Personalauswahl in sozialen Netzwerken

Die Überprüfung von Bewerbern in sozialen Netzwerken durch Unternehmen wird immer bedeutsamer. Im Folgenden soll auf die Verfahren der Überprüfung in Deutschland und im Ausland sowie auf die Chancen beziehungsweise Risiken eingegangen werden. Zudem soll die Frage behandelt werden, wie Studenten soziale Netzwerke aktiv zur Jobsuche verwenden können.

In Deutschland steht die Praxis, Bewerber in sozialen Netzwerken zu überprüfen, noch am Anfang. Unter dem Begriff Social Media Recruiting wurde 2011 eine Umfrage unter 425 Teilnehmern aus deutschen Unternehmen durchgeführt. (Quelle: Social Media Recruiting Studie). Dabei kam heraus, dass über 60 % der Unternehmen bereits Social Media als Recruitingmittel verwenden oder erste Projekte in der Probephase haben. Dabei fällt auf, dass XING und Facebook die sozialen Netzwerke sind, die am häufigsten für diese Zwecke genutzt werden.
Deutsche Unternehmen suchen häufig schon vor Bewerbungsgesprächen gezielt nach Informationen über Bewerber im Internet. Dabei spielen auch häufig private Informationen wie Hobbys und Interessen, aber auch Meinungsäußerungen in Form von Kommentaren oder private Fotos eine Rolle (Quelle: Versicherer im Internet). Dabei gaben 57 % der Personalverantwortlichen an, bereits Bewerbungen aufgrund negativer Online-Reputation zurückgeschickt zu haben. Dabei gilt gar kein aktiver Online-Auftritt eines Bewerbers auch als nachteilig und birgt zudem die Gefahr, dass so ein falscher Eindruck über andere Online-Einträge entsteht. Daher raten Experten das eigene Online-Profil aktiv zu gestalten.

Während die Personalauswahl in sozialen Netzwerken in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, ist es im Ausland, zum Beispiel in den USA, üblich, Bewerber im Internet zu überprüfen. So gaben 91 % der Befragten an soziale Netzwerke zu nutzen, um Kandidaten zu überprüfen. Beinahe die Hälfte, nämlich 47 %, tut dies bereits nach Erhalt der Bewerbung. Dabei gaben 69 % an, schon einmal Kandidaten aufgrund ihrer Online-Reputation in sozialen Netzwerken abgelehnt zu haben. Häufigste Gründe waren falsche Angaben zu Qualifikationen, unangebrachte Fotos oder Kommentare und eine schlechte Ausdrucksweise. Jedoch gaben auch 68 % der Befragten an, bereits Kandidaten wegen ihres positiven Auftritts in sozialen Netzwerken angenommen zu haben (Quelle: Reppler, Job Screening in Social Networks).

Chancen der Personalauswahl in sozialen Netzwerken liegen besonders auf Seiten der Unternehmen. Sie können ihre Personalauswahl effektiver machen und Kosten senken, da sie keine Headhunter mehr zur Personalbeschaffung benötigen. Durch Posten von freien Stellen in sozialen Netzwerken können Unternehmen gezielter nach einstellungsrelevanten Daten fragen und so gezielter Kandidaten anwerben (Quelle: Nutzbarkeit virtueller sozialer Netzwerke).

Zudem können Kandidaten auf ihre Qualifikation überprüft werden. Für den Bewerber kann eine gute Online-Reputation von Vorteil sein. Zudem besteht für ihn die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen und Interessen auszutauschen.

Jedoch birgt eine vorherige Überprüfung eines Bewerbers zahlreiche Risiken. Einerseits können Bewerber ihr Online-Profil gezielt manipulieren, um in einem besseren Licht zu erscheinen. Andererseits besteht die Gefahr, dass ein gut qualifizierter Bewerber wegen unglücklicher Fotos oder Kommentare abgelehnt wird. Für den Bewerber kann es ein Problem sein, wenn ein möglicher Arbeitgeber ihn aufgrund von Hobbys, möglicherweise falschen oder aus dem Zusammenhang gerissenen Bildern oder Kommentaren nicht ausgewählt wird.

Möglichkeiten für Studenten

Die Möglichkeiten für Studenten in sozialen Netzwerken werden neben den Risiken immer zahlreicher. Da inzwischen fast jeder Arbeitgeber eine Seite auf Facebook, Xing und Co. hat und auch Arbeitgeber sowie Beschäftigte darüber Informationen sammeln,  haben Studenten hier die Möglichkeit, sich in einem guten Licht zu präsentieren.

Gerade bei Netzwerken wie LinkedIn oder Xing können so auch Studenten zielorientiert qualifizierte Unternehmen für Praktika und Ähnliches finden, die sie sonst vielleicht nicht in der Informationsflut des Internets gefunden hätten. Gerade bei der Vielfalt der Arbeitsmöglichkeiten ist es für Arbeits-, Praktikums- und Traineestellensuchende eine gute Möglichkeit, gerade frei gewordene oder nicht groß ausgeschriebene Stellen zu finden.

Eine andere Möglichkeit, die sich dadurch eröffnet, ist die vereinfachte Kontaktaufnahme mit flüchtigen Bekanntschaften, die einen vielleicht später weiterbringen können. Unter anderen Umständen wäre diese Kontaktaufnahme wahrscheinlich gar nicht mehr möglich.
Auch bieten viele Informationen über eigene Interessen die Möglichkeit, schneller Gleichgesinnte zu finden und hier schneller Kontakte zu knüpfen. Diese können sich später auch beim Aufbau eines eigenen Projekts oder beim Ergattern eines Praktikumsplatzes als nützlich erweisen.

Quellen: