{"id":7563,"date":"2017-06-30T10:33:05","date_gmt":"2017-06-30T08:33:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=7563"},"modified":"2024-12-06T12:48:24","modified_gmt":"2024-12-06T10:48:24","slug":"was-macht-man-als-teaching-assistant-eigentlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/was-macht-man-als-teaching-assistant-eigentlich\/","title":{"rendered":"Was macht man als Teaching Assistant eigentlich?"},"content":{"rendered":"<p>Hier in Oxford absolviere ich momentan ein Praktikum als Teaching Assistant an einer Comprehensive School, die eine kulturell sehr gemischte Sch\u00fclerschaft aufweist. Im Folgenden werde ich versuchen, euch meinen Alltag ein wenig n\u00e4her zu bringen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Exemplarisch zeige ich euch daher meinen kommenden Montag in Ausschnitten.<\/p>\n<p>Der britische Schulalltag eines <em>Teaching Assistants<\/em> (TA), hier auch \u201e<em>Learning Support Assistant&#8221; <\/em>(LSA) genannt<em>,<\/em> unterscheidet sich stark von dem einer Lehrkraft. Generell arbeite ich an vier Tagen in der Woche. Ein Schultag beginnt \u00fcblicherweise um 8:40 und endet um 15:05 Uhr.<\/p>\n<p>Am Montagmorgen geht mein Wecker um 6:45 Uhr, bis 8 Uhr mache ich mich fertig f\u00fcr die Arbeit. Dann gehe ich den circa 20 Minuten langen und h\u00fcgeligen Fu\u00dfweg zu meiner Schule. Auf dem Weg dorthin begegnen mir oft schon die ersten Sch\u00fclergruppen, die mir freundlich zul\u00e4cheln (meistens jedenfalls ;)). Im Lehrerzimmer angekommen treffe ich meine LSA-Kollegen und plaudere ein wenig, bis die erste Stunde beginnt. Da die Schule ein sehr hektischer Ort ist, an dem sich Dinge schnell ver\u00e4ndern, gibt es meist spontane Plan\u00e4nderungen bez\u00fcglich der Klassen, die ich begleite. Nichtsdestotrotz beginnt p\u00fcnktlich um 8:40 die erste Stunde. Eine Schulstunde an meiner Praktikumsschule dauert 60 Minuten. Im Klassenraum bespreche ich mich zun\u00e4chst mit der zust\u00e4ndigen Lehrperson \u00fcber die Lerninhalte der Stunde und dar\u00fcber, wie ich die Lehrkraft entlasten kann. Ebenso kl\u00e4ren wir kurz ab, ob es vereinzelte Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler (SuS) gibt, die eine Einzelbetreuung oder besondere Beaufsichtigung ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Heute ist die erste Stunde <em>Science<\/em> in einer achten Klasse, die Tieraugen sezieren soll. Dies kostet mich Einiges an \u00dcberwindung. Die SuS hingegen haben viel Spa\u00df und finden es toll, praktisch arbeiten und Dinge selbst entdecken zu k\u00f6nnen. Generell ist mein Eindruck, dass hier in England mehr Fokus auf die praktische Komponente des Unterrichtens gelegt wird. In den meisten F\u00e4chern, in denen ich hospitiert habe, ist der Lehransatz spielerischer und praktischer orientiert als in Deutschland. Dies \u00e4u\u00dfert sich h\u00e4ufig in wettbewerbsorientierten Aktivit\u00e4ten wie z.B. Quizfragen zur Ergebnissicherung.<\/p>\n<p>Zum Ende der Stunde eile ich zu dem n\u00e4chsten Klassenraum, wo ich sodann die zweite Stunde begleite: <em>English<\/em> in einer siebten Klasse. Hier bin ich mehr in meinem Element und kann die Lehrkraft besser unterst\u00fctzen. Oftmals besteht meine Aufgabe darin, im Klassenraum den SuS \u00fcber die Schulter zu schauen und Fehler zu verbessern, Hilfestellungen zu geben oder Gruppenarbeiten zu betreuen.<\/p>\n<p>Daraufhin folgt eine kurze 20-min\u00fctige Pause, die ich im Lehrerzimmer verbringe. Ab 11:00 beginnt die dritte Stunde, wieder <em>English.