingen und Gesellen. Einkauf der Rohstoffe und Verkauf der Produkte bleiben in der Hand des Meisters.

 Glossar Hausnotdurft  
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(rt) Die dritte Norm, die Blickle als genuin kommunal definiert, bezieht sich auf das „Haus“ innerhalb der Gemeinde. Der hier angesprochene Quellenbegriff „Hausnotdurft“ besagt, dass jedem „Haus“ eine seiner Größe und Ausstattung angemessene Auskömmlichkeit gewährleistet sein muss.

 Glossar Hebamme  
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(af) Im Gegensatz zu den bisher genannten Ämtern wurde die Hebamme nicht von der Gemeindeversammlung, sondern von einer Versammlung der verheirateten Frauen einer Gemeinde gewählt (Literatur Labouvie, Selbstverwaltete Geburt).

 Glossar Herrschaftsbeziehungen  
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Holenstein unterscheidet fünf Herrschaftsbeziehungen, die eine Abschöpfung bäuerlicher Arbeit und Erträge ermöglichen und legitimieren :

(Literatur Holenstein, Bauern, 35)

 Glossar Herrschaftsdefinition von Max Weber  
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(af) Für dieses binäre Herrschaftsverständnis wurde oft die Definitionen von Max Weber herangezogen: Max Weber bezeichnet als Herrschaft „die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden“. Dies grenzt er ab von dem Begriff der Macht, also jeder „Chance innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chancen beruhen“. (Literatur Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 28). 
Weber selbst sah „Herrschaft“ allerdings trotz dieser Definitionen nicht rein binär, vgl. dafür seinen Idealtyp „traditionaler Herrschaft“ (Literatur Weber, Typen, 478-481).

 Glossar Kehrpflug  
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(el) Der Kehrpflug besaß ein umsetzbares Streichbrett und eine symmetrische Schar, wodurch die Scholle nach rechts oder links gewendet werden konnte, während beim Beetpflug nur eine Richtung möglich war. Dadurch konnte der Pflug am Ende der Ackerfurche gewendet und in die entgegengesetzte Richtung zurückgeackert werden. Bentzien datiert die Anfänge des Kehrpfluges auf das Jahr 1425 (Literatur Bentzien, Bauernarbeit, 107). Schar und Sech der hölzernen Pflüge waren aus Eisen, der Fund eines eisernen Beschlages für das Streichbrett datiert ebenfalls ins 15. Jh. (Literatur Bentzien, Bauernarbeit, 108).

 Glossar Kirchenpflegschaft/ Kirchenmeister  
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(af) Die Gemeinden übernahmen seit dem 12. Jh. treuhänderisch die Verwaltung der Kirchengüter und setzten zu diesem Zweck die so genannten Kirchenpfleger (Kirchenmeister, Kirchenvorsteher, Kirchenvater, Jurat etc.) ein. Die Kirchenpflegschaft ist keine Institution des Kirchenrechts, sondern widerspricht diesem streng genommen, da Laien eigentlich keine aktive Teilhabe an der Kirchenregierung haben durften. Im nachtridentinischen Kirchenrecht wurde dies insofern geändert, dass Laien sich zwar nicht in kirchliche Angelegenheiten einmischen dürfen, aber doch an der administratio oeconomica beteiligt sein können (Literatur Schröcker, Kirchenpflegschaft).

 Glossar Kirchenregiment, vorreformatorisch  
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(af) Mit Kirchenregiment wird die weltliche Herrschaft über das Kirchwesen eines Territoriums bezeichnet. Zu seiner vollen Ausprägung kam es mit der Reformationszeit und in den evangelischen Territorien. In den entwickelteren Territorien des Reiches kann schon im 15. Jh. von einem landesherrlichen Kirchenregiment gesprochen werden, das sich vor allem in den Ordens- und Klosterreformen manifestierte. Diese Form des kirchenpolitischen Handelns griff aber – im Gegensatz zum nachreformatorischen Kirchenregiment – noch nicht in die eigentlichen theologischen Inhalte ein (vgl. Literatur Schulze, Fürsten).

 Glossar Kollegialorgane  
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(af) Kollegialorgane (Vierer, Achter, Zwölfer, Geschworene, Schöffen, Rat) waren gemeinsam mit dem Dorfvorsteher in der Selbstverwaltung tätig. Sie wurden durch die Gemeindeversammlung gewählt und bildeten „einen die Gemeinde repräsentierenden Ausschuss, der alle öffentlichen Aufgaben wahrnahm“ (Literatur Dülmen, Dorf, 48). Meist waren sie auch die Urteiler im Dorfgericht.

 Glossar Kötter  
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(rt) Sie trugen regional unterschiedliche Namen: Gärtner: sächsisch-böhmisch-schlesischer Raum und West- und Ostpreußen; Kossäten: Mark Brandenburg, Mecklenburg, Pommern; Seldner: Südwestdeutschland: Köbler: Fränkisches Siedlungsgebiet; Kötner: Niedersachsen; Kötter: Westfalen; Kotsassen: Braunschweig; Schupposen: Schweiz, Südbaden; Bardenhauer: Ostfalen; Warfsleute: Ostfriesland (Literatur Ritter, Nachsiedlerschichten, 94).

