Exkursionsbericht

Bericht über die Exkursion im Sommersemester 2018

Fotos

Teilnehmende an der Exkursion
© Karin Frings / Joana Konrad
  • Die Exkursionsgruppe vor der National Gallery in London
    © Karin Frings / Joana Konrad
  • Die Exkursionsgruppe im Garten der großen Moschee in Paris
    © Karin Frings / Joana Konrad
  • Die Exkursionsgruppe staunt im Musée du Louvre in Paris
    © Karin Frings / Joana Konrad

Exkursion nach Paris und London - Wo die Bibel im Museum lebendig wird

Im Rahmen eines Hauptseminars im Sommersemester 2018 haben Ludger Hiepel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Exegese des Alten Testaments, und Volker Niggemeier, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Exegese des Neuen Testaments, eine Exkursion nach Paris und London organisiert. Die dortigen Museen, das Musée du Louvre (Paris) und das British Museum (London), zählen nicht nur zu den größten Kunst- bzw. kulturgeschichtlichen Museen der Welt, sondern sind auch von immenser Bedeutung für Geschichte, Religion und Kultur. Neben der Vielzahl an Exponaten zur Welt und Umwelt der biblischen Zeitgeschichte ist besonders die Qualität der Sammlungen hervorzuheben. Bei der Besichtigung und intensiven Auseinandersetzung mit ausgewählten Exponaten vor Ort wurde spürbar, wie die Texte der Bibel und deren Welt- und Umwelt im Museum lebendig werden.


Dienstag, 21.08.2018 – Am Morgen brach die zwölfköpfige Gruppe zu einer achttägigen Exkursion nach Paris und London auf, um sich in den dort ansässigen großen Museen, dem Musée du Louvre und dem British Museum sowie der National Gallery auf die Spuren der biblischen Welt und Umwelt sowie ihren Rezeptionen zu begeben. Mit der Bahn ging es zunächst zum Flughafen nach Düsseldorf und von dort weiter mit dem Flugzeug zum Flughafen Charles-de-Gaulle. In Paris wohnten wir im Hotel FIAP Jean Monnet.

Um am Abend einen ersten Eindruck von Paris zu bekommen, fuhr die ganze Gruppe nach Montmartre und stieg die Stufen zu Sacré-Cœur hinauf. Von hier aus konnten wir das fantastische Panorama und anschließend beim gemeinsamen Abendessen das Flair des Stadtteils genießen.

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Mittwoch, 22.08.2018 – Mit der Metro machte sich die Gruppe am Morgen auf den Weg zum Louvre. Gleich zur Öffnung des Museums steuerte die Gruppe die Abteilung mit den altorientalischen Altertümern an. Felix Arens führte die Gruppe zunächst in die Funde aus Ugarit ein. Den Schwerpunkt seiner Ausführungen bildete Baal, der ugaritische Wettergott. Neben der Vorstellung einer Stele, die Baal zeigt, und einigen Figurinen ging Arens u.a. auf das Verhältnis zum Alten Testament ein und nahm dazu den Götterkampf auf dem Kamel (1 Kön 18) in den Blick.

Karin Frings verfolgte mit ihrem Referat die Linie weiter zum Themenfeld der mesopotamischen Götter. Das mesopotamische Pantheon stellte sie am Kudurru des Meli-Šipak vor, der König von Babylon im 12 Jh. v. Chr. war. Der Kudurru zeigt einige Götter mit ihren Symbolen, Attributen oder Reittieren.
Die Mescha-Stele wurde von Florian Tiede vorgestellt, der sein Referat mit der Frage „Gibt es ‚Israel‘ nur in der Bibel?“ überschrieben hatte. Die 1868 in Dibon (östlich vom Toten Meer, im ehemaligen Gebiet von Moab, dem südöstlichen Nachbarn des antiken Israel) gefundene Stele mit der moabitischen Inschrift des Königs Mescha, der in der Mitte des 9. Jh.s v. Chr. regierte, ist eines der frühesten und das umfangreichste Eigenzeugnis moabitischer Geschichte und zugleich einer der ersten außerbiblischen Belege für die Existenz Israels.

