Soziologie und Nachhaltigkeit https://www.uni-muenster.de/Ejournals/index.php/sun <p>Das Open-Access-Journal <em>Soziologie und Nachhaltigkeit – Beiträge zur sozial-ökologischen Transformationsforschung (SuN)</em> wird seit Juli 2015 vom <a class="int" href="https://www.uni-muenster.de/Soziologie/organisation/arbeitsgruppen/gemeinsam-nachhaltig.shtml">Arbeitskreis Gemeinschafts- und Nachhaltigkeitsforschung</a> am Institut für Soziologie der Universität Münster herausgegeben, um soziologische und sozialwissenschaftliche Perspektiven in der Nachhaltigkeits- und Transformationsforschung zu bündeln und zu fördern. 2021 wurde der <a href="https://www.uni-muenster.de/Ejournals/index.php/sun/about/editorialTeam">Herausgeber*innenkreis </a>erweitert, um der mittlerweile breiteren Relevanz des Journals für den nachhaltigkeitssoziologischen Diskurs im deutschsprachigen Raum gerecht zu werden. Das Journal richtet sich in erster Linie an Soziolog*innen, Sozialwissenschaftler*innen und Nachhaltigkeitsforscher*innen, die zu Fragen einer sozial-ökologischen Transformation forschen und lehren.</p> <p>Die <em>SuN</em> veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Call for Papers, um thematische Schwerpunkte zu setzen und Debatten in der Nachhaltigkeits- und Transformationsforschung anzustoßen. Neben Beiträgen, die auf diese Calls reagieren, werden auch freie Beiträge veröffentlicht. Die SuN veröffentlicht seit 2019 für jedes Halbjahr ein Heft. Die Qualität der publizierten Artikel wird durch ein <a href="https://www.uni-muenster.de/Ejournals/index.php/sun/review">Double-Blind-Peer-Review-Verfahren</a> sichergestellt. Darüber hinaus veröffentlicht die <em>SuN</em> in unregelmäßigen Abständen programmatische Sonderausgaben zum soziologischen Nachhaltigkeitsdiskurs. Alle in der <em>SuN</em> veröffentlichten Beiträge sind als Creative Commons lizenziert und online frei verfügbar.</p> de-DE sun.redaktion@uni-muenster.de (Niklas Haarbusch, M.A.) sun.redaktion@uni-muenster.de (Niklas Haarbusch, M.A.) Di, 29 Mär 2022 00:00:00 +0200 OJS 3.2.1.4 http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss 60 Extinction is Bad for Economy https://www.uni-muenster.de/Ejournals/index.php/sun/article/view/3862 <p>Durch die sich verschärfende Klimakrise kommt eine Katastrophenangst auf, die Menschen zunehmend auf die Straße und zur Politisierung drängt. Zugleich zeichnet sich die heutige Phase spätkapitalistischer Gesellschaften durch eine erzwungene Entpolitisierung aus, die Mark Fisher auf den Begriff des „kapitalistischen Realismus“ brachte. Dessen Kern ist die Legitimation der bestehenden Gesellschaftsordnung durch ökonomische Sachzwänge und deren angebliche Alternativlosigkeit. Wie ich in diesem Essay zeige, bewegen sich (nicht nur) die Klimabewegungen in diesem Spannungsfeld aus Politisierung und Entpolitisierung: In den Klimadebatten werden die Grenzen, die kapitalistischer Realismus der Politisierung auferlegt, zumeist nicht durchbrochen. Vielmehr bildete sich ein Bewegungsmodus innerhalb des Spannungsverhältnisses heraus: Eine <em>simulative Krisenbewältigung</em>, die alles ändern möchte, ohne etwas zu ändern. Diese Form der Krisenbewältigung gibt auch Aufschluss über Widersprüche in den heutigen Naturverhältnissen, die sich zwischen technischem Solutionismus und Naturromantizismus bewegen und jeweils Hürden für Erfolge sozialökologischer Bewegungen darstellen.</p> <p>In the context of the worsening climate crisis, a catastrophic consciousness emerged that increasingly pushes people into the streets and toward politicization. At the same time, the current phase of late capitalist societies continues to be characterized by an enforced depoliticization, which Mark Fisher brought to the concept of "capitalist realism". At its core is the legitimation of the existing social order by economic constraints and their alleged lack of alternatives. As I show in this essay, (not only) the climate movements move in this field of tension between politicization and depoliticization: In the climate discourses, the limits imposed by capitalist realism on politicization are mostly not broken through. Rather, a mode of movement emerged within the tension: a simulative crisis management that wants to change everything without changing anything. This form of crisis management also sheds light on contradictions in today's natural relations, which move between technical solutionism and natural romanticism, and which each represent hurdles for successes of social-ecological movements.