 Glossar Die kleinbäuerlichen Kötter  
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(rt) Die kleinbäuerlichen Kötter als die ältesten Vertreter der nachvollbäuerlichen Besiedelung genossen nur abgeleitete, stets mindere Rechte an den genossenschaftlich genutzten Ländereien, die erst seit dem 16. Jh. nach langen Auseinandersetzungen mit den vollberechtigten Bauern erworben werden konnten. Sie rückten innerhalb der Gemeinde zu den Reiheleuten auf, d.h. sie standen im Gegensatz zu den bloßen Gemeindebewohnern innerhalb des Gemeindeverbandes und übernahmen mit den „Vollbauern“ die vielfältigen Aufgaben der Verwaltung der Gemeinderechte und -verpflichtungen sowie die Regelung der gemeinsamen Nutzungsangelegenheiten. Ihr Anwesen bestand im Allgemeinen aus einer Kleinstelle und einem Garten und war in der Regel mit einem zufälligen Konglomerat von einzelnen Ackerstücken verbunden (Literatur Ritter, Nachsiedlerschichten, 92f., 95; Literatur Saalfeld, Ländliche Bevölkerung Nordwestdeutschlands, 234; Literatur Holenstein, Bauern, 17).

 Glossar Kräftefeld (Lüdtke)  
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(af) „Die Figur des ‚Kräftefeldes‘, in dem Macht durchgesetzt, Herrschaft begründet und bezweifelt wird, vermeidet eine einfache Zweipoligkeit. Den Herrschenden stehen zwar Beherrschte gegenüber – Herrschende konstituieren sich in der Definition und der Verfügung über die Beherrschten. Dennoch mögen sich die Herrschenden ihrerseits in Abhängigkeit befinden. Und auch die Beherrschten sind mehr als passive Adressaten der Regungen der Herrschenden. Vor allem zeigen sich Ungleichheiten und Widersprüche auch zwischen Herrschenden, ebenso wie zwischen Beherrschten.“ (Literatur Lüdtke, Herrschaft, 13).

 Glossar Legitimitätsgrund   
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(rt) Otto Brunner kritisiert die Aussagen Max Webers zu den drei Arten der Legitimität von Herrschaft (rationale, traditionale und charismatische Legitimität; vgl. Literatur Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 625). Der Begriff von der traditionalen Legitimität, die Weber von der rationalen Legitimität der Neuzeit abgrenzt, sei nicht an den Verhältnissen des Mittelalters und der FNZ entwickelt, sondern sei geschichtlich bedingt, d.h. erst in der Neuzeit konnte sich eine Vorstellung von einer traditionalen Legitimität von Herrschaft entwickeln. Nach Brunner haben sich die Menschen erst nach und im Zeitalter der französischen Revolution, als die Gesamtordnung in Frage gestellt worden war, auf eine „Tradition“ an sich berufen können (Literatur Brunner, „Feudalismus“, 114; Literatur Brunner, Bemerkungen zu den Begriffen „Herrschaft“ und „Legitimität“, 75.). Trotz dieser Kritik orientieren sich Historiker noch an Max Webers Begriff von der traditionalen Legitimität: Andreas Suter definiert Bauernaufstände als traditionale Bewegungen. Tradierte Geschichte galt nach Suter innerhalb von Bauernbewegungen in einem viel umfangreichen und grundsätzlichen Maß als handlungsleitendes und handlungslegitimierendes Prinzip (Literatur Suter, „Troublen“, 375).

 Glossar Limited Good  
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(af) Das Konzept des Limited Good weist der bäuerlichen Gesellschaft ein Weltbild zu, das von einer Summenkonstanz der materiellen Güter ausgeht. Die Umwelt wie die zu erarbeitenden Güter wurden als begrenzt verstanden. Vermehrung oder Wachstum des einen mussten zu Knappheit oder Verarmung des anderen führen. Dieses Wahrnehmungsmuster eines Nullsummenspieles prägte nicht nur das Wirtschaftssystem sondern auch das soziale Zusammenleben (vgl. Literatur Walz, Kommunikation; Literatur Foster, Society; Literatur Schlögl, Bedingungen; Literatur Burkhardt, „Produktivität“).
Die Produktion über die eigene Bedarfsdeckung hinaus war dem Verdacht „sozialer Schädlichkeit“ ausgesetzt und wurde dementsprechend sanktioniert. Andererseits wurde ein Beschneiden der für die Subsistenz wichtigen Güter in der FNZ als Verletzung der „Hausnotdurft“ gesellschaftlich verurteilt und somit durch diese Norm ein Schutz vor Armut geschaffen. Durch eine Steigerung der Dienst- und Abgabenpflicht in ihrer Subsistenz gefährdete Bauern konnten z.B. in einen für sie durch die Norm der „Hausnotdurft“ rechtlich legitimierten Widerstand gegen ihre Herrschaft eintreten (Literatur Blickle, Subsistence).

 Glossar Machtbegriff bei Foucault  
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(af) Michel Foucault betont, dass Macht nicht etwas ist, „das jemand besitzt, sondern vielmehr etwas, was sich entfaltet“. Er versteht Macht also nicht als Eigentum, „sondern als Strategie“ (Literatur Foucault, Überwachen, 38). 
Foucaults Machtbegriff ist nicht der der Regierungsmacht und ihres Apparats, sondern „die Vielfältigkeit von Kraftverhältnissen, die ein Gebiet bevölkern und organisieren; das Spiel das in unaufhörlichen Kämpfen und Auseinandersetzungen diese Kräfteverhältnisse verwandelt, verstärkt, verkehrt“ (Literatur Foucault, Wissen, 113-114). Diese Kraftverhältnisse erzeugen durch ihre Ungleichheit ständig Machtzustände, die allerdings lokal und instabil sind, während Macht durch diesen Begriff allgegenwärtig ist. Die Staatsmacht und ihre Gesetzgebung sind demnach nur eine abgeleitete institutionelle Kristallisation dieser allgegenwärtigen Macht.

