Einführung in die Frühe Neuzeit  
 
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 LINKWEG ::: Inhalt / Europäische Expansion, 15.-16. Jh. / Umgang mit dem Fremden /
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Europäische Expansion
1. Europäische Expansion im 15. und 16. Jh.

1.4. DER UMGANG MIT DEM FREMDEN

 

nach unten 1.4.1. Deutung des Fremden
nach unten 1.4.2. Europäische Berechtigungsdebatte
nach unten 1.4.3. Formen der Christianisierung

 

  1.4.1. Deutung des Fremden  
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Das Fremde wird stets in die Kategorien des Vertrauten „übersetzt“; z.B. die Deutung nach dem biblischen Paradiesmotiv: „Wilde“ erscheinen – u.a. wegen ihrer Nacktheit – als Menschen ohne jede Kultur. Wechselseitiges Unverständnis: „Jeder ist der Barbar des anderen“ (Literatur Todorov, Eroberung). 

Die kulturellen Deutungsmuster der Indios wirken sich zugunsten der Conquistadoren aus und lähmen den indianischen Widerstand (Deutung der Conquistadoren als aztekische Götter; Erwartung, dass sich Untergangsprophetien erfüllen). 

Bildquelle: Antipoden in der Schedelschen Weltchronik 1493

Quelle: Mundus Novus, Brief von Amerigo Vespucci an Lorenzo di Pier Francesco de’ Medici über die Neue Welt, 1502

Quellen: Kulturkontakt

  1.4.2. Europäische Berechtigungsdebatte  
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Schon seit 1511 üben Dominikaner (Montesinos, Glossar Las Casas) scharfe Kritik am Umgang mit den Indios. Erste Leitlinien für eine Rechtsstellung der Indios in der spanischen Gesetzgebung erstellt die Kommission in Burgos (1512); aber die Krone weist die dominikanische Kritik zurück. Ansatz zur Selbstlegitimation der Eroberer durch „Requerimiento“ (notarieller Akt, von 1526 bis 1573 bei jeder Inbesitznahme von Land vorgeschrieben): Eingeborene werden über die Autorität des Christengottes, des Papstes und des spanischen Königs aufgeklärt und aufgefordert, sich freiwillig zu unterwerfen, andernfalls sei ihnen ihre Versklavung oder Tötung selbst zuzurechnen.

Las Casas unternimmt zahlreiche Seereisen nach Spanien, um den König zum Eingreifen gegen die Ausbeutung und Vernichtung der Indios zu bewegen („Brevisíma relacíon de la destruición de las Indias“, 1542 verfasst, 1552 gedruckt, in zahlreiche Sprachen übersetzt). Unter diesem Einfluss entsteht die päpstliche Bulle Sublimis Deus (1537), die „allen Völkern der Erde“ Freiheit und Besitz zuspricht; der spanische König erlässt mildere Gesetze gegenüber den Indios („Leyes Nuevas“, 1542, teilweise 1545 wieder zurückgenommen).

Die Debatte um die Rechte der neuentdeckten Völker regt völkerrechtliche Theoriebildung an (dominikanisch geprägte spätscholastische Jurisprudenz der „Schule von Salamanca“: Francisco de Vitoria, Domingo de Soto, Francisco Suarez). Gegen die Auffassung, die Indios seien vernunftlose Halbmenschen und Sklaven von Natur, vertritt man, dass die Indios zwar Barbaren seien, aber ihre Gemeinwesen prinzipiell politisch unabhängige Mitglieder der Völkerrechtsgemeinschaft. Im Effekt legitimieren allerdings die Völkerrechtler die spanische Eroberung, bestreiten aber den päpstlichen und kaiserlichen Universalanspruch.

Quelle: Die Adventspredigt des Antón Montesinos, 1511

Quelle: Las Casas, Brevísima relación de la destruición de las Indias

Quelle: Päpstliche Bulle Sublimis Deus, 1537

Quelle: Requerimiento

Quelle: Juan Ginés de Sepúlveda über die spanische Eroberung Amerikas (Demokrates secundus, 1544/45)

  1.4.3. Formen der Christianisierung  
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In Amerika und Asien wurden unterschiedliche Glossar Strategien der Christianisierung verfolgt.

In Amerika erfolgt zunächst eine Zwangsmission:

Jesuiten, Dominikaner und Franziskaner als Missionare suchen die fremde Kultur zu verstehen, um den christlichen Glauben für die Einheimischen zu „übersetzen“, aber auch, um ihn damit desto vollständiger durchsetzen zu können (Diego Durán, Bernardino de Sahagún liefern wertvolle Überlieferung der indianischen Kultur).

Bildquelle: Übersetzung des Vaterunser für Indios

In Ostasien hingegen werden die Missionare von den Herrschenden nur toleriert und müssen andere Methoden anwenden (Akkomodation):

Dagegen richtet sich im 17. und 18. Jh. aus Europa scharfe Kritik (Glossar chinesischer „Ritenstreit“). Die Kenntnis der chinesischen Hochkultur erschüttert im 17. Jh. erstmals das kulturelle Überlegenheitsgefühl der Europäer.

Quelle: Verbot der chinesischen Riten durch Papst Clemens XI., 1704

 

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