</p> <p>(peer reviewed)</p> Konstantin Klur Copyright (c) 2022 Konstantin Klur http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de https://www.uni-muenster.de/Ejournals/index.php/sun/article/view/3862 Di, 29 Mär 2022 00:00:00 +0200 Werte, Wissen und Interessen https://www.uni-muenster.de/Ejournals/index.php/sun/article/view/4308 <p>Die Entsorgung hochradioaktiver Abfälle ist ein Problem, das viele Generationen beschäftigt. Im Rahmen der damit einhergehenden hartnäckig geführten Konflikte werden verschiedene Lösungsansätze verhandelt, wie bspw. der Schutz von Mensch und Umwelt gewährleistet werden kann oder<span class="Apple-converted-space">&nbsp; </span>Generationengerechtigkeit Berücksichtigung findet. Vor dem Hintergrund konfliktsoziologischer Konzepte werden in diesem Beitrag die dynamischen Konfliktfelder der Endlagerung in Deutschland und der Schweiz analysiert. Verschiedene Ansätze der Konfliktregulierung werden daraufhin geprüft, ob diese auf die bisher relevanten Konfliktgegenstände reagieren konnten. Wir kommen zu dem Schluss, dass eine differenzierte Betrachtung des Konfliktfeldes unerlässlich ist, um Ansätze der Konfliktbearbeitung zu entwickeln, die sowohl auf Machtungleichgewichte, Werte und Normen als auch das Anerkennen verschiedener Perspektiven und legitimer Rechte angemessen eingehen. Dies gilt nicht nur für den in seiner zeitlichen Unbegrenztheit beispiellosen Endlagerkonflikt, sondern auch für Konfliktbearbeitungsansätze im Kontext einer sozial-ökologischen Transformation.</p> <p>The disposal of high-level radioactive waste is a problem that has preoccupied many generations. In the context of the persistent conflicts that this entails, various possible solutions are being negotiated. For example, how the protection of the people and the environment can be guaranteed or how intergenerational justice is taken into account. Against the background of conflict-sociological concepts, the dynamic conflict areas of final disposal in Germany and Switzerland are analysed in this article. Different approaches to conflict regulation are examined to see whether they were able to react to the so far relevant objects of conflict. We come to the conclusion that a differentiated view of the conflict area is essential in order to develop approaches to conflict management that adequately address aspects such as power imbalances, values and norms as well as recognition of different perspectives and legitimate rights. This applies not only to the unprecedented permanent storage conflict in its unlimited duration, but also to conflict management approaches in the context of a socio-ecological transformation.</p> <p>(peer reviewed)</p> Sophie Kuppler, Elske Bechthold Copyright (c) 2022 Sophie Kuppler, Elske Bechthold http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de https://www.uni-muenster.de/Ejournals/index.php/sun/article/view/4308 Do, 30 Jun 2022 00:00:00 +0200 Zwischen Deprivilegierung und Umverteilung https://www.uni-muenster.de/Ejournals/index.php/sun/article/view/4309 <p style="font-weight: 400;">Städte und Gemeinden stehen schon länger vor der Herausforderung, ihre Flächeninanspruchnahme zu senken. Maßnahmen, die dieses Ziel verfolgen, werden als Suffizienzmaßnahmen beschrieben. Anders als die technikorientierten Nachhaltigkeitsstrategien der Effizienz und Konsistenz nimmt ein suffizienzorientierter Zugang die Veränderung sozialer Praktiken in den Blick und stellt die Frage nach dem „rechten Maß“.</p> <p style="font-weight: 400;">Anhand einer qualitativen Interviewstudie in 12 kommunalen Suffizienzprojekten in Deutschland und der Schweiz fragt der Beitrag, weshalb und welche Konflikte bei und infolge der Umsetzung von Suffizienzmaßnahmen auftreten und erörtert, wie diese Konflikte in größere gesellschaftliche Strukturen eingebettet sind. Da Suffizienzpolitik Verteilungsfragen nicht mit weiterem Wachstum, sondern mit Umverteilung beantwortet, nehmen Konflikte um Deprivilegierung einen zentralen Stellenwert ein. Zudem lassen sich Konflikte um die zukünftige Gestaltung der Stadt, Ressourcenkonflikte und nicht-intendierte Folgen, wie Prozesse der green gentrification, beobachten. Der soziale und ökonomische Kontext einer Wachstumsgesellschaft ist grundlegend für die Konflikthaftigkeit von Suffizienzmaßnahmen.