{"id":8430,"date":"2017-10-23T15:58:14","date_gmt":"2017-10-23T13:58:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=8430"},"modified":"2024-10-28T13:07:15","modified_gmt":"2024-10-28T11:07:15","slug":"mein-alltag-an-der-dokkyo-medical-university","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/mein-alltag-an-der-dokkyo-medical-university\/","title":{"rendered":"Mein Alltag an der Dokkyo Medical University"},"content":{"rendered":"<h3>\u3053\u3093\u306b\u3061\u306f &#8220;Konnichiwa&#8221;<\/h3>\n<p>Liebe Gr\u00fc\u00dfe aus Japan,<\/p>\n<p>nachdem nun die ersten Tage an der Dokkyo Medical University vergangen sind, m\u00f6chte ich euch berichten, wie der Arbeitsalltag in einem japanischen Krankenhaus abl\u00e4uft und wie mein Leben um die Klinik herum ausschaut.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eingesetzt bin ich zur Zeit in der Neurochirurgie. Jeden Morgen um sieben (sehr fr\u00fch, aber auch in Deutschland muss man so fr\u00fch in der Klinik sein), findet im Konferenzsaal der Neurochirurgie eine Besprechung statt. Hier werden neue Patienten sowie die heutigen Operationsf\u00e4lle vorgestellt, zun\u00e4chst auf Englisch, dann auf Japanisch. Es folgt eine Pr\u00e4sentation der gestrigen OP mit der Verlaufsschilderung des Patienten. Mit mir sind auch drei japanische Studenten mit auf der Station, jedoch immer nur f\u00fcr eine Woche, dann wird rotiert. H\u00e4ufig stellen die Professoren und Ober\u00e4rzte uns Fragen zu den einzelnen Patienten, CT-Bildern, Laborergebnissen sowie Operationstechniken. Wenn man etwas nicht wei\u00df, ist dies kein Untergang, freundlich wird einem die Antwort erkl\u00e4rt. Aber man merkt schnell, dass es den japanischen Studenten sehr unangenehm ist, wenn sie einen Fehler machen. Ich denke hier spiegelt sich die japanische Mentalit\u00e4t deutlich wieder, nie das Gesicht zu verlieren.<\/p>\n<p>Nach der Besprechung folgt \u00e4hnlich wie in Deutschland die Visite. Hier geht der Chefarzt kurz in jedes einzelne Patientenzimmer und fragt, wie es den Patienten geht. Direkt im Schlepptau die Studenten, die anderen \u00c4rzte warten meist vor dem Zimmer, damit es am Patientenbett nicht zu voll wird. Meist f\u00e4llt das Gespr\u00e4ch eher kurz aus, der Chefarzt vergewissert sich eher, wie es seinen Patienten geht um selbst einen Eindruck zu bekommen. Die eigentlichen Anamnesegespr\u00e4che werden von den Stations\u00e4rzten im Laufe des Tages gef\u00fchrt. Danach haben wir Studenten meist eine halbe Stunde Pause, in der wir einen Kaffee trinken gehen oder fr\u00fchst\u00fccken. Allerdings kann ich mich mit dem japanischen Fr\u00fchst\u00fcck nicht so richtig anfreunden, sodass es bei mir eher beim Kaffee bleibt. Japaner essen morgens (wie eigentlich zu jeder Uhrzeit) warm. Meist gibt es Miso-Suppe sowie Reis und Fisch oder Ei. Miso-Suppe ist ein japanisches Nationalgericht, dass aus Fischsud sowie einer Sojabohnenpaste hergestellt wird. Da ich als Deutsche eher s\u00fc\u00dfes Fr\u00fchst\u00fcck gew\u00f6hnt bin (und Nutella sehr vermisse), esse ich meist schon vor Arbeitsstart ein M\u00fcsli und trinke meinen Tee (Cornflakes gibt es anscheinend \u00fcberall auf der Welt, \u00e4hnlich wie McDonalds). Nach der Pause gibt es f\u00fcr mich eine private Unterrichtsstunde in Neuroanatomie beim Chefarzt. Manchmal kommen die japanischen Studenten mit, manchmal ist es Einzelunterricht. In M\u00fcnster lernt man Neuroanatomie im dritten Semester, sodass dieser Unterricht f\u00fcr mich Wiederholung darstellt. Allerdings ist diese wirklich n\u00f6tig, da der Aufbau unseres Nervensystems sehr komplex ist und man Vieles schnell vergisst bzw. durcheinander bringt. Um jedoch die hochkomplexen Krankheitsbilder der Neurologie und Neurochirurgie zu verstehen, ist es wichtig einen \u00dcberblick \u00fcber den gesunden Zustand des Gehirns und R\u00fcckenmarks zu haben.