Ludger Hiepel führte die Gruppe nach einer kurzen Kaffeepause zu einem Gemälde von Rembrandt Harmenszoon van Rijn. Das Bild von 1654 rezipiert die Erzählung aus 2 Sam 11 und zeigt Bathsheba als weiblichen Akt. War in früheren Gemälden zu dieser Erzählung König David selbst im Bild zu sehen (als Hinweis auf die biblische Referenz), nimmt bei Rembrandts Bild nun der Betrachtende die Rolle Davids ein, der Batseba bei ihrem Bad beobachtet. Nach intensivem Schauen, Analysieren und Diskutieren führte Ludger Hiepel die Gruppe zurück in die altorientalische Abteilung und stellte weitere wichtige Exponate aus dem Vorderen Orient vor. Darunter u.a. den Codex Hammurapi sowie die Naram-Sin-Stele.

Abschließend nahm Lisa Bassier das Bild Der Turmbaum zu Babel aus dem Jahr 1594 von Lucas van Valckenborch in den Blick. Bassier stellte das Bild zunächst in den zeitgeschichtlichen Kontext des 16. Jh.s in den Niederlanden und ging dann auf das Verhältnis zu sowie den Text von Gen 11,1–9 ein.
Am Abend des ersten Museumstages traf sich die Gruppe zu einer Seminarsitzung, in der Volker Niggemeier mit der Gruppe zentrale Themen zum NT für die nächsten Tage erarbeitete und vertiefte. Bei herrlichem Sonnenschein ging es in der Sitzung direkt neben der Kathedrale von Notre Dame am Ufer der Seine um das griechisch-römische Pantheon und um hellenistische Jenseitsvorstellungen.

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Donnerstag, 23.08.2018 – Den dritten Tag verbrachten wir im erneut im Musée du Louvre, um nun ausgewählte Exponate zu Texten des Neuen Testaments und dessen Umwelt zu bestaunen und mit den Texten in Abgleich zu bringen. Ein großes Themenfeld hier war zunächst das griechisch-römische Pantheon.
Nach einer kurzen Einführung in die Thematik am Exponat des Zwölfgötteraltars eröffnete Stephan Orth die Referate an diesem Tag. Vor der Statue des Jupiter aus Smyrna im Salle du Manège gab er fundiert Informationen zur Textstelle in Apg 14,8–20, in welcher Barnabas und Paulus im kleinasiatischen Lystra für die Götter Zeus und Hermes gehalten werden. Orth zeigte auf, das die Verwechslung keineswegs bedeutungslos erfolgt, sondern durch ein Erhellen insbes. des Lokalkolorits tiefere Hintergründe hat und die bewusst ungewöhnliche Verwechslung uns viel über die Kontexte von Lystra und die vorherrschenden Götterkulte und Traditionen offenbart.

Sodann konnte die Gruppe die monumentale Faszination einer Siegesgöttin spüren: Am Ende des großen Treppenaufgangs zwischen den beiden Museumsflügeln Sully und Denon steht die kolossale und gleichzeitig anmutig-ästhetische Skulptur der Nike aus Samothrake, zu welcher Karin Frings referierte. Die Referentin führte uns wortwörtlich methodisch trickreich zu Füßen der Siegesgöttin und gab Informationen zu Fundgeschichte und Rekonstruktion. Im Besonderen waren jedoch die Ausführungen zu Komposition und Stil der Skulptur diejenigen, die die Gruppe regelrecht in den Bann der Göttin zogen. Frings schlug in ihrem Vortrag auch den Bogen zum Lexem νίκη in 1 Joh 5,4.