</p> <p style="font-weight: 400;">Cities and municipalities have been facing the challenge of reducing their land use for a long time. But taking up less land is difficult and usually conflictual. Measures that pursue this goal can be described as sufficiency measures. Unlike the technology-oriented sustainability strategies of efficiency and consistency, a sufficiency-oriented approach focuses on changing social practices and asks what „enough” means.</p> <p style="font-weight: 400;">Based on a qualitative interview study in 12 municipal sufficiency projects in Germany and Switzerland, the article asks why and which conflicts arise during and as a result of the implementation of sufficiency measures and discusses how these conflicts are embedded in larger social structures. Since sufficiency policy does not answer distributional questions with further growth, but with redistribution, conflicts over deprivation of privileges take on a central role. In addition, conflicts over the future design of the city, resource conflicts and unintended consequences, such as processes of green gentrification, can be observed. The social and economic context of a growing society is fundamental to the conflictual nature of sufficiency measures.</p> <p style="font-weight: 400;">(peer reviewed)</p> Maike Böcker, Jonas Lage, Michaela Christ Copyright (c) 2022 Maike Böcker, Jonas Lage, Michaela Christ http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de https://www.uni-muenster.de/Ejournals/index.php/sun/article/view/4309 Do, 30 Jun 2022 00:00:00 +0200 Vor der eigenen Haustür ‚caren‘ https://www.uni-muenster.de/Ejournals/index.php/sun/article/view/4310 <p>Die moderne Lebensweise ist unmittelbar verknüpft mit einer Politik der Nicht-Nachhaltigkeit. Modern sein bedeutet, über die planetaren Verhältnisse zu leben. Demgegenüber stellt eine von Bruno Latour prominent angestoßene Debatte das Terrestrische als Prinzip und Wirkmacht in den Mittelpunkt. Der Beitrag zeigt aus der Gegenüberstellung des Terrestrischen und des Modernen als unterschiedliche Paradigmen des Weltzugangs eine Politik der Nachhaltigkeit auf, die sich an lokalen Bedürfnissen ausrichtet. Dabei wird die Tätigkeit des Reparierens als erdverbundene Weltbeziehung der Sorge rekonstruiert. Als Beispiel eines Ortes terrestrischer Daseinsvorsorge und der Versammlung auch nicht-menschlicher Akteur*innen wird das Demokratiecafé vorgestellt. Für eine Politik der Nachhaltigkeit müssten die (modernen) Menschen auf dem Erdboden landen, auf und von dem sie leben, also in der „kritischen Zone“. Mit einer terrestrischen Wende ergibt sich für die Nachhaltigkeitssoziologie eine Perspektivverschiebung, um entlang der von Bruno Latour vorgeschlagenen Attraktoren zwischen nachhaltigen und nicht-nachhaltigen Politiken und Praktiken zu unterscheiden.</p> <p>The modern way of life is directly linked to a policy of unsustainability. To be modern means to live beyond planetary conditions. A contrasting debate, prominently initiated by Bruno Latour, suggests to focus on the terrestrial as guiding principle and agency instead. By comparing the terrestrial and the modern as different paradigms, this paper points to a politics of sustainability that is designed by local needs. It illustrates repairing as a terrestrial way of care. Democracy Cafés are presented as an example of terrestrial public service and assembly of human and non-human actors. For a politics of sustainability, (modern) people would need to land on the territory on which and from which they live: the „critical zone“, where life on earth happens. A terrestrial turn would enable sociology of sustainability to differentiate between sustainable and non-sustainable politics and practices following the attractors suggested by Bruno Latour.</p> <p>(peer reviewed)</p> Gerald Beck, Robert Jende Copyright (c) 2022 Gerald Beck, Robert Jende http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de https://www.uni-muenster.de/Ejournals/index.php/sun/article/view/4310 Do, 30 Jun 2022 00:00:00 +0200