<\/em> Die vierte Stunde (<em>Maths<\/em>) endet um 13:00 Uhr. Die SuS haben nun eine lange Mittagspause (<em>lunch break<\/em>).<\/p>\n<p>Da ich als Aushilfskraft hier eine Art \u201eFeuerwehrfrau-Position\u201c bekleide und dort einspringe, wo es gerade n\u00f6tig ist, verbringe ich meine Mittagspause meist als Vertretung f\u00fcr andere LSAs im <em>Games Club<\/em>, wo ich Kinder beim Spielen beaufsichtige. Um 13.45 beginnt die sogenannte <em>Tutoring Time <\/em>von 20 Minuten, in der die LSAs sich an vier Tagen in der Woche in der schuleigenen Bibliothek mit schw\u00e4cheren SuS treffen, um deren Lese- und Verst\u00e4ndnisf\u00e4higkeiten zu verbessern. Danach geht es in die f\u00fcnfte Unterrichtsstunde, die um 15.05 Uhr endet.<\/p>\n<p>Meine letzte Stunde des Tages ist <em>Food Technology<\/em>. Dieses Fach ist zum Einen ein Mix aus theoretischen Elementen, die die SuS mit Geschichte, Chemie und Kultur bezogen auf Nahrungsmittel vertraut macht. \u00a0Zum Anderen besteht es aus praktischen Elementen, in denen feinmotorische F\u00e4higkeiten sowie Teamf\u00e4higkeit beim Kochen und Backen trainiert werden. Heute plant man gemeinsam, was mit den im K\u00fchlschrank vorhandenen Lebensmitteln zubereitet werden k\u00f6nnte. Das Arbeitsklima in diesem Kurs ist sehr angenehm. Alle SuS versuchen sich einzubringen und helfen tatkr\u00e4ftig mit. Letztendlich f\u00e4llt die Wahl auf <em>Apple Crumble<\/em>, das zum Ende der Stunde von allen gen\u00fcsslich verzehrt wird.<\/p>\n<p>Nach einem kurzen Treffen mit den anderen LSAs gehe ich nach Hause.<\/p>\n<p>Ab circa 15:15 beginnt mein Feierabend. In der Regel bereite ich nun mein Mittagessen vor und entspanne eine Stunde. Erholt und gest\u00e4rkt erledige ich einige Aufgaben in meiner Wohnung, arbeite an Essays f\u00fcr die Universit\u00e4t oder skype mit meiner Familie und meinen Freunden.<\/p>\n<p>Die LSAs sind vor allem an integrativen Schulen von gro\u00dfer Bedeutung, an denen Inklusion praktiziert wird. Vor meiner Reise nach Oxford wusste ich gar nicht wirklich, was der Aufgabenbereich der LSAs genau umfasst. Vielleicht zieht der ein oder andere von euch ja auch in Erw\u00e4gung in naher Zukunft ein Auslandspraktikum in einem englischsprachigen Land zu machen und spielt noch mit dem Gedanken sich um eine Position als <em>Teaching Assistant<\/em> (<em>TA<\/em>) zu bewerben.<\/p>\n<p>Da wir in Deutschland meines Wissens keine vergleichbaren Personen und Positionen in der Schule haben, ist es wohl angebracht, die Rolle der britischen <em>Teaching Assistants<\/em> n\u00e4her zu beschreiben.<\/p>\n<p>Generell ist bei allen folgenden Aussagen zu bedenken, dass ich hier nur f\u00fcr die Schule in Oxford sprechen kann, an der ich derzeit arbeite. Sicherlich kann es selbst innerhalb des Landes zu Abweichungen kommen.<\/p>\n<p>Die Damen und Herren, die derzeit <em>Learning Support Assistants <\/em>(<em>LSA<\/em>) hei\u00dfen, entlasten die Lehrkr\u00e4fte in Unterrichtsstunden und unterst\u00fctzen ausgew\u00e4hlte Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler \u00fcbergreifend auch zwischen den Unterrichtsstunden. Sie werden in Klassen aktiv, in denen entweder einzelne SuS zus\u00e4tzliche Betreuung ben\u00f6tigen oder in denen das Arbeitsklima nicht lernf\u00f6rderlich ist, aufgrund zahlreicher Unterrichtsst\u00f6rungen. Die meisten SuS, die von den <em>TAs<\/em> begleitet werden, haben