{"id":3707,"date":"2015-09-03T15:35:25","date_gmt":"2015-09-03T13:35:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=3707"},"modified":"2019-07-29T15:15:54","modified_gmt":"2019-07-29T13:15:54","slug":"explodierende-buergersteige-und-andere-kuriositaeten-in-london","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/explodierende-buergersteige-und-andere-kuriositaeten-in-london\/","title":{"rendered":"Explodierende B\u00fcrgersteige und andere Kuriosit\u00e4ten in London"},"content":{"rendered":"<p>\u201cOne is always wiser after the event,\u201d sagen die Engl\u00e4nder gern. Auch nach einem Auslandsaufenthalt ist man schlauer als vorher und hat die liebenswerten Eigenheiten und Merkw\u00fcrdigkeiten der Bewohner und des Landes kennengelernt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Hier also ein paar meiner mehr oder weniger \u00fcberraschenden Erkenntnisse \u00fcber London:<\/p>\n<p><strong>F\u00fcnf Dinge, die man direkt am ersten Tag \u00fcber London erf\u00e4hrt:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Die Vorurteile \u00fcber das englische Wetter sind absolut wahr.<\/li>\n<li>Die Vorurteile \u00fcber die britische H\u00f6flichkeit aber ebenso. Beim Verlassen des Busses wird stets dem Fahrer gedankt, Engl\u00e4nder lieben das Schlange stehen und an Baustellen h\u00e4ngen Schilder, auf denen sich die Verantwortlichen f\u00fcr die St\u00f6rungen entschuldigen.<\/li>\n<li>Engl\u00e4nder zeichnen sich in der Tat durch einen besonders trockenen, teilweise sehr zynischen Humor aus. Selbst ich als Ironieliebhaberin brauchte anfangs manchmal einen Moment, bis ich verstanden hatte, dass mein Gegen\u00fcber das eben Gesagte (zum Gl\u00fcck!) nicht ernst meinte.<\/li>\n<li>In London werden mehr als 300 Sprachen gesprochen, mehr als in jeder anderen Stadt der Welt, und das merkt man. Tagt\u00e4glich begegnen einem gef\u00fchlt hundert dieser Sprachen und Kulturen allein auf dem Weg zur Arbeit. Wenn dann mal zur Abwechslung klassisches British Englisch gesprochen wird, ist allerdings auch nicht garantiert, dass man aus den genuschelten Akzenten etwas entschl\u00fcsseln kann.<\/li>\n<li>Man muss in London f\u00fcr alles mehr Zeit und vor allem mehr Geld einplanen. Sollten nach dem Wechselkurs Eink\u00e4ufe hier eigentlich zwei Drittel des Euro-Betrages kosten, sind die Pfundbetr\u00e4ge stattdessen meistens sogar h\u00f6her, man bezahlt also h\u00e4ufig auch mal doppelt so viel wie in Deutschland.<\/li>\n<\/ol>\n<figure id=\"attachment_3712\" aria-describedby=\"caption-attachment-3712\" style=\"width: 403px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/IMG_20150814_190403.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1920,&quot;h&quot;:1280}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3712 \" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/IMG_20150814_190403-300x168.jpg\" alt=\"IMG_20150814_190403\" width=\"403\" height=\"226\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3712\" class=\"wp-caption-text\">Im Luxuskaufhaus Harrods ist das ganze Jahr \u00fcber Weihnachten<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>F\u00fcnf Dinge, die man nach einer\u00a0Woche \u00fcber London wei\u03b2:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Die H\u00f6flichkeit, die Engl\u00e4nder an den Tag legen, wird im Gegenzug auch von einem selbst erwartet, wodurch ein resoluter Deutscher auch mal auf Aversionen st\u00f6\u00dft. So gilt es zum Beispiel als schlechtes Benehmen, in der \u00d6ffentlichkeit au\u00dferhalb von Cafes usw. zu essen. Steht man nicht auf der rechten Seite der Rolltreppe, wird man energisch aus dem Weg gerempelt \u2013 das \u201csorry\u201d von Seiten des \u00dcbelt\u00e4ters darf dann auch gern als \u201cdu Idiot\u201d interpretiert werden.<\/li>\n<li>Londoner sind sportlich. Im Minutentakt werde ich auf dem Heimweg von der Arbeit von Businessmen und \u2013women \u00fcberholt, die ihre Lack- durch Sportschuhe ersetzt haben und den Weg nach Hause joggend bestreiten. Das Unternehmen, in dem ich arbeite, hat ein eigenes Fitnesstudio, stellt den Mitarbeitern t\u00e4glich Obst zur Verf\u00fcgung und geh\u00f6rt hier damit nicht zur Minderheit. Der Fitness Trend, der sich in Deutschland in den letzten Jahren erst langsam bemerkbar gemacht hat, geh\u00f6rt hier dank der Bem\u00fchungen nach den Londoner Olympischen Spiele schon zum Alltag.<\/li>\n<li>London ist voller Stolpersteine f\u00fcr uns Deutsche. So dauert es etwas, bis man herausfindet, dass an jeder Steckdose An- und Ausschalter angebracht sind und deswegen der Wasserkocher seit zehn Minuten einfach kein Wasser kochen will. Und die auf den Stra\u00dfen gemalten Hinweise, in welcher Richtung man denn jetzt nun nach heranrasenden Autos schauen sollte, waren des\u00f6fteren schon Lebensretter f\u00fcr mich. Auch wenn Linksverkehr eigentlich nur das umgekehrte Prinzip von Rechtsverkehr sein sollte, steht man im Alltag nicht selten v\u00f6llig desorientiert am Stra\u00dfenrand.