Einführung in die Frühe Neuzeit  
 
impressum :: feedback :: kontakt ::  
 
 LINKWEG ::: Inhalt / Politische Theorie, Naturrechtslehre / Zentrale Herausforderungen an die Politische Theorie der FNZ /
zurück  6.3 Zentrale Herausforderungen an die Politische Theorie der FNZ
6.3.2 Der Verlust der religiösen Einheit   vor


Strukturen von Recht und Herrschaft

6.Politische Theorie und moderne Naturrechtslehre
6.3 Zentrale Herausforderungen an die Politische Theorie der FNZ

6.3.1 DAS WACHSTUM DER STAATSGEWALT

von Tim Neu
 

Zu den wichtigsten Entwicklungen auf der Ebene der Politik in der FNZ gehört sicherlich das verwandte Themen Wachstum der Staatlichkeit. Dieser Zuwachs an Herrschaft und Gewalt kam hauptsächlich den dynastischen Herrschern der (west-)europäischen Monarchien zugute und wurde auch von diesen maßgeblich vorangetrieben, wenngleich nicht durchweg mit Absicht. Wo Gemeinwesen als lockere dynastisch-monarchische Herrschaftsverbände aus dem Mittelalter kamen, da entwickelten sie sich im Laufe der FNZ mehr und mehr zu institutionell gefestigten Staaten im klassischen Sinn.

Die königlichen Aufgaben im verwandte Themen Typus der ständischen Monarchie erschöpften sich zu Beginn der FNZ im Wesentlichen in der ‘Wahrung von Friede und Recht’, waren also ausgerichtet auf die Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung der bestehenden Ordnung. Der König verfügte über kein Gewalt- und Herrschaftsmonopol, sondern stand einem hierarchisch gegliederten sog. Glossar‘Personenverbandsstaat’ vor, in dem auf jeder Ebene Inhaber von autonomer Herrschaft und Gewalt vorhanden waren. Die wichtigsten dieser ebenfalls Herrschaft ausübenden Gewalten waren die Adeligen, die Kirchen und die Land- und Stadtgemeinden. Die Aufwendungen für die königlichen Aufgaben hatte der Monarch im Wesentlichen von seinen Eigengütern aufzubringen und eine ausnahmsweise Abschöpfung der Ressourcen seiner Untertanen erforderte im Regelfall deren Zustimmung.

Wenn nun vom ‘Wachstum der Staatsgewalt’ die Rede ist, dann umfaßt dieser Begriff tiefgreifende Veränderungen an fast allen oben genannten Strukturmerkmalen der alten Monarchien. Die Könige beanspruchten nun nicht mehr nur passive Bewahrungs-, sondern zunehmend aktive Steuerungsfunktionen in der Gesellschaft (z. B. Polizeyordnungen) und begannen die konkurrierenden ‘Partikularmächte’ (Adel, Kirche, Gemeinden) zu entmachten. Ein zentraler Entwicklungsfaktor war dabei der Zusammenhang von verstetigter Ressourcenabschöpfung (permanente Steuern) mit gleichzeitigem Aufbau eines Erzwingungsapparates (Militär und Bürokratie): Mehr Ressourcenabschöpfung ermöglichte mehr Exekutionsmacht, diese erforderte ihrerseits weiter erhöhte Ressourcenabschöpfung usw. - ein sich selbst verstärkender Prozeß, der sog. ‘extraction-coercion-cycle’ (vgl. Literatur Tilly, Coercion).

Diese ungeheure Steigerung, Intensivierung und Ausweitung des Herrschafts- und Gewaltpotentials in den Händen der Monarchen stellte natürlich eine enorme Veränderung der politischen Rahmenbedingungen dar und gab Anlaß zu Fragen an die Politische Theorie:

 

zurück  6.3 Zentrale Herausforderungen an die Politische Theorie der FNZ
6.3.2 Der Verlust der religiösen Einheit   vor
 
zum Seitenanfang
             © 2003 by Barbara Stollberg-Rilinger • mail:  fnz.online@uni-muenster.de