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6. Politische Theorie und moderne Naturrechtslehre
 
Glossar

 Glossar Älteres / Jüngeres deutsches Naturrecht  
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(tn) Eine vom Historiker Diethelm Klippel eingeführte Unterscheidung zur Bezeichnung zweier unterschiedlicher Phasen der deutschen Naturrechtslehre, die sich trotz ihres gemeinsamen argumentativen und konzeptionellen Ansatzes in ihrem politischen Standort wesentlich voneinander unterscheiden. Nach Literatur Klippel, Naturrecht, 267 gilt, "daß im 18. Jahrhundert zwei im wesentlichen zeitlich aufeinanderfolgende Naturrechtsströmungen zu unterscheiden sind, deren erste im 17. Jahrhundert beginnt und deren zweite im 19. Jahrhundert ausklingt: zunächst das vor allem von Pufendorf, Thomasius und Wolff geprägte ältere deutsche Naturrecht als politische Theorie des Absolutismus der Aufklärungsperiode, dann das um 1780 einsetzende jüngere deutsche Naturrecht als politische Theorie einer freiheitlichen, im weiteren Sinne liberalen Anschauung von Staat und Gesellschaft." Diese Unterscheidung ist nicht zu verwechseln mit der zwischen modernem und vormodernem Naturrecht, die sich gerade nicht auf die inhaltliche, sondern die konzeptionelle Ebene bezieht (vgl. verwandte Themen Was ist modernes Naturrecht?).


 
 Glossar Johannes Althusius  
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Johannes Althusius (tn) dt. Rechtsgelehrter, geb. 1557 in Diedenshausen (heute zu Bad Berleburg), gest. 12.08.1638 in Emden.

Studium in Köln, Genf und Basel. Nach der Promotion im römischen und kirchlichen Recht 1586 im selben Jahr Rechtsprofessor in Herborn; 1601 Lehrer am Gymnasium Arnoldinum in Steinfurt, dann Mitglied der gräflichen Kanzlei in Dillenburg und ab 1604 Stadtsyndikus in Emden.

Bekannt durch sein Hauptwerk Politica von 1603, in dem er auf der Kategorie der gegenseitigen vertraglichen Verpflichtung (obligatio mutua contracta) aufbauend eine systematische und vollständige Politiktheorie vorgelegt und damit eine auf den Prinzipien des politischen Ständetums beruhende Alternative zu den monarchischen Lehren wie Patriarchalismus und Gottesgnadentum geschaffen hat.

Politisches Hauptwerk: Politica methodice digesta atque exemplis sacris et profanis illustrata (1603)
Linkhttp://www.constitution.org/alth/alth.htm
(digitale Version der engl. Übersetzung: The Politics of Johannes Althusius. An abridged translation of the Third Edition of Politica Methodice Digesta, Atque Exemplis Sacris Et Profanis Illustrata, and including the Prefaces to the First and Third Editions, Translated, with an Introduction by Frederick S. Carney, Preface by Carl J. Friedrich, Boston 1964)


 
 Glossar animal sociale / zoon politikon  
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(tn) Eine der wirkungsmächtigsten anthropologischen Bestimmungen des Menschen, die von Aristoteles in seiner Schrift Politik geprägt wurde. In dieser bestimmt er den Menschen als ein Wesen, das von seiner Natur her auf das Leben in der menschlichen Gemeinschaft angelegt sei. Neben dem bloßen Über-Leben, das die Gemeinschaftsformen der Familie und des Dorfes ermöglichen, sei dem Menschen ein sittliches Gut-Leben aufgegeben, das er nur in der staatlichen Gemeinschaft als der höchsten Vergemeinschaftungsform verwirklichen könne. Damit kam dem Gemeinwesen eine überragende Bedeutung gegenüber dem Individuum zu. Diese Bestimmung war bis verwandte Themen Thomas Hobbes das Fundament der politischen Anthropologie.
Die zentrale Passage bei Aristoteles:
"Hieraus erhellt also, daß der Staat zu den von Natur bestehenden Dingen gehört und der Mensch von Natur ein staatliches Wesen ist, und daß jemand, der von Natur und nicht bloß zufällig außerhalb des Staates lebt, entweder schlecht ist oder besser als ein Mensch, wie auch der von Homer als ein Mann ‘ohne Geschlecht und Gesetz und Herd’ gebrandmarkte. […] Daß aber der Mensch mehr noch als jede Biene und jedes schwarm- oder herdenweise lebende Tier ein Vereinswesen ist, liegt amtage." (Literatur Aristoteles, Politik, 4)


 
 Glossar Christoph Besold  
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Christoph Besold (tn) dt. Jurist, Historiker und politischer Schriftsteller, geb. 22.9.1577 in Tübingen, gest. 15.9.1638 in Ingolstadt.

Stammt aus wohlhabender lutherischer Familie; ab 1591 Studium der Philosophie und der Rechte in Tübingen; 1598 Promotion, seit 1610 dort Professor; 1635 Eintritt in die österreichisch-württembergische Regierung und Öffentlichmachung seiner 1630 vollzogenen Konversion zum katholischen Bekenntnis. Seit 1636 Professor in Ingolstadt.

Vertreter des verwandte Themen Spätaristotelismus. Lehrte im Anschluß an Aristoteles die natürliche Sozialität des Menschen als animal sociale und den Staat als ebenso natürliche und im Menschen angelegte Vergemeinschaftungsform.

