{"id":7700,"date":"2017-08-16T14:33:11","date_gmt":"2017-08-16T12:33:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=7700"},"modified":"2024-12-06T12:21:20","modified_gmt":"2024-12-06T10:21:20","slug":"la-farmacia-hospitalaria-mein-alltag-in-der-krankenhausapotheke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/la-farmacia-hospitalaria-mein-alltag-in-der-krankenhausapotheke\/","title":{"rendered":"La Farmacia hospitalaria &#8211; Mein Alltag in der Krankenhausapotheke"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen des deutschen Pharmaziestudiums muss man ein praktisches Jahr ableisten, was eine Voraussetzung ist, ein Apotheker &#8211; oder in meinem Fall eine Apothekerin \u2013 zu werden.<\/p>\n<p><!--more-->Zu meinem Gl\u00fcck kann die zweite H\u00e4lfte auch im Ausland abgeleistet werden, in einer Apotheke, einer Krankenhausapotheke oder auch in der pharmazeutischen Industrie. Diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen, da das Pharmaziestudium in Deutschland nicht wirklich international ausgerichtet ist, ich aber gerne noch einmal eine Auslandserfahrung machen wollte. Spanien hat sich angeboten, da die Pharmaziestudenten hier ein halbj\u00e4hriges Praktikum im Rahmen des Studiums machen. Die Strukturen bestehen\u00a0somit schon und Spanien ist das einzige spanischsprachige Land, das EU-Mitglied ist, wodurch die Anrechnung einfacher wird.<\/p>\n<p>So kam es, dass ich jetzt ein sechsmonatiges Praktikum in der Krankenhausapotheke des Parc Taul\u00ed \u2013 Hospital de Sabadell in der N\u00e4he von Barcelona mache. Es ist ein \u00f6ffentliches Krankenhaus und unterliegt so dem \u201eCatSalut\u201c \u2013 dem katalanischen Service der Gesundheit, welcher zum Gesundheitsministerium geh\u00f6rt \u2013 denn Gesundheit ist in Spanien haupts\u00e4chlich L\u00e4ndersache, wie in Deutschland zum Beispiel Bildung L\u00e4ndersache ist. Somit werde ich hier den Krankenhausapothekenalltag in Katalonien beschreiben. Ein entscheidender Unterschied ist, dass es hier das elektronische Rezept schon gibt, das in Deutschland noch auf seine Einf\u00fchrung wartet und viele Informationen \u00fcber den Patienten in offiziellen Portalen online einsehbar sind.<\/p>\n<p>Mit dem August ist mein vierter Monat hier angebrochen und so langsam habe ich einen guten \u00dcberblick \u00fcber den Alltag hier bekommen. Die \u201epractiques tutelades\u201c sind hier Teil des Studiums, anders als in Deutschland, wo man als Angestellter in Ausbildung gilt. Hierzu muss man auch anmerken, dass man in Deutschland ca. 900\u20ac brutto pro Monat bekommt, die Spanier hingegen zahlen f\u00fcr ihre Credits der Uni, insgesamt f\u00fcr das halbe Jahr ca. 1000\u20ac (Die muss ich nicht zahlen, aber ein Gehalt bekomme ich au\u00dfer die Erasmus+-F\u00f6rderung auch nicht.) Das Ganze erkl\u00e4rt vielleicht auch, warum ich hier mehr die Funktion einer Person habe, die beim Zuschauen lernen soll und ich nicht\u00a0 die Angestellte bin, die ins kalte Wasser geschmissen wird. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Einer der Vorteile hier: ich rotiere durch viele Abteilungen und bekomme einen breiten \u00dcberblick.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7714\" aria-describedby=\"caption-attachment-7714\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/ParcTauliFoto.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1920,&quot;h&quot;:1280}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7714 size-medium\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/ParcTauliFoto-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/ParcTauliFoto-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/ParcTauliFoto-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/ParcTauliFoto-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/ParcTauliFoto-600x450.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/ParcTauliFoto-800x600.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/ParcTauliFoto.