Einführung in die Frühe Neuzeit  
 
impressum :: feedback :: kontakt ::  
 
 LINKWEG ::: Inhalt / Politische Theorie, Naturrechtslehre / Modernes Naturrecht /
zurück   6.7.3 Argumentative Grundfiguren: Naturzustand, Vertrag
 

Strukturen von Recht und Herrschaft
6. Politische Theorie und moderne Naturrechtslehre
6.7 Modernes Naturrecht
6.7.3 Argumentative Grundfiguren: Naturzustand, Vertrag

 

 Quellen: Pufendorf, Locke, Hobbes und Wolff  
zum Seitenanfang
 

Über den Naturzustand:
"In dritter Hinsicht betrachten wir den Naturzustand des Menschen unter dem Gesichtspunkt, wie die Menschen sich gegeneinander verhalten aufgrund der bloßen allgemeinen Verwandtschaft, die sich aus der Ähnlichkeit ihres Wesens ohne jede Absprache oder menschliches Zutun […], ergibt. In diesem Sinne sagt man, daß Menschen im Naturzustand miteinander leben, wenn sie keinen gemeinsamen Herren über sich haben, und wenn der eine dem anderen nicht Untertan ist und weder durch Wohltaten noch durch Unrecht Pflichten begründet worden sind. In diesem Sinne steht der Naturzustand im Gegensatz zum Leben in einer staatlichen Gemeinschaft. […] Für Menschen, die im Naturzustand leben, gilt allein das Rechtsprinzip, daß sie außer Gott niemandem untergeordnet oder verantwortlich sind. Unter diesem Gesichtspunkt wird dieser Zustand auch als ‘natürliche Freiheit’ bezeichnet. […] Damit ist ein jeder im Verhältnis zu jedem anderen, dem er nicht untergeordnet ist und der ihm nicht untergeordnet ist, gleichberechtigt. Da ferner jeder Mensch im Licht der ihm angeborenen Vernunft seine Handlungen bestimmen kann, ergibt sich, daß jeder, der im Naturzustand lebt, bei dem, was er tut, von keinem Menschen abhängig ist. Vielmehr hat jeder die Befugnis, nach eigenem Urteil und Ermessen alles zu tun, was der gesunden Vernunft entspricht." (Literatur Pufendorf, Pflicht, 141ff.)

"Um politische Gewalt richtig zu verstehen und sie von ihrem Ursprung abzuleiten, müssen wir erwägen, in welchem Zustand sich die Menschen von Natur befinden. Es ist ein Zustand vollkommener Freiheit, innerhalb der Grenzen des Gesetzes der Natur ihre Handlungen zu regeln und über ihren Besitz und ihre Persönlichkeit so zu verfügen, wie es ihnen am besten scheint, ohne dabei jemanden um Erlaubnis zu bitten oder vom Willen eines anderen abhängig zu sein. Es ist darüber hinaus ein Zustand der Gleichheit, in dem alle Macht und Rechtsprechung wechselseitig sind, da niemand mehr besitzt als ein anderer: Nichts ist einleuchtender, als daß Geschöpfe von gleicher Gattung und von gleichem Rang, die ohne Unterschied zum Genuß derselben Vorteile der Natur und zum Gebrauch derselben Fähigkeiten geboren sind, ohne Unterordnung und Unterwerfung einander gleichgestellt leben sollen". (Literatur Locke, Abhandlungen, 201f.)

Über den Vertrag:
"Die Natur (das ist die Kunst, mit der Gott die Welt gemacht hat und lenkt) wird durch die Kunst des Menschen wie in vielen anderen Dingen so auch darin nachgeahmt, daß sie ein künstliches Tier herstellen kann. […] Denn durch Kunst wird jener große Leviathan geschaffen, genannt Gemeinwesen oder Staat, auf lateinisch civitas, der nichts anderes ist als ein künstlicher Mensch, wenn auch von größerer Gestalt und Stärke als der natürliche, zu dessen Schutz und Verteidigung er ersonnen wurde. […] Endlich aber gleichen die Verträge und Übereinkommen, durch welche die Teile dieses politischen Körpers zuerst geschaffen, zusammengesetzt und vereint wurden, jenem ‘Fiat’ oder ‘Laßt uns den Menschen machen’, das Gott bei der Schöpfung aussprach. Um die Natur dieses künstlichen Menschen zu beschreiben, möchte ich untersuchen: Erstens, Werkstoff und Konstrukteur; beides ist der Mensch. Zweitens, wie und durch welche Verträge er entsteht ". (Literatur Hobbes, Leviathan, 5)

"Wenn Menschen miteinander eins werden, mit vereinigten Kräften ihr Bestes darin zu befördern, so begeben sie sich miteinander in eine Gesellschaft. Und demnach ist die Gesellschaft nichts anderes als ein Vertrag einiger Personen, mit vereinigten Kräften ihr bestes darin zu befördern. […]
Da nun einzelne Häuser nicht alle Bequemlichkeiten des Lebens sich selbst verschaffen können […]: so ist es nötig, daß so viele sich zusammen begeben und mit vereinigten Kräften ihr Bestes befördern, bis sie imstande sind, sich alle Bequemlichkeiten zu verschaffen […]. Wenn dies geschieht, so begeben sie sich in eine Gesellschaft […]. Diese Gesellschaft pflegt man das gemeine Wesen zu nennen." (Literatur Wolff, Gedanken, 67f; 172)

 

zurück   6.7.3 Argumentative Grundfiguren: Naturzustand, Vertrag
 
 
zum Seitenanfng
             © 2003 by Barbara Stollberg-Rilinger • mail:  fnz.online@uni-muenster.de