{"id":8204,"date":"2017-09-28T10:35:29","date_gmt":"2017-09-28T08:35:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=8204"},"modified":"2024-12-06T10:06:53","modified_gmt":"2024-12-06T08:06:53","slug":"lissabon-stadt-der-sieben-huegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/lissabon-stadt-der-sieben-huegel\/","title":{"rendered":"Lissabon &#8211; Stadt der sieben H\u00fcgel"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt bin ich also angekommen. In Lissabon. A cidade das sete colinas &#8211; die Stadt der sieben H\u00fcgel. Ganz ehrlich: Ich glaube, es gibt hier deutlich mehr als sieben H\u00fcgel, aber wahrscheinlich f\u00fchlt sich das bei Erkundungsg\u00e4ngen und Busfahrten nur nach mehr an und ich will den Lisboetas diese Verbindung zur ewigen Stadt auch gar nicht absprechen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Mein Name ist Andreas und ich studiere Chemie im dritten Mastersemester. Bis Weihnachten absolviere ich hier ein Forschungspraktikum am Instituto Superior T\u00e9cnico da Universidade de Lisboa. Nachdem ich jetzt gut zwei Wochen in Lissabon verbracht habe, m\u00f6chte ich euch meine ersten Eindr\u00fccke schildern.<\/p>\n<p>Untergekommen bin ich in einer 2-Personen-WG in Campo de Ourique. Anders als Bairro Alto, Bica, Baixa und die anderen Downtown-Viertel ist Campo de Ourique ein ruhiger Stadtteil ohne reges Nachtleben und mit nur wenig Touristen und Sehensw\u00fcrdigkeiten, u.a. die Endhaltestelle der legend\u00e4ren El\u00e9ctrico 28 am Friedhof der Freuden und den Cemit\u00e9rio dos Prazeres selbst. Nur am Westrand, wo ich wohne, ist es nicht ganz so ruhig, da hier die Einflugschneise des Aeroporto de Lisboa liegt. Die Flugzeuge fliegen hier jedoch noch vergleichsweise hoch und nachts wird der Flugbetrieb eingestellt.<\/p>\n<p>Campo de Ourique wird auch als Dorf in der Stadt bezeichnet und ist \u00fcberwiegend von Einheimischen bewohnt. Wie \u00fcberall in Lissabon gibt es hier zahlreiche Caf\u00e9s, aber auch diverse L\u00e4den f\u00fcr alles m\u00f6gliche. Angefangen mit den beiden Supermarktketten &#8220;Pingo Doce&#8221; und &#8220;Minipre\u00e7o&#8221;, \u00fcber die Kleinmarkthalle &#8220;Mercado de Campo de Ourique&#8221;, diverse B\u00e4ckereien (padaria) und Konditoreien (pastelaria), von denen nat\u00fcrlich jede die besten &#8220;Pastel de Nata&#8221; anpreist, bis hin zu Schuhgesch\u00e4ften, Teppichl\u00e4den, Beauty-Shops und L\u00e4den nur f\u00fcr Babykleidung ist alles vorhanden. Immer wieder trifft man kleine, kiosk-\u00e4hnliche Superm\u00e4rkte und Obstl\u00e4den (frutaria) an und es gibt viele Restaurants. Man sagt, wer es in Campo de Ourique zum Koch schafft, der schafft es \u00fcberall in der Welt. Im Nordosten des Stadteils liegt das imposante Amoreiras Shopping Center. Auf einem der drei T\u00fcrme befindet sich eine Aussichtsplattform, die einen 360\u00b0 Blick \u00fcber Lissabon erlaubt. Der Eintritt kostet jedoch 5 \u20ac und Lissabon bietet durch seine nat\u00fcrliche Beschaffenheit auch viele kostenlose Aussichten auf das Stadtpanorama. Die 5 \u20ac habe ich mir also f\u00fcrs Erste gespart, zumal ich bereits einen wundersch\u00f6nen Blick auf Lissabon von meinem Arbeitsplatz im obersten Stockwerk des Torre de Sul vom T\u00e9cnico habe (siehe Titelbild).<\/p>\n<p>Am sch\u00f6nsten ist Lissabon im Licht der auf- oder untergehenden Sonne. Deswegen am besten am Abend (oder f\u00fcr Fr\u00fchaufsteher am Morgen) einen der vielen Aussichtspunkte (miradouro) ansteuern und mit einem Pastel de Nata in der Hand die Stadt bewundern. Das Stadtbild ist gepr\u00e4gt von vier- bis sechsst\u00f6ckigen H\u00e4usern, die entweder bunt gestrichen oder mit Azulejos, den ber\u00fchmten portugiesischen Kacheln, verziert sind. Die meisten H\u00e4user sind alt und von jedem vierten Haus bl\u00e4ttert bereits die Farbe ab. Zwischendurch sind auch immer wieder verlassene und halb verfallene H\u00e4user anzutreffen. Aber genau das scheint den Charme dieser Stadt auszumachen. Eine europ\u00e4ische Hauptstadt, in der an manchen Orten mitten in der Stadt die Zeit still steht. Genauso pl\u00e4tschert abseits der Stra\u00dfen in den vielen, \u00fcber die Stadt verteilten, G\u00e4rten das Leben dahin. Hier l\u00e4sst man sich nicht hetzen, sondern legt sich einfach in die Sonne, feiert Kindergeburtstage, oder spielt Karten.