<\/li>\n<li>Es lohnt sich, in kritischen Situationen entspannt zu bleiben, denn die Engl\u00e4nder sind es auch und helfen einem liebend gern und auch h\u00e4ufig unaufgefordert weiter. Es ist in England auch nicht schlimm, wenn man nicht perfekt ist. Hier herrscht zwar auch Konkurrenzdruck und jeder wird an seiner Produktivit\u00e4t und Disziplin gemessen, das scheint hier aber nicht die mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Priorit\u00e4t zu sein, wie es man manchmal in Deutschland der Fall zu sein scheint. Klischees sind eben doch manchmal wahrer als man meinen mag, noch eine Sache, die mir hier bewusst geworden ist.<\/li>\n<li>Der Vorteil an einer Millionenmetropole ist, dass man meist nicht allein dasteht, wenn man neue Leute kennenlernen will. Ich empfehle allen Praktikanten beispielsweise auf Facebook Gruppen wie \u201cInternational Students in London\u201d beizutreten. Ansonsten gibt es auch eigene Seiten wie \u201cMeetup\u201d, auf denen sich es tausende Leute f\u00fcr allmoegliche Interessen verabreden.\u00a0 Allein ist man in London also nie.<\/li>\n<\/ol>\n<figure id=\"attachment_3711\" aria-describedby=\"caption-attachment-3711\" style=\"width: 352px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/IMG_20150823_111152.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1920,&quot;h&quot;:1280}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3711 \" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/IMG_20150823_111152-300x168.jpg\" alt=\"Lebensrettende Hinweise auf der Stra\u00dfe\" width=\"352\" height=\"197\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3711\" class=\"wp-caption-text\">Lebensrettende Hinweise\u00a0f\u00fcr\u00a0\u00fcberforderte Touristen<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>F\u00fcnf Erkenntnisse\u00a0\u00fcber London, die man erst nach ein paar Monaten gewinnt:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Engl\u00e4nder lieben Meetings. F\u00fcr jede Kleinigkeit wird ein Konferenz einberufen und stundenlang mit gro\u00dfen Reden die Sachlage er\u00f6rtert. Das hat sehr viele Vorteile, da man durch Kommunikation gerade im kreativen Bereich oft neue Erkenntnisse und Ideen erh\u00e4lt. Wenn allerdings viel Arbeit ansteht, k\u00f6nnen die zeitraubenden Besprechungen, aus denen dann in der Praxis des\u00f6fteren wenig folgt, manchmal aber doch sehr nervenaufreibend sein.<\/li>\n<li>Ein Universit\u00e4tsabschluss ist hier gar nicht so wichtig wie in Deutschland, hier kann man auch ohne schnell in die Chefetagen der Unternehmen aufsteigen. Generell schlie\u00dfen die Leute hier wesentlich fr\u00fcher ihre universit\u00e4re und sonstige Ausbildung ab, sodass man als deutsche 24-j\u00e4hrige Masterstudentin auch mal einer englischen 22-j\u00e4hrigen zu ihrer Bef\u00f6rderung ins obere Management gratuliert.<\/li>\n<li>Mal etwas Fachliches: die Pressefreiheit ist in England eindeutig gr\u00f6\u00dfer als in Deutschland, oder sagen wir mal, der Boulevardjournalismus nimmt sich diese Freiheiten. W\u00e4hrend in Deutschland n\u00fcchtern und zur\u00fcckhaltend \u00fcber ein tagesaktuelles Ereignis berichtet wird, findet man in der englischen Presse gleich private Fotos, Namen und sensationsheischende Storys \u00fcber die Betroffenen.<\/li>\n<li>Auch wenn man glaubt, mittlerweile alle Regeln und Gebr\u00e4uche in London zu kennen, begegnet man auch nach Monaten noch britischen Seltsamkeiten. Da w\u00e4ren zum Beispiel die ber\u00fchmt ber\u00fcchtigten explodierenden B\u00fcrgersteige, die von unterirdischen Fehlern in der Elektronik verursacht wurden (ganze 40 F\u00e4lle traten 2014 auf). Oder merkw\u00fcrdige Gesetze, die es verbieten, eine Briefmarke der Queen falsch herum aufzukleben &#8211; oder in den Houses of Parliaments zu sterben (ja, richtig gelesen)&#8230; Kopfsch\u00fctteln ist\u00a0 jedenfalls auch nach Monaten noch garantiert.\u00a0Das gilt aber nicht nur f\u00fcr die Seltsamkeiten, sondern f\u00fcr die Stadt allgemein. Selbst Einheimische, die hier schon immer gelebt haben, sagen, dass sie immer wieder v\u00f6llig neue Dinge entdecken und erleben. Kein Wunder, denn die vielen Kulturen und Facetten der Stadt bedingen es, dass London sich in einer permanenten Phase des Wandels befindet.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese Erkenntnisse sind sicherlich subjektiv und k\u00f6nnen noch ewig weitergef\u00fchrt werden. Ich w\u00e4re zum Beispiel sehr interessiert an einem weiteren\u00a0Absatz mit \u201cDingen, die man nach Jahren \u00fcber London wei\u00df.\u201d F\u00fcr den Moment kann ich jedenfalls sagen, dass ich \u00a0liebend gern so lange bleiben und es selbst herausfinden w\u00fcrde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3713\" aria-describedby=\"caption-attachment-3713\" style=\"width: 444px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/IMG_20150826_184955.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1920,&quot;h&quot;:1280}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3713\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/IMG_20150826_184955-300x162.jpg\" alt=\"Londons charakteristische Skyline von der Canary Wharf aus gesehen\" width=\"444\" height=\"240\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3713\" class=\"wp-caption-text\">Londons charakteristische Skyline von der Canary Wharf aus gesehen<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cOne is always wiser after the event,\u201d sagen die Engl\u00e4nder gern. 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