{"id":4843,"date":"2016-03-01T10:03:35","date_gmt":"2016-03-01T08:03:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=4843"},"modified":"2025-01-13T12:24:36","modified_gmt":"2025-01-13T10:24:36","slug":"12-wochen-in-einem-in-deutschland-kaum-bekannten-land-suriname","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/12-wochen-in-einem-in-deutschland-kaum-bekannten-land-suriname\/","title":{"rendered":"12 Wochen in einem in Deutschland kaum bekannten Land: Suriname"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">Da dies mein erster Blogbeitrag f\u00fcr <em>Hinterm Horizont <\/em>ist, stelle ich mich zu Anfang einmal kurz vor. Ich bin Ariane Vaughan, 23 Jahre alt und studiere Niederlande-Deutschland-Studien am Zentrum f\u00fcr Niederlande-Studien der WWU.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das letzte halbe Jahr habe ich in Amsterdam an der Vrije Universiteit verbracht und bin nun f\u00fcr mein Abschlusspraktikum meines Bachelors seit vier Wochen und noch f\u00fcr weitere acht Wochen in Suriname, dem kleinsten unabh\u00e4ngigen Land S\u00fcdamerikas.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es befindet sich neben Guyana, Franz\u00f6sisch-Guyana und grenzt au\u00dferdem im Urwald an Brasilien. Da Suriname eine fr\u00fchere niederl\u00e4ndische Kolonie ist und bis 1975 auch noch zum K\u00f6nigreich der Niederlande geh\u00f6rte, wird hier Niederl\u00e4ndisch gesprochen, was einer von vielen Gr\u00fcnden ist, wieso ich hier mein Praktikum bei einer Zeitung mache. Zu meinem Praktikum selbst werde ich jedoch im zweiten Blog mehr schreiben, auch wenn es sicherlich erw\u00e4hnenswert ist, dass ich schon jetzt viel dar\u00fcber gelernt habe, wie sich hier (politische) Berichterstattung sehr von der in Deutschland oder den Niederlanden unterscheidet.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Am 28.01. begann meine Reise vom Flughafen Schiphol in Amsterdam direkt im Anschluss an mein Auslandssemester. Nach ungef\u00e4hr neun Stunden angenehmen Flug kam ich am Flughafen Johan Adolf Pengel in Zanderij, eine Stunde von meinem neuen Wohnort Paramaribo, an. Im Flugzeug hatte ich mich mit meiner Sitznachbarin unterhalten, einer Surinamerin, die gerade ihre Kinder und Enkelkinder in den Niederlanden besucht hatte. Sie bot mir freundlicherweise an, mich zu meiner Wohnung zu bringen. Als ich dann bei meinem Praktikumsplatz, wo sich auch mein Appartement befinden sollte, ankam, begr\u00fc\u00dfte mich der Chefredakteur und die Kollegin, die w\u00e4hrend des Praktikums f\u00fcr mich zust\u00e4ndig sein sollte, zeigten mir die ger\u00e4umige Wohnung und brachten mich zu einem Supermarkt, wo ich die ersten Lebensmittel kaufen konnte. Schon das war alles sehr ungew\u00f6hnlich und neu, da sich das Niederl\u00e4ndisch, was hier gesprochen wird, doch ziemlich von dem, was ich aus den Niederlanden gewohnt war, unterscheidet. Vor allem die Kollegin sprach unglaublich schnell und mit relativ starkem Akzent, sodass ich wirklich M\u00fche hatte, sie zu verstehen. Auch im Supermarkt, wo nicht wirklich viel los war, sah man mir meine Nervosit\u00e4t wohl an, ich f\u00fchlte mich sehr angestarrt, da ich so sp\u00e4t abends die einzige Wei\u00dfe dort war. Obwohl mich jeder freundlich empfangen hatte, war meine erste Nacht ziemlich furchtbar. Mir war schlecht von der Autofahrt, die Druckerpresse machte laute Ger\u00e4usche, Hunde bellten, ich hatte noch kein Internet und konnte niemanden erreichen und obwohl ich wegen der Zeitverschiebung noch m\u00fcder war als man es nach einem langen Flug sowieso schon ist,\u00a0 konnte ich nur wenige Stunden schlecht schlafen. Au\u00dferdem hatte ich das Gef\u00fchl, dass die Eingangst\u00fcr leicht aufgebrochen werden k\u00f6nnte. Ach, ja. Eine Fledermaus war die erste Begegnung, die ich in der Wohnung hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Einige Tage sp\u00e4ter traf ich mich mit einer Gro\u00dftante meines Freundes, die hier zusammen mit ihrem Mann wohnt. Sie empfing mich herzlich und ich verstand mich gut mit ihr. Sie verst\u00e4rkte jedoch mein unsicheres Gef\u00fchl, das ich bez\u00fcglich der Wohnung hatte. Sie selbst sa\u00df wirklich eingeschlossen in ihrem Haus, mit hohen Mauern, Gittern vor den Fenstern und etlichen dicken T\u00fcren. Erz\u00e4hlungen von Praktikantinnen, die in ihrer eigenen Wohnung vergewaltigt worden waren, machten es nicht viel besser. Ich beschloss noch am selben Abend, dass ich hier nicht weiter wohnen will und suchte nach Alternativen. Gl\u00fccklicherweise klappte es, dass ich direkt zwei Tage sp\u00e4ter in ein Haus mit 15 anderen Studentinnen einziehen konnte. Seitdem ist es toll hier! Ich f\u00fchle mich richtig wohl und habe Freundinnen gefunden, mit denen ich viel unternehme. Au\u00dferdem spreche ich jetzt nicht