so genannte \u201e<em>Special educational needs<\/em>\u201c. Darunter fallen Dyslexie, Dyskalkulie, kognitive Lernschw\u00e4chen, soziale-emotionale Schw\u00e4chen, Autismus und weitere. In Klausuren ist es sogar m\u00f6glich, dass die LSAs den SuS vorlesen oder sogar die Schreibarbeit f\u00fcr sie \u00fcbernehmen. An einem Beispiel betrachtet wird ihre Arbeit noch deutlicher:<\/p>\n<p>In einer typischen Unterrichtsstunde gibt es eine Stillarbeitsphase, bei der die Lehrperson in Deutschland \u00fcblicherweise bei der Erf\u00fcllung der Aufgabenstellungen hilft. Aufgrund eines h\u00f6heren Organisations- und Verwaltungsaufwands der Lehrperson hier in Gro\u00dfbritannien \u00fcbernimmt dies jedoch zumeist der <em>LSA<\/em> zu Beginn einer solchen Phase und entlastet so die Lehrkraft. Der <em>LSA<\/em> versucht, die Arbeitsatmosph\u00e4re im Klassenraum lernf\u00f6rderlich zu halten und ermahnt oftmals zu konzentriertem Arbeiten, sofern die SuS den Unterricht durch private Unterhaltungen st\u00f6ren. Weiterhin hilft er\/sie lernschw\u00e4cheren SuS mit Hilfestellungen und verweilt oft l\u00e4ngere Zeit bei den Kindern mit <em>Special Educational Needs<\/em>. Ich habe schon oft Stunden begleitet, in denen ein <em>LSA<\/em> nur f\u00fcr eine einzige Person mit <em>Special Educational Needs<\/em> zust\u00e4ndig war und die komplette Unterrichtszeit bei dieser Sch\u00fclerin oder diesem Sch\u00fcler verbracht hat. Sofern es praktische Dinge vorzubereiten gibt, ist der <em>LSA<\/em> meist zur Stelle und verteilt Arbeitsmaterialien und erm\u00f6glicht so mehr aktive Lernzeit. Weiterhin betreuen sie in einzelnen F\u00e4chern wie beispielsweise Englisch teilweise die SuS in einer Einzelbetreuung. In diesem Falle separiert man schw\u00e4chere oder st\u00f6rende SuS von der Lerngruppe und arbeitet in einem Nebenraum mit besagten Kindern, um bessere Hilfe zu erm\u00f6glichen und so das Unterrichtsgeschehen nicht aufzuhalten.<\/p>\n<p>Die Aufgaben der <em>Teaching Assistants \/ Learning Support Assistants <\/em>sind sehr vielseitig und erfordern oftmals ein H\u00f6chstma\u00df an Fingerspitzengef\u00fchl. F\u00fcr mich als angehende Lehrkraft f\u00fcr die Sekundarstufen ist es teilweise schwierig, mit autistischen Kindern umzugehen, da ich im Studium diesbez\u00fcglich keine Schwerpunkte gesetzt habe und nicht f\u00fcr diese Arbeit ausgebildet bin. Meist \u00fcbernehmen die anderen <em>LSAs<\/em> solche Einzelbetreuungen und ich kann mich mehr dem <em>Classroom Management<\/em> widmen.<\/p>\n<p>Alles in Allem ist ein solches Praktikum eine sehr gute Gelegenheit, um einen Einblick in das britische Schulsystem zu gewinnen und andere Unterrichtspraktiken kennenzulernen. Ich bin dankbar f\u00fcr die Erfahrungen und Erkenntnisse, die ich hier tagt\u00e4glich gewinne und werde viele Dinge auch f\u00fcr mein sp\u00e4teres Unterrichten mitnehmen.<\/p>\n<p>Wer gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeitet oder sowieso eine Karriere im Lehramt f\u00fcr sich in Betracht zieht, wird mit einem Praktikum als <em>Teaching Assistant<\/em> zahlreiche Erfahrungen sammeln k\u00f6nnen und eine sch\u00f6ne und vor allem lehrreiche Zeit im Ausland verbringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier in Oxford absolviere ich momentan ein Praktikum als Teaching Assistant an einer Comprehensive School, die eine kulturell sehr gemischte Sch\u00fclerschaft aufweist. 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