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2. Konfessionelles Zeitalter
 
Glossar

 Glossar Aachener Händel 1582  
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(af) Die Aachener Händel sind ein Beispiel für die konfessionelle Problematik, die sich aus den Regelungen des Augsburger Religionsfriedens für Reichsstädte ergab. Der Stadtobrigkeit stand kein ius reformandi zu. In Aachen bedeutete dies, dass das Anwachsen der calvinistischen Bevölkerung keine Konsequenzen für die Zusammensetzung des Rates hatte. 1580 hatte die Bürgermeisterwahl eine calvinistische Mehrheit ergeben, aber schon 1560 war von einer kaiserlichen Kommission angemahnt worden, dass entsprechend des Ratswahldekrets nur Katholiken in den Rat gewählt werden könnten. Die Angelegenheit wurde auf den Reichstag von 1582 verschoben, doch ohne Erfolg für Aachen. 1593 wurde die Stadt mit der kaiserlichen Acht belegt. Der Katholizismus wurde durch die Reichsexekution von 1598 wiederhergestellt.

 Glossar Augsburger Interim 1548  
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(af) Nach der siegreichen Beendigung des Schmalkaldischen Krieges hatte Karl V. auf dem Augsburger Reichstag von 1548 eine neue Ausgangsbasis für eine religiöse Einigung unter kaiserlicher Oberhoheit gewonnen. Das dafür von gemäßigten evangelischen und katholischen Theologen ausgearbeitete Augsburger Interim war doch vor allem katholisch-kaiserlich geprägt. Inhaltlich gestand das Interim den evangelischen Ständen die Priesterehe und den Laienkelch zu, wobei ansonsten die katholischen Traditionen verbindlich bleiben sollten (und damit auch die bischöfliche Jurisdiktion). Für die katholischen Reichstände galt das Interim nicht, stattdessen erließ der Kaiser die Formula reformationis.
Das Augsburger Interim wurde zwar erlassen, war aber nicht durchführbar, da es von Katholiken wie Protestanten abgelehnt wurde. Theologisch war diese Lösung für beide Seiten nicht weitgehend genug, politisch war man nicht bereit dem Kaiser diese Kompetenz in Religionssachen zuzusprechen.

 Glossar Dimensionen der Konfessionalisierung  
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Das Konfessionalisierungskonzept zielt auf eine vergleichende Untersuchung in den verschiedenen Territorien, dafür hat Reinhard idealtypische Dimensionen des Prozesses systematisch zusammengestellt:

A Ursachen

B Formen
a) Verfahren

  1. Klares Glaubensbekenntnis – Ausmerzung von Unklarheiten
  2. Versorgung mit geeigneten Multiplikatoren – Sicherung gegen ungeeignete
  3. Propaganda – Zensur
  4. Reorganisation der Bildung – Monopolisierung der Bildung
  5. Kontrolle im Innern – Entfernung von Dissidenten und Abschließung
  6. Intensivierung der Riten – Betonung von Unterscheidungsriten
  7. Sprachliche Festlegung – sprachliche Auslegung

b) Institutionen

  1. Kirchenorganisation
  2. Konfessionsspezifische Bildungseinrichtungen
  3. Konfessionsspezifische Kontroll- und Repressionseinrichtungen
  4. Symbiose mit Staatsgewalt

C Folgen

a) intendiert

b) nicht intendiert

  1. Beitrag zum Wachstum der Staatsgewalt
  2. Beitrag zur Modernisierung
  3. Möglicherweise Beitrag zur emotionalen Krise Europas?
  4. Möglicherweise Beitrag zur Säkularisierung Europas

Literatur aus: Wolfgang Reinhard, Was ist katholische Konfessionalisierung? in: Ders./Heinz Schilling, Die katholische Konfessionalisierung. Gütersloh 1995, 426-427.