 Glossar Modell der bäuerlichen Rebellion (Blickle)  
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(rt) Peter Blickle fasst die bäuerlichen Konflikte und ihre Zielvorstellungen und Ursachen noch etwas anders als Winfried Schulze: Bäuerliche Konflikte erklären sich als „Folge einer Disharmonie über die rechte politische Ordnung zwischen Bauern und Herrschaft“. Diese These schließe den herrschaftlichen Druck auf Bauern ebenso ein wie bäuerlichen Druck auf die Herrschaft durch die Erweiterung genossenschaftlicher oder individueller Rechte. Mit dieser These kann Blickle das reaktive Interpretationsmodell überwinden (Literatur Blickle, Modell der bäuerlichen Rebellion, 302).

 Glossar „Mußepräferenz”  
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(rt) Der Terminus „Mußepräferenz” umschreibt die Tatsache, dass die Arbeitsintensität nicht bis an die mögliche Grenze gesteigert wurde, sondern nur bis zum Punkt der ausreichenden Bedarfsdeckung (Literatur Groh, Strategien, 78ff.).

 Glossar Nachbarn/Dorfpatriziat  
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(af) Als Nachbarn werden die „reicheren“ Hofbesitzer, die eine eigene Hofstelle bewirtschafteten, und in Regionen einer ausgeprägteren Grundherrschaft die spannfähigen Bauern verstanden. Diese Einteilung stellte auch für die Zeitgenossen ein wichtiges soziales Bezugsmuster dar (Literatur Kaschuba, Kommunalismus, 68). In Anlehnung an städtische Strukturen spricht die historische Forschung vor allem im oberdeutschen Bereich manchmal auch von Dorfpatriziat (vgl. Literatur Bader, Dorfpatriziate).

 Glossar Nachsiedler  
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(rt) Als Nachsiedler wird der Teil der ländlichen Bevölkerung bezeichnet, der sich zu einem Zeitpunkt in den Gemeinden ansiedelte, als die subsistenzfähigen Bauernhöfe bereits besetzt waren, so dass die Nachsiedler nicht mehr genug Land zur Verfügung hatten, um dadurch ihre Subsistenz zu sichern. Meist waren die Nachsiedler nicht erbende Kinder von Bauern.

 Glossar „öffentliche Rechte“  
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(rt) Die Institutionen der Gemeinde wie die gemeindlichen Verwaltungsbeamten, das Gericht, die Gemeindeversammlung und die Dorfordnungen können mit Heide Wunder als „öffentliche Rechte“ bezeichnet werden (Literatur Wunder, Strukturprinzip, 387): „Die öffentlichen Rechte der Gemeinde unterschieden sich insofern von denen des Adels – die wir gewohnt sind, als „Herrschaft“ zu benennen –, als sie nicht den einzelnen, sondern der Korporation der einzelnen zukamen und sich durch Vereinbarung der Gemeindegenossen legitimierten“ (Literatur Wunder, Strukturprinzip, 388).
Herrschaft wird in der Begrifflichkeit Wunders nicht als Ausübung von „öffentlichen Rechten“ im Sinne einer Terminologie, die sich erst im 17. Jh. ausbildete und primär auf „Staat“ bezieht, verstanden, sondern im Sinne Otto Brunners (Literatur Wunder, Strukturprinzip, 387; Literatur Brunner, Land und Herrschaft).

 Glossar Ortsvorsteher  
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(af) (auch: Schultheiß, Ammann, Vogt, Schulze, Grebe, Zender, Heimbürge, Bauernmeister) Dieser leitende Ortsbeamte berief die Gemeindeversammlung ein, saß dem Dorfgericht vor, beaufsichtigte die übrigen Gemeindeämter, sorgte für die fristgerechte Lieferung der Abgaben an die Herrschaft und die Leistung der Frondienste. Er hatte die oberste Gebotsgewalt in der Gemeinde. Der Ortsvorsteher kam immer aus dem jeweiligen Dorf, je nach den herrschaftlichen Strukturen wurde er von der Gemeinde gewählt oder von der Ortsobrigkeit oder der Landesherrschaft eingesetzt. In manchen Regionen wurde dieses Amt auch erblich (z.B. Mittel-/ Ostdeutschland).

 Glossar Patronatsrecht   
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(af) Das ius patronatus „umfaßt das Präsentationsrecht (in den Quellen meist Kollatur genannt), das Recht auf bestimmte Nutzungen (Besonders den Pfründgenuß während der Vakanz, auch Unterhaltsrecht bei Verarmung), das Recht auf Vermögenskontrolle und bestimmte Ehrenrechte (Sitz in der Kirche, Platz bei Prozessionen)“ (Literatur Fuhrmann, Kirche, 180). Es löste seit dem Hochmittelalter das Eigenkirchenrecht ab. Das Patronat war meist erblich. Nur in Ausnahmefällen wurde das Patronatsrecht einer Pfarrkirche durch die Gemeinde selbst ausgeübt, häufiger traf dies für Vikariate oder einzelne Altäre zu. Mit dem Tridentinum werden die Rechte der geistlichen Obrigkeit bei der Einsetzung eines neuen Pfarrers gestärkt (vgl. Literatur Landau, Ius patronatus; Literatur Sieglerschmidt, Territorialstaat).

 Glossar Pfründe/ Beneficium  
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(af) (Präbende, Pröve, praebenda, provenda) Ein Kirchenamt, das mit einer Vermögensausstattung (Land, Geldvermögen u.a.) verbunden war, deren Erträge zum Unterhalt des Amtsinhabers (Benefiziat; Pfründner) bestimmt waren. Das Pfründenvermögen wird auch Wittum (Temporalia, Widem, Dotalgut) genannt und entspricht dem Gesamtbesitz einer Kirche an Gütern, Rechten oder eben der Ausstattung eines Kirchenamtes. 
Der Begriff Pfründe wird auch für eine Stelle an einem geistlichen Stift benutzt.