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7714\" class=\"wp-caption-text\">Parc Taul\u00ed, Sabadell<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aber wie genau sieht so eine Krankenhausapotheke aus? Angefangen habe ich damit, zu sehen wie das Medikament vom Lieferanden zum Patienten gelangt. Das Medikament wird zuerst geliefert, dann verbucht, und anschlie\u00dfend wird ein spezielles System verwendet &#8211; \u201eUnidosis\u201c. Das bedeutet, das jedes der ca. 700 Betten eine eigene Schublade hat, wo die Medikation f\u00fcr die n\u00e4chsten 24h patientenspezifisch einsortiert wird. Daf\u00fcr muss der Arzt eine Verschreibung vornehmen, die dann durch die Apotheker \u00fcberpr\u00fcft und verbucht wird, so dass die \u201eT\u00e9cnicos\u201c (sind vergleichbar mit PTAs \u2013 pharmazeutisch technische Assistenten) die Medikation in die Schubladen einsortieren k\u00f6nnen. Danach werden die Schubladenbl\u00f6cke auf die Station gebracht und die Krankenschwestern verabreichen dem Patienten die Medikation. Ein ganz sch\u00f6ner Aufwand, der aber einen Sinn hat: er soll verhindern, dass dem Patienten zu viel oder das falsche Medikament gegeben wird. Ich bin mit auf die Stationen gegangen, um die Schubladenbl\u00f6cke auszutauschen, habe selber Schubladen gef\u00fcllt, Sonderanforderungen bearbeitet, Ware verbucht und auch Lagerbestand aufgef\u00fcllt. Da kommen am Tag schon mal 6km zusammen, die man durchs Krankenhaus rennt.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten Stationen meiner \u201erotaci\u00f3n\u201c waren mehr etwas f\u00fcrs Gehirn statt f\u00fcr die Beine: Jeder Apotheker hat einen Bereich bzw. eine Station (\u201eplanta\u201c) um die er sich k\u00fcmmert. Und nach und nach verbringe ich jeweils ein paar Wochen mit einem anderen Apotheker. Als erstes ging es zu den liebevoll genannten Omis und Opis, wo ich Medikationspl\u00e4ne anhand der elektronischen Rezepteauf Interaktionen analysiert und auf die altersgerechte Anwendung von Medikamenten geschaut habe. Denn wenn meine Kolleginnen (wir sind hier fast nur Frauen) von einem \u201ej\u00f3ven\u201c \u2013 einem jungen Menschen gesprochen habe, dann war der 70 Jahre alt.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes ging es zu \u201eurgencias\u201c \u2013 der Notfallambulanz \u2013 und \u201eUCI\u201c \u2013 der Intensivstation. Dort bin ich mitgelaufen, habe in Patientenakten geschaut, die Anwendung von Antibiotika immer wieder hinterfragt, Dosisangleichungen auf Grund von Nierenfunktionen vorgenommen und die Medikation der Patienten \u00fcberpr\u00fcft. W\u00e4hrend ich auf der Intensivstation war, habe ich immer mal wieder festgestellt, dass es einen Grund gibt, warum ich nicht Medizin studiert habe \u2013 wenn es pl\u00f6tzlich anf\u00e4ngt wie wild zu piepen, werde ich so nerv\u00f6s wie ein aufgeschrecktes Eichh\u00f6rnchen, w\u00e4hrend die \u00c4rzte und Schwestern v\u00f6llig entspannt bleiben.<\/p>\n<p>Danach ging es in den Bereich der klinischen Studien, wo ich gelernt habe, wie die Protokolle einer Studie aufgebaut sind, wo man alle Informationen findet, die man ben\u00f6tigt; nach welchen Kriterien man sich f\u00fcr neue Studien entscheidet, wenn ein Vertreter sie vorschl\u00e4gt; die Lagerung dieser neuen Medikamente; wie entscheidend der Bestand ist; wie man eine Studie verblindet, damit der Patient und der Arzt nicht wissen, ob es Placebo oder der echte Wirkstoff ist und nat\u00fcrlich habe ich auch einen Einblick in ein paar dieser neuen Studien mit den neuen Wirkstoffen bekommen. Ein sehr interessantes Themenfeld, dass sich hier gar nicht so gut beschreiben l\u00e4sst, wie ich es gerne w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Jetzt bin ich gerade in der \u201eFarmacia Ambulatoria\u201c, etwas, dass es in Deutschland in dieser Form nicht gibt. In Katalonien werden alle wirklich teuren und\/oder sehr speziellen Medikamente durch die \u201eFarmacia Ambulatoria\u201c und nicht durch die \u201eFarmacia de la calle\u201c \u2013 \u00f6ffentliche Apotheke \u2013 vertrieben. Die