Politisches Werk u.a.: Synopsis Politicae Doctrinae. Editio Sexta (1648)
Link http://www.uni-mannheim.de/mateo/camenahist/besold15/te01.html
(Digitalisierung der Ausgabe Amsterdam 1648)


 
 Glossar Theodor Beza  
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Theodor Beza(tn) Eigentlich Théodore de Bèze, schweiz. reformierter Theologe franz. Herkunft, geb. 26.06.1519 in Vézelay (Burgund), gest. 13.10.1605 in Genf.

Lehrte seit 1559 in Genf an der theologischen Akademie, bei Ausbruch der Religionskriege 1561-63 setzte sich Beza für die französischen Hugenotten ein, wurde 1564 nach Johann Calvins Tod dessen Nachfolger. Von seinen zahlreichen theologischen und philologischen Schriften sind besonders die Vita Calvini (1564), die erste Calvinbiographie, sowie seine in mehreren Auflagen (1565-1611) erschienene textkritische Ausgabe des Neuen Testaments zu nennen.

Vertreter der calvinistischen Monarchomachen. In seinem Hauptwerk Du droit des magistrats sur leurs subjets entwickelt er die von seinem Lehrer Calvin erst angedeutete Widerstandslehre weiter. Diese baute einerseits auf einer Vertiefung der Lehre von den Magistraten und andererseits auf der religiösen Lehre eines doppelten Vertrags zwischen Volk und Gott bzw. Volk und König.

Politisches Hauptwerk: Du droit des magistrats sur leurs subjets (1575)
Link http://www.constitution.org/cmt/beza/magistrates.htm
(digitale Ausgabe der engl. Übersetzung von Henry-Louis Gonin)


 
 Glossar Bodin  
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Bodin (tn) franz. Staatsrechtler und politischer Philosoph, geb. um 1530 in Angers, gest. 1596 in Laon.

Anfangs Karmelitermönch, seit 1560 als Jurist in Paris; trat 1571 in den Dienst des Herzogs von Alençon. Bodin geriet 1572 während der Bartholomäusnacht in Lebensgefahr. Von 1577 bis zu seinem Tod war er Kronanwalt in Laon. Bei den Generalständen von Blois (1576) trat er als Deputierter des Dritten Standes als entschiedener Befürworter religiöser Toleranz auf.

Bodin entwickelte den Begriff der ‘Souveränität’: Er leitete die Vielzahl fürstlicher Vorrechte (Regalien) aus einem einzigen Vorrecht ab, nämlich dem Gesetzgebungsmonopol. Damit konzipierte er die theoretische Begründung der modernen, einheitlichen Staatsgewalt.

Politisches Hauptwerk: (Les) Six livres de la République (1576)
Link http://visualiseur.bnf.fr/Visualiseur?Destination=Gallica&O=NUMM-52223
(Digitalisierung der Ausgabe Paris 1581; 1583)


 
 Glossar Jacques Bénigne Bossuet  
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Jacques Bénigne Bossuet (tn) franz. Theologe und Kanzelredner, geb. 27.09.1627 in Djion, gest. 12.04.1704 in Paris.

Sohn eines Advokaten beim Parlament von Dijon. Im Jesuitenkolleg von Dijon erzogen, wurde Bossuet 1640 Kanoniker in Metz und 1652 Priester. 1670 wurde er mit der Erziehung des Dauphins beauftragt. 1682 erhielt er das Bistum Meaux. Bedeutend und von Einfluß war Bossuet v. a. durch seine rednerische Begabung. Sein literarisches Werk gehört zur französischen Klassik.

Bossuet verteidigte die absolute Monarchie durch die auf der Bibel beruhende patriarchalische Gottesgnadentheorie.

Politisches Hauptwerk : Politique tirée des propres paroles de l’écriture (1709)
Link http://visualiseur.bnf.fr/Visualiseur?Destination=Gallica&O=NUMM-103256
(Digitalisierung der Ausgabe Paris 1709)


 
 Glossar divine-right-theory  
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(tn) Eine zentrale vormoderne Politische Theorie, die das divine right of kings in den Mittelpunkt stellt. Nach diesem Ansatz ist allein die monarchische Herrschaft durch Gottes Willen legitimiert. Die Theorie arbeitet vorwiegend mit Analogieschlüssen: Die Herrschaft des Königs über sein Reich wird analog gesetzt mit der Herrschaft Gottes über die Welt. Eine weitere Analogie wird zwischen der in den Zehn Geboten sanktionierten väterlichen und der königlichen Herrschaft hergestellt. Das divine right of kings legitimiert die absolute fürstliche Herrschaft und schließt Widerstand gegen diese kategorisch aus. Sie steht in direktem Widerspruch zum verwandte Themen modernen Naturrechts, das politische Herrschaft aus einer freien vertraglichen Vereinbarung von Menschen herleitet. Wichtiger Vertreter ist Glossar Jacques Bénigne Bossuet.


 
 Glossar Erasmus von Rotterdam  
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Erasmus von Rotterdam (tn) niederl. Humanist und Theologe, geb. 28.10.1466 oder 1469 in Rotterdam, gest. 12.7.1536 in Basel.

Illegitimer Sohn eines Priesters, Eintritt in das Augustinerkloster Steyn bei Gouda. Priesterweihe 1492, danach in Diensten des Bischofs von Cambrai, der ihn zum Theologiestudium an die Universität Paris schickte (1495-99). Längere England- (1499-1500 und 1509-14) und Italienaufenthalte (1506-09). Distanziertes Verhältnis zu Luther und der Reformation. Zentralgestalt des christlichen Humanismus.