 Glossar Physiokratismus  
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(af) Seit Mitte des 18. Jh. geriet das Konzept des Merkantilismus zunehmend in die Kritik. Man suchte nach den Gesetzmäßigkeiten in der Wirtschaft, entdeckte dabei ihre Autonomie, ihre eigene Ordnung (ordre naturel, vgl. Quesnays Wirtschaftskreislauf auf arithmetischer Grundlage: Tableua économique). Damit beginnt die Epoche des modernen ökonomischen Denkens.
Die aus dieser theoretischen Richtung kommenden Physiokraten sahen die Landwirtschaft als die einzige Quelle staatlichen Reichtums an, alle anderen Wirtschaftsgruppen galten dagegen als steril. 
Daraus resultierte die Idee einer radikalen Umgestaltung der herrschenden Steuerverfassung: Nur noch der landwirtschaftliche Nettoertrag sollte besteuert werden. 
Diese Vorstellungen bedeuteten indirekt auch eine Umwerfung der bisherigen Ständeordnung, in denen die Bauern bisher den untersten Rang eingenommen hatten.
Wichtige Physiokraten im Reich sind Schlettwein und Mauvillon. Besondere Wirkung entfalteten die physiokratischen Ideen in den jospehinischen Reformen (vgl. 1781 Abschaffung der Leibeigenschaft unter Joseph II. in den habsburgischen Ländern, anders verlief die Entwicklung in Preußen, wo sich v.a. Friedrich II. die zunehmende Staatlichkeit und damit Entmündigung des Adels durch die Autonomie der Junker auf ihren ostelbischen Gütern erkaufte, vgl. Literatur Schilling, Höfe, 408-410; Literatur Press, 50 Thesen).
vgl. hierzu Literatur Stollberg-Rilinger, Europa, v.a. 63-67 sowie 172-173; Literatur Muhlack, Physiokratie;

 Glossar Policey- und Landesordnungen  
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(af) Die seit dem 15./16. Jh. immer öfter erlassenen Landes- und Policeyordnungen strebten eine alle Rechtsgebiete umfassende Zusammenfassung dar. Im Vergleich zu den Kodifikationen seit Ende des 18. Jh. zielten sie noch auf keine vollständige Regelung aller Teilbereiche. Im Gegensatz mit den mittelalterlichen Vorstellungen von der Existenz eines existierenden und nur zu findenden Rechts liegt ihnen aber bereits der Gedanke zugrunde, eine Rechtsordnung könne konstituiert werden und sei damit im Prinzip auch disponibel (vgl. Literatur Schildt, Bauer).

 Glossar Preisfluktuation  
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(mb) Absolute Preissteigerung meint, dass das Preisniveau insgesamt (z. B. ein nach der Bedeutung der einzelnen Güter gewichteter Konsumgüterpreisindex) steigt. In diesem Fall spricht man von Inflation. Der Begriff der Veränderung relativer Preise bezieht sich auf Veränderungen im Verhältnis des Preises zweier Güter, z. B. Roggen im Vergleich zu Textilien. 
Im Kontext der Frühen Neuzeit ist die Unterscheidung bedeutsam, weil die Forschungsliteratur lange vor allem den Getreidepreis beachtet hat und seine Fluktuationen sowohl mit Argumenten, die vor allem Veränderungen des Preisniveaus bzw. der Inflationsrate erklären können, als auch mit Argumenten, die sich auf die Veränderung relativer Preise beziehen, erklärt hat.

 Glossar Produktionsfaktor  
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(mb) Zur Produktion erforderlicher Input. Klassische Produktionsfaktoren sind Boden, Arbeit, Kapital (d.h. vor allem physisches Kapital in der Form von Instrumenten und Maschinen) und natürliche Ressourcen.

 Glossar Regional unterschiedliche Bezeichnungen der Bauern  
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(rt) Im norddeutschen Raum wurden sie allgemein Meier oder Erben genannt, im Weserbergland Anspänner oder Kärrner, im Münsterland Zeller, in Osnabrück Colonen, im Ammerland Hausmänner, in den Marschen Hausleute, Bauleute oder Heerden, in Lünebrug Höfner. In Süddeutschland nennt man diese älteste Siedlungsschicht Bauern, Hufgenossen, Erbgenossen und Pflüger (Literatur Ritter, Nachsiedlerschichten, 94).

 Glossar Renten  
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(mb) Abgaben der Bauern für Bodennutzung, sowie Abgaben beim Eintritt eines Pachtverhältnisses.

 Glossar Rezeption des Römischen Rechts  
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(af) Das antike römische Recht hatte sich von der Mitte des 5. Jh.s v. Chr. bis zur Mitte des 6. Jh.s n. Chr. entwickelt. Seit dem hohen Mittelalter wurde vor allem das römische Privatrecht (CIC = Codex Juris Civilis) erneut und immer stärker rezipiert und verdrängte nach und nach das bisher übliche Gewohnheitsrecht. Im Spätmittelalter folgte das Eindringen des spätmittelalterlichen römisch-italienischen Strafrechts (z.B. in der Carolina). So wurde vor allem das justinianische römische Recht im lateinischen Europa bekannt und fand als gemeines Recht zunehmend Eingang in die Geschäfts-, Rechts- und Gerichtspraxis. 
Dieser Prozess der Rezeption des Römischen Rechts wurde durch Humanismus und Renaissance sowie durch das Studium Deutscher an italienischen Rechtsschulen befördert. Wichtig war aber auch, dass die Zersplitterung des einheimischen Rechts immer mehr als Problem angesehen wurde. Für diesen Prozess waren Rechtsgelehrte nötig, wodurch gelehrte Räte in der Landesherrschaft ein übergewicht gegenüber den ständischen Räten gewannen.
Seit dem 18. Jh. kamen unter dem Einfluss der Naturrechtsschule und der aufblühenden rechtsgeschichtlichen Forschung die deutschrechtlichen Gedanken wieder stärker zur Geltung. Eine Nachrezeption bewirkte die Romanistik der historischen Rechtsschule. Mit der Einführung des BGB traten zwar die römischen Rechtsquellen außer Kraft, ihre Sätze aber wurden vielfach übernommen, besonders im Schuld- und Erbrecht.

