{"id":7070,"date":"2017-03-16T09:36:11","date_gmt":"2017-03-16T07:36:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=7070"},"modified":"2024-12-09T13:35:04","modified_gmt":"2024-12-09T11:35:04","slug":"ein-spanier-kommt-selten-allein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/ein-spanier-kommt-selten-allein\/","title":{"rendered":"Ein Spanier kommt selten allein"},"content":{"rendered":"<p>Man sagt ja so gerne, dass Spanier immer in Rudeln auftreten. Ich pers\u00f6nlich halte nichts von Vorurteilen, aber dieses stimmt auf jeden Fall und hat viel mit kulturellen sowie politischen und geographischen Gegebenheiten zu tun.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Da mir in den letzten Wochen vermehrt \u201eKuriosit\u00e4ten\u201c aufgefallen sind, die ich nach meinem letzten Aufenthalt hier fast schon wieder vergessen hatte, m\u00f6chte ich dar\u00fcber kurz etwas schreiben. Vielleicht hilft es ja sogar dem einen oder anderen, dieses Land und seine Menschen besser zu verstehen.<\/p>\n<p>Ich fange mit ein paar Situationen\/Beispielen an:<\/p>\n<ol>\n<li>Antonio (mein Kollege): \u201eSami, vas a salir hoy?\u201c (Sami, gehst du heute raus\/feiern?) Ich: \u201eNa, ich gehe bestimmt ein paar Tapas essen, aber ich muss ja morgen wieder arbeiten, also werde ich nicht so lange machen.\u201c\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Antonio: \u201eNein, Sami, es ist Donnerstag. Du musst rausgehen. Du bist noch jung, da musst du das Leben geniessen. Wenn du morgen nicht zur Arbeit kommen kannst, dann ist das \u00fcberhaupt kein Problem. Schreib einfach in die WhatsApp-Gruppe. Wir verstehen das alle.\u201c<\/li>\n<li>Ich sitze in einem (kleinen) Bus von der Alhambra ins centro. Meine Freunde und ich sind alle etwas geschafft, weil wir spontan bis oberhalb der Alhambra geklettert sind. Einer hat seine Gitarre dabei und fragt den Busfahrer, ob er was spielen d\u00fcrfte. Nat\u00fcrlich! Und er legt los. Ein paar Mitfahrer schauen etwas komisch, aber niemand beschwert sich und am Ende singen alle die ganze Fahrt \u00fcber fleissig mit.<\/li>\n<li>Zu meinem Geburtstag im letzten Jahr habe ich f\u00fcr 9 Uhr eingeladen gehabt. Um f\u00fcnf Minuten vor zw\u00f6lf standen meine Freunde vor der T\u00fcr, sangen \u201eCumplea\u00f1os feliz!\u201c und meinten, dass ich ja noch immer Geburtstag h\u00e4tte.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Spanien hat keinen \u201estarken\u201c Sozialstaat wie es in Deutschland der Fall ist. Wenn man hier arbeitslos wird und keine Bleibe findet, dann bleibt einem niemand und nichts, der einen auff\u00e4ngt. Daher nehmen die Familie und auch die Freunde hier eine relativ wichtige Rolle ein. Im Vergleich zu der deutschen Durchschnittsfamilie ist das spanische Pendant ziemlich kinderreich, es herrscht ein enges Band zwischen den einzelnen Generationen und man sieht sich regelm\u00e4\u00dfig mit allen. Hast du nichts, hast du immer noch deine Familie. Und wenn die Kinder zum Studium ausziehen, dann gehen sie w\u00e4hrend der Sommerferien mit Sack und Pack zur\u00fcck nach Hause, haben dort noch ihr altes Zimmer und wohnen wieder bei Mama und Papa.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich und doch ganz anders l\u00e4uft das mit den Freunden. Da das ganze Leben draussen auf der Strasse stattfindet, geht man nach der Arbeit oder Uni einfach raus. Irgendwen trifft man schon und so ist man immer in gr\u00f6\u00dferen Gruppen zusammen. Spanier nennen andere \u201eamigos\u201c, die nach unserer deutschen Auffassung Bekannte w\u00e4ren. Dementsprechend haben sie im Durchschnitt viel mehr Freunde als wir. Doch man kann das deutsche Freundschaftssystem, nach dem man sich relativ regelm\u00e4\u00dfig melden und etwas miteinander machen sollte, nicht auf das spanische anwenden. Hier kann man sich wochen-, gar monatelang nicht sehen oder sprechen und wenn man sich dann trifft, macht man einfach ganz normal weiter. Meiner Meinung nach sind die ganzen Freundschaften und Beziehungen eher physischer Natur. Es wird mehr Wert darauf gelegt, dass man sich sieht, als dass man regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber WhatsApp schreibt und gleichzeitig ist es \u00fcberhaupt nicht schlimm, wenn man sich l\u00e4ngere Zeit nicht trifft. Spanier leben sehr stark im Moment. Dies ist etwas, was ich sehr sch\u00f6n finde und versuche ein wenig in meinen Freundeskreis in der Heimat einzubringen.<\/p>\n<p>Woran ich mich nie so richtig gew\u00f6hnen konnte, ist diese absolute Lockerheit. Das ganze Leben nicht so ernst zu nehmen und \u00fcberzubewerten, wozu wir im Norden gerne mal neigen ist schon richtig, aber dass man sich nie so wirklich auf eine Aussage verlassen kann, finde ich wirklich schwierig. Beispielsweise sagen Spanier generell zu, wenn du sie fragst, ob sie zu einer Party oder \u00e4hnliches kommen. Es ist unh\u00f6flich abzusagen. Und sie sagen leider auch nicht Bescheid, wenn sie wissen, dass sie nicht kommen oder Stunden zu sp\u00e4t kommen. Und erst letztens habe ich eine Karte gesehen auf der ein ziemlich aussagekr\u00e4ftiger Spruch stand: \u201eEs gibt nichts spanischeres als Stunden zu sp\u00e4t auf einer Party aufzutauchen und noch immer der Erste zu sein.\u201c<\/p>\n<p>Tja, was soll ich sagen?! Das Leben w\u00e4re langweilig, wenn\u2019s einfach w\u00e4re \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man sagt ja so gerne, dass Spanier immer in Rudeln auftreten. 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