{"id":5791,"date":"2016-09-13T08:33:59","date_gmt":"2016-09-13T06:33:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=5791"},"modified":"2024-12-16T12:28:23","modified_gmt":"2024-12-16T10:28:23","slug":"anflug-auf-moskau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/anflug-auf-moskau\/","title":{"rendered":"Anflug auf Moskau"},"content":{"rendered":"<p>3.9.2016. Flugzeug. Irgendwo zwischen Moskau und Taschkent, irgendwann zwischen Mitternacht und zwei Uhr morgens, je nach Zeitzone, von der ich ja nicht wei\u00df, welcher wir gerade zugeh\u00f6rig sind.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Landeanflug-Moskau.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1920,&quot;h&quot;:1280}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5792\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Landeanflug-Moskau-300x225.jpg\" alt=\"landeanflug-moskau\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Landeanflug-Moskau-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Landeanflug-Moskau-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Landeanflug-Moskau-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Landeanflug-Moskau-600x450.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Landeanflug-Moskau-800x600.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Landeanflug-Moskau.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im Flugzeug habe ich direkt eine usbekische Eigent\u00fcmlichkeit, wie sie uns berichtet wurde und wie sie in den Reisef\u00fchrern steht, best\u00e4tigt bekommen: Mein Sitznachbar hat in der Schule drei Jahre Deutsch gelernt. Ich ja zwei Jahre Russisch. Trotzdem haben wir gro\u00dfe Verst\u00e4ndigungsprobleme. Er erkl\u00e4rt mir, dass er s\u00e4mtliche \u201et\u00fcrkischen Dialekte\u201c verst\u00fcnde, also Usbekisch, T\u00fcrkisch, Turkmenisch, Kirgisisch und wahrscheinlich noch Karakalpakisch, Tschetschenisch oder Tartarisch, aber da bin ich mir nicht sicher (von letzteren beiden nicht mal, ob sie Sprachen sind). Au\u00dferdem kann er nat\u00fcrlich Russisch und ist entsetzt, dass ich keine seiner sieben Sprache beherrsche. Auf meinen Verweis, dass ich ja immerhin Deutsch und Englisch flie\u00dfend, ziemlich gut Italienisch und einigerma\u00dfen Spanisch k\u00f6nne, grinst er nur: \u201eAch ja, die europ\u00e4ischen Sprachen.\u201c Pl\u00f6tzlich kommt mir Europa sehr klein vor, gerade in Anbetracht der Weltkarte, die immer wieder vorne eingeblendet wird.<\/p>\n<p>Aber ich wollte ja von der usbekischen Eigent\u00fcmlichkeit berichten. Ich kenne den Mann nicht und habe aufgrund der Sprachbarriere auch keine Chance, ihn kennenzulernen. Trotzdem zieht er nach drei S\u00e4tzen sein Smartphone heraus und \u00f6ffnet den Fotoordner: \u201eHier, das bin ich in Istanbul.\u201c Der Mann vor einem Kreuzfahrtschiff. \u201eHier, das ist mein Freund mit mir in Istanbul. Er ist T\u00fcrke, ich bin Turkmene.\u201c (W\u00f6rtlich hat er das nat\u00fcrlich nicht so gesagt.) Weitere Fotos mit seinem Kumpel und von Schiffen. \u201eGut.\u201c und \u201eSch\u00f6n.\u201c kriege ich auf Russisch noch hin. Aber was soll ich sonst dazu sagen? Ich w\u00fcrde fragen wollen, wie lange der Istanbul-Urlaub her ist und was er dort noch so gesehen und gemacht hat, aber dazu reicht mein Russisch nicht. Dann Fotos von Kindern: \u201eHier, mein Sohn. Er feiert da Geburtstag.\u201c Wenigstens schaffe ich es, zu fragen, wie viele Kinder er denn hat, und zu best\u00e4tigen, dass ich auch das gut finde. Ich werde mir dringend und schnell die usbekischen und russischen Begriffe f\u00fcr \u201es\u00fc\u00df\u201c und \u201eniedlich\u201c und \u201eOh, so alt schon?\u201c zurechtlegen m\u00fcssen. Wie der Reisef\u00fchrer, den ich gelesen habe, bis gerade das Licht im Flugzeug ausgemacht wurde, best\u00e4tigt, und wie uns Frau Schulze von der Germanistik auch schon mehrfach gesagt hat, ist eine fr\u00fche Familiengr\u00fcndung f\u00fcr die Usbeken sehr wichtig. Ich bin sehr gespannt, ob ich mir mit meinen 24 Jahren komische Blicke einfangen werde, wenn ich zugeben \u201emuss\u201c, dass ich noch nicht einmal verheiratet bin. Au\u00dferdem habe ich vergessen, da zu wenig daran gedacht, mir Familienfotos und Bilder von meinem Freundeskreis mitzunehmen, die ich im Austausch h\u00e4tte pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen. Meine syrisch-japanisch-deutsche WG w\u00e4re doch eigentlich spannend. Kinderfotos von mir oder Kindern aus dem Freundeskreis habe ich auch nicht angefragt f\u00fcr den Fall, dass mir das \u201eWie? Und du hast noch keine Kinder?