<\/p>\n<p>Operiert wird hier immer montags, mittwochs und freitags. Dies ist ein gro\u00dfer Unterschied zu Deutschland, denn bei uns gibt es quasi keinen Tag, den ein Neurochirurg nicht im Operationssaal verbringt. Dienstags und Donnerstags ist Angiografie-Tag, wobei der Dienstag zur Diagnosestellung und der Donnerstag dann zur Behandlung dient. Bei der Angiografie stellt man die Gef\u00e4\u00dfversorgung des Gehirns dar. Hierf\u00fcr benutzt man einen Katheter, den man in die\u00a0Arterie der Leistengegend einf\u00fchrt und mit\u00a0Hilfe eines F\u00fchrungsdrahtes in der Aorta vorschiebt, bis man zum Abgang der\u00a0Gef\u00e4\u00dfe kommt, die den Kopf und das Gehirn versorgen. Wenn man hier angelangt ist, kann man \u00fcber den Katheter ein Kontrastmittel laufen lassen und das R\u00f6ntgenbild zeigt dann den Verlauf der Gef\u00e4\u00dfe. \u00c4hnlich wie in Deutschland sind ein hoher Blutdruck sowie Blutcholisterinspiegel in Japan zunehmend verbreitet. So ist eine h\u00e4ufige Diagnose der Angiografie Artheriosklerose mit einer Minderversorgung des Gehirns mit Blut zur Folge. Dies wird dann am folgenden Donnerstag behandelt, indem man auch \u00fcber ein Katheterverfahren einen Stent in das betroffene Gef\u00e4\u00df einbringt um es wieder zu \u00f6ffnen und eine ausreichende Durchblutung sicherzustellen.<\/p>\n<p>Ein h\u00e4ufiges Krankheitsbild, dass hier operiert wird, sind Hirnaneurysmen. Hier zeigt eine Hirnarterie eine Erweiterung, die besonders anf\u00e4llig ist, zu ruptuieren und zu bluten. Da eine Hirnblutung schwerwiegende Folgen, wie Bewusstseinseintr\u00fcbung, Koma oder gar den Tod haben kann, versucht man dem zuvorzukommen und verschlie\u00dft die Ausbuchtung, indem man einen Clip auf das Gef\u00e4\u00df setzt. Die Neurochirurgie der Dokkyo Medical University ist innerhalb von Japan f\u00fcr diese Art von Operation sehr bekannt, daher kommen Patienten aus ganz Japan, um sich hier operieren zu lassen. Ich darf bei solchen Operationen meist assistieren. Das bedeutet, dass ich daf\u00fcr sorgen muss, dass das Operationsfeld gut \u00fcbersichtlich bleibt, indem ich das Blut entweder absauge oder tupfe, Haken halte, mit der Pinzette bestimmte Strukturen markiere oder beiseite halte. Meine besonderen Highlights sind das Aufbohren des Sch\u00e4dels sowie das Zun\u00e4hen und Zuknoten am Ende der Operation. Japaner verwenden eine andere Knotentechnik als wir Deutschen, sodass ich mein Repertoire an chirurgischen Handgriffen erweitern konnte. Ein gro\u00dfer Teil der Operation erfolgt dann \u00fcber das Mikroskop. Hier wird das Bild f\u00fcr uns Studenten dann auf einen Monitor \u00fcbertragen, damit wir die weitere Operation mitverfolgen k\u00f6nnen. Es gibt sogar 3D-Monitore, die einem ein besseres r\u00e4umliches Verst\u00e4ndnis des Operationsfeldes vermitteln sollen.<\/p>\n<p>Nach der ersten Operation haben wir Studenten meist eine Mittagspause. Hier in der Klinik gibt es eine japanische Mensa sowie ein italienisches Restaurant, das unter den Studenten sehr beliebt ist, da Spagetti mit Tomatensauce f\u00fcr sie eine Abwechslung zum normalen japanischen Essen darstellt. Auch wenn ich in meinem Leben selten ein Gericht so h\u00e4ufig gegessen habe wie Nudeln, bin ich doch froh, dass ich hier wenigstens erkennen kann, was sich auf meinem Teller befindet, sodass ich gerne mit in das italienische Restaurant gehe. Dies soll nicht bedeuten, dass ich nicht gerne japanisches Essen probiere, nur gehe ich hierf\u00fcr meistens mit den Studenten am Wochenende oder abends in ein Restaurant, das genau dieses japanische Essen als Spezialit\u00e4t f\u00fchrt. Mein bisheriges Highlight: Gyoza. Utsunomiya, der n\u00e4chst gr\u00f6\u00dferen Stadt von Mibu aus, ist sehr bekannt f\u00fcr dieses Gericht. Gyoza sind kleine Teigtaschen, gef\u00fcllt mit Fleisch, Gem\u00fcse und sehr viel Knoblauch und Zwiebeln. Man tunkt diese in