• Allgemeines

    Das Institut für Katholische Theologie und ihre Didaktik wurde am 1. April 2008 gegründet und am 14. Januar 2009 feierlich eröffnet. Als größtes Institut der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster trägt sie damit dem differenzierten Verständnis der Fachdidaktik der Katholischen Theologie Rechnung.

    Fachdidaktik
    wird am Institut für Katholische Theologie und ihre Didaktik  als ‚Vermittlungswissenschaft’ verstanden, die religiöse Bildungsprozesse reflektiert:
    Das gilt im Hinblick auf die Auswahl, Anordnung und Aufbereitung ihrer Inhalte und den damit verbundenen Intentionen, das gilt konstitutiv für die hier interagierenden Subjekte und nicht zuletzt im Hinblick auf die Rahmenbedingungen, Situationen, Medien und Vermittlungswege. Eine so verstandene  Begriffsbestimmung zielt auf religiöses Lernen als einen lebenslangen Lern- und Bildungsprozess, der notwendigerweise verschiedene Ausgangspunkte, Wege und Perspektiven kennt.


    Aufgabe des Instituts
    ist in diesem Sinne die fachdidaktische Reflexion der Theologie in Forschung und Lehre.

    Geforscht wird zu differenziert zu sehenden Handlungsfeldern:

    • zum einen organisierte öffentliche Lern- und Erziehungsorte (Kindergarten, Vorschule, Heim, verschiedene Regel- und Sonderschulformen, Kirche, ...)
    • zum anderen organisierte öffentliche Bildungsorte (Erwachsenen- und Familienbildungsstätte, Kirche, Hochschule, ...).
    • Zum dritten Orte und Situationen potenzieller ‚öffentlicher Lernprozesse’ (Medien, Literatur, Forschungsberichte, öffentliche Stellungnahmen zu aktuellen kirchlichen und gesellschaftlichen Themen, Sozial- und Bildungspolitik, Öffentlichkeitsarbeit, Touristik, ...).

    Setzt die institutionalisierte Fachdidaktik in Deutschland deutliche Schwerpunkte im Bereich schulischer Handlungsfelder – Ergebnis der Entwicklung der Studierendenzahlen der einzelnen theologischen Studiengänge und den daraus resultierenden Anforderungen an das Lehrangebot – weitet das KThD sein Forschungsanliegen auch auf Priester und Diplom-Theologinnen und -Theologen aus, die in ihren konkreten Aufgaben in der Gemeindeleitung, in der Moderation von Gruppenprozessen, in der Begleitung von Strukturreformen, in Predigt und Katechese nicht ohne fachdidaktische Kompetenzen auskommen. Eingeschlossen sind auch Theologinnen und Theologen, die jenseits kirchlicher Berufsfelder z. B. in Journalismus, Personalführung oder im politischen Bereich tätig sind. Angeboten wird am KThD eine eigene Didaktik, die danach fragt, wie sich theologische Grundlagen und Forschungsergebnisse so formulieren lassen, dass sie allgemein zugänglich und verständlich – und damit verstärkt wieder öffentlich wahrnehmbar sind.

  • Münsteraner Modell der Fachdidaktik

    In der akademischen Landschaft wird die Fachdidaktik der Katholischen Religionslehre zumeist als Teilbereich der Religionspädagogik verstanden. In der Folge wird die Arbeit dieser theologischen Disziplin – nicht zuletzt auf Grund der hohen Studierendenzahlen im Lehramt – in Forschung und Lehre stark auf den Bereich der schulischen Religionsdidaktik fokussiert. Die Entscheidung für die Ausweitung auf ein möglichst breites religionspädagogisches Spektrum des Faches (Katechese, religiöse Früherziehung, Familienbildung, theologische Erwachsenenbildung, …), basiert inhaltlich vor allem auf zwei Argumenten:
    • Fachdidaktik ist eng mit allen Disziplinen der Theologie verknüpft. Sie kann nicht ohne fachwissenschaftliche Inhalte gedacht werden. Lernende als Lernsubjekte (im Unterschied zu bloßen Lehrobjekten) verleihen auch dem Vermittlungsprozess selbst eine theologische Dignität.
    • An der Frage der Mitteilbarkeit theologischer und religiöser Rede entscheidet sich, ob die Theologie der Verantwortung des Glaubens vor der Vernunft (fides quaerens intellectum) dienen soll. Anders herum sind die didaktischen Zusammenhänge ein ‚Sitz im Leben’ der gesamten Theologie, sie können also nicht auf die Praktische Theologie beschränkt werden.

