Einführung in die Frühe Neuzeit  
 
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1. Europäische Expansion
 
Glossar

 Glossar Johann Adam Schall von Bell  
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Johann Adam Schall von Bell

Johann Adam Schall von Bell in der Kleidung eines Mandarin
Stich aus: Athanasius Kircher, China monumentis qua sacris qua profanis...aliarumque rerum memorabilium argumentis illustrata, Amsterdam 1649, Tafel 11

aus: Anette Völker-Rasor (Hrsg.), Frühe Neuzeit. München 2000, 79.

(el) Der Jesuit Johann Adam Schall von Bell (1592-1666) reiste 1618 nach Bejing und trat in den Dienst des chinesischen Kaisers. Er führte eine Kalenderreform in China durch, die – durch die Verbindung von Kosmos und Natur in der chinesischen Kultur – von zentraler Bedeutung war, da hierdurch die Bewegung der Himmelskörper, Sonnen- und Mondfinsternisse exakt vorausgesagt werden konnten (Keplersche Tafeln). Er stieg zum Mandarin erster Klasse (höchster Beamter) auf und wurde zum Direktor des Astronomischen Amtes.

 

 Glossar Bartolomé de Las Casas  
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(el) Bartolomé de Las Casas (1484-1566), Sohn eines spanischen Kaufmanns, kam erstmals 1502 als Konquistador in die „Neue Welt“ und erwarb auf La Española Land, das er zunächst von der einheimischen Bevölkerung in Zwangsarbeit bewirtschaften ließ. Als Zeuge der brutalen Eroberung Amerikas und der Unterdrückung der dortigen Bevölkerung durch die Spanier wurde er jedoch „der bedeutendste Vorkämpfer für die Rechte der Indianer“ (Literatur Gründer, Welteroberung, 112). Einen Wendepunkt in seinem Leben markierte wohl die anklagende vgl. Quelle Adventspredigt des Dominikaners Montesinos, dessen Orden er 1522 beitrat (Literatur Wendt, Begegnungen, 77). Bekannt wurde er v.a. durch die Veröffentlichung der vgl. Quelle Brevísima relación 1552, die er bereits 1541/42 als Informationsschrift an den spanischen König verfasst hatte, um Einfluss auf die geplanten „Neuen Gesetze“ zum Schutz der indigenen Bevölkerung Amerikas zu nehmen. Eine weitere wichtige Quelle bietet seine „Historia de las Indias“, die er 1527 auf La Española begann und 1563 abschloss. Dieses Werk enthält u.a. eine Zusammenfassung des nicht mehr in der Erstfassung erhaltenen Bordtagebuchs Columbus’ und eine Beschreibung der ersten Jahrzehnte der Conquista in Amerika.

Literatur Bartolomé de Las Casas, Werkauswahl, hrsg. von Mariano Delgado, Bd. 2: Historische und ethnographische Schriften. Paderborn/München/Wien/Zürich 1995.

 Glossar Christoph Columbus  
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Christoph Columbus, spanisch Cristóbal Colón (1451-1506) nahm von Genua aus an Seefahrten und Handel teil und kam 1476 nach Lissabon. Da der Versuch, die portugiesische Krone für die Suche nach einem Westweg nach Indien zu gewinnen, scheiterte, begab sich Columbus 1485 nach Spanien, wo er schließlich 1492 einen vgl. Quelle Vertrag mit Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón erwirken konnte, durch den ihm drei Schiffe für seine Reise und bestimmte Rechte zugesichert wurden.
Auf seiner ersten Fahrt (3.8.1492-15.3.1493) landete Columbus am 12.10.1492 auf einer der Bahamainseln. Auf der zweiten Fahrt mit 17 Schiffen und etwa 1500 Mann (25.9. 1493-11.6. 1496) kam er im November auf die Kleinen Antillen, nach Puerto Rico und Jamaika. Auf der dritten Fahrt (30.5.1498-25.11.1500) erreichte er mit sechs Schiffen das nördliche Küstengebiet Südamerikas (Trinidad, Orinocomündung, Isla Margarita). Auf der vierten Fahrt (11.5.1502-7.11.1504) berührte er auf der Suche nach einer Meeresstraße zum indischen Festland (gemäß seinen Vorstellungen) mit vier Schiffen die Küste Zentralamerikas (Honduras bis Panama) und kam über Kuba nach Jamaika. 
Mit der Westfahrt hoffte Columbus, der von der Kugelgestalt der Erde überzeugt war, den Ostrand der Alten Welt zu erreichen. Er blieb bis zum Ende seines Lebens in dem Glauben, Inseln vor der Ostküste Eurasiens betreten und den westlichen Weg nach Indien entdeckt zu haben (daher die Namen Westindische Inseln, Indianer). Obwohl Columbus nicht als erster Seefahrer Amerika erreicht hatte (vor ihm u.a. die Wikinger unter Leif Eriksson um 1000), gilt er als der Entdecker dieses Kontinents, dessen Eroberung durch europäische Mächte (zunächst Spanien und Portugal) er einleitete. (Literatur Brockhaus, Enzyklopädie in 24 Bänden, digitale Ausgabe)