nur bei der Arbeit, sondern auch zuhause den ganzen Tag Niederl\u00e4ndisch und merke, dass sich meine Sprachkenntnisse schon nach vier Wochen deutlich verbessert haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In Suriname ist so einiges ziemlich anders. Ich genie\u00dfe die Durchschnittstemperatur von 30 Grad, die herrliche Natur (au\u00dferhalb Paramaribos), die gelassene und meist positive Haltung der Menschen hier (in Sranan Tongo, der zweiten offiziellen Sprache \u201eNo span\u201c \u2013 keine Eile, kein Stress), herrliche Fr\u00fcchte und leckere einheimische Gerichte, neue Erfahrungen mit neuen Freunden zu machen, in einem Land leben zu k\u00f6nnen, in dem eine Moschee neben einer Synagoge steht und alle Kulturen selbstverst\u00e4ndlich miteinander umgehen, und einfach drei Monate lang einfach ganz als in Europa zu leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber an so manches habe ich auch M\u00fche mich zu gew\u00f6hnen. Dass man als Frau eine deutlich niedrigere Position als M\u00e4nner hat, was sich z.B. daran sehen l\u00e4sst, dass vor allen wei\u00dfen Frauen st\u00e4ndig etwas zugerufen oder mit der Zunge hinter ihnen her geschnalzt wird. Inzwischen f\u00fchle ich mich nicht mehr so fremd und bin wirklich gut im Ignorieren geworden, aber es kostet mich noch immer einige \u00dcberwindung nichts zu erwidern (was ich in Deutschland auf jeden Fall machen w\u00fcrde). Das, herumstreunende Hunde, die manchmal Fahrr\u00e4der nicht von Beute unterscheiden k\u00f6nnen und dass man bereits in der D\u00e4mmerung nicht mehr sicher herumlaufen kann, st\u00f6rt mich am meisten. Gut, alle Hunde an Fahrr\u00e4der zu gew\u00f6hnen wird schwierig, da fast nur die europ\u00e4ischen Praktikanten Fahrrad fahren, aber ich finde es unm\u00f6glich, dass man sich als Frau derartige Dinge gefallen lassen muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Allgemein finde ich es wirklich sch\u00f6n und aufregend hier zu leben, es gef\u00e4llt mir sehr, so viele verschiedene Kulturen auf einmal zu entdecken. Ich bin schon jetzt froh, dass ich mich selbst herausgefordert habe, mehr als 8.000 km von Deutschland wegzugehen, alleine in ein Land zu reisen, das ich beinah kaum kannte (und das auch keine deutschen Praktikantinnen kennt; mir wurde bereits von so vielen Menschen gesagt, dass sie noch nie eine Deutsche hier ein Praktikantin machen\u00a0haben sehen) und bereits nach vier Wochen sehe, wie gut diese Erfahrung mir selbst tut.<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-4843 gallery-columns-3 gallery-size-trawell-a3'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a data-size=\"{&quot;w&quot;:960,&quot;h&quot;:1280}\" href='https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_0720.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"1280\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_0720.jpg\" class=\"attachment-trawell-a3 size-trawell-a3\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-4844\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_0720.jpg 960w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_0720-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_0720-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_0720-600x800.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_0720-800x1067.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_0720-380x507.jpg 380w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_0720-247x330.jpg 247w\" sizes=\"(max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-4844'>\n\t\t\t\tFrische Kokosnuss\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a data-size=\"{&quot;w&quot;:1280,&quot;h&quot;:797}\" href='https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SAM_9674.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"797\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SAM_9674.jpg\" class=\"attachment-trawell-a3 size-trawell-a3\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-4846\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SAM_9674.jpg 1280w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SAM_9674-300x187.jpg 300w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SAM_9674-1024x638.jpg 1024w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SAM_9674-768x478.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SAM_9674-600x374.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SAM_9674-800x498.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-4846'>\n\t\t\t\tFlamingos aus n\u00e4chster N\u00e4he\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p style=\"text-align: center;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da dies mein erster Blogbeitrag f\u00fcr Hinterm Horizont ist, stelle ich mich zu Anfang einmal kurz vor. 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