Unsere Erzählung ist im Grunde eine Art narrativer Christologie. Sie erzählt von der tieferen Bedeutung Jesu: Jesus wird als Messias dargestellt.
Um die Zeitenwende sind immer wieder Männer in Israel aufgetreten, die sich als Messias ausgaben. Ihr Ziel – und zugleich ihre Beglaubigung – besteht darin, dass sie Israels Feinde aus dem Land vertreiben und in Israel den Raum schaffen, um Gott ungehindert verehren und nach seinen Geboten leben zu können. Insbesondere beim Ableben des Herodes, später bei der Umwandlung Judäas in eine römische Provinz – und eben im Zusammenhang mit dem jüdischen Aufstand Ende der 60er Jahre sind diese Gestalten gehäuft aufgetreten. Z. T. setzen sie sich ein Diadem zum Zeichen ihrer Königswürde auf, scharen einen Königsharem um sich oder ziehen in einer königlichen Prozession vom Osten her in die Stadt Jerusalem ein – also genau von der anderen Seite, von der der jeweilige Statthalter (aus Cäsarea am Meer vom Westen kommend) die Stadt betritt.
Mit der Schweinevernichtungsgeschichte legt eine frühe Jesusgruppe ihr eigene Vorstellung von Jesus als Messias vor: Sie ist durch und durch pazifistisch. Es gibt keine Gewaltanwendung. Wo Jesus hinkommt (oder das Evangelium von ihm verkündigt wird), nehmen die „schweinischen Römer“ Reißaus und stürzen sich dorthin, wo sie hingehören: ins Meer, das in der Glaubenswelt der Bibel immer für chaotische, aber von Gott bezwungene Urgewalten steht.
Anders als die Römer okkupiert Jesus das Land nicht, sondern zieht selbst wieder ab. Demjenigen, der die positive Befreiungserfahrung gemacht hat, eben dem geheilten Gerasener trägt er jedoch auf, seine Geschichte weiterzuerzählen. So wird der Boden für Jesus und seinen Gott „erobert“.
Natürlich ist eine derartige Geschichte, erzählt um 70 n. Chr. innerhalb des Imperium Romanum, höchst subversiv – wie das gesamte Markusevangelium, das eigentlich ein Anti-Evangelium darstellt.

Einzug

Giotto, Einzug in Jerusalem, Quelle: Wikimedia Commons