{"id":5081,"date":"2016-04-27T09:12:05","date_gmt":"2016-04-27T07:12:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=5081"},"modified":"2025-01-13T12:28:00","modified_gmt":"2025-01-13T10:28:00","slug":"deutschunterricht-in-usbekistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/deutschunterricht-in-usbekistan\/","title":{"rendered":"Deutschunterricht in Usbekistan"},"content":{"rendered":"<p>Leider ist unsere Zeit in Usbekistan schon vorbei, wenn wir vom Unterrichtsalltag an einem akademischen Lyzeum berichten und unsere Erfahrungen teilen k\u00f6nnen, denn die Internetverbindung ist eher langsam \u2013 oder nicht existent. <!--more--><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das ist schon der erste Unterschied zur Arbeit an deutschen Schulen: Die Unterrichtsvorbereitungen nehmen viel mehr Zeit in Anspruch, wenn man nicht sein gesamtes technisches Equipment in Schreibtischstuhl-Reichweite hat.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Doch zuerst einmal ein paar Infos: Das akademische Lyzeum in Usbekistan entspricht in etwa der gymnasialen Oberstufe in Deutschland, die Sch\u00fclerInnen sind zwischen 16 und 18 Jahre alt und der Abschluss berechtigt zum Studium. \u00dcberraschenderweise gibt es auf den ersten Blick wenig Unterschiede zu deutschen Schulgeb\u00e4uden, auf den zweiten fehlen einige, bei uns selbstverst\u00e4ndliche Medien \u2013 zum Beispiel ein OHP oder ein funktionst\u00fcchtiger Drucker. Aber zum Gl\u00fcck war unsere Betreuerin sehr engagiert und hilfsbereit und konnte uns sogar Lautsprecher und einen Beamer organisieren.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Gebrauch solcher Medien im Unterricht war f\u00fcr unsere Sch\u00fclerInnen ein absolutes Highlight \u2013 und totales Neuland. Das gilt auch f\u00fcr offenere Unterrichtsformen wie Gruppenarbeit, da in Usbekistan der Frontalunterricht \u00fcberwiegt. Neue Methoden \u00fcber die Sprachbarriere hinweg zu vermitteln erwies sich als ziemlich schwierig, da keiner von uns Praktikanten ein Wort Usbekisch spricht \u2013 und die Sch\u00fclerInnen kaum ein Wort Deutsch. Dementsprechend vor den Kopf gesto\u00dfen f\u00fchlten wir uns nach den ersten Unterrichtsstunden, denn unser im Bewusstsein der unbest\u00e4ndigen Internetverbindung akribisch gesammeltes Material erwies sich leider als fast g\u00e4nzlich unbrauchbar, da zu schwierig. Gl\u00fccklicherweise stand uns aber in jeder Stunde ein Dolmetscher in Person eines Germanistik-Studenten und der usbekischen Deutschlehrerin zur Seite.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Nachdem wir den ersten Schreck \u00fcberwunden hatten, konzentrierten wir uns bei der Planung weniger auf die Vermittlung von Grammatik, sondern setzten uns zum Ziel, das Interesse der Sch\u00fclerInnen an der deutschen Sprache zu wecken \u2013 mit viel Spiel und Spa\u00df im Unterricht. Es war wunderbar zu sehen, wie die Motivation der Sch\u00fclerInnen stieg, wenn Unterrichtsformen angeboten wurden, in denen sie selbst aktiv werden, um die Wette r\u00e4tseln, uns ausfragen oder sich der deutschen Kultur und Sprache \u00fcber deutschsprachige Musik n\u00e4hern konnten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/20160407_093758-300x169.jpg\" alt=\"20160407_093758\" width=\"318\" height=\"179\" \/><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Vor allem die Musik war unser Joker: Nachdem eine Lerngruppe von 30 Personen sich beim Vokabel-Fu\u00dfball gegenseitig aufgeputscht hatte und L\u00e4rm und Gel\u00e4chter gelegentlich besorgte Besuche aus benachbarten Klassenzimmern provozierten, wirkte eine Ballade wahre Wunder und and\u00e4chtiges Schweigen (an dieser Stelle herzlichen Dank an Sarah Connor \u2026).<br \/>\nEine weitere \u00dcberraschung war die Begeisterung, mit der die Sch\u00fclerInnen sich auf Methoden einlie\u00dfen, die wir f\u00fcr viel j\u00fcngere Kinder angebracht gehalten hatten: Singen, malen, Vier-Ecken-Raten \u2013 alles was eine 80min\u00fctige Unterrichtsstunde auflockert, wurde begeistert mitgemacht. Ehrgeiz zeigten die meisten aber auch, wenn es um das Vergleichen von allein gel\u00f6sten Aufgaben ging, und waren entsprechend stolz auf ihre Leistungen. Wir \u00fcbrigens auch.