Xing und LinkedIn

Ein Gastbeitrag von Rudolf Ermantraut und Andre Kirsch, Studenten an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Der Beitrag ist Teil einer Serie von Blog-Beiträgen, die im Rahmen eines Career-Service-Seminars zum Thema Online-Reputation entstanden sind.

Wer ist denn heutzutage nicht in einem sozialen Netzwerk vertreten? Mittlerweile muss man eher sagen „nicht mehr“, denn anfängliche Euphorien über die Vorteile wie etwa das schnelle Vernetzen mit immer mehr Kontakten bis hin zu schier unübersichtlich großen „Freundeslisten“ scheinen verflogen und die möglichen Gefahren der Netzwerke bezüglich mangelnder Datenverwaltung sind in die Köpfe der User gelangt. Damit hinterfragen auch immer mehr den Sinn hinter den Aktivitäten im Netzwerk; doch sollte man eben genau diesen zentralen Punkt der schnellen und weiträumigen Vernetzung nicht vergessen, denn er bietet (immer noch) riesige Möglichkeiten. So haben sich zwei Netzwerke am Vorbild von Facebook zur Aufgabe gemacht, dem User einen einfachen Start ins Berufsleben zu ermöglichen bzw. neue Geschäftskontake knüpfen sowie bestehende pflegen zu können.

Du willst ein berufsorientiertes Netzwerk?

LinkedIn.com ist das zur Zeit wohl bekannteste und mit rund 200 Millionen Benutzern größte soziale Netzwerk speziell für Berufstätige. Es bietet sowohl  Unternehmen jeder Art als auch privaten Personen eine Plattform für ein verbessertes Berufsnetzwerk.

Im Grunde genommen funktioniert LinkedIn wie gewöhnliche soziale Netzwerke, z.B. Facebook: Ein Benutzer legt ein Profil an, knüpft Kontakte und vernetzt sich mit zunehmender Zeit über bestehende mit neuen Kontakten. Hier wird jedoch der Fokus auf die berufliche Tätigkeit gelegt. So ist ein Profil stets mit einem Lebenslauf versehen, welcher den beruflichen Werdegang veranschaulicht. Die sogenannten „Connections“ bilden dann ein Kontakt-Netzwerk, in dem sich eigene Kontakte sowie Kontakte zweiten oder dritten Grades befinden. Dem kostenlosen Basisaccount stehen eben diese Funktionen sowie die Verlinkung auf die eigene Website zur Verfügung. Hinzu kommt die Möglichkeit Mitglieder zu empfehlen: Listet z.B. ein Arbeitgeber Jobs auf, so können ihm potenzielle Kandidaten aus dem Kontakt-Netzwerk von einem seiner Connections vorgeschlagen werden. Er erhält Referenzen des Kandidaten und somit einen ersten Einblick in die Informationen, die er benötigt. Das erleichtert für beide Seiten die Suche auf dem Arbeitsmarkt.

Andererseits kann man ein Unternehmensprofil anlegen. Darin werden besonders die Struktur des Unternehmens sowie die Tätigkeiten der einzelnen Mitarbeiter verdeutlicht und es dient vor allem als Werbeplattform: Zum einen auf dem Arbeitsmarkt (s.o.), zum anderen aber auch auf dem Absatzmarkt. Das Unternehmen verlinkt sich mit seinen Mitarbeitern und deren Kontakten und erreicht somit ein breiteres Netz an neuen Kunden. Diese haben wiederum die Möglichkeit dem Unternehmen zu folgen („followen“), wodurch sie regelmäßig über neue Produkte, Angebote oder Veränderungen informiert werden. Mit dem Premiumaccount kann gezielt nach den Job-Leveln Arbeitssuchender sowie verfügbaren Stellen gesucht werden. Darüber hinaus ist eine speziellere Organisation der Kontakte sowie der NIchtkontakte möglich. Ein weiteres interessantes Feature ist der Recruiter-Account: Nach dem CRM (Customer-Relation-Management)-Prinzip können Unternehmen gezielter auf Kunden eingehen bzw. geeignete sogenannte passive Kandidaten ausfindig machen und direkt ansprechen.

Xing

Xing.com ist ebenfalls ein Facebook-ähnliches Netzwerk zum Pflegen von Geschäftskontakten. Xing ist so gut wie weltweit verbreitet und ist auch in vielen Sprachen zugänglich. Es bietet angemeldeten Benutzern Möglichkeiten zum Anbahnen von Berufs- und Geschäftskontakten. Dabei können User entweder ein kostenloses oder ein „Premium“-Konto erstellen. Die kostenlose Mitgliedschaft schränkt den User jedoch ein, da zum Beispiel die Such- und Filterfunktionen nicht vollständig verfügbar sind.

Das Netzwerk selbst bietet den Benutzern nicht nur einen Platz zur aktiven beruflichen Onlinepräsenz, sondern auch eine Vielzahl verschiedener Diskussionsforen sowie die Möglichkeit, sich und andere Benutzer in Gruppen mit gleichen Interessen zusammenzufassen. Außerdem kann Xing auch unternehmensintern genutzt werden, da durch die zur Verfügung stehende API die Unternehmen eigene Inhalte und Funktionalitäten innerhalb des Netzwerks anbieten können. Hinzu kommt die Xing-eigene Jobbörse, in der Mitglieder der Plattform sowohl nach freien Stellen suchen als auch selbst Stellen ausschreiben können.

Wie jede Online-Plattform dieses Ausmaßes ist auch Xing nicht frei von Kritik. Der größte Punkt der Kritiker ist unbestritten die teilweise versteckten Einstellungsmöglichkeiten bezüglich der Privatsphäre. Dieses führt dazu, dass Mitglieder, teilweise auch ungewollt, zu viel Information der Öffentlichkeit preisgeben (geschäftliche Kontakte, Berufsfeld etc).

Was sollte ich als Neuling beachten: Gerade Xing scheint sich zurzeit am deutschen Markt besser durchsetzen zu können, allerdings ist LinkedIn auf dem globalen Markt deutlich präsenter, was in Zeiten von zunehmender Globalisierung nicht außer Acht gelassen werden sollte.

Trotz aller Professionalität, die hinter der Idee beider Netzwerke steckt, sollte man dem ewigen Thema der persönlichen Datenpreisgebung und -verwaltung auch hier kritisch gegenüber stehen, was folgendes Beispiel veranschaulicht:
http://www.bdsg-externer-datenschutzbeauftragter.de/datenpanne/warnhinweis-angeblich-passwoerter-von-65-mio-linkedin-profilen-veroeffentlicht/

Disclaimer: Der Beitrag gibt die Meinung der Gastautoren und nicht die Meinung des Career Service wieder.