 Glossar Risikominimierung  
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(rt) Die Vermeidung von Mangel und Not war die ständige Sorge unserer Vorfahren. Die durch Tradition und Erfahrung eingeübten Verhaltensweisen, die am besten mit dem Begriff des „Habitus” im Sinne Bourdieus zu erklären sind, verdichten sich zu einer Strategie, die man mit Dieter Groh als Risikominimierungsstrategie bezeichnen kann und die den „harten Kern” der sozialen Logik vormoderner Gesellschaften oder Ökonomien ausmacht (Literatur Groh, Strategien, 89).

 Glossar Römermonat  
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(af) Ursprünglich Monatssold für das nach der Wormser Reichsmatrikel von 1521 aufzustellende Reichsheer, später Bezeichnung der Reichssteuer. Zur Zeit der Türkenkriege bewilligte der Reichstag von Fall zu Fall Römermonate als Türkenhilfe (auch Türkenschatzung genannt).

 Glossar Rügebrauchtum, Charivari  
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Charivari

(af) Neben der Anrufung des Dorfgerichts oder anderer Gerichte gab es vielfältige Möglichkeiten der innergemeindlichen Kontrolle und Sanktionsverhängung, dazu gehörte nicht zuletzt das Rügebrauchtum. Rügebräuche wurden durch spezifische Vorfälle im sozialen oder familiären Leben provoziert (z.B. Heirat zwischen körperlich oder altersmäßig sehr verschiedenen Paaren, Streit zwischen Ehepaaren, v.a. Frau schlägt Mann). Ausgeübt wurden diese Rügebräuche oft durch die organisierten jungen Männer einer Gemeinde. (Literatur Hinrichs, „Charivari“, Literatur Thompson, „Rough Music”, Literatur Fabre, Familie)

Bildquelle: Rügebrauch
Stich von Hogarth, in: Philippe Ariès/Roger Chartier (Hrsg.): Geschichte des privaten Lebens, Bd. 3.: Von der Renaissance zur Aufklärung. Frankfurt a.M. 1991, 541.

 Glossar Schatzung oder Bede  
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(af) (Schoss, Gewerf) eine Art direkte Vermögenssteuer, die vom Landesherren zunächst in besonderen Notsituationen von seinen Landständen erbeten, dann regelmäßig und schließlich jährlich erhoben wurde. Diese Steuer betraf als Grund-, Gebäude- oder Viehsteuer praktisch nur die Bürger und Bauern. Daneben gab es solche Abgaben zu besonderen Anlässen (von der Aussteuer einer Fürstentöchter bis zur Auslösung des Landesherren aus der Gefangenschaft). Die Schatzung oder Bede wurde im Laufe der FNZ zur entscheidenden wirtschaftlichen Belastung der Bevölkerung. In den Städten hing die Bezahlung der Bede eng mit dem Bürgerrecht zusammen.

Vgl. Literatur Hartwig Walberg/Reinhard Oberschelp/Frenn Wiethoff (Hrsg.), Die Schatzungsregister des 16. Jh. für das Herzogtum Westfalen. Bd. 2: Die Register von 1543 und Schatzungen des Adels von 1543 und 1549. Orts- und Personenindex für Teil 1 und 2. Münster 2000.

 Glossar Winfried Schulze  
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http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/BEITRAG/intervie/schulze.htm

 Glossar Send  
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(af) Der Send ist eine aus dem Mittelalter überkommene und mit der Konfessionalisierung neu belebte Institution. Er war ein geistliches Sittengericht, das ursprünglich vom Bischof, später aber meist vom Archidiakon, Landdechanten oder Landpfarrer geleitet wurde. Auf dem Send wurden sittliche wie religiöse Vergehen der Gemeindemitglieder durch die Sendschöffen angezeigt. Der Send strafte mit Geld- und Sachbußen, konnte aber auch Schandstrafen verhängen. Im 18. Jh. verlor der Send immer mehr seinen gerichtlichen Charakter und wurde zu einer Pfarrversammlung, auf der allgemeine Pfarrangelegenheiten besprochen wurden.

 Glossar Sense  
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Sensen

(el) Die für die Heuernte bereits bekannte Sense wurde seit ca. 1500 auch für die Getreideernte eingesetzt. Die Arbeitsleistung war viermal höher als mit der Sichel, allerdings war der Kornverlust gerade des Wintergetreides, dessen Körner nur locker an der ähre sitzen, hoch. Als Gestellsense mit einer Ablegevorrichtung für das Getreide konnte sie auch für die Roggenernte eingesetzt werden. 
Im Gegensatz zur Ernte von Heu und Sommergetreide, das ausgeschwadet, d.h. nach außen gemäht und abgelegt wurde, mähte man mit der Gestellsense an die noch stehenden Halme. Hierbei war eine zweite Person nötig, die die Halme sofort einsammelte, damit der nachfolgende Schnitter nicht behindert wurde – eine Arbeit, die Frauen zufiel, während Männer in der Regel die schwerere Sensenarbeit übernahmen. Bei der Sichelernte dagegen wurde erst das ganze Feld abgemäht und dann das Korn bzw. Heu eingesammelt, weshalb hier – regional unterschiedlich – auch Frauen die Schnittarbeit übernahmen. 

 

 Glossar Sichel  
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(el) Die meist gezähnte Sichel als traditionelles Gerät zum Getreideschnitt verlangte den größten Arbeitsaufwand, garantierte aber den geringsten Körnerverlust. Der Schnitt erfolgte kurz unterhalb der Ähren. Mit der Sichel wurden auch äste und Blätter als Viehfutter und für Bettfüllungen geschnitten.

 Glossar Sichte  
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(el) Die Sichte war eine einarmig gehandhabte Hausense mit kurzem gewinkelten Baum, hinzu kam der Mathaken, mit dem die Halme für jeden Hau abgeteilt wurden. Die Getreidesichte gelangte im SpätMA von Flandern nach Nordwestdeutschland.

 Glossar Die jüngste Sozialschicht  
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(rt) Die jüngste Sozialschicht hatte geringsten Besitz und geringste Rechte. Die regional unterschiedlich benannten Anwohner, Abbauer, Häuslinge, Einlieger oder Heuerlinge standen rechtlich außerhalb des Gemeindeverbandes und hinsichtlich ihrer Erwerbsgrundlage in Abhängigkeit von den bäuerlichen Schichten. Sie blieben ohne formelle Mitbestimmungs- und Nutzungsrechte in der Gemeinde, als Bewohner des Gebietes der Gemeinde waren sie aber dennoch den Anordnungen der Gemeinde unterworfen. Bisweilen wurde ihnen die Pachtung von Nutzungsrechten an der Allmende eingeräumt (Literatur Ritter, Nachsiedlerschichten, 90; Literatur Rösener, Bauern, 198; Literatur Holenstein, Bauern, 17). 

Beispiel: Die Heuerlinge im östlichen Westfalen: 
Die Heuerlinge im östlichen Westfalen pachteten z.B. von den Bauern kleine Stücke Land und mieteten in einem Nebengebäude des Hofes eine Unterkunft. Die Pachtzahlung bestand im Wesentlichen aus Arbeitsleistungen auf dem Altbauernhof (Literatur Seraphim, Heuerlingswesen, 12; Literatur Wittich, Grundherrschaft, 8; Literatur Rösener, Bauern, 169; Literatur Mooser, Gleichheit und Ungleichheit, 233). Die Forschung spricht deshalb von einer „quasi-feudalen“ Beziehung dieser Schicht zu den Bauern (Literatur Wunder, Gemeinde, 96; Literatur Mooser, Gleichheit und Ungleichheit, 233). Aber auch der Bauer unterstützte die Heuerlinge zum Beispiel durch Arbeitsleistungen mit seinem Gespann, das die Heuerlinge nicht besaßen (Literatur Seraphim, Heuerlingswesen, 12; Literatur Wittich, Grundherrschaft, 8).

 Glossar Spannfähige Bauern  
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(af) Die soziale Unterteilung in einer ländlichen Gemeinde beruhte auf dem Besitz einer eigenen Hofstelle. Eine weitere Möglichkeit der Unterteilung, vor allem in Gebieten, in denen die Bauern nicht Eigentümer des bewirtschafteten Grundes und Bodens waren, lag in der Art der Frondienste, die sie zu leisten hatten. Die reicheren Bauern, die ein eigenes Pferd besaßen (Gespann und Geschirr), waren zu den so genannten Spanndiensten mit ihren eigenen Tieren verpflichtet, während die ärmeren Bauern Handdienste leisten mussten.

 Glossar Spinnstuben  
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Spinnstube (af) Spinnstuben stellen eine gemischtgeschlechtliche Soziabilitätsform dar, hier trafen sich vor allem unverheiratete Frauen und Männer (peer groups). Geselligkeit und nicht Arbeit stand dabei im Mittelpunkt. 
Die Dorfjugend suchte sich in den Spinnstuben ihre Partner. In der Forschung wird ein umfassendes Brauchtum an Eheeinleitung und Partnerwahl beschrieben und dadurch die dörfliche Heiratsordnung zumindest potentiell in Frage gestellt.
Zum anderen waren die Spinnstuben auch ein kritisches Forum der dörflichen Öffentlichkeit. Die dort versammelten jungen Männer stellten ein Organ der lokalen Rügejustiz dar. Die Frauen bestimmten auch kollektiv über das Ansehen der einzelnen, so war an der Größe des in der Spinnstube gemeinsam hergestellten Brautrocks das Ansehen der Braut im Dorf deutlich abzulesen.
Seit der Reformationszeit versuchte die Obrigkeit, die Spinnstuben „als eine Form autonomer und gemeinsamer Geselligkeit unverheirateter Jugendlicher beiderlei Geschlechts“ (Literatur Medick, Spinnstuben, 25) zu unterdrücken oder zumindest zu kontrollieren.

Bildquelle: Rügebrauch
Stich von Hogarth, in: Philippe Ariès/Roger Chartier (Hrsg.): Geschichte des privaten Lebens, Bd. 3.: Von der Renaissance zur Aufklärung. Frankfurt a.M. 1991, 541.

 Glossar Stiftung  
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(af) Widmung von Kapital für einen vom Stifter bestimmten Zweck, oft für Messlesungen, Predigtstellen.

 Glossar Stolgebühren  
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(af) Stolgebühren (Akzidentalien, Casualien, Stolien, Stolrecht, stolae jura): Gebühren, die der Geistliche für bestimmte Amtshandlungen erhob: Sakramente, aber auch Eheaufgebot, Aussegnung von Wöchnerinnen, Begräbnis. In den evangelischen Kirchen im Laufe der FNZ abgeschafft.

