© Forschungsstelle Origenes

Münster in Cambridge


Am Wochenende des zweiten und dritten Juni 2018 erlebten aktuelle und ehemalige Mitglieder unserer Fakultät, namentlich die Studierenden Lisa Rüschenschmidt und Paul Schroeter sowie Anne Achternkamp von der Forschungsstelle Origenes, Christian Pelz, Dr. Christian Hengstermann und Prof. Dr. Dr. Klaus Müller (s. Foto), zwei ausgesprochen anregende Workshops an der University of Cambridge. Während der erste im Zeichen der Monographie „Christ – The Teacher of Salvation“ des dänischen Theologieprofessors Anders-Christian Jacobsen stand, machte sich der zweite die Kritik Henry Mores, eines führenden Cambridger Platonikers, an der Theologie und Anthropologie Baruch de Spinozas zum Thema.

Als Teil der Reihe „Colloquium Adamantium“ am Cambridge Centre for the Study of Platonism an der dortigen Faculty of Divinity, von Prof. Fürsts Lehrstuhlvertreter und Fellow am Centre Dr. Christian Hengstermann ins Leben gerufen, befassten sich die Vorträge mit Jacobsens Lesart der origeneischen Lehre über das pädagogische Wirken Christi. Jacobsen nutzte diese Gelegenheit, persönlich auf die Anfragen und Anregungen der Tagungsreferent_innen einzugehen, wodurch sich ein lebendiger und bereichernder Austausch ergab. Unter den Vortragenden fanden sich sowohl etablierte Origenes- und Origenismus-Expert_innen wie Dr. Christian Hengstermann selbst, Dr. Adrian Mihais aus Cambridge oder Dr. Marilyn Lewis aus Bristol als auch internationale Nachwuchsforscher_innen wie Christian Pelz aus Bochum, Daniel Tolan und Ryan Haecker aus Cambridge, Bogdan Deznan aus Bukarest und Samuel Kaldas aus Sydney, die ihren Blick aus verschiedensten Perspektiven auf das Thema des Colloquiums warfen.

Am folgenden Tag kamen sowohl Teilnehmer_innen des ersten Workshops als auch weitere interessierte Zuhörer_innen und Referent_innen in den prestige- und geschichtsträchtigen Räumlichkeiten des Clare Colleges zusammen. Nach einer grundlegenden Einführung durch Mitorganisator Dr. Dr. Benedikt Göcke (Bochum) in den Panentheismus lieferten sich Prof. Dr. Dr. Klaus Müller und Prof. Dr. Douglas Hedley (Cambridge) ein intellektuelles Duell um die theologische Bedeutung von Spinozas Monismus. Als zentrale Punkte kristallisierten sich einerseits die Denkfigur des Panentheismus, andererseits die göttliche Güte heraus, die Spinoza als Anthropomorphismus verwirft. Die Cambridger Platoniker sahen darin jedoch eine bedrohliche Tendenz zu Materialismus und Atheismus, eine Auffassung, die von Hedley stark gemacht wurde. Sowohl für diese Position als auch für Müllers panentheistischen Blick auf Spinoza fanden sich unter den weiteren Anwesenden Zustimmung und Sympathien. Von dieser reichhaltigen Auseinandersetzung profitierten die anschließenden Diskussionen und Vorträge bis zum Tagesende. Den Ausklang bildete der Besuch einer anglikanischen Messe in der collegeeigenen Kapelle, untermalt vom engelsgleichen Gesang des Clare College Choir. Organisiert wurden die beiden Workshops, auf die noch weitere Veranstaltungen dieses und ähnlichen Formats in naher und ferner Zukunft folgen werden (s. https://www.uni-muenster.de/FB2/origenes/tagungen/index.html), von Professor Douglas Hedley, Leiter des Cambridge Centre for the Study of Platonism, und Dr. Christian Hengstermann, Fellow am Centre, letzterer zusätzlich von Dr. Dr. Benedikt Göcke, Juniorprofessor in Bochum.

Anne Achternkamp und Lisa Rüschenschmidt