{"id":2443,"date":"2014-12-09T08:54:22","date_gmt":"2014-12-09T06:54:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=2443"},"modified":"2024-10-04T12:04:28","modified_gmt":"2024-10-04T10:04:28","slug":"was-man-in-lissabon-tut-wenn-man-viel-zeit-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/was-man-in-lissabon-tut-wenn-man-viel-zeit-hat\/","title":{"rendered":"Was man in Lissabon tut, wenn man viel Zeit hat."},"content":{"rendered":"<p>Lissabon ist eine der St\u00e4dte, die man niemals fertig gesehen hat. Wenn man denkt man hat schon alles erlebt, trifft man einen neuen Menschen, der einen in seine Lieblingsbar mitnimmt, in der man ein neues exotisches Getr\u00e4nk probiert. Und Schokokuchen. Leute, es gibt immer Schokokuchen. Und \u00fcberall ist er der beste der Welt. Noch besser als sein Vorg\u00e4nger.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nIch wage nun also das Unm\u00f6gliche. Und beschreibe die Orte, die ihr meiner Meinung nach besuchen solltet. Auch auf die Gefahr hin, dass ich die besten dabei vergesse. Weil ich sie eben nun mal noch nicht kenne. Eine Ordnung nach Kategorie beachte ich dabei \u00fcbrigens nicht. Das Ganze wird so wirr wie die Stra\u00dfen der portugiesischen Hauptstadt. Versucht mir zu folgen. Dazu gibt es immer noch eine kleine Anekdote.<\/p>\n<p><strong>Park.<\/strong><br \/>\nJa, ich bin ein Junge. Ich gehe zum Fu\u00dfball, gucke James-Bond-Filme und diskutiere mit Freunden \u00fcber sch\u00f6ne M\u00e4dchen. Aber Park l\u00e4sst mich ganz still werden. Am Rande von Bairro Alto gelegen, \u00fcber einem unscheinbaren Parkhaus befindet sich die Rooftop-Bar \u201ePark\u201c. Ein von Urin ges\u00e4umtes Treppenhaus durchquert man auf dem Weg in den 7. Stock. Auf einmal ist man in Bali. Abgesehen davon, dass es durch die physische Beschaffenheit der Stadt sowieso an jeder Ecke einen Aussichtpunkt gibt, ist der Blick vom Park aus fast schon l\u00e4cherlich gut. An einem sonnigen Samstagnachmittag im Dezember (!) gehe ich hier mit Malte hin. Wir bestellen K\u00fcrbissuppe und Ginger Ale. Ein paar Minuten sp\u00e4ter kommen noch ungarische, spanische, italienische und \u00f6sterreichische Freunde hinzu. Wir essen nun alle Suppe, w\u00e4hrend sich die untergehende Sonne heute dazu entscheidet alle in der Welt existierende Sch\u00f6nheit in sich zu vereinen. Ich habe auch einen Fotobeweis (siehe Titelbild)<\/p>\n<p><strong>Lux Fragil<\/strong><br \/>\nDiese Zeilen sind schwer f\u00fcr mich. Das Lux Fragil steht in jedem Reisef\u00fchrer, ist in s\u00e4mtlichen Club-Listen Europas vertreten. Eigent\u00fcmer ist John Malkovich und es thront wie eine Festung am Tejo-Ufer. Normalerweise sind das deutlich abschreckende Signale f\u00fcr mich, die eine Akzeptanz der Location unm\u00f6glich machen, aber ich muss es wohl oder \u00fcbel zugeben: Das Lux ist der Hammer. Der beste Club der Stadt, eine Institution und Vorreiter in s\u00e4mtlichen Bereichen, ein K\u00f6nig. Es hat den unm\u00f6glichen Balanceakt zwischen Coolness, Mainstream, Qualit\u00e4t und Extravaganz wie eine Grand-Dame gemeistert und genie\u00dft nun mit erhabener L\u00e4ssigkeit seine Ausnahmestellung. Ich erreiche den Club zum ersten Mal an einem Freitagabend. Eigentlich ist es schon Samstagmorgen, 3:30 Uhr aber ignorieren wir diese Tatsache mal. Marcel Dettmann, der hauseigene DJ einer \u00e4hnlichen Legende, dem Berliner Berghain, legt auf und wir lassen uns nicht lange bitten. Der Rest der Nacht verl\u00e4uft wie eine Mischung aus einem Schwarzwei\u00dffilm und Alice im Wunderland 3D. Ich verirre mich zwischen ewig langen Treppen, gro\u00dfen R\u00e4umen, beleuchteten Bars und wummernden Techno-B\u00e4ssen. Eins verpasse ich aber nicht: den Sonnenaufgang auf der hauseigenen Dachterrasse.<\/p>\n<p><strong>Mercado da Ribeira<br \/>\n<\/strong>Ich bin immer noch erstaunt, wie sich hier die ganze Stadt versammelt. Ein unscheinbares Eingangstor markiert den Weg in eine riesige Markthalle, die aufw\u00e4ndig renoviert wurde. Nun befindet sich hier eine Art Foodcourt. Ringsum sind kleine Buden in die Wand eingelassen, die die verschiedensten Essenssorten anbieten. In der Mitte der Markthalle findet man dann dutzende Tische und St\u00fchle und eine Bar f\u00fcr die Getr\u00e4nke. Man sucht sich also aus, was man essen m\u00f6chte, versucht seine Freunde in dem Wirrwarr aus Menschen wiederzufinden und f\u00fcgt noch seinen Anteil zur unglaublich intensiven und aufregenden Lautst\u00e4rke in der Halle hinzu. Mein Praktikumsort liegt auf der anderen Seite der Br\u00fccke. Freitagnachmittags spielt meine ganze Abteilung immer Fu\u00dfball. Da wir es hier mit portugiesischem Temperament zu tun haben, ist auch die Partie immer dementsprechend intensiv. Ich gebe nat\u00fcrlich niemals klein bei und renne um mein Leben. Jeden Freitag kehre ich also mit dem Kopf in der Farbe eines London-Busses nach Lissabon zur\u00fcck. Einmal nimmt mich Francisco mit, der seine Eltern in Almada besucht. Almada wird auch \u201eCristo-Rei-Stadt\u201c genannt, es ist also im Prinzip die Umgebung um die Jesus Statue herum. Ich frage, ob mich Francisco bei der F\u00e4hre absetzen kann, die direkt zu Cais do Sodre f\u00e4hrt. Nat\u00fcrlich kein Problem. Nach einer kurzen Fahrt \u00fcber den Tejo stehe ich vor dem Mercado da Ribeira, der direkt bei Cais do Sodre liegt. Ich beschreibe nun kurz mein Erscheinungsbild zu diesem Zeitpunkt: kurze Sporthose in knallrot, Ringelsocken, die fast die kompletten Waden bedecken, meine Fu\u00dfballhallenschuhe in Gelb. Dar\u00fcber trage ich einen eleganten Wintermantel der letzten Saison und kombiniere das Ganze mit einem hochroten Kopf und verschwitzten Haaren. Voller Selbstbewusstsein betrete ich die Markthalle und steuere siegessicher auf die Burgerbude zu. Ich werde begr\u00fc\u00dft mit \u201eYou look like you could use a lot of meat on your burger\u201c. Da ich dem nicht widersprechen kann, nicke ich nur kurz und lasse die Leute mal machen. Das Essen tut wie jedes Mal gut und bringt mich ein wenig runter.<\/p>\n<p><strong>Primero Andar<br \/>\n<\/strong>Zu dieser Bar habe ich ein ganz besonderes Verh\u00e4ltnis, denn sie erinnert mich immer an meine ersten Tage in Lissabon. Wenn ich nun neue Freunde dorthin f\u00fchre, werde ich immer schief angeguckt. Zumindest in den Sekunden bevor sie die Bar betreten. Zun\u00e4chst bahnt man sich seinen Weg durch das schlimmste Touristengebiet, vorbei an uneinladenden Restaurants und grellen Neonschildern. Pl\u00f6tzlich kommt rechts eine mit einer Kette abgesperrte Gasse, die steil bergauf geht. Am Ende dieser Gasse betritt man links einen Eingang, der wie der Eingang zu einem besetzten Haus aussieht. Man steht nun in einer alten Turnhalle mit zwei Basketballk\u00f6rben. Von hieraus ist es wunderbar. Die Bar ist einmal quer durch die Turnhalle in einem alten Apartment (wie kommt das neben eine Turnhalle?). Es gibt gute Getr\u00e4nke und im Hinterzimmer legt ein DJ aus einer anderen Sph\u00e4re \u00fcberraschend unterhaltsame Musik auf. Auch wenn ich hier noch nie einen ganzen Abend verbracht habe (ist sowieso un\u00fcblich) komme ich immer wahnsinnig gerne hierhin zur\u00fcck. Als letzte Rettung oder als Stimmungsmacher vor dem Club. Auf das Primero Andar ist stets Verlass.<\/p>\n<p><strong>LX Factory<\/strong><br \/>\nIch m\u00f6chte langsam zum Ende kommen, denn ich merke, dass das Ganze hier eine Harry-Potter-L\u00e4nge annimmt. Es w\u00e4re aber ein Verbrechen diese Liste ohne die LX Factory abzuschlie\u00dfen. Ich wei\u00df auch gar nicht, wie ich das Ganze beschreiben soll. \u201eDorf mit Hauptstra\u00dfe voller Kreativit\u00e4t\u201c trifft es wohl am besten. Direkt unterhalb der Ponte 25 de Abril gelegen findet man hier alte Fabrikhallen, Restaurants, Flohm\u00e4rkte, Outdoorbars, Dachterrassen. Man betritt die LX Factory durch ein vielversprechendes Eingangstor, das eben jenen Namen ank\u00fcndigt. Eines Freitags kriege ich eine SMS von Massimo aus Italien. Er weiss, wie man Dinge auf den Punkt bringt. \u201eGoing to LX. You in?\u201c. Nat\u00fcrlich lasse ich alles stehen und liegen und springe in den Bus. Was als entspannter Abend beginnt, wird schnell deutlich voller. Aus allen L\u00f6chern kriechen s\u00e4mtliche (und ich meine wirklich alle!) Menschen hervor, die ich in meiner Zeit in Lissabon kennengelernt habe. Ich gucke mir das unheimliche Treiben schweigend an und kann es nicht ganz fassen. Als dann auch noch ein Freund, mit dem ich mich an meinem ersten Tag angefreundet habe, auftaucht, beschlie\u00dfe ich, dass mir das Universum etwas sagen will. Es beginnt der bis dato beste Abend in Lissabon. Musik: gut. Essen gut. Getr\u00e4nke: gut. Marius: gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Ich suche weiter.<br \/>\nEuer Marius<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lissabon ist eine der St\u00e4dte, die man niemals fertig gesehen hat. Wenn man denkt man hat schon alles erlebt, trifft man einen neuen Menschen, der einen in seine Lieblingsbar mitnimmt, in der man ein neues exotisches Getr\u00e4nk probiert. Und Schokokuchen. Leute, es gibt immer Schokokuchen. Und \u00fcberall ist er der beste der Welt. 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