 Glossar Gegenreformation und katholische Reform  
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(af) „Gegenreformationen“ (Plural) als Bezeichnung für die Rückführung protestantischer Territorien zum Katholizismus wird seit dem 18. Jh. verwandt, erst Ranke erhob den Singular „Gegenreformation“ zu einer Epochenbezeichnung. Von Seiten katholischer Historiker wurde kritisiert, dass Gegenreformation ein rein reaktives Verhalten auf die Reformation impliziere und eine eigenständige katholische Reform ausblende. Hubert Jedin schlug vor, von „katholischer Reform und Gegenreformation“ zu sprechen. Dieses Begriffspaar setzte sich vor dem neuen Konzept der „Konfessionsbildung“ und im Anschluss des „Konfessionellen Zeitalters“ in der deutschen Geschichtswissenschaft durch.

Literatur Hubert Jedin, Katholische Reformation oder Gegenreformation? Ein Versuch zur Klärung der Begriffe nebst einer Jubiläumsbetrachtung über das Trienter Konzil. Luzern 1946.

 Glossar Glaubensbekenntnisse  
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(af) „Konfession“ bedeutet ursprünglich Glaubensbekenntnis, seit dem 19. Jh. aber auch eine Glaubensgemeinschaft, die eben auf einem solchen Bekenntnis beruht. Alle drei großen Konfessionen legten ihr Bekenntnis im Laufe des 16. Jh.s in theologisch-dogmatischen Lehrschriften fest:
Lutheraner: 1530 Confessio Augustana, 1588 Konkordienbuch;
Reformierte: 1542 Calvins Genfer Katechismus, 1559 Confessio Gallicana, 1563 Heidelberger Katechismus (seit der Dordrechter Synode 1618/19 allgemein anerkannte reformierte Bekenntnisschrift);
Katholiken: 1563 Abschluss des Konzils von Trient, 1566 Catechismus Romanus.

 Glossar Hugo Grotius  
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(ap) Bedeutender niederländischer Jurist und Theologe. 1583 in Delft geboren, fiel schon früh seine Begabung auf. Johan van Oldenbarnevelt stellte ihn dem französischen König Heinrich IV. als „das Wunder von Holland“ vor. Als Elfjähriger nahm er das Studium an der Universität Leiden auf und erwarb nach Studien der Philologie, Geschichte, Theologie und der Rechte 1598 den Doktorgrad in beiden Rechten in Orléans. Ab 1607 politische Ämter in der Provinz Holland und ab 1613 in der Stadt Rotterdam. 1618 wurde er im Zusammenhang des Streites um Arminius (verwandte Themen Dordrechter Synode/Arminianismus) als Remonstrant festgenommen und 1619 zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Nach der berühmten Flucht, angeblich in einer Bücherkiste, erhielt er Asyl in Frankreich, wo er 1621-1631 als Gelehrter wirkte. 1625 erschien in Paris sein juristisches Hauptwerk „De jure belli ac pacis“ („Vom Recht des Krieges und des Friedens“), das ihm den Ehrentitel „Vater des Völkerrechts“ einbrachte. 1627 veröffentlichte er die wirkmächtige theologische Schrift „De veritate religionis christianae“ („Von der Wahrheit der christlichen Religion“). Von 1635 bis an sein Lebensende war er Botschafter von Schweden in Paris. Er kam 1645 bei einem Schiffbruch auf der Rückreise aus Schweden ums Leben.
Als weitere wichtige Werke wären noch „Mare liberum“ (1609, „Freiheit der Meere“) zu nennen sowie seine „Annotationes“ ins Neue und Alte Testament aus den letzten Lebensjahren, die als wichtigster Bibelkommentar des 17. Jh.s gelten dürfen. 

