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Zum Auftakt der Antrittsvorlesung würdigte Dekan Prof. Dr. Leonhard Person und akademischen Werdegang Stefan Eckhards. Eckhard, der im Rahmen des Habilitationsverfahrens durch die Habilitationsschrift mit dem Titel „ZEICHEN UND GEIST. Eine semiotisch-exegetische Untersuchung zum Geistbegriff im Markusevangelium“ (Gutachter: Prof. Dr. Wilfried Eisele, Prof. Dr. Dr. habil Klaus Müller und Prof. Dr. Rainer Schwindt [Koblenz-Landau]) sowie durch seinen Vortrag „Der Kampf um den Glauben. Das Agon-Motiv im Neuen Testament“ seine besonderen Fähigkeiten zu eigenständiger Forschung und Lehre im Fach des Neuen Testaments nachgewiesen hatte, wurde am 27.06.2017 habilitiert und zum Privatdozenten der Katholisch-Theologischen Fakultät der WWU Münster ernannt. Der Dekan stellte anhand von Gematrien aus der hebräischen Bibel Stationen akademischen Arbeitens des Privatdozenten vor. Bei der Befragung des AT zum Zahlenwert für Eckhard ergab sich u. a. die Textstelle in 1 Kön 3,12b („so dass es vor dir keinen wie dich gegeben hat und nach dir keiner wie du aufstehen wird.“), mit welcher Leonhard seine Würdigung schloss und den Privatdozenten um sein Wort bat.
Stefan Eckhard sprach in seiner Antrittsvorlesung vor Familie, Freunden, ehemaligen und aktuellen Kolleginnen und Kollegen aus Professorium und wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen sowie geladenen Gästen zum literarisch-theologischen Profil der idealisierten Erzählfigur des heidnischen Hauptmanns in den Evangelien.
Von der Figur des heidnischen – vor allem des römischen – Hauptmanns ist an drei Stellen in den narrativen Texten des Neuen Testaments die Rede, wie Eckhard darlegte: Es handelt sich dabei um die Textstellen über den „Hauptmann von Kafarnaum“ (vgl. Mt 8,5–13; Lk 7,1–10; vgl. auch Joh 4,46–54), den „Hauptmann unter dem Kreuz“ (vgl. Mt 27,54; Mk 15,39; Lk 23,47) und über den „Hauptmann Kornelius“ (vgl. Apg 10,1–48). In diesen Szenen charakterisieren die Autoren der jeweiligen ntl Schriften den Zenturio als „gläubigen“ oder „gottesfürchtigen“ Heiden. Neben einer Einordnung zu den heidnischen Erzählfiguren in den Evangelien und historischen Basisinformationen zum römischen Zenturio gelang es Eckhard zu zeigen, wie der heidnische Hauptmann zur soteriologisch-ekklesiologischen Identifikationsfigur der nachösterlichen Heiden-, aber auch der Judenchristen fungiert.
Darüber hinaus verdeutlichte Eckhard, dass die neutestamentliche Überlieferung den heidnischen
Hauptmann an zentralen narrativen Texten und gleichsam an entscheidenden Wegmarken der christlichen Heilsgeschichte auftreten lässt: Der „Hauptmann von Kafarnaum“ ist „Glaubenszeuge“ für das irdische Wirken Jesu, der „Hauptmann unter dem Kreuz“ ist als „Osterzeuge“ Zeuge der (bevorstehenden) Auferweckung und der „Hauptmann Kornelius“ Zeuge der Geistausgießung, so dass man ihn als „Pfingstzeugen“ bezeichnen kann.
Somit erstreckt sich das Schicksal des Heiden im Heilsplan Gottes in einem kompositorischen
wie thematischen Spannungsbogen über die neutestamentlichen Erzähltexte, die die Jesusgeschichte – im Fall der Evangelien – und die Kirchengeschichte – im Fall der Apostelgeschichte – darstellen. Die Erzählfigur des heidnischen Hauptmanns wird als Vorbild portraitiert und die damit verbundenen motivischen Verbindungslinien zeigen eine Ausrichtung auf die Heilsgeschichte.

Im Anschluss an seine Antrittsvorlesung lud Eckhard alle Anwesenden zu einem kleinen Empfang ein.

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