Lisa Bassier stellte der Gruppe ein weiteres Highlight des Louvre vor: die Diana aus Versailles, ein beliebter Typus der Artemis Agrotera (= der Jägerin) in der römischen Kaiserzeit. Die Figur ist laufend und in Begleitung einer Hirschkuh dargestellt. Neben der Darstellung des Mythos der Artemis, der jeweils unterschiedliche Interpretationen erfahren hat, konnte Frau Bassier zeigen, dass die Göttin, die „Lady oft the Beast“ und Zwillingsschwester des Apollo, keineswegs nur als harmlos zu geltende und tierliebende Jungfrau angesehen werden kann. Neben dem Mythos und den Informationen zum Exponat stand darüber hinaus der historische Hintergrund der Ausstellungsgeschichte im Fokus der Ausführungen Bassiers.

Die gleiche Göttin – diesmal jedoch ganz anders. Diese Erfahrung musste auch Markus Wagner machen, der sich mit der ephesischen Artemis befasste, die in einer kleinen Terrakotta-Nachbildung im Louvre zu finden ist und die uns als „große Göttin“ in der Apostelgeschichte begegnet. Wagner gab, in ständigen Abgleich mit der Textgrundlage Apg 19,23–40, fundiert Informationen zum Artemiskult in Ephesus wieder und sprach zur Umwandlung von einer kriegerischen Mond- und Jagdgöttin zur Fruchtbarkeitsgöttin, die auch archaische Muttergottheit-Wurzeln in sich trägt. Die Transformation einer Göttin wurde der Gruppe so verdeutlicht. Durch die Erhellung des Kultes und der Gegebenheiten in Ephesus konnte durch Wagners Vortrag zudem ein besseres Verständnis für die Situation in Apg 19,23–40 (dem Aufstand der Silberschmiede in Ephesus) erzielt werden.

Am Nachmittag wechselte der Fokus auf die Rezeption biblischer Texte in Darstellungen der bildenden Kunst. Bevor Volker Niggemeier in einem Kurzreferat zu Paolo Veroneses beeindruckenden Gemälde zur Hochzeit in Kanaa (1563) sprach, referierte Kamill Wiczok auf einer der Dachterrassen des Museums zum Gemälde Die Heilung eines Gelähmten in Bethesda von Giovanni Domenico Tiepolo (~1758). Hier stand jedoch zunächst nicht das Kunstwerk selbst im Mittelpunkt, sondern der in Teilen darin rezipierte ntl Text Joh 5,1–16. Dieser Bibeltext ist nicht zuletzt deswegen bedeutsam, weil es – wie Wickzok methodisch klar strukturiert zeigen konnte – hier unerlässlich ist, den textkritischen Apparat des griechischen NT lesen zu können und dabei nachzuvollziehen, dass ohne die Angaben im Apparat der von den Herausgebern des NA28 verantwortete Text inhaltlich nicht verstanden werden kann.

In einem letzten Referat widmete sich Joana Konrad der Skulptur Amor und Psyche des Bildhauers Antonio Canovao, welche die Erweckung der Psyche, wie sie Apuleius von Madaura in seinen Metamorphosen (durch Augustinus besser bekannt als „Der goldene Esel“) erzählt. Konrad erzählte das Märchen in seinen Grundzügen nach und wählte dann Methoden der synchronen Analyse innerhalb der Exegese, um Besonderheiten der Erzählung sowie speziell die Charakterzeichnung zum Thema zu machen. Vorher jedoch ordnete sie das Märchen in seinen Gesamtkontext ein und gab Informationen zu den Metamorphosen im Ganzen, die an anderer Stelle für das NT und sein Umfeld wichtig sind. Bei Amor und Psyche kann man zwar keinen Bezug zum NT herstellen, dennoch hatte der Tag durch dieses Referat ein Happy End.

Am Abend besuchten wir noch die große Moschee im Quartier Latin, dem Studentenviertel von Paris. Die 1926 eröffnete Moschee ist ein Geschenk an die Muslime, die im ersten Weltkrieg für Frankreich gekämpft haben. Nach der Besichtigung und einer Pause im Garten ließ die Gruppe den Abend bei Tajine, Tee und süßen Nachspeisen im zur Moschee gehörigen Restaurant ausklingen.