Politisches Hauptwerk: Institutio principis christiani (1516)
Linkhttp://mdz1.bib-bvb.de/%7Edb/bsb00002085/images/
(digitale Version der Ausgabe Basel 1516)


 
 Glossar Robert Filmer  
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Robert Filmer (tn) engl. politischer Philosoph, geb. um 1588, gest. 26.5.1653 in East Sutton.

Sohn von Sir Edward Filmer. Erzogen u. a. im Cambridger Trinity College, wurde Filmer zu Beginn der Regierung von Karl I. geadelt. In den Bürgerkriegen als Royalist gefangengesetzt (1643) und ausgeplündert, verbrachte er seine letzten Lebensjahre mit dem Verfassen politischer Manifeste und Schriften.

Filmer verteidigte die absolute Monarchie, indem er in seinem Patriarchalismus die königliche Gewalt mit der väterlichen gleichsetzte und diese als absolute Gewalt von Adam herleitete.

Politisches Hauptwerk: Patriarcha or the Natural Power of Kings (um 1638)
Linkhttp://www.constitution.org/eng/patriarcha.htm


 
 Glossar Gesellschaftsvertrag  
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(tn) Der Begriff bezeichnet im Kontext des verwandte Themen modernen Naturrechts normalerweise den grundlegenden (hypothetischen!) Vertrag, den die Naturzustandsbewohner untereinander schließen, um die ‘Gesellschaft’ (oft auch ‘Volk’) als eigenes Rechtssubjekt zu konstituieren. Der Gesellschaftsvertrag ist vornehmlich eine Argumentationsfigur und nicht ohne weiteres zu identifizieren mit konkreten Glossar Herrschaftsverträgen.


 
 Glossar Gewaltenteilung  
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(tn) Die Theorie der Gewaltenteilung, wie sie im wesentlichen vom modernen Naturrecht entwickelt wurde, steht in der Tradition der seit der Antike bekannten Lehre von der Glossar Mischverfassung. Beiden gemeinsam ist die Grundannahme, daß politische Herrschaft nicht bei einer Person oder Institution zentralisiert sein darf, da das Gemeinwesen sonst notwendigerweise zur Tyrannis oder Despotie entartet. Während die Mischverfassungslehre mit der Verbindung von Elementen der drei Staatsformen Monarchie, Aristokratie und Demokratie operiert, basiert die Gewaltenteilung auf der Unterscheidung verschiedener Staatsfunktionen. Das Anliegen ist jedoch keine strikte Trennung der Gewalten voneinander, sondern deren gegenseitige Kontrolle, die eine Verschränkung einschließt: Erst unterscheidet man die Gewalten theoretisch voneinander, um sie dann zur Sicherung der Machtbalance in Bezug auf das praktische Funktionieren vielfältig miteinander zu verschränken. Die wichtigsten Autoren sind Glossar John Locke und Glossar Charles-Louis de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu.

  1. Locke unterscheidet vier Gewalten:
    Die Legislative, die die Gesetze erläßt: "Die legislative Gewalt ist die Gewalt, die ein Recht hat zu bestimmen, wie die Macht des Staates zur Erhaltung der Gemeinschaft und ihrer Glieder gebraucht werden soll."
    Die Exekutive, die die Gesetze innerhalb des Gemeinwesens vollzieht: "Da aber die Gesetze, die auf einmal und in kurzer Zeit geschaffen werden, eine immerwährende und dauernde Kraft haben und beständig vollstreckt oder befolgt werden sollen, ist es notwendig, daß eine ständige Gewalt vorhanden sei, die auf die Vollziehung der erlassenen und in Kraft bleibenden Gesetze achten soll."
    Die Föderative, die das Gemeinwesen nach außen vertritt: "Dies enthält deshalb die Gewalt über Krieg und Frieden, über Bündnisse und all die Abmachungen mit allen Personen und Gemeinschaften außerhalb des Staates, und man kann, wenn man will, von einer föderativen Gewalt sprechen."
    Die Prärogative, die in Notstands- und Ausnahmesituationen ohne oder gegen gesetzliche Regelungen innerhalb des Gemeinwesens operiert: "Diese Macht, ohne Vorschrift des Gesetzes, zuweilen sogar gegen das Gesetz, nach eigener Entscheidung für das öffentliche Wohl zu handeln, ist das, was wir als Prärogative bezeichnen. Da in einigen Regierungen die gesetzgebende Gewalt nicht ständig in ihrer Funktion ist und in der Regel auch zu zahlreich und deshalb für die nötige Schnelligkeit des Vollzugs zu langsam ist […] - deshalb wird der exekutiven Gewalt ein Spielraum gelassen, viele Dinge nach Gutdünken zu regeln, wofür das Gesetz keine Vorschrift gibt." (alle Zitate: Literatur Locke, Abhandlungen, 291f.; 302)
    Die grundlegende Unterscheidung bleibt jedoch die zwischen Legislative und Exekutive, da Föderative und Prärogative zumeist mit der Exekutive verbunden sind.
  2. Montesquieu unterscheidet drei Gewalten, legislative, exekutive und richterliche:

    "Es gibt in jedem Staat drei Arten von Vollmacht: die legislative Befugnis, die exekutive Befugnis in Sachen, die vom Völkerrecht abhängen, und die exekutive Befugnis in Sachen, die vom Zivilrecht abhängen. Auf Grund der ersteren schafft der Herrscher oder Magistrat Gesetze auf Zeit oder für die Dauer, ändert geltende Gesetze oder schafft sie ab. Auf Grund der zweiten stiftet er Frieden oder Krieg, sendet oder empfängt Botschaften, stellt die Sicherheit her, sorgt gegen Einfälle vor. Auf Grund der dritten bestraft er Verbrechen oder sitzt zu Gericht über die Streitfälle der Einzelpersonen. Diese letztere soll richterliche Befugnis heißen, und die andere schlechtweg exekutive Befugnis des Staates." Literatur (Montesquieu, Geist, 216)

Es ist zu betonen, daß sich Lockes und Montesquieus Auffassung von der Gewaltenteilung weder aufeinander abbilden lassen, noch ohne weiteres mit der modernen Unterteilung nach Exekutive, Judikative und Legislative übereinstimmen.


 
 Glossar ‘gemischte Verfassung’ / Mischverfassung  
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(tn) Seit Aristoteles (384-322) unterscheidet man nach der Anzahl der Regierenden drei verschiedene Staatsformen: Monarchie (Einer), Aristokratie (Einige), Politie (Alle). Diesen ‘legitimen’ Staatsformen stehen ebenso viele ‘Verfallsformen’ gegenüber: Tyrannis (Einer), Oligarchie (Einige), Demokratie (Alle). Der Ansatz der ‘Mischverfassung’ geht davon aus, daß eine Staatsform dann stabil und nutzbringend verfaßt ist, wenn sie Elemente aus allen drei ‘reinen’ Staatsformen enthält. Damit stand eine Theorie zur Verfügung, mit der man z. B. sowohl die römische Republik (Konsuln/Senat/Volksversammlungen) als auch das Königreich England (König/Oberhaus/Unterhaus) beschreiben konnte. Die ‘gemischte Verfassung’ war in der FNZ eines der wichtigsten Modelle der politischen Theorie.


 
 Glossar James Harrington  
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James Harrington (tn) engl. politischer Schriftsteller, geb. 07.01.1611 in Upton (Northampton), gest. 11.09.1677 in London.

Studium in Oxford, Reisen in die Niederlande, Dänemark, Deutschland, Frankreich und Italien. Lebte bis 1646 zurückgezogen, danach am Hof Königs Karl I.; nach dessen Hinrichtung 1649 Abfassung des Hauptwerkes Oceana, das 1656 erschien und Cromwell gewidmet war. Nach der Restauration 1661 verhaftet und mehrere Jahre gefangen gehalten. Nach seiner Entlassung geistesgestört und bald darauf verstorben.

Vertreter der verwandte Themen politischen Utopie und des verwandte Themen Republikanismus.

Politisches Hauptwerk: The Commonwealth of Oceana (1656)
Link http://www.constitution.org/jh/oceana.htm


 
 Glossar Heiden / Häretiker  
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(tn) Obwohl diese beiden Begriffe in der heutigen Alltagssprache oftmals synonym gebraucht werden, verbergen sich dahinter aus Sicht des Christentums klar unterscheidbare Tatbestände. ‘Heiden’ ist dabei der Sammelbegriff für Nicht-Christen, also alle Menschen, die nicht das Sakrament der Taufe empfangen haben, deshalb außerhalb der Kirche leben und das Heil nicht erlangen können. ‘Häretiker’ hingegen sind getaufte Christen, die ‘Irrlehren’ anhängen, die sich gegen die Dogmen der kirchlichen Autorität richten (kath.) oder die Heilswahrheit des Evangeliums entstellen oder verkürzen (prot.). Der Begriff ‘Ketzer’ hat die gleiche Bedeutung wie ‘Häretiker’.


 
 Glossar Herrschaft  
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(tn) Nach Max Weber ist Herrschaft ein Spezialfall von Glossar Macht, der über sein Mittel (Befehl-Gehorsam) genauer spezifiziert ist: "Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden" (Literatur Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 28). Der Komplementärbegriff ‘Gehorsam’ wird dabei wie folgt definiert: "’Gehorsam’ soll bedeuten: daß das Handeln des Gehorchenden im wesentlichen so abläuft, als ob er den Inhalt des Befehls um dessen selbst willen zur Maxime seines Verhaltens gemacht habe, und zwar lediglich um des formalen Gehorsamverhältnisses halber, ohne Rücksicht auf die eigene Ansicht über den Wert oder Unwert des Befehls als solchen" (Literatur Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 123).


 
 Glossar Herrschaftsvertrag  
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(tn) Der Terminus ‘Herrschaftsvertrag’ meint je nach Verwendungszusammenhang sehr unterschiedliche Sachverhalte:
1. In der politischen Praxis der Vormoderne meint man damit konkrete Verträge zwischen Fürsten und den politischen Ständen ihrer Lande. Diese Verträge – zumeist geschlossen im Gefolge von Krisen oder Schwächeperioden der fürstlichen Herrschaft - haben meist zum Inhalt, daß der Fürst einerseits den Ständen politische Partizipationsrechte gewährt oder garantiert und im Gegenzug von diesen finanzielle Unterstützung erhält. Zeitgenössisch wurden diese Herrschaftsverträge dann auch als "Landes-Verträge" bezeichnet.