 Glossar Jesuiten  
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(ap) Gesellschaft Jesu, lat. Societas Jesu, Abk. SJ. 1534 entstanden aus dem Zusammenschluss einer Gruppe von Studenten um Ignatius von Loyola in Paris, mit dem Gelöbnis zur Armut und Keuschheit und dem Ziel, das Heilige Land zu missionieren. Die Unmöglichkeit einer Palästinafahrt führte dazu, das Ziel dahingehend zu revidieren, sich dem Papst für apostolische Sendungen zur Verfügung zu stellen. Papst Paul III. erkannte 1540 den neuen Orden an, dessen Regeln, noch von Ignatius von Loyola ausgearbeitet, erst nach dessen Tod 1558 approbiert wurden. Ausbreitung des Glaubens durch Predigt, karitative Werke, Seelenführung und nicht zuletzt Schultätigkeit bilden den Schwerpunkt ihrer Arbeit. Besondere Bedeutung kommt den geistlichen Übungen zu, den so genannten Exerzitien.
Die Jesuiten entwickelten sich schnell zu einer „intellektuellen Schlagtruppe“ der katholischen Kirche (scherzeshalber wird ihre Abkürzung SJ auch mit „Schlaue Jungs“ wiedergegeben). Wenn auch die Jesuiten stark hierachisch organisiert sind, so hat der Verzicht auf Ordenskleidung, gemeinsames Chorgebet und Ortsansässigkeit (stabilitas loci) die Wirkung dieses neuen Ordenstypus stark befördert. Den Jesuiten kommt ein wichtiger Teil bei der Umsetzung der Reformen des Trienter Konzils zu (Jesuitenkollegien, Jesuitentheater).
Nicht unumstritten, gerade auch im katholischen Lager, gingen die Anfeindungen so weit, dass die Jesuiten 1773 vom Papst verboten wurden. Erst 1814 ließ Rom die Jesuiten wieder zu. 

 Glossar Jülich-Klevischer Erbfolgestreit (1609-1614)  
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(af) Vorspiel des Dreißigjährigen Krieges: 1609 stirbt Herzog Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg („letzter des Stammes“). Erbansprüche auf dieses strategisch wichtige und konfessionell gemischte Land erheben Brandenburg und Pfalz-Neuburg (die so genannten Possedierenden, beide Lutheraner), aber auch der Kaiser. Im Dortmunder Vertrag von 1609 beschließen Brandenburg und Pfalz-Neuburg die gemeinsame militärische Besetzung; dies wird vorläufig von den Landständen akzeptiert (nach der Garantie ihrer Privilegien und der Religionsfreiheit für alle drei Konfessionen). Der Kaiser erhebt erfolglos Einspruch.
Mit dem Beitritt Kurfürst Johann Sigismunds von Brandenburg zur Union (verbündet mit Heinrich IV. von Frankreich, der den Einmarsch am Niederrhein plante) verschärft sich die Situation. Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm konvertiert zum katholischen Glauben, sucht Hilfe bei Liga, Kaiser und Spanien. Johann Sigismund wird calvinistisch und nun von den Niederlanden unterstützt (Einmarsch Moritz von Oraniens). Bevor es zu militärischen Aktionen zwischen den Possedieren kommt, vermittelt englische wie französische Diplomatie. Im Vertrag von Xanten (1614) wird das Land aufgeteilt. Der Pfalzgraf erhält Jülich-Berg, Brandenburg Kleve, Mark und Ravensberg.

 Glossar Grafik: Kirchenorganisation  
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Lutherische Kirchenverfassung  reformierte Kirchenverfassung

Katholische Diözese

Entnommen aus: Heinrich Richard Schmidt, Konfessionalisierung im 16. Jh.

 Glossar Kölner Krieg 1583  
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(af) Der Kölner Erzbischof Gebhard Truchseß von Waldburg verkündete 1582 seinen Übertritt zum Protestantismus und stellte gleichzeitig in seinem Land die katholische wie die lutherische Konfession frei. Der Anlass zu diesem Übertritt war weniger bzw. nicht nur religiöser Art, sondern auch sein Wunsch, die Stiftsdame Agnes von Mansfeld zu heiraten. Die Konversion eines geistlichen Fürsten bei Beibehaltung seines Amtes widersprach dem geistlichen Vorbehalt, wie er im Augsburger Religionsfrieden festgelegt worden war. Dazu bestand im Falle Kölns die Gefahr einer evangelischen Mehrheit im Kurfürstenkollegium und der Fall einer wichtigen Bastion des Katholizismus im Reich. 1583 wurde Gebhard Truchseß von Waldburg von Papst Gregor XIII. für abgesetzt erklärt. Da er sich diesem Absetzungsspruch nicht fügte, kam es zum Kölner Krieg zwischen ihm und v.a. bayerischen Truppen, die ihn schließlich aus Westfalen vertrieben. Damit war der Versuch gescheitert, eines der bedeutendsten Bistümer im Reich zu säkularisieren.