\u201c, das ich nun noch mehr erwarte, irgendwann zu sehr auf den Keks gehen sollte. Unsere Dozentin sagte zwar, man solle auf jeden Fall unterschiedliche Lebensmodelle in Deutschland und Usbekistan diskutieren, aber der Reisf\u00fchrer sagt, es g\u00e4be wenig Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr. Den Kulturschock-Reisef\u00fchrer aus der Reise-Know How-Reihe, druckfrisch von April 2016, kann ich \u00fcbrigens sehr empfehlen. Soweit jedenfalls. Vielleicht werden meine eigenen Erlebnisse den Reisef\u00fchrer bzw. dessen Autorin Prof. Katja Koch ja noch L\u00fcgen strafen, aber bisher sind ihre Schilderungen bis auf die genannte Ausnahme deckungsgleich mit den Berichten unserer Dozentin und den Arte- und NDR-Dokumentationen, die ich bereits im vorigen Beitrag erw\u00e4hnte.<\/p>\n<p>Da die vermutlich die wenigsten Leser eine Idee haben, wo Usbekistan genau liegt und wie es dort aussieht, hier ein paar Basics: Usbekistan ist eines von weltweit zwei \u201eBinnen-Binnenl\u00e4ndern\u201c. Der Reisef\u00fchrer nennt sie zwar \u201eDoppelte Binnenstaaten\u201c, aber ich wollte den selbsterdachten Ausdruck von meinem Freund verwenden, um zu pr\u00fcfen, ob er mitliest. Wir haben dann \u00fcberlegt, ob das aus russischer Sicht, wo der Aralsee immerhin \u201eAralmeer\u201c hei\u00dft, auch gilt, aber laut Reisef\u00fchrer ist die Definition von der Anfahrt zu einem Weltenmeer abh\u00e4ngig. Daher herrscht in Usbekistan ein chronischer Wassermangel. Das \u00fcberm\u00e4\u00dfige Ableiten des Wassers aus den Fl\u00fcssen Amudarja und Sydarja in den vergangenen Jahrzehnten haben dazu gef\u00fchrt, das der Aralsee aktuell nur noch 10% seiner urspr\u00fcnglichen Fl\u00e4che ausmacht: Die Region verw\u00fcstet, das Salz macht Landwirtschaft in weiten Teilen unm\u00f6glich. Das Klima ist entsprechend kontinental. Wir haben f\u00fcr 15\u201335 Grad gepackt, wobei wir die 15 Grad auch erst im Oktober und dann nur nachts erwarten.<\/p>\n<p>Wo ich gerade dabei bin, kann Ich auch noch etwas zu unserem immerhin 30-min\u00fctigen Aufenthalt in Moskau sagen: Unser Aeroflot-Flug ist mit einer stolzen Stunde Versp\u00e4tung in D\u00fcsseldorf gestartet, sodass wir in Moskau nur 60 min bis zur Schlie\u00dfung des Gates hatten. Zudem begann das Boarding fr\u00fcher, sodass wir recht schnell die gef\u00fchlten zwei Kilometer Flughafeng\u00e4nge durchlaufe mussten. Die Russen scheinen das Flughafenshopping sehr zu genie\u00dfen. Oder eher die ganzen asiatischen G\u00e4ste, die Moskau als Transit nach Europa zu nutzen scheinen. Einen so gro\u00dfen Abstand zwischen den einzelnen Gates, gef\u00fcllt mit Gesch\u00e4ften, hat keiner von uns je gesehen. Und wir sind ein recht reiseerfahrenes Gr\u00fcppchen, aber dazu vielleicht ein andermal mehr. Unser Gate-Eingang war sogar so zwischen Gesch\u00e4ften versteckt, dass wir ihn fast \u00fcbersehen h\u00e4tten<\/p>\n<p>Ich warte gerade eigentlich nur auf die Durchsage, die mich auffordert, meinen Laptop auszuschalten, denn gef\u00fchlt sind wir schon im Landeanflug. Ortszeit Taschkent 2:23 Uhr. Nun geht auch das Licht im Gang wieder an und ich kann meinen Reisef\u00fchrer weiterlesen. Vielen Dank daf\u00fcr \u00fcbrigens an meine gro\u00dfartige Chefin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3.9.2016. Flugzeug. Irgendwo zwischen Moskau und Taschkent, irgendwann zwischen Mitternacht und zwei Uhr morgens, je nach Zeitzone, von der ich ja nicht wei\u00df, welcher wir gerade zugeh\u00f6rig sind.<\/p>\n","protected":false},"author":278,"featured_media":5792,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1259,2071,2042,1284],"tags":[9,1371,492,565,564],"class_list":["post-5791","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-asien","category-lehramt","category-soziales-und-paedagogik","category-usbekistan","tag-auslandspraktikum","tag-interkulturelles","tag-promos","tag-taschkent","tag-usbekistan"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5791"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/278"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5791"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5791\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5807,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5791\/revisions\/5807"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5792"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5791"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5791"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5791"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}