"Landes-Verträge aber seynd diejenige ausdrückliche und heutiges Tages allemal schrifftlich abgefaßte Vergleiche zwischen einem Landes-Herrn, so dann seinen Land-Ständen und Unterthanen, welche über allerley Vorfalleneiten, nach Zeit und Umständen, auf beständig, oder auf gewisse Zeit sc. errichtet werden." (LiteraturMoser, Landen, 942) (vgl. auch verwandte Themenständischer Widerstand)
2. Im verwandte Themen modernen Naturrecht wird ebenfalls manchmal von einem Herrschaftsvertrag gesprochen. Glossar Pufendorf und ihm nachfolgend das deutsche Naturrecht spaltete den von Glossar Hobbes einheitlich konzipierten Gesellschaftsvertrag in zwei Einzelverträge (und einen Beschluß) auf: Einen Vereinigungsvertrag (pactum unionis), der die Gesellschaft hervorbringt, und einen Unterwerfungsvertrag (pactum subjectionis), der die Gesellschaft der Obrigkeit unterwirft. Dieser zweite Vertrag wird gelegentlich auch als Herrschaftsvertrag bezeichnet. Anders als unter 1.) handelt es sich hier aber nicht um eine konkrete Vereinbarung, sondern eine Argumentationsfigur.


 
 Glossar François Hotman  
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François Hotman (tn) franz. Rechtsgelehrter und politischer Schriftsteller, geb. 23.08.1524 in Paris, gest. 12.02.1590 in Basel.

Sohn eines angesehen katholischen Juristen am Pariser Parlament; Studium der Rechte in Orléans, dann 1546 Instruktor für Römisches Recht in Paris. Wendet sich dem Calvinismus zu, zieht ab 1547 nacheinander nach Lyon, Genf und Lausanne, wo er schließlich Professor für lateinische Sprache wird. Danach umfangreiches diplomatisches, schriftstellerisches und wissenschaftliches Wirken im Dienst des calvinistischen Protestantismus.

Vertreter der calvinistischen Monarchomachen. Wollte in seinem Hauptwerk Franco Gallia aus der Geschichte nachweisen, daß Frankreich ursprünglich eine reine Wahlmonarchie gewesen sei und leitete daraus die Partizipationsrechte des ständisch gegliederten Volkes ab.

Politisches Hauptwerk: Franco Gallia (1573)
Link http://www.constitution.org/cmt/hotman/franco-gallia.htm
(digitale Version der engl. Übersetzung von Robert Molesworth London 1721)


 
 Glossar Legitimitätsglauben  
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(tn) Besteht zwischen Alter und Ego ein Herrschaftsverhältnis dergestalt, daß Alter über Ego herrscht, so besteht die Chance, daß Ego auf bestimmte Befehle Alters mit Gehorsam reagieren wird (Glossar Herrschaft). Das Bestehen des Herrschaftsverhältnisses ist dabei unabhängig davon, warum Ego dies tut, ausschlaggebend ist sein Handeln, nicht die dahinter stehende Motivation. Man kann dann im wesentlichen vier Motivlagen unterscheiden, an denen der Gehorsam Egos orientiert sein kann. Sie sind hier aufgeführt anhand einer hypothetischen Antwort Egos auf die Frage, warum Alter über ihn herrscht.

  1. Traditional: Alter herrscht, weil es immer so war!
  2. Affektuell: Alter herrscht, weil es sich gut anfühlt!
  3. Zweckrational: Alter herrscht, weil es (für Ego!) nützlich ist!
  4. Wertrational: Alter herrscht, weil es richtig ist!
Von Interesse ist hier der wertrationale Glauben an die Richtigkeit und den Eigenwert des Herrschaftsverhältnisses, denn die ‘Legitimität’ eines Herrschaftsverhältnisses wird durch einen solchen Glauben konstituiert. ‘Legitime’ Herrschaft ist also eine solche, von der die Herrschaftsunterworfenen glauben, daß sie richtig und gerechtfertigt ist und man ihr um ihres Eigenwerts willen gehorcht. Nach Max Weber lassen sich im wesentlichen drei Typen von Legitimitätsgeltung unterscheiden: "Es gibt drei reine Typen legitimer Herrschaft. Ihre Legitimitätsgeltung kann nämlich primär sein:

  1. rationalen Charakters: auf dem Glauben an die Legalität gesatzter Ordnungen und des Anweisungsrechts der durch sie zur Ausübung der Herrschaft Berufenen ruhen (legale Herrschaft), - oder
  2. traditionalen Charakters: auf dem Alltagsglauben an die Heiligkeit von jeher geltender Traditionen und die Legitimität der durch sie zur Autorität Berufenen ruhen (traditionale Herrschaft), - oder endlich
  3. charismatischen Charakters: auf der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person und der durch sie offenbarten oder geschaffenen Ordnungen (ruhen) (charismatische Herrschaft)" (Literatur Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 124).

Anmerkung:
Es sei auf eine mögliche Verwechslung hingewiesen: die Motive für Gehorsam ‘traditional’ und ‘wertrational, legitim, traditional’ sind zu unterscheiden, denn jenes meint stumpfe Gewöhnung an die Tradition, dieses jedoch den reflektierten Glauben an die Vorbildlichkeit der Tradition.

Lit: Veit-Michael Bader, Max Webers Begriff der Legitimität. Versuch einer systematisch-kritischen Rekonstruktion, in: Johannes Weiß (Hg.): Max Weber heute. Erträge und Probleme der Forschung, Frankfurt a. M. 1989, 296-334.


 
 Glossar Justus Lipsius  
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Justus Lipsius (tn) Eigentlich Joest Lips, niederl. klassischer Philologe, geb. 18.10.1547 in Overijse (Belgien), gest. 23.03.1606 in Löwen.

Professor für Geschichte und Beredsamkeit an der lutherischen Universität Jena seit 1572, wechselt 1576 an die katholische in Löwen, lehrte dann 1578-92 an der kalvinistischen in Leiden, danach wieder in Löwen; einer der bedeutendsten Altertumswissenschaftler seiner Zeit.

Mit seinen Schriften leistete er einen Beitrag zur theoretischen Grundlegung des Absolutismus und des Neostoizismus. Daneben begründete er mit dem Nachweis von der Notwendigkeit stehender Heere die Verwissenschaftlichung des Kriegswesens.

Politische Hauptwerke: Politicorum sive civilis doctrinae libri VI (1589), De constantia libri duo qui alloquium praecipue continent in publicis malis (1584)
Link http://www.wku.edu/~jan.garrett/stoa/stoaclas.htm
(digitale Version der engl. Übersetzung von De Constantia von John Stradling 1594)


 
 Glossar John Locke  
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John Locke(tn) engl. Philosoph, geb. 29.08.1632 in Wrington (County Somerset), gest. 28.10.1704 in Oates (County Essex)

Aus einem puritanischen Elternhaus stammend und humanistisch erzogen; ab 1652 Studium der Philosophie und Medizin in Oxford. Wandte sich der modernen Naturwissenschaft zu. Seit 1667 Sekretär und Arzt des Earl of Shaftesbury. Aus politischen Gründen 1675-79 in Frankreich, 1683-89 in Holland im Exil.

Gilt als Begründer des Empirismus und hatte besonders mit seinem erkenntnistheoretischen Hauptwerk und seinen politischen Schriften einen weit reichenden Einfluß auf die Philosophie des 17.-18. Jahrhunderts. Vertreter des liberal-bürgerlichen Naturrechts. Der Staatszweck besteht in der Sicherung des Eigentums der Individuen. Auf diesen ist die Regierung festgelegt.

Politisches Hauptwerk: Two treatises of government (1690)
Link http://www.constitution.org/jl/2ndtreat.htm
(digitale Version der Ausgabe London 1764)


 
 Glossar Macht  
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(tn) "Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht. ... Der Begriff der ‘Macht’ ist soziologisch amorph. Alle denkbaren Qualitäten eines Menschen und alle denkbaren Konstellationen können jemand in die Lage versetzen, seinen Willen in einer gegebenen Situation durchzusetzen" (Literatur Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 28). Als Spezialfälle von Macht kann man daher alle Fälle ansehen, in denen die Durchsetzung des eigenen Willens sich spezifischer Mittel bedient. Dazu gehören z.B. Glossar Herrschaft (Befehl), Gewalt (physischer Zwang), ökonomische Macht (Geld) u. a.


 
 Glossar Philipp Melanchthon  
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Philipp Melanchthon (tn) Eigentlich Philipp Schwarzert, dt. reformatorischer Theologe und Humanist, geb. 16.02.1497 in Bretten, gest. 19.04.1560 in Wittenberg.

Seit 1518 Professor für Griechisch an der Universität Wittenberg. Schließt sich 1519 der Reformation an und wird Luthers engster Mitarbeiter. Auf ihn geht die Confessio Augustana zurück. Versuchte Humanismus und Reformation zu verbinden.


 
 Glossar ‘more geometrico’  
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(tn) programmatischer Begriff der ‘Wissenschaftlichen Revolution’ des 17. Jahrhunderts, der die methodische Angleichung aller Wissenschaften an den axiomatischen Aufbau der Geometrie Euklids fordert, die streng deduktiv von Axiomen und Definitionen aus schließt.


 
 Glossar Niccolò Machiavelli  
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Niccolò Machiavelli

(tn) ital. Staatsmann und politischer Denker, geb. 05.05.1469 in Florenz, gest. 22.06.1527 in Florenz.

Machiavelli entstammt einer Familie unterer städtischer Beamter. Er erhielt eine sorgfältige Ausbildung, insbesondere in lateinischer Grammatik. Ab 1498 Beginn der politischen Karriere: Zuerst Sekretär der 2. Kanzlei, dann des Rats der Zehn. Als solcher mehrmals mit Missionen an die Höfe von Frankreich, Österreich und Rom betraut, über welche er Staatsschriften an seine Behörde sandte. Nach der Rückkehr der Medici nach Florenz wurde er von der Staatsverwaltung entfernt und verbannt.

Machiavelli ist Mitbegründer der politischen Klugheitslehren, die die ‘Eigengesetzlichkeit’ des Politischen ‘entdeckt’ haben. Sein Interesse gilt den faktischen Mechanismen des Machtgewinns und –erhalts, der Staatsräson.

Politische Hauptwerke: Il Principe (1515); Discorsi (1512-1517)
Link http://www.fordham.edu/halsall/basis/machiavelli-prince.html (digitale Version der engl. Übersetzung von W. K. Marriott von Il Principe)
 
 Glossar Personenverbandsstaat / institutionalisierter Flächenstaat  
 

(tn) Nach dem Historiker Theodor Mayer (1883-1973) unterscheidet man zwischen dem ‘Personenverbandsstaat’ und dem ‘institutionalisierten Flächenstaat’. Im ‘Personenverbandsstaat’ werden die politischen Herrschaftsverhältnisse durch die persönlichen und asymmetrischen Beziehungen zwischen einzelnen Personen begründet. Im europäischen Kontext stiftete zumeist das mittelalterliche Lehnswesen die Beziehungen zwischen Lehnsherr und Vasall: ‘Schutz und Schirm’ des Lehnsherrn gegen ‘Rat und Hilfe’ des Vasallen. Da der Vasall wiederum als Lehnsherr für eigene Untervasallen auftrat, konnte ein komplizierter hierarchischer Herrschaftsaufbau mit einer Vielzahl von Über- und Unterordnungen entstehen. Dabei ist jedoch zu beachten, daß die Vasallen neben der verliehenen Gewalt über die Lehen über ihre Eigengüter autonome Herrschaftsrechte ausübten, die sich nicht von ihrem Lehnsherrn ableiteten. Im ‘institutionalisierten Flächenstaat’ hingegen gibt es nur noch eine Quelle politischer Herrschaft – eben den ‘Staat’ –, von der alle weiteren Herrschaftsrechte abgeleitet sind. Diese einheitliche Staatsgewalt erstreckt ihre Herrschaft auf ein von ihr beanspruchtes Gebiet und erst nachfolgend auf alle Menschen, die sich in diesem Gebiet aufhalten.

Link http://www.bpb.de/wissen/9GB9LX,0,0,Stammesstaat.html
Link http://www.bpb.de/wissen/BSYRXH,0,0,Territorialstaat.html


 
 Glossar Positives Recht  
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(tn) Es sind zwei hauptsächliche Verwendungsweisen des Begriffs zu unterscheiden: positives vs. überpositives Recht: Hier meint positives Recht zusammenfassend und im allgemeinsten Sinne jegliches von Menschen gemachte Recht, unabhängig von seiner Entstehung, Herkunft oder Geltung. Diesem entgegengesetzt wird das überpositive Recht, das nicht von Menschen gemacht ist, sondern z.B. dem Sein der Natur (teleologisches Naturrecht), dem Willen Gottes (theonomes Naturrecht bzw. göttliches Recht) oder der menschlichen Natur (modernes Naturrecht) entspringt. In diesem Sinne wird der Begriff in der Erörterung des verwandte Themen modernen Naturrechts gebraucht.
positives vs. Gewohnheitsrecht: Hier meint das positive Recht "das in einem Rechtsetzungsverfahren gesetzte Recht;" ihm entgegengesetzt ist nun das Gewohnheitsrecht, verstanden als "das in der historischen Entwicklung gewordene Recht, welches auf ständiger Übung und gemeinsamer Rechtsüberzeugung beruht". (Helmut Rüßmann, Kleine Normenkunde, online unter: Link http://ruessmann.jura.uni-saarland.de/bvr2003/Vorlesung/normenkunde.htm)


 
 Glossar Samuel von Pufendorf  
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Samuel von Pufendorf (tn) dt. Jurist und Historiker, geb. 08.01.1632 in Dorfchemnitz (bei Chemnitz), gest. 26.10.1694 in Berlin.

Seit 1661 Professor des Natur- und Völkerrechts in Heidelberg, ab 1668 in Lund, 1677 schwedischer Historiograph und Staatssekretär in Stockholm, 1688 brandenburgischer Historiograph und Geheimer Rat in Berlin.

Wichtigster Vertreter des älteren deutschen Naturrechts.

Politische Hauptwerke: De jure naturae et gentium libri octo (1672), De Officio Hominis Et Civis Juxta Legem Naturalem Libri Duo (1673)
LinkDe Officio: http://www.constitution.org/puf/puf-dut.htm
(digitale Ausgabe der engl. Übersetzung: De Officio Hominis Et Civis Juxta Legem Naturalem Libri Duo by Samuel von Pufendorf, Volume Two: The Translation, by Frank Gardner Moore, Repr., New York / London 1964)
LinkDe Jure:
http://visualiseur.bnf.fr/Visualiseur?Destination=Gallica&O=NUMM-95829

(Digitalisierung der engl. Übersetzung Oxford 1703)


 
 Glossar Rechtspositivismus  
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(tn) In Ablehnung des naturrechtlichen Denkens in der 1. Hälfte des 19. Jhs. entstandene Auffassung vom Recht, die allein das Glossar positive Recht als Normquelle anerkennt und jeglichen Bezug auf überpositive Normen und Normbegründungen ablehnt.


 
 Glossar Jean-Jacques Rousseau  
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Jean-Jacques Rousseau (tn)franz.-schweiz. Philosoph und Schriftsteller, geb. 28.06.1712 in Genf, gest. 02.07.1778 in Ermenonville (bei Senlis).

1728 Flucht aus Genf, Übertritt zum Katholizismus; intensive musikalische und philosophische Studien. 1742 Übersiedlung nach Paris, Stellungen als Hauslehrer und Gesandtschaftssekretär; dort Umgang mit der Gruppe der Enzyklopädisten. Berühmt geworden 1750 durch seine Preisschrift Discours sur les sciences et les arts. Danach umfangreiche schriftstellerische und kompositorische Aktivitäten. 1754 Rückkehr zum Kalvinismus, Bruch mit Gönnern und Freunden, 1756-62 Entstehung der philosophischen Hauptwerke.