<\/p>\n<p>Auf den Stra\u00dfen geht es allerdings chaotisch zu. Insbesondere in der Rush Hour (morgens 8:00 &#8211; 9:00 und abends 18:00 &#8211; 19:00) sind selbst kleine Nebenstra\u00dfen h\u00e4ufig verstopft. Ein Grund daf\u00fcr ist, dass die Portugiesen einfach in die Kreuzungen einfahren, auch wenn es vorne nicht weiter geht. Dadurch ist dann auch die Durchfahrt f\u00fcr die kreuzenden Stra\u00dfen blockiert und der Verkehr staut sich bis zur n\u00e4chsten Kreuzung, wo das gleiche Spiel von vorne beginnt. Auch werden die Vorfahrtsregeln teilweise sehr locker ausgelegt. Ein schuldbewusster Blick mit erhobener Hand bes\u00e4nftigt die Ausgebremsten aber meistens wieder. Gelegentlich bahnt sich das portugiesische Temperament aber auch in wilden Hupkonzerten seinen Weg. Die Stra\u00dfenr\u00e4nder sind vielerorts so dicht zugeparkt, dass ein \u00dcberqueren der Stra\u00dfe kaum noch m\u00f6glich ist. Auch Parken in der zweiten Reihe kommt gelegentlich vor. Wie die Portugiesen es dabei schaffen, wieder auszuparken, bleibt ihr Geheimnis. Fahrradfahrer sind hier nur selten anzutreffen, was an der h\u00fcgeligen Beschaffenheit der Stadt und dem Nicht-Vorhandensein von Radwegen liegen d\u00fcrfte. Sie werden hier durch Roller- und Mofafahrer ersetzt, die sich wild durch den Verkehr schl\u00e4ngeln. F\u00fcr Fu\u00dfg\u00e4nger sind die Ampelfarben eher eine Empfehlung als ein Gebot zum Anhalten und Gehen. Wenn die Ampel gr\u00fcn ist, kann man gehen und abbiegende Autos m\u00fcssen anhalten. Wenn die Ampel rot zeigt, kann man ebenfalls gehen, muss dann aber umgekehrt den Autos Vorfahrt gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Alle Portugiesen, die ich bisher hier kennengelernt habe, sind \u00e4u\u00dferst hilfsbereit und weltoffen. Von vielen Seiten habe ich bereits ausf\u00fchrliche Informationen dar\u00fcber bekommen, was ich mir hier in Lissabon und Umgebung unbedingt angucken muss. Ich habe schon die Bef\u00fcrchtung, dass ich das alles in den drei Monaten, die ich hier bin, gar nicht schaffe. Aber auch bei Fragen des allt\u00e4glichen Bedarfs, wie z.B. den Ort des n\u00e4chstgelegenen Supermarkts, wird einem gerne weitergeholfen. Wenn man den Portugiesen eine Freude machen will, versucht man sich in ihrer Landessprache auszudr\u00fccken. Generell sind die Portugiesen, oder zumindest die Lisboetas, entspannter als wir Deutschen. Wenn die Schlange an der Supermarktkasse auch noch so lang ist: Zeit f\u00fcr ein Pl\u00e4uschchen mit der Kassiererin bleibt allemal. Und auch die Mittagspause wird bei einem T\u00e4sschen Kaffee gerne mal etwas ausgedehnt.<\/p>\n<p>Vielleicht liegt diese innere Gelassenheit auch am guten Wetter. Obwohl sich der September jetzt dem Ende neigt, hat es hier tags\u00fcber angenehme 22-26 \u00b0C bei einer leichten Meeresbrise. Nachts sinken die Temperaturen momentan nicht unter 15 \u00b0C. Auch wenn man hier tags\u00fcber in kurzer Hose und T-Shirt herumlaufen kann, sollte man sich f\u00fcr die Morgen- und Abendstunden etwas Langarmiges mitnehmen. Denn sobald die Sonne verschwindet, frischt der Wind auf. Geregnet hat es seit meiner Ankunft nur einmal kurz, im November und Dezember soll es jedoch mehr Regentage geben. Ich bin mal darauf gespannt, wie kalt es hier im Winter wird, denn das Haus, in dem wir leben, hat wie die meisten H\u00e4user keine Heizung.