 Glossar Mediatisierung   
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(af) im Heiligen Römischen Reich die Aufhebung der immediaten Stellung (Reichsunmittelbarkeit) eines weltlichen Reichsstandes unter gleichzeitiger Annexion seines Territorialbesitzes durch einen mächtigeren Reichsstand (Unterwerfung unter dessen Landeshoheit). Mediatisierungen wurden seit dem Mittelalter üblich, in größerem Umfang erfolgten sie durch den Reichsdeputationshauptschluss (1803) und die Rheinbundakte (1806). 

 Glossar Periodisierungsfragen  
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(af) Für die Periodisierung der Konfessionalisierung stehen verschiedene Modelle zur Verfügung:

Zwei-Phasen Modell:

Problem: auf das Reich fokussierte Periodisierung.

Vier-Phasen Modell (Schilling):

  1. Vorkonfessionelle Phase: späte 1540er bis frühe 1570er Jahre -> funktionierender Religionsfrieden
  2. Überleitung zur konfessionellen Konfrontation: Verstärkte Polarisierung und Konfrontation der Konfessionen, nicht zuletzt wegen der Ausbreitung der „Zweiten Reformation“
  3. Höhepunkt der Konfessionalisierung: 1580er bis 1620er: 
  4. Abschluss der Konfessionalisierung: vor allem nach Westfälischem Frieden 1648.

In letzter Zeit wird vor allem von Helga Schnabel-Schüle der Schlusspunkt durch den Westfälischen Frieden, 1648, in Frage gestellt.

Literatur Helga Schnabel-Schüle, Vierzig Jahre Konfessionalisierungsforschung - eine Standortbestimmung, in: Konfessionalisierung und Region (Forum Suevicum. Beiträge zur Geschichte Ostschwabens und der benachbarten Regionen Band 3). Konstanz 1999, 23-40.

 Glossar Ritterfehde/ Sickingsche Fehde  
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(af) Die Reichsritterschaft befand sich zu Beginn des 16. Jh.s in der Krise, ihre Stellung und traditionelle Lebensweise wurden durch die entstehenden Territorialstaaten bedroht. Dieser Bedrohung begegneten die Ritter vielfach mit Einungen (regionalen Zusammenschlüssen zur Wahrung der eigenen Interessen, die sich oft gegen einzelne Landesherren richteten). Gleichzeitig gehörte die Reichsritterschaft schon früh zu der Luther unterstützenden Fraktion.
Ein typischer Vertreter war Franz von Sickingen (1481-1523), der 1522 zum Hauptmann eines Bundes der schwäbischen und fränkischen Reichsritterschaft gewählt wurde. Damit glaubte er eine ausreichende Machtbasis zu haben, um gegen den Kurfürsten von Trier vorgehen zu können. 1522 brach Sickingen in Trierer Gebiet ein, doch die geplante Eroberung misslang. Sickingen wurde vom Reichsregiment in die Acht erklärt. 1523 musste er sich den verbündeten Fürsten von Trier, Hessen und Pfalz ergeben.
Nach der Niederschlagung der Sickingschen Fehde war die Reichsritterschaft als gestaltende Kraft im Reich ausgeschaltet. Die Territorialfürsten waren die neue entscheidende Macht.

 Glossar Sozialdisziplinierung  
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(af) Das von Gerhard Oestreich entwickelte Konzept der Sozialdisziplinierung kann als spezifisch deutsche Modenisierungstheorie verstanden werden, oft wird sie parallel zum Prozess der Zivilisation von Elias und der Rationalisierungstheorie Max Webers gestellt. Oestreich bezog sein idealtypisches Modell auf die Staatsbildung im Rahmen des absolutistischen Staates. Das „neue“ an diesem Konzept ist seine Abgrenzung von der rein politischen oder wirtschaftshistorischen Forschung, dementsprechend versteht es Winfried Schulze als „Emanzipation von der politisch-dynastischen Geschichtsschreibung“ (Literatur Schulze, Sozialdisziplinierung, 271). Gerhard Oestreich versteht die Sozialdisziplinierung „als Fundamentalvorgang, als Grundtatsache und als Leitidee“ des absolutistischen Zeitalters, die Staat und Gesellschaft verändert hätte. Sie hatte eine bedeutsame gesellschaftliche Wirkung auf „die geistig-moralische und psychologische Strukturveränderung des politischen, militärischen, wirtschaftlichen Menschen“ (Literatur Oestreich, Strukturprobleme, 187-188).
Das Sozialdisziplinierungskonzept besteht aus verschiedenen Stufen:

  1. Sozialregulierung: Bemühen vor allem der Städte auf die Auflösungserscheinung der ständischen Gesellschaft zu reagieren und das menschliche Leben und Verhalten zu regulieren (Landes-, Policey-, Kirchenordnungen).
  2. Stabsdisziplinierung: Disziplinierung des Heeres nach neostoischen Prinzipien (z.B. vgl. oranische Heeresreform), Einübung von Gehorsam und Disziplin, der Disziplinierung des Heeres folgt die des „sitzenden Heeres“, also der Beamtenschaft, Ziel: Kontrolle und Affektbewältigung als Grundvoraussetzung einer geordneten Herrschaft.
  3. Ausgreifen der Disziplinierung auf die gesamte Bevölkerung. Der Aufgeklärte Absolutismus als Schluss- und Höhepunkt der Sozialdisziplinierung, erfasste jeden Bereich des staatlichen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und privaten Lebens.
    Oestreich versteht sein Konzept als einen rein säkularen Vorgang. Im Gegensatz zur früheren Kirchenzucht nutzt es nicht mehr geistliche oder soziale, sondern rechtliche Sanktionsmittel (Verrechtlichung).
 Glossar Streit um Donauwörth 1606  
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(af) Donauwörth war eine konfessionell gemischte Reichsstadt. Für diesen Fall hatte der Augsburger Religionsfrieden die Parität der Konfessionen auf der Grundlage des status quo festgelegt. Innerhalb der Bürgerschaft kam es aber zu Auseinandersetzungen zwischen der katholischen Minderheit und der evangelischen Mehrheit. Kaiser Rudolf II. beauftragte daraufhin 1606 den Herzog von Bayern, den katholischen Gottesdienst in Donauwörth zu schützen. Als die Protestanten die Abgesandten des Herzogs vertreiben, wird 1607 die Reichsacht gegen Donauwörth verhängt, die Bayern 1608 vollstreckt. Aus der Reichsstadt wurde eine bayerische Landstadt.

 Glossar Dordrechter Synode 1618/19 (Arminianismus)  
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(ap) Die Synode von Dordrecht beschäftigte sich mit dem Streit um die Prädestinationslehre, der durch die Auseinandersetzung der beiden Leidener Professoren Gomarus und Arminius virulent geworden war. Die Anhänger der Lehre des Arminius (Arminianer oder nach ihrer Eingabe von 1611 „Remonstranten“ genannt) wurden verurteilt und die reine Lehre des Calvinismus in Canones festgelegt, die neben dem Heidelberger Katechismus (1563) als calvinistische Bekenntnisschrift allgemeine Geltung haben sollten. Die Synode mit Vertretern des calvinistischen Europas stellt somit eine Art Konsolidierung des Calvinismus dar und wurde deshalb von Randgruppen des calvinistischen Lagers als quasi papistisches Konzil gebrandmarkt.
Beide Parteien lehrten, dass Gott vor Anbeginn der Welt beschlossen habe, nur den Gläubigen die ewige Seligkeit zu schenken und dass der Mensch diesen Glauben nicht durch eigene Bemühungen, sondern nur durch Gottes Gnade erlangen könne. Wenige Buchstaben trennen die Formulierungen der beiden Gruppierungen, was hier an reine theologische Spitzfindigkeit denken lässt. Doch sind die Auswirkungen dieses Unterschieds bis hin etwa zur Staatslehre gravierend. Es ist deshalb wohl auch kein Zufall, dass sich die beiden schärfsten Kontrahenten im Machtpoker der jungen Republik auf die beiden Parteien verteilten: Johan van Oldenbarnevelt als Befürworter einer starken Stellung der Generalstände votierte für die Lehre des Arminius, der Statthalter Moritz von Oranien hingegen sah seine Stellung besser behauptet durch die Lehre des Gomarus (Gomaristen/Contraremonstranten).
In den fast zwanzig Jahren bis zum Zustandekommen der Nationalsynode von Dordrecht, zu der außerdem Vertreter aller calvinistischen Territorien Europas eingeladen wurden, hatte sich der Konflikt dergestalt entschieden, dass die Remonstranten nur noch ihre Verurteilung verkündet bekamen, Gomarus dagegen auf der Bank der Universitätsvertreter Platz nehmen konnte. Moritz von Oranien nutzte die Gelegenheit, sich seines Gegners Oldenbarnevelt zu entledigen, den er 1619 hinrichten ließ. Dessen Parteigänger Glossar Hugo Grotius wurde zu einer lebenslangen Haft verurteilt. 
Erst nach dem Tode von Moritz von Oranien (1625) konnten die Remonstranten wieder an Einfluss gewinnen. Auch an der Reform der anglikanischen Kirche unter William Laud (seit 1633 Erzbischof von Canterbury) wird der arminianischen Theologie maßgeblicher Anteil zugesprochen.