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/20160314_151708-300x169.jpg\" alt=\"20160314_151708\" width=\"364\" height=\"205\" \/>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/20160311_113126-169x300.jpg\" alt=\"20160311_113126\" width=\"169\" height=\"299\" \/><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Obwohl sich die Beschreibung bisher so anh\u00f6ren mag, als h\u00e4tten wir nur Spielchen gespielt, glaube ich doch, dass wir Wissenswertes \u00fcber Deutschland vermitteln und als Muttersprachler ein hilfreiches und motivierendes Beispiel f\u00fcr viele Sch\u00fclerInnen sein konnten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Aber nat\u00fcrlich war nicht alles eitel Sonnenschein. Obwohl wir nach den Ratschl\u00e4gen unserer Vorg\u00e4nger direkt zu Beginn einige Regeln einf\u00fchrten, dass zum Beispiel das Handy in der Tasche bleibt oder man p\u00fcnktlich kommt, konnte der Unterricht in der Regel trotzdem erst mit 15 Minuten Versp\u00e4tung beginnen, und zum Teil mit sehr wenig Sch\u00fclern, die aus den unterschiedlichsten Gr\u00fcnden \u2013 wie der Teilnahme an einer von scheinbar t\u00e4glich stattfindenden Olympiaden \u2013 fehlten. Obwohl wir die Lerngruppen teilen konnten und so nur 15 Sch\u00fcler pro Gruppe unterrichteten, war es oft doch ein kleiner Flohzirkus, der sich nur schwer b\u00e4ndigen lie\u00df.<br \/>\nErn\u00fcchternd war f\u00fcr uns vor allem die Erkenntnis, dass Sch\u00fclerInnen, die seit drei Jahren Deutsch lernen, nicht mehr sagen konnten, als sich selbst kurz vorzustellen und, sicherlich auch deswegen, unheimlich desinteressiert waren. Mit der Zeit zeigte sich aber, dass manche Sch\u00fclerInnen doch Einiges konnten, vor allem, wenn sie zus\u00e4tzlich Sprachkurse am Goethe-Institut besuchen. Auf der anderen Seite kamen wir so in den Genuss des Erfolgsgef\u00fchls, bei einigen Sch\u00fclerInnen einen regelrechten Motivationsschub bewirkt zu haben \u2013 einer von vielen Gr\u00fcnden, warum sich das Praktikum ohne Frage gelohnt hat.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Obwohl das Schulsystem gar nicht so unterschiedlich wirkt, war der Unterricht selbst dann doch ganz anders als an deutschen Schulen und bedeutete f\u00fcr uns sowohl Spa\u00df als auch Herausforderung, aber eine Herausforderung, der wir uns gerne und aufgeschlossen gestellt haben und bei der uns viele Helfer und Helferinnen unterst\u00fctzten und uns einen Blick hinter den deutschen Horizont erm\u00f6glichten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Haier, Paka und bis bald,<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Christine, Juliane und Laura<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leider ist unsere Zeit in Usbekistan schon vorbei, wenn wir vom Unterrichtsalltag an einem akademischen Lyzeum berichten und unsere Erfahrungen teilen k\u00f6nnen, denn die Internetverbindung ist eher langsam \u2013 oder nicht existent.<\/p>\n","protected":false},"author":232,"featured_media":5132,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1259,2071,2042,1284],"tags":[9,1415,567,1186,1350,492,117,565,564],"class_list":["post-5081","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-asien","category-lehramt","category-soziales-und-paedagogik","category-usbekistan","tag-auslandspraktikum","tag-fremdsprachenassistenz","tag-lyzeum","tag-praktikumsalltag","tag-praktikumsfazit","tag-promos","tag-schulpraktikum","tag-taschkent","tag-usbekistan"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5081"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/232"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5081"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5081\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5138,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5081\/revisions\/5138"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5132"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5081"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5081"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5081"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}