Der bewusste digitale Fingerabdruck

Ein Gastbeitrag von Sven Niklas Schlotjunker und André Schumacher, Studenten an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Der Beitrag ist Teil einer Serie von Blog-Beiträgen, die im Rahmen eines Career-Service-Seminars zum Thema Online-Reputation entstanden sind.

Geschrieben steht: »Im Anfang war das Wort!«
Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muß es anders übersetzen.
(Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Der Tragödie erster Teil)

Was schon Johann Wolfgang von Goethe wusste: das Wort ist mächtig. Nicht nur das gesprochene, auch das geschriebene Wort hat großen Einfluss. Es ermöglicht einen Blick auf den Schreiber und bietet so eine Vorstellung, einen Einblick auf den Autor.

Dass dieser Fakt nicht immer nur zum Vorteil sein kann, zeigen die fast täglichen Diskussionen um Privatsphäre im Netz. Aber auch im Hinblick auf den eigenen beruflichen Werdegang kann das geschriebene Wort einen sehr starken Einfluss haben.

Betrachtet man sich einmal die eigene Web-Vita, stößt man recht schnell auf etwas, was man den „digitalen Fingerabdruck“ nennen könnte. Einen Fingerabdruck, der genauso individuell ist wie man selbst.

Ein bewusster digitaler Fingerabdruck kann für die weitere berufliche und ggf. gesellschaftspolitische Laufbahn der eigenen Person durchaus auch hilfreich sein. Gerade Engagement aus der Schulzeit, dem Abitur oder auch dem Studium kann durch gezielte Steuerung bekannt gemacht werden. Dazu gehören Zeitungsartikel, Erwähnungen auf der Online-Präsenz verschiedener Vereine, Veranstaltungen, Organisationen und ggf. auch Parteien oder der Kirche. Allerdings ist hierbei zu beachten, in welchen Berufen man später tätig sein möchte, da gerade die Mitgliedschaft in Parteien und ggf. auch Organisationen möglicherweise auch Hindernisse darstellen können. Auch können sich eigene Interessen und Schwerpunkte ändern. Ansichten der Jugend werden überdacht und für sich selbst neu ersonnen. Man definiert sich neu, genießt die Freiheit, sich auch einmal völlig umzuorientieren – man wird „jemand Anderes“ – nur leider nicht „auf dem Papier“.

Verschiedene Berufszweige verlangen auch nach verschiedenen Formen des Engagements bzw. der Beschäftigung um sich positiv auf die Vita auszuwirken. Nehmen wir nun beispielsweise den Lebenslauf eines angehenden Journalisten. In diesem Berufsfeld ist es sehr sinnvoll (teilweise auch notwendig), bereits vor Beginn des Studiums bzw. auch noch während des Studiums als freier Mitarbeiter bei einer Zeitung oder einem Verlag zu arbeiten. Sollten Artikel bereits online veröffentlicht worden sein, gilt es diese auf ihre Qualität hin zu überprüfen und diese ggf. von der Onlinepräsenz seines Arbeitgebers entfernen zu lassen.  Auch die Themenwahl könnte noch einmal überprüft werden. So ist es sicher nicht unbedingt von Vorteil für die Bewerbung bei einer NGO wie Greenpeace, eine Lobeshymne auf einen großen Energieversorger geschrieben zu haben.

Für Studiengänge, die auf einen Beruf in der freien Wirtschaft abzielen, besonders Jura und BWL/VWL, empfiehlt sich weiteres gesellschaftspolitisches Engagement, z.B. die Arbeit in einer Fachschaft, in Organisationen oder ggf. auch in einer Partei (Hochschul-, Kommunal-, Landespolitik usw.). Bei dieser Arbeit/diesem Engagement ist es sinnvoll sich durch Veröffentlichungen, Beiträge, Onlineprofile und dergleichen im Netz bekannt zu machen, d.h. dass die Arbeit in Verbindung zur Person gebracht werden kann. Allerdings ist hierbei unbedingt auf die spätere Berufswahl zu achten. Während Juristen ihren Studienschwerpunkt auch in Verbindung zu ihrem gesellschaftlichen Engagement bringen können (z.B. Asylrecht, Umweltschutz etc.), kann die Mitgliedschaft in einer Partei die spätere Berufswahl stark beeinflussen. So steht die Bewerbung bei einem konservativen Unternehmen in direkter Konkurrenz zu einem linkspolitischen Engagement.

In kreativen Berufen wie Design oder auch Kunst, sind Blogs durchaus eine Möglichkeit seine Ideen bzw. geschaffenen Werke (Texte, Fotos, Entwürfe, Bilder usw.) publik zu machen und auch seine eigene Erscheinung gezielt zu präsentieren. Dazu zählen nicht nur Blogs sondern auch die Gestaltung von Profilen in sozialen Netzwerken, so z.B. Facebook. So kann man fremden Personen viele Informationen zur Verfügung stellen, um gezielte Hinweise auf seine Vita zu geben. Informationen über die Schul- und universitäre Bildung können einen ersten Eindruck vermitteln. Ebenfalls sollte auch auf die von einem selbst verwendeten Bilder Einfluss genommen werden. Dazu gehören Profilbilder, aber auch das Titelbild der Facebook-Chronik. Wenn beide Bilder in Kombination zueinander, zusammen mit den preisgegebenen Informationen einen seriösen Eindruck vermitteln, so können diese Profile einen positiven Einfluss auf den digitalen Fingerabdruck einer Person haben.

Abzusehen ist oftmals von aktiven Kommentaren auf Nachrichtenportalen bzw. Rezensionen und Bewertungen auf Shoppingwebseiten wie Amazon etc., wenn diese unsachlich bzw. unangemessen erscheinen. Gerade bei der Amazon-Wishlist, die auch offen einsehbar ist, können private und auch schädliche Informationen über die eigene Person bekannt gemacht werden, wie z.B. ein spezieller Musik-, Literatur- und Filmgeschmack.

Ob man sich einen eigenen, bewussten digitalen Fingerabdruck zulegt, sei jedem selbst überlassen, aber man sollte nicht vergessen, dass es bei aller Vorsicht auch Fingerabdrücke gibt, die man nicht so leicht wieder wegwischen kann.

Disclaimer: Der Beitrag gibt die Meinung der Gastautoren und nicht die Meinung des Career Service wieder.