In seiner politischen Philosophie verbindet sich traditionelles republikanisches Gedankengut mit Argumenten des modernen Naturrechts zu einer zukunftsträchtigen Theorie, die die direkte Demokratie lehrt und die Teilhabe am Gemeinwesen positiv verklärt.

Politisches Hauptwerk: Du contrat social ou principes du droit politique (1762)
Link http://www.textlog.de/rousseau_vertrag.html
(digitale Version der dt. Übersetzung von Hermann Denhardt von 1880)


 
 Glossar Charles-Louis de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu  
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(tn) Charles-Louis de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu frz. politischer Philosoph und Schriftsteller, geb. 18.01.1689 auf Schloß La Brède (bei Bordeaux), gest. 10.02.1755 in Paris.

Betrieb humanistische und juristische Studien, war ab 1714 Mitglied und 1716-26 Präsident des Parlaments (=Gerichtshofs) von Bordeaux, danach ausgedehnte Bildungsreisen durch Europa und schriftstellerisches Wirken.

Heute vor allem bekannt aufgrund seiner Lehre von der Glossar Gewaltenteilung, entfaltet Montesquieu in seinem sowohl naturrechtliche als auch traditionelle Elemente enthaltenden Hauptwerk jedoch eine politische Soziologie, die in eine umfassende Kulturphilosophie eingebettet ist. Seine politisches Ideal ist die Freiheit, ihr Gegenpart die Despotie. Um diese zu vermeiden, entwickelt er eine Lehre der gesellschaftlichen Verteilung der politischen Gewalten, die sich gegenseitig ausbalancieren.

Politisches Hauptwerk: L’Esprit des Lois (1748)
Link http://www.constitution.org/cm/sol.htm
(Digitale Version der engl. Übersetzung: The Spirit Of Laws, by Charles de Secondat, Baron de Montesquieu, translated by Thomas Nugent, revised by J. V. Prichard, London 1914)


 
 Glossar Stoa  
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(tn) Eine der vier großen philosophischen Schulen der griechisch-römischen Antike neben den Epikureern (Begründer: Epikur (341-271)), Akademikern (Begründer: Platon (427-348/47)) und Peripatetikern (Begründer: Aristoteles (384-322)). Begründet durch Zenon von Kition um 300 v. Chr. in Athen, benannt nach ihrem Versammlungsort, der Stoa Poikile, einer bunt bemalten Wandelhalle. Einteilung der Philosophie in Logik, Physik und Ethik, wobei insbesondere die Ethik im Mittelpunkt stand. Die Stoiker lehrten die Beherrschung der Affekte und Leidenschaften; als Tugendideal galten die Zustände der Apathie (Nicht-Leiden) und der Ataraxie (Unerschütterlichkeit), in denen der ‘Weise’ unabhängig und damit wahrhaft ‘frei’ wird sowohl von den Geschehnissen der Welt als auch von seinen eigenen Leidenschaften.


 
 Glossar Tacitismus  
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(tn) Eine im 16. Jh. entstandene Art des indirekten und abgemilderten Machiavellismus, der zwar wesentliche Einsichten der verpönten Politischen verwandte Themen Klugheitslehre des Florentiners vortrug (Eigengesetzlichkeit des Politischen, Techniken des Machterwerbs und -erhaltung), aber dies im unverfänglichen Gewand einer moralisierenden Lektüre der Werke des Tacitus.


 
 Glossar Thomas Morus  
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Thomas Morus (tn) Eigentlich Sir Thomas More, engl. Staatsmann und Humanist, geb. 07.02.1477 oder 1478 in London, gest. 06.07.1535 in London.

Betrieb zuerst humanistische, theologische und juristische Studien, dann 1504-29 Mitglied des Unterhauses. Als angesehener Jurist Berater von Heinrich VIII. 1518 Aufnahme in den Geheimen Rat. 1529 wurde er Lordkanzler. 1532 Rücktritt im Zuge der von Heinrich VIII. geforderten Unterwerfung der englischen Priesterschaft. Wegen Verweigerung des Suprematseid auf den König des Hochverrats angeklagt und enthauptet. Selig- (1886) bzw. Heiligsprechung (1935) durch die katholische Kirche.

Begründete mit seiner Schrift Utopia das literarische Genre der Utopie. Darin entwirft er eine perfekte, weil humane und friedvolle Gesellschaftsform, die sich auszeichnet durch das Fehlen von Privateigentum, demokratisch-republikanischen staatlichen Strukturen und tugendhaften Bürgern.

Politisches Hauptwerk: De optimo reipublicae statu deque nova insula Utopia (1516)
Linkhttp://www.fordham.edu/halsall/mod/thomasmore-utopia.html
(digitale Version der Ausgabe in: Henry Morley (Hg.), Ideal Commonwealths. Comprising: More’s Utopia. Bacon’s New Atlantis. Campanella’s City of the Sun and Harrington’s Oceana, rev. Ausg., New York 1901)


 
 Glossar Vita activa / vita contemplativa  
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(tn) Seit der Antike bekannte Unterscheidung verschiedener Lebensstile. Die vita activa (tätiges Leben) ist auf das praktische Handeln im sich ständig verändernden weltlichen Gemeinwesen hin orientiert, die vita contemplativa (betrachtendes Leben) dagegen auf das ewig gültige theoretische Wissen.


 
 
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