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich noch ein paar Tipps zur Wohnungssuche in Lissabon geben (soweit ich das nach zwei Wochen Aufenthalt hier \u00fcberhaupt kann). Wer gerne jeden Abend feiern gehen m\u00f6chte, ist im Bairro Alto oder in Bica bestens aufgehoben. Hier ist es jedoch bis tief in die Nacht hinein laut, da sich das Nachtleben nicht in den Lokalen, sondern auf der Stra\u00dfe abspielt (wie auch aus den <a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/author\/sprenger-m\/\">Berichten von Marius<\/a> zu entnehmen ist). Zum Schlafen sollte man sich also Ohropax besorgen. Ebenfalls laut kann es in der Einflugschneise des Flughafens werden. Wo diese verl\u00e4uft, kann einfach in Google Maps durch Verl\u00e4ngerung der Start- und Landebahn zur Ponte 25 de Abril in Erfahrung gebracht werden. Die Flugzeuge machen n\u00e4mlich einen gro\u00dfen Bogen um Lissabon und setzen dann vom Meer aus zur Landung an. Der Hinflug bietet also wirklich die allerbeste M\u00f6glichkeit f\u00fcr einen Blick auf die gesamte Stadt. Kulturfans sind sicherlich in Bel\u00e9m, dem Kulturzentrum Lissabons, am besten aufgehoben. Dies liegt jedoch schon etwas au\u00dferhalb vom Stadtzentrum und geh\u00f6rt in der Aufteilung des \u00f6ffentlichen Personennahverkehrs zu den sogenannten suburbanen Zonen. Mit den Stadtz\u00fcgen ist man jedoch vom Bahnhof Bel\u00e9m aus in 5 min am Cais do Sodr\u00e9, von wo aus man Anschluss ans U-Bahn-Netz hat. In Baixa, Alfama und Mouraria wohnt man in den Touristenvierteln, jedoch sollte es hier nachts etwas ruhiger zugehen als im Bairro Alto und in Bica. Noch ruhiger, aber immer noch zentral gelegen sind die etwas n\u00f6rdlicheren Viertel Saldanha, Alameda und Areeiro, sowie im S\u00fcdwesten das Diplomatenviertel Lapa. In Campolide d\u00fcrfte man schon wieder in der Einflugschneise wohnen und \u00fcber Campo de Ourique habe ich euch ja bereits ausf\u00fchrlich informiert. Auf der Karte scheint letzteres zun\u00e4chst ein wenig abgelegen, aber \u00fcber die Buslinien 742 und 712 und die U-Bahn-Station Rato hat man eine gute Anbindung zum Rest der Stadt. Nat\u00fcrlich habe ich hier nur ein paar Viertel genannt und insbesondere die \u00f6stlichen Viertel Oriente, Beato, Chelas, etc. komplett ausgelassen, weil ich dort noch \u00fcberhaupt nicht war. Ich hoffe, ich konnte euch trotzdem ein wenig helfen, falls ihr gerade auf Wohnungssuche in Lissabon seid.<\/p>\n<p>In meinem n\u00e4chsten Post werde ich versuchen, das \u00d6PNV-System in Lissabon ein wenig zu erl\u00e4utern. Wer bisher n\u00e4mlich bequem und ohne gro\u00dfes Nachdenken mit dem Semesterticket unterwegs war, hat eventuell seine Schwierigkeiten den Tarifdschungel (und dann auch noch in einer Fremdsprache) zu durchblicken. Bis dahin alles Gute, Andreas.<\/p>\n<p><a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Doca_de_Recreio_de_Santo_Amaro.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1920,&quot;h&quot;:1280}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-8211\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Doca_de_Recreio_de_Santo_Amaro-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"604\" height=\"453\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Doca_de_Recreio_de_Santo_Amaro-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Doca_de_Recreio_de_Santo_Amaro-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Doca_de_Recreio_de_Santo_Amaro-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Doca_de_Recreio_de_Santo_Amaro-600x450.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Doca_de_Recreio_de_Santo_Amaro-800x600.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Doca_de_Recreio_de_Santo_Amaro.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt bin ich also angekommen. 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