 Glossar Subsistenzskrise  
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(mb) Klimatisch oder durch Krieg bedingte schlechte Ernte im Agrarsektor, die dazu führt, dass Getreidepreise extrem steigen, Unterernährung weit verbreitet ist und deshalb die Sterblichkeit hoch ist. 
In der Frühen Neuzeit traten Subsistenzkrisen alle paar Jahre ein. 1771/72, 1815/17, 1830/31 und 1846/48 sind die letzten großen Subsistenzkrisen in Westeuropa.

 Glossar Teilbetrieb und Eigenbetrieb  
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(ms) Im Gegensatz zum Teilbetrieb mit Ausnutzung der Arbeitskraft und des Inventars abhängiger Bauern bedeutet die Führung des Gutshofes im Eigenbetrieb, dass dieser von Lohnarbeitern und gutseigenem Gesinde bewirtschaftet wurde. Dazu wurde vom Gutsherren auch eigenes Inventar und Zugvieh gehalten. Die Arbeitskräfte entstammen meist regional ansässigen Landarbeiterfamilien aus unterbäuerlichen Schichten und nicht selten ehemaligen bäuerlichen Familien, deren Hof dem Gutshof hinzugefügt wurde.

 Glossar Ungeld/Akzise  
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(af) Bezeichnung einer indirekten Verbrauchersteuer, v.a. auf Wein. Das Ungeld war zunächst eine städtische Steuer, die aber seit dem 16. Jh. zunehmend auch vom Landesherren erhoben und dann oft als Akzise bezeichnet wurde. Im 17. und 18. Jh. belastete die Akzise als Generalakzise oder Universalakzise eine Vielzahl von Artikeln. Die regelmäßige Erhebung einer landesherrlichen Akzise war eines der entscheidenden Instrumente zur Ausschaltung des ständischen Steuerbewilligungsrechts und der städtischen Selbstverwaltung (v.a. in Preußen). Die Akzise diente aber auch einer steuerpolitischen Trennung von Stadt und Land, da sie an den Stadttoren als Torakzise erhoben wurde.

 Glossar Unterproduktivität  
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(rt) Unterproduktivität wird definiert als eine „geringere Ausnutzung der Tragekapazität einer ökologischen Nische durch die darin Lebenden” (Literatur Groh, Strategien, 75).

 Glossar Verrechtlichung  
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(rt) Winfried Schulze stellte die These auf, dass seit dem 15. Jh., stärker seit dem Ausgang des Bauernkrieges, Tendenzen zu beobachten sind, den Konflikt zwischen Herrschaft und bäuerlichen Untertanen zu normalisieren und den beteiligten Parteien einen erweiterten rechtlichen Handlungsspielraum zu verschaffen, um bewaffnete Formen der Konfliktlösung zu verhindern. Die Obrigkeit habe im 16. und 17. Jh. immer stärker gerichtliche Konfliktlösungsmechanismen für die Untertanen bereitgestellt und die Untertanen waren vermehrt dazu bereit, den gerichtlichen Weg auch zu beschreiten. Schulze umschrieb diesen Prozess mit dem Terminus „Verrechtlichung sozialer Konflikte“ (Literatur Schulze, Veränderte Bedeutung sozialer Konflikte, 281; Literatur Schulze, Rechte der Menschheit, 45f.; Literatur Schulze, Bäuerlicher Widerstand, 76).

 Glossar Kollegial organisierte Verwaltungsbehörde  
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(rt) Unter kollegial organisierten Verwaltungsbehörden versteht Blickle eine Gruppe von Gemeindemitgliedern, die „Vierer“, „Sechser“ oder „Zwölfer“ oder auch den Rat, die gemeinsam die anstehenden Geschäfte innerhalb der Gemeinde entschieden und Gebote und Verbote erließen.

 Glossar Weistümer und Dorfordnungen  
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(af) Diese Formen ländlicher Rechtsquellen sind in ihrer Form wie auch in ihrem Inhalt sehr unterschiedlich. Vor allem die Unterscheidung zwischen Dorfordnung und Weistum ist in der Forschung umstritten. 
Teile der historischen Forschung gehen davon aus, dass in den Weistümern das bäuerliche und genossenschaftliche Element stärker war und in den Dorfordnungen das herrschaftliche (Literatur Endres, Rechtsquellen, 163), auch Dietmar Willoweit sieht die alten Weistümer durch landesherrschaftliche Reglementierung in Form von Dorfordnungen vom 16. Jh. bis ins frühe 18. Jh. verdrängt (Literatur Willoweit, Verfassungsgeschichte, 175). Demnach wäre den Weistümern gemeinsam, dass sie durch eine Weisung zustande kamen, also durch die Auskunft rechtskundiger Personen über einen bestehenden Rechtszustand oder geltendes Gewohnheitsrecht. Diese Weisung erfolgte zumeist durch eine hierzu einberufene Versammlung. 
Andere Historiker sehen aber die Unterscheidung nach genossenschaftlichem oder herrschaftlichem Ursprung als unfruchtbar an und betonen einen rein terminologischen Unterschied: Weistümer behandelten Herrenrechte und Herrengerechtigkeit während Dorfordnungen eher Fragen der Gemeindewirtschaft und der innergemeindlichen Organisation behandelten (Literatur Brakensiek, Rheinheimer; Literatur Rheinheimer, Dorfordnungen, Bd.1).