Literatur Christoph Columbus, Bordbuch, Briefe, Berichte, Dokumente, ausgewählt, eingeleitet und erläutert von Ernst Gerhard Jacob. Bremen 1957.

 Glossar Vasco da Gama  
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Der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama (ca. 1469-1524) wurde von König Emanuel I. von Portugal beauftragt, den Seeweg nach Indien um das Kap der Guten Hoffnung zu finden und somit einen direkten Kontakt zu den Gewürzländern herzustellen. Er verließ Lissabon am 8.7.1497 mit vier Schiffen und gelangte am 20.5.1498 zur Westküste Vorderindiens bei Calicut. Er hatte damit die 80 Jahre währenden Bemühungen der portugiesischen Krone um eine Verbindung nach Indien erfolgreich abgeschlossen. Auf seiner zweiten Reise 1502-03, diesmal mit einer Kriegsflotte, sicherte Gama für Portugal das Handelsmonopol in Indien und erzwang die Anerkennung der Oberhoheit Portugals in den Städten an der Westküste Indiens. 1524 wurde er als Vizekönig nach Indien gesandt. Gama legte die Grundlagen für die Kolonial- und Handelsmacht Portugals in Vorderindien (Literatur Brockhaus, Enzyklopädie in 24 Bänden, digitale Ausgabe).

 Glossar Ritenstreit  
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(el) Während sich in Amerika „geistliche und weltliche Macht verschränkten“ (Literatur Wendt, Begegnungen, 75), waren die Missionare in Asien auf sich allein gestellt und mussten deshalb ihre Methoden der Missionierung möglichst an die dortige Kultur anpassen. Diese Akkomodation genannte Strategie verfolgten die Jesuiten in China, unter ihnen Alessandro Valignano (1539-1606), Matteo Ricci (1552-1610) und Roberto de Nobili (1577-1656), in dem sie sich in Kleidung und Verhalten den einflussreichen konfuzianischen Literaten anpassten und versuchten, eine Verbindung zwischen Christentum und Konfuzianismus herzustellen sowie „kulturelle Traditionen mit christlichen Vorstellungen zu harmonisieren“ (Literatur Wendt, Begegnungen, 76). 
Zu der Anpassungsmethode, mit der eine Missionierung der oberen Schichten erreicht wurde, gehörte die Beibehaltung der in China für jeden selbstverständlichen Konfuzius- und Ahnenriten sowie die Übersetzung von Kernbegriffen der christlichen Lehre in die asiatischen Sprachen. Seit 1631 gelangten in China jedoch auch Bettelorden (Franziskaner und Dominikaner), die diese Anpassung ablehnten, zu Einfluss und verzeichneten v.a. Erfolge bei der Bekehrung der Unterschichten. Die Auseinandersetzungen um den Grad der Akkomodation und die Vereinbarkeit der chinesischen Riten mit christlichen Vorstellungen führte 1704 zu einem Verbot der chinesischen Riten durch Papst Clemens XI.. Offiziell beendet wurde der Ritenstreit in China erst 1742 mit einer weiteren Bulle von Papst Benedikt XIV, durch die die chinesischen Riten endgültig verworfen wurden. Durch das Verbot der Akkomodation wandten sich viele Chinesen wieder vom Christentum ab; der Erfolg der jesuitischen Mission liegt somit weniger in einer Christianisierung, als vielmehr im Bereich der Vermittlung technischer, wissenschaftlicher und kultureller Innovationen aus Europa, v.a. im Bereich der Glossar Astronomie. (Literatur Schmitt, Kolonialreiche, 483-484; Literatur Reinhard, Expansion Bd. 1, 184ff., Literatur Gründer, Welteroberung, 258ff.)