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Freitag, 24.08.2018 – Am Freitagmorgen räumten wir unsere Zimmer in Paris, um am Vormittag mit dem Eurostar nach London/St. Pancras zu fahren. Dort angekommen und einer ersten Station am Hotel Premier Inn in Aldgate – nahe dem berüchtigten Stadtteil Whitechapel – teilte sich die Gruppe auf und jede_r ging am Nachmittag zur freien Verfügung seinen eigenen Interessen nach.

Am Abend besuchte die Gruppe gemeinsam die West London Synagogue, in welcher wir uns angemeldet hatten. Hier erlebten wir den Kabbalat Shabbat-Gottesdienst mit und wurden im Anschluss beim Segen über Brot und Wein offiziell als Gruppe durch Rabbi Neil Janes begrüßt. Alle Teilnehmenden waren überwältigt von der sehr herzlichen Art des Welcomings in der jüdischen Gemeinde.

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Samstag, 25.08.2018 – Am ersten Tag im British Museum stand wieder das Alte Testament und seine Umwelt sowie der Alte Orient im Mittelpunkt. In einem ersten Referat stellte Stephan Orth das Gilgamesch-Epos vor. Nach einer umfassenden Einführung in das Epos und seine Fundgeschichte fokussierte Orth auf die Elfte Tafel, die einen Flutbericht bietet, der an die biblische Flutgeschichte aus der Genesis erinnert.

Katharina Fockenbrock führte in die sog. Amarna-Briefe und ihre Bedeutung ein. Bei den Briefen handelt es sich um etwa 400 Tontafeln, die im Gebiet der ehemaligen Hauptstadt des ägyptischen Pharaos Echnatons (1353–1336 v. Chr.), Achet-Aton, dem heutigen el-Amarna, gefunden wurden. Zwei Gruppen lassen sich unterscheiden: Korrespondenz mit Großmächten und unabhängigen Reichen sowie Korrespondenz mit Vasallen. Die Vasallenkorrespondenz mit Fürsten aus Palästina (z.B. aus Hebron, Sichem und Jerusalem) gewährt einen Einblick in die Lebensverhältnisse Palästinas in der späten Bronzezeit.
Vor der Mittagspause führte Ludger Hiepel zu ausgewählten Exponaten und gab kurze Einführungen. U. a. kamen die Standarte von Ur, die Statue von Idrimi, die Balawat-Tore und einige Exponate, die mit Nebukadnezzar II. verbunden sind, jenem neubabylonischen Herrscher, der 597 v. Chr. die Jerusalemer Oberschicht ins babylonische Exil führte und 587 den Jerusalemer Tempel niederbrannte und die Stadt zerstörte, in den Blick. Der Kyros-Zyklinder, ein keilschriftliches Edikt des Perserkönigs Kyros II., war leider nicht zugänglich.

Vor dem Relief von Sargon II führte Markus Wagner in die Geschichte der Neuassyrer ein und ordnete ihre Bedeutung für die alttestamentliche Geschichte ein. Ein Fokus seiner Ausführungen lag dabei auf Sargon II, der im 8. Jh. v. Chr. herrschte. Wagner verglich die Geburtsgeschichte dieses Herrschers mit der biblischen Erzählung über die Geburt, Aussetzung und Rettung des Mose (Ex 2,1–10). Die Parallelen legen nahe, dass der biblische Text dieser Geburtsgeschichte nachgestaltet ist. Auf diese Weise setzten die biblischen Autoren ein Gegenbild zu den neuassyrischen Herrschern, die eine Bedrohung für die beiden Reiche Juda und Israel darstellten.

