Einführung in die Frühe Neuzeit  
 
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1. Reformation
 
Begriffe for beginners

von Antje Flüchter

Innere wie äußere Unterschiede zwischen den christlichen Konfessionen mögen heute eine immer geringere Rolle spielen, in der Frühneuzeit und vor allem im 16. und 17. Jh. ist die Kenntnis dieser Unterschiede für eine Historikerin und einen Historiker äußerst wichtig. Um diese Kenntnis zu vermitteln, benötigen Sie eine präzise Begrifflichkeit!!!

Evangelisch, protestantisch, reformatorisch, reformiert, calvinistisch, lutherisch, katholisch, altkirchlich, neukirchlich – da hat man die Qual der Wahl. Deshalb hier ein paar Hilfestellungen, eben Begriffe for Beginners:

Die Reformation beginnt in den meisten Geschichtsbüchern 1517 mit dem Auftreten Luthers, doch von seiner Kritik an der alten römischen Kirche bis zur Glaubensspaltung und der Etablierung mehrerer Konfessionen war es ein weiter Weg. Allerdings kann man seit diesem Zeitpunkt von reformatorischem oder proreformatorischem Gedankengut, einem reformatorischen Anliegen etc. sprechen. 

Für die Glaubensspaltung war der Augsburger Reichstag, 1530, von größter Bedeutung, da hier die Bekenntnisschrift des Luthertums der Reichstagsöffentlichkeit vorgelegt wurde. Nach 1530 kann man den Begriff lutherisch benutzen – eben für diejenigen, die man als Anhänger Luthers und seiner Bewegung kennzeichnen will. Vor 1530 ist es ratsam von neukirchlich und altkirchlich zu sprechen. 

Die Reformation ist aber nicht mit Luther gleichzusetzen, daneben gab es noch so Leute wie Melanchthon, Calvin, Zwingli, Butzer, etc. Die Calvinanhänger kann man als Calvinisten bezeichnen, die Zwinglianhänger als Zwinglianer. [Es gab auch Philippisten, benannt nach Philipp Melanchthon, aber die gehören in den Fortgeschrittenenkurs]. Zwinglianer und Calvinisten vereinigten sich später, danach nennt man sie alle Calvinisten oder Reformierte.

Merke: Reformiert darf nie, nie, nie verwendet werden, wenn man sich auf Menschen oder Gruppen bezieht, die an der Reformation interessiert sind, sich aber noch nicht entschieden haben. Diese sind evangelisch gesinnt, reformatorisch eingestellt oder was auch immer aber nie, nie, nie reformiert!!!

Will man die verschiedenen Gruppen der nicht-katholischen Konfessionen auf einen Oberbegriff bringen oder sich nicht festlegen (das kann manchmal ganz sinnvoll sein, da auch die Zeitgenossen sich im 16. Jh. oft noch nicht festgelegt hatten), schreibt man protestantisch (Ursprung: Protestatio gegen die katholische/altkirchliche Mehrheit auf dem Speyrer Reichstag 1529) oder evangelisch (Ursprung: sola scriptura-Prinzip Luthers, also bezogen auf das Evangelium, was natürlich nicht heißt, dass das Evangelium für die Katholiken unwichtig ist).

Katholisch bezeichnet das, was es heute auch bezeichnet, bis 1530 sollte man aber überlegen, ob man nicht altkirchlich schreiben sollte (und nur nebenher: katholisch heißt eigentlich, d.h. auf griech. allgemein).

 

 

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