Die Erzählung von den „römischen Schweinen“ kann erst Ende der 60er Jahre entstanden sein. Denn erst seit dieser Zeit ist die Legio Decima Fretensis im Land. Zwar ist das Schwein ein den Juden verhasstes Tier, das sie niemals essen würden, während die Römer Schweinefleisch für besonders gesund halten, aber der aggressive Ton unserer Geschichte erfordert mehr Konfliktpotential. Das war ab 66 n. Chr. gegeben.
Außerdem berichtet uns der römische Geschichtsschreiber Tacitus, dass es unter Kaiser Tiberius (14–37 n. Chr.) im Land Palästina „ruhig“ gewesen sei (sub Tiberio quies). Es scheinen dagegen Jesusanhänger der 60er Jahre gewesen zu sein, die ihre Besatzungs- und Unterdrückungserfahrung und zugleich ihre Befreiungshoffnung in diese Geschichte projiziert haben. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass die Erzählung in ihrem Kern etwas aufgreift, was typisch für den historischen Jesus (Link zu Ebene 3.2) gewesen ist. Ganz im Gegenteil. Aber in der vorliegenden Erzählung ist bereits der Glaube an den machtvollen, von Gott eingesetzten Retter vor den Feinden des Landes zu spüren. Anders gesagt: In dieser Geschichte zeichnen frühe Jesusanhänger ihr eigenes Messiasbild.

Bogen

Detail aus dem Titusbogen, Rom, Quelle: www.livius.org