Auch das nächste Referat von Kamill Wiczok beschäftigt sich mit den Neuassyrern. Im Zentrum steht der Schwarze Obelisk von Salmanasser III., der 1846 von Sir Henry Layard in Nimrud (Nordirak) gefunden wurde. Der knapp zwei Meter hohe Obelisk zeigt 20 Reliefdarstellungen, die fünf unterworfene Könige zeigen, welche dem neuassyrischen König, Salmanasser III., der im 9. Jh. v. Chr. regierte, Tribut bringen. In einem Flachrelief ist Jehu, der König von Israel dargestellt, der sich vor dem assyrischen König niederwirft. Die keilschriftliche Inschrift berichtet, das Jehu u.a. Gold und Silber als Tribut gezahlt hat.

Auch in der den Museumstag abschließenden Seminarsitzung von Ludger Hiepel ging es wiederum um die Neuassyrer: Juda und Assur zur Zeit Sanheribs. Die Belagerung Jerusalems 701 v. Chr. Die biblischen Texte 2 Kön 18–19 (vgl. auch Jes 36–39 und 2 Chr 29,1; 32,1–23) wurden mit der Übersetzung der Annalen Sanheribs, die auf dem im British Museum ausgestellten Taylor-Prisma niedergeschriebenen sind, und den Übersetzungen von Herodot Buch II, 142–46 sowie Flavius Josephus Antiquitates X, 1,1–5 verglichen. Auf Grundlage der Texte erfolgte eine umfangreiche Diskussion. Im Vergleich der verschiedenen Beschreibungen und außerbiblischen Belege kann die Bibel wiederum lebendig werden. Bei der Beschreibung und Deutung der biblischen Autoren im Vergleich zu den außerbiblischen Texten lassen sich theologische Linien sowie ein innovatives Potential erkennen. Die Reliefs mit der Belagerung von Lachisch (701 v. Chr.) aus dem Süd-West-Palast Sanheribs in Ninive hatte die Gruppe schon bei ihrem Gang durch die Abteilung am Nachmittag besichtigt.

Mit einem gemeinsamen indischen Abendessen endete der Tag.

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Sonntag, 26.08.2018 – Am zweiten Museumstag in London waren wir im British Museum wieder der Welt und Umwelt des NT auf der Spur. Diesmal ging es in den einzelnen Referaten um das Verhältnis von Stadt und Religion und damit verbunden der Frage nach der Inkulturation des Christentums in seinen Anfängen in die hellenistisch-römischen Metropolen.

Felix Arens referierte zur Anhörung der Politarchen in Thessaloniki (Apg 17,1–15). „Sein“ Exponat (welches leider am Tag nicht zugängig war) war die Inschrift auf dem Stadttor von Thessaloniki, die sog. Vardar Gate Inscription. Arens rückte neben den Informationen zur Stadt selbst den biblischen Text in den Fokus und erarbeitet ihn Stück für Stück mit der Gruppe – dies mit ständigem Seitenblick in den Ersten Thessalonicherbrief, welchem protopaulinische Aussagen zur Gemeindegründung, der dortigen -situation und dem Aufenthalt des Paulus in Thessaloniki zu entnehmen sind. Die Inschrift, eine Art Unterschriftenliste für ein Umbauvorhaben am Stadttor, welches als Triumphbogen gestaltet war, verzeichnet fünf Politarchen und gibt so Auskunft darüber, dass der Verfasser die Gegebenheiten auf „Verwaltungsebene“ (Politarchen fungieren nur innerhalb eines Gremiums) in Thessaloniki zuverlässig wiedergibt.

Sodann wechselten wir in den Ausstellungsraum zu den Skulpturen und Reliefs des Parthenons in Athen. Trotz Umbauarbeiten und Restauration konnte die Gruppe hier einen Eindruck davon gewinnen, wie beeindruckend eine solche Tempelanlage gewesen sein muss, denn das British Museum ahmt den Tempelraum durch die Anordnung der Exponate nach. Hier informierte Jerome Vermaten, Lehrer für Religion und Geschichte, der aus reinem Interesse an der Exkursion teilgenommen hat, fundiert über den Athene-Mythos, über einzelnen Reliefs und Skulpturen und brachte in der Kulisse des nachempfundenen Parthenons diese Hintergründe gekonnt mit dem Besuch des Paulus in Athen und seiner bekannten Rede auf dem Aeropag in Zusammenhang.
Volker Niggemeier gab am Nachmittag weitere Impulse für ein eigenständiges Erkunden der griechisch-römischen Abteilung und schlug zuvor noch einmal die Brücke zum Artemiskult in Ephesus, indem er über das Exponat einer Säulenbasis aus dem Artemistempel in Ephesus sprach.

