Islam in Indonesien: Zwischen "Skripturalismus" und "Neo-Sufismus"

Im Zuge des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetzwerks „Dynamiken von Religion in Südostasien“

Abstract

Das Kompetenznetzwerk Dynamiken von Religion in Südostasien reagiert konstruktiv auf die wachsende Bedeutung dieser Weltregion und arbeitet offensiv gegen die Zersplitterung der deutschen Südostasien-Kompetenzen. Die Zusammenarbeit der Institute in Göttingen, Berlin, Hamburg, Heidelberg und Münster soll verstreute Wissens- und Theoriebestände kommunizierbar und den Anschluss an maßgebliche wissenschaftliche Entwicklungen in der Region selbst befördern.

Dynamiken von Religion werden als spezifischer Ausdruck der Moderne und Umgang mit der Moderne untersucht. Dieses Leitmotiv wird damit zu einer tragfähigen Plattform für einen interdisziplinären Austausch. Die politische Landschaft des heutigen Südostasien kann dabei als durchweg heterogen verstanden werden und befindet sich zudem in einer anhaltenden Transformationsphase. Das politische und religiöse Feld ist in Südostasien grundsätzlich anders strukturiert als in westlichen Ländern. Die Politisierung von Religion ist ein ebenso durchgehendes Phänomen wie umgekehrt die religiöse Grundierung von Politik.

Das in Münster angesiedelte Teilprojekt Islam in Indonesien: Zwischen "Skripturalismus" und "Neo-Sufismus" zielt auf einen Vergleich von zwei kontrastierenden Erscheinungsformen des gegenwärtigen Islam in Indonesien und den jeweils daraus resultierenden religiösen  Dynamiken, die sich derzeit in unterschiedlichen regionalen Kontexten im Inselstaat mit dem weltweit größten muslimischen Bevölkerungsanteil  entfalten.

Dabei liegt der Fokus zum einen auf den immer dominanter werdenden Formen des indonesischen Reform-Islam,  das heißt auf Strömungen, die auf der Salafiya des 19. Jahrhundert gründen und eine "Purifizierung" des Glaubens sowie die Rückkehr zur Orthopraxis eines "authentischen", "skripturalistischen" Islam propagieren. Der zweite Teil des Projekts untersucht eine andere bisher weitgehend unbeachtet gebliebene Variante des kontemporären Islam in Indonesien, die sich unter dem Oberbegriff des "Neo-Sufismus" fassen lässt und als Gegenreaktion auf den hegemonialen Diskurs des Reform-Islam zu verstehen ist. Hierbei geht es unter anderem um die Wiederbelebung von traditionellen islamischen Sufi-Orden (tarekat) und den damit verbundenen Weltanschauungen, die von den involvierten Akteuren als bewusste Alternative zum islamischen Modernismus ausgewiesen werden. Auf der Basis eines systematischen Vergleichs, der in exemplarischer Form anhand einer empirischen Untersuchung der Fallbeispiele von West-Sumbawa (Reform-Islam) und des ost-javanischen Distrikts Malang (Neo-Sufismus) vollzogen wird, sollen die religiöse Dynamik, das kulturelle Spannungsfeld und die transnationalen Verflechtungen des gegenwärtigen Islams in Indonesien herausgearbeitet werden.

Das Münsteraner Institut für Ethnologie kann in diesem Zusammenhang auf eine langjährige Tradition im Bereich der vergleichenden Indonesien- und Südostasien-Forschung verweisen, in deren Verlauf Analysen zur lokalen Dynamik von Weltreligionen stets eine zentrale Rolle spielten. Die am Projekt beteiligten Wissenschaftler verfügen über ausgewiesene Forschungserfahrungen in der Region, die in das Vorhaben unmittelbar eingebracht werden.


Kontakt

Dr. Michael Prager
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für Ethnologie
Studtstraße 21
48149 Münster
Tel.: 0251 - 83-27311
Fax: 0251 - 83-27313DORISEA