Sojasauce gemischt mit Wei\u00dfweinessig und isst als Beilage (wie immer) Reis dazu. Man bekommt die Gyoza entweder gekocht, gebacken oder frittiert, wobei ich die gebackene Variante bevorzuge. Besonders ber\u00fchmt f\u00fcr diese Spezialit\u00e4t ist das Restaurant Min-min Gyoza (4-2-3 Babadori, Utsunomiya, Tochigi Prefecture 320-0026). Es erinnert an ein Schnellimbus-Restaurant und sieht auf den ersten Blick nicht besonders aus, aber die lange Schlange vor dem Restaurant verr\u00e4t, dass es sehr beliebt ist. Ich kann jedem, der mal in der N\u00e4he von Utsunomiya ist nur empfehlen, vorbeizuschauen \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Nachmittags geht es dann wieder in den Operationssaal, falls noch eine weitere OP ansteht. Ansonsten haben wir Studenten frei. Die japanischen Studenten m\u00fcssen h\u00e4ufig einen Vortrag in der morgendlichen Konferenz halten und ich helfe ihnen, diesen in Englisch zu \u00fcbersetzen. Manchmal gehen wir danach noch aus. Sehr beliebt bei Japanern sind Spielhallen. Man kann diese sehr gut mit einer riesigen Indoor-Kirmes vergleichen. Es ist sehr laut und bunt in diesen Hallen. \u00dcberall gibt es Automaten, an denen man gegen kleines Geld so gut wie jedes Spiel, das es f\u00fcr Konsolen gibt, spielen kann. Mein absoluter Favorit ist Mario Kart. Sehr beliebt sind hier auch die gro\u00dfen Fotoboxen, in denen man Gruppenbilder machen kann, die man dann hinterher bearbeitet und lustige Filter sowie Sticker hinzuf\u00fcgt. Ich pers\u00f6nlich nenne sie &#8220;Snapchat-Box&#8221;, da der Stil mit den riesigen Augen und irgendwelchen Tierohren doch sehr an die beliebte Handy-App erinnert. Ein absolutes Highlight f\u00fcr Japaner sind die Karaoke-Stationen. Ich muss zugeben, dass es mich doch etwas \u00dcberwindung kostet, einfach so loszusingen, aber da Karaoke hier quasi Volkssport ist und f\u00fcr Japaner eine absolute Alternative zur Kneipe oder Club darstellt, muss man da halt durch. Egal ob man gerne singt oder nicht.<\/p>\n<p>Ich hoffe ich konnte euch einen gutes Eindruck vermitteln, wie mein Alltag hier in Japan abl\u00e4uft. Ich werde euch nat\u00fcrlich auf dem Laufenden halten, wenn ich ein neues Restaurant ausprobiert habe, oder es einen spannenden medizinischen Fall gab.<\/p>\n<p>Bis dahin,<\/p>\n<p>\u3055\u3088\u3046\u306a\u3089, \u307e\u305f\u306d \u201eSayonara, Matane\u201c<\/p>\n<p>Viele Gr\u00fc\u00dfe und bis bald,<\/p>\n<p>eure Anna<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u3053\u3093\u306b\u3061\u306f &#8220;Konnichiwa&#8221; Liebe Gr\u00fc\u00dfe aus Japan, nachdem nun die ersten Tage an der Dokkyo Medical University vergangen sind, m\u00f6chte ich euch berichten, wie der Arbeitsalltag in einem japanischen Krankenhaus abl\u00e4uft und wie mein Leben um die Klinik herum ausschaut.<\/p>\n","protected":false},"author":476,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1259,1277,2051,2072],"tags":[9,1364,779,1371,960,362,962,1186,492],"class_list":["post-8430","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-asien","category-japan","category-medizin","category-medizin-und-gesundheit","tag-auslandspraktikum","tag-dokkyo-medical-university","tag-famulatur","tag-interkulturelles","tag-japan","tag-medizin","tag-mibu","tag-praktikumsalltag","tag-promos"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8430"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/476"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8430"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8430\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8666,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8430\/revisions\/8666"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8430"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8430"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8430"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}