    Das so begründete ‚Münsteraner Modell’ der Fachdidaktik basiert also auf der Prämisse, dass Fachdidaktik gemeinsame Aufgabe aller theologischen Disziplinen ist. Konsequenterweise weisen alle Sektionen der Theologie ein eigenes fachdidaktisches Angebot auf. Wissenschaftspraktisch wird kontinuierlich an einer mehrperspektivischen Anlage der Lehrveranstaltungen gearbeitet, die sich durch eine engere Verknüpfung von Fachwissenschaft und Fachdidaktik auszeichnet. Ein solches Modell stellt ungewohnte Anforderungen (fachdidaktischer und interdisziplinärer Art). Kooperative Veranstaltungen setzen Zeichen der Bereitschaft sich den Herausforderungen zu stellen.
    Das Münsteraner Modell der Fachdidaktik nimmt also einerseits alle theologischen Disziplinen in die Pflicht, andererseits sind die Religionspädagogik und Pastoraltheologie als diejenigen Fächer herausgefordert, die in spezifischer Weise mit der Theorie und Praxis religiöser Lehr-/Lern- bzw. Bildungsprozesse befasst sind.

  • Perspektiven auf religiöses Lernen

    Der Idee des Münsteraner Modells der Fachdidaktik folgend, definiert sich das Institut für Katholische Theologie und ihre Didaktik aus der Theologie selbst heraus. Die Konzentration auf religiöse Bildungsprozesse erfordert es, die ausdifferenzierten theologischen Fächer und Sektionen fachdidaktisch fokussiert zueinander in Beziehung zu setzen. Dies erfolgt über verschiedene Sichtweisen auf religiöses Lernen, zu denen die Fächer ihren je spezifischen Beitrag leisten. In diesem Sinne wird religiöses Ler-nen betrachtet unter der Hinsicht…

