{"id":4749,"date":"2016-02-11T12:59:15","date_gmt":"2016-02-11T10:59:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=4749"},"modified":"2025-01-17T09:54:48","modified_gmt":"2025-01-17T07:54:48","slug":"britischer-ameisenhaufen-im-krankenhaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/britischer-ameisenhaufen-im-krankenhaus\/","title":{"rendered":"Britischer Ameisenhaufen im Krankenhaus"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin an der Universit\u00e4tsklinik in London. Wo sind die Doktoren?<\/p>\n<p>Kommt man\u00a0 auf eine Station in britischen Krankenh\u00e4usern, dann wundert man sich erstmal, wo denn der gestresste Assistenzarzt ist, der hastig versucht noch irgendwo einen Zugang zu legen oder Blut abzunehmen. Keiner da &#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Aber daf\u00fcr haufenweise andere Angestellte, die in der Gesch\u00e4ftigkeit eines Ameisenhaufens und mit derselben unerkl\u00e4rlichen Pr\u00e4zision wissen, was zu tun ist und was ihre Aufgabe ist. Es gibt Angestellte mit gr\u00fcner Dienstkleidung, Angestellte mit blauer Dienstkleidung,\u00a0Angestellte mit wei\u00dfer Dienstkleidung und einen zentralen Sammelpunkt mit Computern. Aber wo sind die wei\u00dfen Kittel? Um das Ganze zu entwirren, taucht dann auch mein Ausbildungsarzt auf &#8230; in Hemd und Anzughose, was hier typisch ist. Und? Ja, wir verlassen die Station erstmal.<\/p>\n<p>Es gibt eine halbst\u00fcndige Einf\u00fchrung und dann gehen wir zum Team Meeting, einem zentralen Punkt, um das gesch\u00e4ftige Treiben zu koordinieren. Denn hier treffen sich nicht nur \u00c4rzte, nein, hier treffen sich \u00c4rzte, Physiotherapeuten, Krankenpfleger und und und. Es wird 2 Stunden \u00fcber die Patienten geredet und das Vorgehen abgestimmt UND es klingelt nur einmal das Telefon eines Arztes. Unvorstellbar! In Deutschland w\u00e4re jeder Arzt w\u00e4hrend des Meetings mindestens 10 Mal abberufen worden. Und hier? Gar nichts.<\/p>\n<p>Das liegt ganz einfach daran, dass es fest vorgegebene Abl\u00e4ufe f\u00fcr h\u00e4ufige Erkrankungen gibt und jeder im Team auch ohne die Abstimmung mit dem Arzt wei\u00df, was er wann zu tun hat. Es wird viel mehr &#8211; in Deutschland als &#8220;\u00e4rztliche T\u00e4tigkeit&#8221; abgestempelte &#8211; Arbeit von den Schultern des Arztes genommen. Wer kennt es nicht, dass in Deutschland Schwester Bertha keine Lust hat Blut abzunehmen, weil es ja eine rein \u00e4rzliche T\u00e4tigkeit sei?<\/p>\n<p>Hier wird einfach anders gedacht.\u00a0 Man arbeitet als Team. Keiner nimmt es einem \u00fcbel, wenn man sich 5 Minuten unterh\u00e4lt und Kaffee trinkt. Jeder im Team kann in seinem Beruf wichtige Beitr\u00e4ge bringen, um den Prozess voranzubringen. Der Arzt steht nicht st\u00e4ndig im Mittelpunkt und muss alles regeln, was nicht l\u00e4uft. Er ist Teil des Prozesses, nicht M\u00e4dchen f\u00fcr Alles.<\/p>\n<p>England kommt mit 30% weniger \u00c4rzten sehr gut aus. Man ist in der Lage redundante, aber auch spezialisiertere Aufgaben, auszulagern und so dem Arzt Zeit f\u00fcr sein Kerngesch\u00e4ft zu lassen.<\/p>\n<p>Und es geht noch weiter. Donnerstags sitzt man mit den \u00c4rzten und Professoren 2 Stunden zusammen im H\u00f6rsaal und fachsimpelt \u00fcber schwierige F\u00e4lle. Wieder kein Telefon. Alle Gr\u00f6\u00dfen der Uniklinik sind da, um teilzuhaben. Egal wie wichtig, jeder nimmt sich die Zeit.<\/p>\n<p>Die Suche nach Erkenntnis und die Zeit zur Weiterbildung werden als hohes Gut angesehen. Ihnen wird einfach mehr Raum gegeben als in Deutschland.<\/p>\n<p>Man muss bedenken, dass die Universit\u00e4ten in England daf\u00fcr belohnt werden, wenn sie gute Lehre machen. Sie machen sich attraktiver f\u00fcr Studenten und k\u00f6nnen dadurch h\u00f6here Studiengeb\u00fchren einf\u00fchren. Die gezahlten Studiengeb\u00fchren werden erst nach dem Studium \u00fcber eine Art Extrasteuer zur\u00fcckgezahlt.<\/p>\n<p>Man mag \u00fcber Studiengeb\u00fchren streiten, aber es ist ganz klar, dass der Anreiz gute Lehre zu machen doch gr\u00f6\u00dfer ist, wenn die eigene Stelle davon abh\u00e4ngt. Jedes Seminar wird evaluiert und es gibt ein Team von 4 Leuten, das die Lehre f\u00fcr nur ein Krankenhaus koordinert, organisiert und verbessert. Besucher und Feedback jederzeit erw\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Die Lehre wird zu einem interaktiven Prozess, der sich stetig fortenwickelt und in dem jeder wei\u00df, was seine Aufgabe ist und versucht das Beste zu erreichen. Man f\u00fchlt das gemeinsame Interesse, den Willen etwas inhaltlich voranzubringen, und zwar zusammen. So wird die Universit\u00e4t zu einem Inkubator f\u00fcr neue Konzepte und Ideen. Dadurch, dass man auch die Professoren mindestens jeden Donnerstag sieht, bekommt die Universit\u00e4t fast eine famili\u00e4re Atmosph\u00e4re und es herrscht reger Austausch.<\/p>\n<p>Eine einzigartige Atmosph\u00e4re&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin an der Universit\u00e4tsklinik in London. Wo sind die Doktoren? Kommt man\u00a0 auf eine Station in britischen Krankenh\u00e4usern, dann wundert man sich erstmal, wo denn der gestresste Assistenzarzt ist, der hastig versucht noch irgendwo einen Zugang zu legen oder Blut abzunehmen. Keiner da &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":205,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1248,1250,2051,2072],"tags":[9,70,39,13,71,362,506,1186,712,1460],"class_list":["post-4749","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-europa","category-grossbritannien","category-medizin","category-medizin-und-gesundheit","tag-auslandspraktikum","tag-england","tag-erasmus","tag-grossbritannien","tag-london","tag-medizin","tag-pj","tag-praktikumsalltag","tag-praktisches-jahr","tag-university-college-hospital-london"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4749"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/205"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4749"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4749\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4760,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4749\/revisions\/4760"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4749"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4749"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4749"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}