 Glossar Wüstung  
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(rt) Bezeichnung für eine ganz oder teilweise verlassene Siedlung (totale oder partielle Ortswüstung) und für aufgegebenes, ehemalig landwirtschaftlich genutztes Areal (totale oder partielle Flurwüstung). Die Kombination von Orts- und Flurwüstung bezeichnet man als Totalwüstung. Bei Wiederbesiedlung oder Wiederbewirtschaftung spricht man von temporären Orts- und Flurwüstungen. Die meisten Wüstungen entstanden in der Zeit vom Ende des 14. bis zur Mitte des 15. Jh.s: In Deutschland (in etwa in den Grenzen von 1914) sollen von 170.000 Siedlungen in der Mitte des 14. Jh.s etwa 40.000 eingegangen sein. Hauptsächlich hervorgerufen wurden diese Wüstungen durch die Bevölkerungsverluste infolge von Pestwellen im 14. Jh., deren letzte in den 80er Jahren des 14. Jh.s endete. Dies schließt nicht aus, dass teilweise eine Kombination von Ursachen vorgelegen hat, zumal ein Teil der Wüstungen des Mittelalters bereits in die Zeit vor der Pestwelle der 80er Jahre des 14. Jh.s einzuordnen ist. Mit den Ursachen befasst sich neben der Aufdeckung der Wüstungen und Rückschlüssen auf Prozesse der Siedlungsgenese und Wirtschaftsgeschichte sowie auf die frühere Ausdehnung des Kulturlandes die Wüstungsforschung, die folgende Theorien in Bezug auf die Wüstungsursachen formulierte.

  1. Das Sicherheitsbedürfnis der ländlichen Bevölkerung konnte dazu führen, dass einige Feldmarken (von einer Gemeinde landwirtschaftlich genutztes Gebiet) zusammengelegt wurden und die Bewohner mehrerer Orte sich in einem Ort ansiedelten, so dass übrige Orte und Feldmarken wüst wurden.
  2. In der Fehlsiedlungstheorie geht man davon aus, dass in der Phase der Ausdehnung der Siedlungen bis in das 14. Jh. teilweise auch Flächen einbezogen wurden, die auf Dauer die auf ihnen lebenden Menschen nicht ausreichend versorgen konnten und die deshalb, als aufgrund der Bevölkerungsverminderung andere Siedlungen frei wurden, verlassen wurden. Hinzu kam sicherlich, dass aufgrund des Sinkens der Agrarpreise Ende des 14. Jh.s auf solchen Flächen die wirtschaftliche Situation noch schlechter war als in anderen Gebieten.
  3. Wissenschaftler, welche die Agrarkrisentheorie vertreten, behaupten, dass sinkende Agrarpreise die landwirtschaftlichen Einkommen so sehr verringerten, dass die Bauern es vorzogen, in die Städte zu ziehen und dort Lohnarbeit zu verrichten.
  4. Die Kriegstheorie besagt, dass in Kriegen während des ganzen Mittelalters die wirtschaftlichen Grundlagen von jeweiligen Kriegsgegnern vernichtet wurden. Im Schwäbischen Städtekrieg sollen z.B. mehr als tausend Dörfer vernichtet worden sein.
  5. In der marxistischen Theorie geht man von der Gesellschafts-Krisen-Theorie (Krise des Feudalismus) aus. Die Wüstungen seien demnach seit der Mitte des 14. Jh.s oder sogar erst im 15. Jh. hervorgerufen worden, weil die Feudalherren zu hohe Abgaben von den Bauern forderten, so dass die Bauern gezwungen waren, die Dörfer zu verlassen. 

Literatur Henning, Agrargeschichte, 285-292, zur Marxistischen Krise des Feudalismus: 294-311; Literatur Abel, Landwirtschaft, 103-109.

 Glossar Zehnt  
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(af) (Decem, Decima, Dezem) etwa seit dem 5. Jh. in Anlehnung an das alttestamentliche Zehntgebot von der Kirche geforderte Vermögensabgabe der Laien zum Unterhalt des Klerus. Die meist jährlich wiederkehrenden Abgaben waren anfänglich vom Gesamtvermögen aufzubringen, bezogen sich aber schon bald nur noch auf die Erträge des Grundbesitzes und betrugen meist weniger als den zehnten Teil. 
Seit 818/819 hielten vielfach weltliche Grundherren als Inhaber von Eigenkirchen Zehntrechte, ferner kam der Zehnt durch Belehnung, Verpfändung u.ä. in Laienbesitz. Die Abgaben, ursprünglich Naturalien, wurden unterschieden in Feldzehnt (Fruchtzehnt), meist Getreide, Wein, Garten- und Baumfrüchte, und Blutzehnt (Fleisch- oder Viehzehnt), Tier und Tierprodukte. Seit dem 13. Jh. wurden auch Geldabgaben üblich. Mit der Bauernbefreiung im 19. Jh. wurde der Zehnt aufgehoben beziehungsweise für ablösbar erklärt (u.a. preußisches Ablösungsgesetz von 1850).

 Glossar Großer und Kleiner Zehnt  
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(ms) Unter dem „Großen Zehnt“ sind prozentuale Abgaben vom Rohertrag an Getreide und Wein an den adeligen Grundherren zu verstehen. Der „Kleine Zehnt“ dehnt die Abgabepflicht auf andere Produkte wie Kartoffeln oder Klee aus. Während die Pflicht, den Großen Zehnt zu leisten, weitgehend unstrittig war, kam es in Belangen des Kleinen Zehnt öfter zu Widerständen seitens der Bauernschaft. 

 Glossar Ziele von Gruppen des 19. und 20. Jh.s  
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(rt) Gruppen des 19. und 20. Jh. machten nach Tilly Gruppenansprüche geltend, die zuvor noch nicht erhoben wurden. Diese forderten sie in Streiks oder Demonstrationen.

 

   
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