Am Abend des Tages besuchten wir die gesungene Messe in Westminster Cathedral.

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Montag, 27.08.2018 – Am Tag vor der Abreise besuchten wir die National Gallery und beschäftigten uns nochmals mit der Rezeption biblischer Texte in der Kunst. Joana Konrad stellte zunächst ein Gemälde von Johann Liss vor, das den Titel Judith im Zelt des Holofernes trägt und um 1622 entstanden ist. Neben einer Vorstellung des Künstlers führte sie in die Erzählung aus Judit 13,1–10 ein und verglich das Bild mit früheren Bildtraditionen. Abschließend verglich Konrad Judit mit Salome aus dem neuen Testament. Vor diesem Hintergrund wendete sich – und das im wahrsten Sinne des Wortes – die Gruppe einem weiteren Bild zu, das im gleichen Raum schräg gegenüber hängt: Salome mit dem Kopf des Hl. Johannes des Täufers, das Caravaggio 1607 gemalt hatte.

Katharina Fockenbrock widmete sich dem Thema der Mysterienreligionen und beleuchtete speziell die Isis-Mysterien, von deren rituellen Abläufen wir einzig durch schon genannten Apuleius von Madaura erfahren. Das letzte Buch der Metamorphosen des Apuleius wird auch als „Isisbuch“ bezeichnet, da es hier ganz um die Hinwendung zur Gottheit Isis geht und zuvor in einen Esel verwandelte Protagonist Lucius durch die Gottheit zurückverwandelt wird. In der Folge wird er selbst als Myste in die Geheimnisse des Isiskultes eingeweiht und lebt fortan als Priester der Göttin zu Ehren. Hierüber informierte Fockenbrock, nahm einen geschichtlichen Abriss des Isiskultes in Ägypten vor und zeigte präzise anhand bildlicher Darstellung von Isis-Statuen die Transformation von der ägyptischen zur hellenistisch gefärbten Göttin auf und führte insgesamt in einen wichtigen Themenkomplex zum Umfeld des NT ein.

Abschließend sahen wir die 2. Version der sog. Felsengrottenmadonna des Leonardo da Vinci, nachdem wir die erste Version des Gemäldes bereits in der Grande Gallery des Louvre bestaunen konnten. Florian Tiede ging hier in seinem Referat zunächst in eine detaillierte Bildbetrachtung: Zu sehen sind in einer idealisierten Felsenlandschaft neben der Gottesmutter ein Engel sowie zwei Kleinkinder, Johannes der Täufer und Jesus. Tiede stellte sein Referat unter die Fragestellung, wie ein solches „Familientreffen in einer Höhle“ als Kunstwerk zustande kommt, denn im Abgleich mit dem biblischen Text (hier im Besonderen der lukanischen Kindheitserzählung) muss man feststellen, dass eine solche Szene im NT nicht erzählt wird, sondern vielmehr das erste Aufeinandertreffen von Jesus und Johannes erst bei der Taufe Jesu erfolgt.

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Dienstag, 28.08.2018 – Rasend schnell war die Zeit in den beiden europäischen Metropolen vergangen. Am frühen Morgen musste sich die Gruppe auf den Rückweg machen. Mit dem Taxi ging es zum Flughafen Heathrow, von dort mit dem Flugzeug nach Düsseldorf und dann mit der Bahn zurück nach Münster. Damit endete eine spannende Exkursion, bei der die Bibel an Ausstellungsobjekten und in Diskussionen lebendig wurde.

Volker Niggemeier und Ludger Hiepel