Menschen leisten keine Zuzahlung, das Medikament wird ihnen monatlich gegeben, sie kommen allerdings wie bei einem Arztbesuch mit einem Termin. Normalerweise geben die \u201eT\u00e9cinicos\u201c die Medikation aus, es sei denn, es ist eine neue Therapie, die vom Patienten begonnen wird. Dann gibt es einen ausf\u00fchrlicheren Gespr\u00e4ch in einem B\u00fcro mit einer Apothekerin, wodurch die Patienten mehr erz\u00e4hlen, die Therapie besser kontrolliert wird und ein gr\u00f6\u00dferes Vertrauen dem Apotheker gegen\u00fcber entsteht. Und bei diesen Gespr\u00e4chen sitze ich bei und lerne viel \u00fcber die verschiedenen Therapieregime und \u00fcber auftretende unerw\u00fcnschte Arzneimittelwirkungen, von denen die Patienten erz\u00e4hlen, sei es ein blauer Fleck in Gr\u00f6\u00dfe einer Orange oder ein roter Ausschlag am ganzen K\u00f6rper, welcher in diesem Fall durch die Einnahme von Aspirin verhindert werden kann. Hier gibt es auch wundersch\u00f6ne Momente: eine Dame, die mit Hepatitis C und HIV von einem damaligen Partner vor zig Jahren angesteckt wurde, steht mit Tr\u00e4nen in den Augen vor einem, nachdem sie nach der Behandlung der Hepatitis C davon geheilt wurde und HIV unter der Nachweisgrenze ist und umarmt einen ganz fest.<\/p>\n<p>Nun fehlen mir noch zwei Stationen: Onkologie und die Herstellung von Rezepturen. Ich bin gespannt, was ich dort noch lernen werde.<\/p>\n<p>Man h\u00f6rt wohl raus, dass es ein sehr vielf\u00e4ltiges Praktikum ist, mit viel Input. Das Team ist super, ganz vielen junge Apotheker, die meisten Frauen zwischen 26 und 37. Auch die Chefin tr\u00e4gt unglaublich zu der guten Atmosph\u00e4re bei, in dem sie unglaublich aufmerksam ist und mich zum Beispiel jedes Mal, wenn sie mich sieht, fragt, wie es mir geht, wie es mir gef\u00e4llt und ob ich richtig was lerne. (Ihr verdanke ich die Stelle, da sie einen zus\u00e4tzlichen Platz f\u00fcr mich geschaffen hat!) Und jeder der Apotheker hier hat ein unglaubliches Wissen, denn nur die besten bestehen den \u201eFIR\u201c um dann die vierj\u00e4hrige \u201eResidencia\u201c hier zu beginnen. Jede Frage, die ich stelle (und das sind viele, da ich von Haus aus sehr neugierig bin), egal zu welchem Thema, wird ausf\u00fchrlich beantwortet. Ich spreche Spanisch mit allen hier, allerdings wird mind. 50% der Zeit Katalanisch gesprochen, aber auch da kommt man rein (unter anderem mit Hilfe eines Online-Sprachkurses geht das sehr gut).<\/p>\n<p>Immer wieder werden ein paar Witze gerissen und es wird viel Wert auf Weiterbildung und Wissenserweiterung gelegt. Kurzum: Ich bin froh, hier mein Praktikum zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen des deutschen Pharmaziestudiums muss man ein praktisches Jahr ableisten, was eine Voraussetzung ist, ein Apotheker &#8211; oder in meinem Fall eine Apothekerin \u2013 zu werden.<\/p>\n","protected":false},"author":389,"featured_media":7714,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2059,1248,2072,1249],"tags":[9,201,39,1511,439,506,1186,712,173],"class_list":["post-7700","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-chemie-und-pharmazie","category-europa","category-medizin-und-gesundheit","category-spanien","tag-auslandspraktikum","tag-barcelona","tag-erasmus","tag-parc-tauli-hospital-de-sabadell","tag-pharmazie","tag-pj","tag-praktikumsalltag","tag-praktisches-jahr","tag-spanien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7700"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/389"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7700"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7700\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7717,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7700\/revisions\/7717"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7714"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7700"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7700"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7700"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}