Quelle: Verbot der chinesischen Riten durch Papst Clemens XI. (1704)

 Glossar Strategien der Christianisierung  
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Anpassung an die fremde oder Beibehaltung der eigenen Kultur? 
Reinhard diskutiert die Frage nach Anpassung an die fremde Kultur oder Beibehaltung der eigenen Kultur:
„Das missionstheologische Problem ist zugleich ein soziokulturelles: soll man mit beträchtlicher innerer Anpassung an die fremde Kultur deren Elite und damit das ganze Land zu gewinnen versuchen wie die Jesuiten oder ist es christlicher, ohne jede Akkulturationsstrategie die „Torheit des Kreuzes“ zu verkünden wie die Bettelorden (...)? Freilich lassen sich mit der zuletzt genannten Methode nur in gesellschaftlichen Randzonen Erfolge erzielen. Aber ist es nicht illusorisch, zu erwarten, daß sich die maßgebenden Gruppen einer unbeschädigten Hochkultur für die Religion einer fremden Kultur gewinnen lassen? Alle Anpassung muß ja die wesentlichen Inhalte der Botschaft der Missionare unberührt und damit deren letztliche Fremdheit bestehen lassen. Andernfalls wird zwar die neue Lehre für die Missionierten leichter annehmbar, sie vermögen sie aber rasch ihrer eigenen Weltanschauung zu assimilieren.“ (Literatur Reinhard, Expansion Bd. 1, 191)

 Glossar Amerigo Vespucci  
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(el) Der italienische Seefahrer Amerigo Vespucci (* 1451 in Florenz, gest. 1512 in Sevilla) kam erstmals 1490 nach Sevilla, stand hier u.a. im Dienst des Bankhauses der Medici und war an den Vorbereitungen der zweiten und dritten Fahrt des Columbus beteiligt. Er selbst unternahm nach eigenen Angaben vier Reisen in die „Neue Welt“, von denen aber nur zwei – 1499/1500 zur Nordostküste Südamerikas und 1501/02 zur brasilianischen Küste – tatsächlich belegt sind. Seine ausführlichen Reiseberichte, v.a. der Schilderung der Kultur der indigenen Bevölkerung Amerikas verhalfen ihm zu hohem Ansehen bei den europäischen Humanisten. Im Gegensatz zu Columbus war er überzeugt, dass es sich bei dem erreichten Festland nicht um Indien handele, sondern um einen bisher unbekannten Kontinent, wie er in seinem 1503/04 gedruckten Reisebericht vgl. Quelle „Mundus Novus“ darlegt. Bereits in seinem Brief an Lorenzo di Pier Francesco de’Medici, den er 1502 nach seiner Rückkehr nach Lissabon verfasste, beschrieb er die „Neue Welt“. (Literatur Schmitt, Entdeckungen, 174f.)

 Glossar Die Schedelsche Weltchronik von 1493  
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Titelholzschnitt der Schedelschen Weltchronik  

Titelholzschnitt der Schedelschen Weltchronik

Literatur Hartmann Schedel, Schedelsche Weltchronik 1493, ND München 1965.

(el) Die Schedelsche Weltchronik, die der Arzt Hartmann Schedel (1440-1514) mit Hilfe mehrerer Mitarbeiter verfasste, erschien erstmals 1493. Das Werk enthält 1809 Holzschnitte, darunter zahlreiche Städteansichten und eine ptolemäische Weltkarte; es gilt als „das bildreichste Werk aus der Frühzeit des Buchdrucks“ (Literatur Rücker, Weltchronik, 7). 
Schedel verfasste, vom Standpunkt der christlichen Heilslehre ausgehend, eine Weltgeschichte, die einen bedeutenden Einblick in das Weltbild zu Beginn der FNZ ermöglicht. Das Buch ist eingeteilt in die (christliche) Darstellung der sieben Weltalter. Es beginnt mit einem umfassenden „Register Des buchs der Chroniken und geschichten mit figure und pildnussen von anbegiñ der welt bis auf diese uñsere zeit“. 

 

 

   
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