Johannes Schnocks
Das Alte Testament und die Gewalt

Gewalt

Es ist unbestritten, dass im Alten Testament immer wieder von Gewalt die Rede ist. In manchen Texten wird sogar Gott selbst als Urheber mit Gewaltereignissen in Verbindung gebracht, oder er fordert Menschen zu gewalttätigem Handeln auf. Auch wenn die wissenschaftliche Exegese in vielen Fällen einen Teil des Gewaltpotentials besser verstehbar machen konnte, bleiben solche Texte doch theologisch anstößig. Das gilt besonders, wenn man auch auf ihre Rezeptionsgeschichte schaut. Hier stellt sich die beklemmende Frage, ob die literarische Gewalt der Texte im Lauf der Geschichte zur Legitimierung zwischenmenschlicher Gewalt geführt hat oder – nach manchen Vertretern der aktuellen Diskussion um Religion und Gewalt – sogar dazu führen musste.
Die vorliegende Studie wendet sich zunächst mit Einzeluntersuchungen einigen »Gewalttexten« der Hebräischen Bibel zu. Ein zweiter Teil ist der Rezeption solcher Texte in den Makkabäerbüchern gewidmet und fragt, wie in dieser späten biblischen Literatur bereits auf die Hebräische Bibel zurückgegriffen wird, um gewalttätiges Handeln oder Herrschaft zu legitimieren. Der Ausblick am Ende des Buches behandelt punktuell die mittelalterliche Rezeption eines Psalms und zeichnet nach, wie »biblische« Legitimationsmuster der Gewalt konstruiert und etwa in der Kreuzzugspropaganda genutzt werden konnten.

Johannes Schnocks, geb. 1967, Dr. theol., ist Professor für Altes Testament an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster und Direktor des dortigen Seminars für Zeit- und Religionsgeschichte des Alten Testaments sowie Mitherausgeber der Reihe »Wissenschaftliche Monographien zum Alten und Neuen Testament«.

Weitere Infos hier