    • …seiner gesellschaftlichen und individuellen Rahmenbedingungen
      Hier sind einerseits genuin religionspädagogische Grundfragen angesprochen (wie etwa die Frage, was ein religiöser Lehr/Lern- bzw. Bildungsprozess überhaupt ist), andererseits auch Fragen, die im interdisziplinären Diskurs mit den Humanwissenschaften (z. B. Pädagogik, Psychologie, Soziologie) oder auch Naturwissenschaften zu klären sind. Innerhalb der Theologie ist der Bereich der Christlichen Sozialwissenschaften besonders angesprochen, ebenso andere theologische Fächer, etwa die Missionswissenschaft und die Feministische Theologie.
    • …der Theorie seiner Handlungsfelder
      Die Vielfalt fachdidaktischer Handlungsfelder erfordert eine differenzierte Sicht auf ihre spezifischen Charakteristika und Anforderungen. Auch didaktische Grunddifferenzierungen wie die zwischen Glaubens- und Religionsdidaktik sind hier zu treffen. Forschungsanliegen der Institutionen- und Systemtheorie wie -praxis bereichern insbesondere die Religionspädagogik und die Pastoraltheologie - wie auch die Christlichen Sozialwissenschaften, aber auch die Philosophie und die Fundamentaltheologie.
    • …der notwendigen lebensweltlichen Reformulierung der Theologie
      Die Erkenntnis, dass der Glaube nicht kontextunabhängig weitergebbar ist, führt zu einer „lebensweltlichen Wende“ (R. Englert). Die Geschichte der Religionspädagogik lässt sich aus didaktischer Perspektive als Suchbewegung zwischen einer strikten inhaltlichen Orientierung (an der Offenbarung) und einer strikten Schülerorientierung (an den lernenden Subjekten) auffassen. Die Berücksichtigung lebensweltlicher Kontexte und die Betonung der notwendigen Eigenaktivität im religiösen Lernprozess (Aneignung vs. ein einliniges Vermittlungsverständnis) bedeutet in diesem historisch-kritischer Perspektive die wissenschaftstheoretisch verortete Erweiterung um den notwendigen subjektiven Zugang zur Wahrnehmung von Wirklichkeit. Christlicher Glaube und mit ihm di Theologie müssen anignungsfähig reformuliert werden – und zwar dergestalt, dass ihre Inhalte einerseits sprachlich, andererseits hinsichtlich ihrer lebensweltlichen Anknüpfungspunkte und Bewährungsmöglichkeiten in neue Formen und Sprache übersetzt werden. Hier sind offenkundig alle theologischen Disziplinen gefordert.
    • …eines Verständnisses von Theologie als Lernprozess
      Wird die Theologie selbst als ein Lernprozess verstanden, hat die Didaktik der Katholischen Theologie zugleich auch auf die Theologie selbst zu schauen. In Auseinandersetzung mit verschiedenen inhaltlichen Ansprüchen, in Auseinandersetzung mit jeweils spezifischen Situationen versuchen Menschen, ihren christlichen Glauben immer wieder zu aktualisieren und neu zu formulieren. Die Theologie sucht wiederum nach Spuren dieser Versuche in dem Bemühen die kontinuierlichen Aktualisierungen immer wieder neu zu verstehen. Aufgabe der Didaktik ist es, den Weg des christlichen Denkens und Handelns als Lernweg aufzufassen und zu analysieren. In einem sich wechselseitig er-schließenden Prozess vollzieht sich religiöses Lernen, verstehen sich seine Subjekte, versteht sich die überlieferte Glaubensbotschaft immer wieder neu und sind wiederum alle theologischen Disziplinen gefordert.
    • …der Didaktik als organisiertes Vermittlungs- und Aneignungsgeschehen zwischen Subjekt und Objekt
      Den verschiedenen Handlungsfeldern religiösen Lernens geht es größtenteils um organisierte und zunehmend professionalisierte Lehr/Lern- bzw. Bildungsprozesse. Die Schwerpunkte der Arbeit liegen einerseits in der theoretischen Durchdringung dieser Lernprozesse und ihrer grundlegenden Mechanismen hinsichtlich der Auswahl, Intentionen, Elementarisierung und didaktisch reflektierten Vermittlungswege; andererseits in der analytischen Wahrnehmung der Praxis religiösen Lernens. Eine tragfähige, kontinuierlich weiterzuentwickelnde Praxistheorie ergibt sich aus beider wechselseitigen Durchdringung. Dies ist genuine Aufgabe der Praktischen Theologie, hier vor allem der Religionspädagogik.
    • …der Begegnung von Praxistheorie und Praxis im Ausbildungsprozess
      Zur Professionalisierung im Rahmen der Lehrerausbildung wie auch in der Ausbildung der Diplomtheologinnen und Diplomtheologen und der angehenden Priester gehört die Verknüpfung der Praxistheorie mit der Praxis des Unterrichtens, Lehrens, Predigens bzw. Begleitens in den unterschiedlichen Handlungsfeldern. Der Schwerpunkt universitärer Bildung (entgegen den folgenden Teilen der Ausbildung z. B. Referendariat, Pastoralassistenz, …) liegt auf der genauen, kategoriengeleiteten Wahrnehmung und analytischen Auswertung. Der Lernzuwachs betrifft sowohl die Handlungskompetenz als Ganze (und ist insofern Aufgabe der Religionspädagogik, Pastoraltheologie und Homiletik, insbesondere an deren Schnittstellen zur Praxis), als auch inhaltliche Aspekte des Lehrens und Lernens (insofern sind Kooperationen auch mit den anderen theologischen Disziplinen gefragt).
    Diese Vielfalt notwendiger Perspektiven zeigt, dass es der Katholisch-Theologischen Fakultät aus der Theologie selbst heraus um den Bildungsgehalt religiösen und theologischen Lernens geht. Angesichts der starken Tendenz utilitarisch gepägter Interessen zur Verschulung der Studiengänge erscheint ein solch umfassender Ansatz dringend geboten. Zugleich ist die Katholisch-Theologische Fakulät Teil der Gesamtuniversität, die sich als Ausbildungsstätte - insbesondere der angehenden Religionslehrerinnen und -lehrer - versteht. Vor diesem Hintergrund ist mit entsprechender gesellschaftskritischer Sensibilität der konkrete Bezug zu den späteren Handlungsfeldern zu gestalten.