{"id":6321,"date":"2016-11-03T12:52:46","date_gmt":"2016-11-03T10:52:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=6321"},"modified":"2024-12-16T11:19:55","modified_gmt":"2024-12-16T09:19:55","slug":"voyage-voyage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/voyage-voyage\/","title":{"rendered":"Voyage, voyage!"},"content":{"rendered":"<p>Die letzten drei Wochen meines Aufenthaltes in Madagaskar sind dem Reisen gewidmet. Als meine Reisebegleitung eine Woche vor Start in Antananarivo eintrifft, macht sich Vorfreude breit: sehr viele Madagass*innen hatten mir immer wieder versichert, wie wichtig es doch sei, im Land herumzukommen und die unterschiedlichen Lebensweisen der 18 St\u00e4mme zu entdecken.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Reiseroute habe ich lange im Voraus geplant: Erst in den S\u00fcden nach Fianarantsoa, von dort aus einige Tagestrips in die Umgebung. Dann die Fahrt mit dem legend\u00e4ren &#8220;Dschungelexpress&#8221;, einer der letzten, noch aus Kolonialzeiten \u00fcbrig gebliebenen, Personenz\u00fcge Madagaskars. Diese Fahrt nach Manakara an der Ostk\u00fcste ist zwar nur 160 km lang, dauert aber mindestens 10 Stunden. Von dort aus soll es schlie\u00dflich noch f\u00fcr einige Tage auf die Trauminsel Sainte Marie zum Entspannen und Seele baumeln lassen gehen.<\/p>\n<p>Ich erlebe unglaublich viel auf dieser 20-t\u00e4gigen Tour, zu viel, um das hier im Detail aufzuschreiben. Deshalb im Folgenden nur ein paar Eindr\u00fccke: Ich bewundere die roten Ziegelsteinh\u00e4user des Hochlandes und die schlichten Holzh\u00fctten an der Ostk\u00fcste, jeweils an die unterschiedlichen Landschaftstypen angepasst. Ich laufe, auf den Spuren von Lemuren, staunend durch den Regenwald und bin sauer als ich erfahre, dass die dort einst ans\u00e4ssige Bev\u00f6lkerung von internationalen Forschern und Umweltsch\u00fctzern f\u00fcr die Er\u00f6ffnung von Nationalparks aus ihren Siedlungsgebieten vertrieben wurde. Ich fahre an sehr vielen Buschbr\u00e4nden entlang und frage mich, inwiefern diese kontrolliert gelegt wurden. Ich komme mit einheimischen, jungen Akademiker*innen ins Gespr\u00e4ch, die recht hoffnungslos auf Arbeitssuche sind und die aktuelle Regierung daf\u00fcr verantwortlich machen. Ich versuche zu verstehen, nach welcher Logik die madagassische Polizei Taxi-Brousse aus dem Verkehr zieht und wieviel Schmiergeld anschlie\u00dfend flie\u00dft, damit diese dann weiterfahren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Ich beobachte einige franz\u00f6sische Tourist*innen, an deren Umgang mit den Einheimischen abzulesen ist, dass sie die Zeit der Entkolonialisierung verschlafen haben. Ich bin entsetzt dar\u00fcber, dass Tourist*innen Bonbons an sich darum schlagende Kinder verteilen. Dass manche madagassische Kinder wiederum in zielstrebiger Erwartung mit bettelnden H\u00e4nden, ohne jegliche Begr\u00fc\u00dfung im Imperativ (&#8220;donne-moi\u2026!&#8221;) nach S\u00fc\u00dfigkeiten verlangen, oder nach Stiften, Heften und Seife. Ich stelle fest, dass auf dem Land sogar leere Plastikflaschen als Gaben hei\u00df begehrt sind, in reicheren Touristenorten jedoch nicht.<\/p>\n<p>Ich teste verschiedenste k\u00f6stliche Spezialit\u00e4ten und exotische Fr\u00fcchte, deren Namen ich zuvor noch nie geh\u00f6rt und danach sofort wieder vergessen habe. Ich plantsche unter einem tropischen Wasserfall und komme an einem absolut paradiesischen Traumstrand zur Ruhe. Ich fange an, Schlagl\u00f6cher WIRKLICH zu hassen, und finde gleichzeitig eine sechsst\u00fcndige Busfahrt einen Katzensprung. Ich betrachte ungl\u00e4ubig die \u00dcberbleibsel gro\u00dfer Br\u00fccken, die von Zyklonen weggefegt wurden und will mir gar nicht ausmalen, welche Folgen der Klimawandel noch f\u00fcr das Land haben wird. Ich lasse mich beim Schnorcheln von bunten Fischen verzaubern. Und immer und \u00fcberall von freundlichen und humorvollen Madagass*innen bezaubern.<\/p>\n<p>Es hei\u00dft, dass man keine Reise so aufh\u00f6rt, wie man sie begonnen hat. Das trifft auf diese Reise und mich besonders zu: Ich bin bei Reiseantritt schon so an Leute, Land, Lebensrhythmus und Klima gew\u00f6hnt, dass ich mich immer aufnahmef\u00e4hig und fit f\u00fchle. Ich kann das Erlebte besser kontextualisieren, da ich nach drei Monaten einen guten \u00dcberblick \u00fcber Kultur, Gesellschaft und Politik habe.<\/p>\n<p>Ich bin dankbar f\u00fcr meine Reisezeit, denn selbst wenn ich nur den kleinsten Teil des riesigen Landes gesehen habe, so habe ich doch das Gef\u00fchl, sehr viel mehr verstanden zu haben, als zuvor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzten drei Wochen meines Aufenthaltes in Madagaskar sind dem Reisen gewidmet. 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