 Glossar Synode Emden 1571  
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(af) Während des niederländischen Aufstandes waren im Hl. Römischen Reich wie auch in England zahlreiche Flüchtlingsgemeinden entstanden. Auf der Emdener Synode traten Abgeordnete dieser Gemeinden zusammen und nahmen für die niederländischen Calvinisten die Confessio Belgicana, die Confessio Gallicana sowie den Heidelberger und den Genfer Katechismus an. Damit war ein wichtiger Schritt zur niederländisch-calvinistischen Konfessionsbildung getan. Zu einer allgemein anerkannten Kirchenordnung kam es jedoch nicht. Vielmehr brach über die Frage der Prädestinationslehre ein Streit zwischen den beiden Leidener Professoren Arminius und Gomarus aus, der zur Trennung der niederländischen Calvinisten in Remonstranten (Arminianer) und Contraremonstranten führt. 

 Glossar Vierklosterstreit (1600)  
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(af) Die Verschärfung der konfessionellen Gegensätze im Reich legten immer mehr die Rechtsprechung der Reichsinstitutionen lahm. Der Vierklosterstreit entzweite den so genannten Deputationstag („kleine Reichstage“ zur Beratung nachgeordneter Probleme, bei den Kurfürsten paritätisch besetzt, bei den Fürsten aber kath. Mehrheit).
Der Vierklosterstreit entbrannte um die Säkularisation von vier Klöstern (in der Grafschaft Oettingen, Markgrafschaft Baden-Durlach, Reichsstadt Salzburg, Gebiet des Reichsritters von Hirschhorn). Nach Auffassung der Katholiken widersprach diese Vermögenskonfiskation dem Augsburger Religionsfrieden, für die Protestanten hingegen beinhaltete das ius reformandi ein Zugriffsrecht auf das Kirchengut. Die Frage der Klosteraufhebung wurde vor dem Reichskammergericht ausgetragen. Als das Reichskammergericht die Säkularisierung von Klöstern in besonderen Fällen für unberechtigt erklärte, verließ die Kurpfalz und zwei weitere protestantische Stände den Deputationstag und lösten ihn damit de facto auf.

 Glossar Zweite Reformation  
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(af) Den Begriff der „Zweiten Reformation“ prägte Heinz Schilling für den Konfessionswechsel zum Reformiertentum als Fürstenreformation. Die Zweite Reformation knüpft an oberdeutsche Traditionen an und verbindet sie mit calvinistischen Ideen. Der Begriff ist aber nicht unumstritten, der Begriff der reformierten Konfessionalisierung wird meist bevorzugt. Sie beansprucht, die Reform der Lehre, wie sie die lutherische Reformation bewirkt hatte, durch eine Reform des Lebens zu vollenden (Betonung der Sittenzucht), dringt auf eine radikalere Ausmerzung altkirchlicher Relikte. Außerdem führt sie zu einer Intellektualisierung des Glaubens, getragen von einer Beamten- und Bildungselite gegen den Widerstand in der Bevölkerung.

Literatur Harm Klueting, Gab es eine „Zweite Reformation“? Ein Beitrag zur Terminologie des Konfessionellen Zeitalters, in: GWU 38, 1987, 261-279.

 

 

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