{"id":21705,"date":"2026-04-08T10:11:16","date_gmt":"2026-04-08T08:11:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=21705"},"modified":"2026-04-08T10:11:16","modified_gmt":"2026-04-08T08:11:16","slug":"costa-rica-und-insbesondere-san-jose-als-ort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/costa-rica-und-insbesondere-san-jose-als-ort\/","title":{"rendered":"Costa Rica und insbesondere San Jos\u00e9 als Ort"},"content":{"rendered":"<p>Hola,<\/p>\n<p>bevor ich mich um mein Praktikum in Costa Rica beworben habe, hatte ich sehr wenig Wissen \u00fcber das Land. Dementsprechend habe ich eine Menge gelernt in meinem sechsw\u00f6chigen Praktikum. <!--more-->Ein Praktikum im Verfassungssenat erscheint mir ideal, um mit Personen in Kontakt zu kommen, die sich sehr gut mit dem Staat, seinem politischen System, seinen Beziehungen zu anderen Staaten und auch mit seinen Problemen auskennen.<\/p>\n<p>Costa Rica ist seit vielen Jahren eine stabile Demokratie und hat seit dem Erlass seiner Verfassung im Jahr 1949 kein Milit\u00e4r mehr. Auch ist in der Verfassung ein Recht auf Frieden verankert, welches es verbietet, dass sich Costa Rica an milit\u00e4rischen Konflikten beteiligt. Unter anderem deshalb wird Costa Rica auch als die Schweiz von Mittelamerika bezeichnet. Aber auch die teuren Preise und die bergige Geographie k\u00f6nnten zu diesem Namen beitragen. Die starke Kaufkraft f\u00fchrt zu so manchem Ph\u00e4nomen, das mit Stereotypen \u00fcber lateinamerikanische Staaten bricht. Ein sehr ansehnliches Beispiel kann man im Padel betrachten, ein tennis\u00e4hnlicher Sport, der in Spanien h\u00f6chste Popularit\u00e4t genie\u00dft und auch in Costa Rica in den letzten Jahren erheblich an Beliebtheit gewonnen hat. So gibt es spanische Padeltrainer, die nach Costa Rica migrieren, weil sie hier deutlich h\u00f6here L\u00f6hne (bis zu 10.000 $) ausgezahlt bekommen, als in Spanien. Eine solche Entwicklung \u00fcberrascht doch sehr, wenn man sich vor Augen f\u00fchrt, dass Spanien ehemals Kolonialherr Costa Ricas war. Insgesamt konnte ich feststellen, dass &#8211; zu meinem \u00dcberraschen &#8211; die eigene Kolonialvergangenheit nicht so negativ betrachtet wird, wie das in anderen ehemaligen Kolonien wohl der Fall ist. An dieser Stelle sei allerdings erw\u00e4hnt, dass eine solche Einordnung sehr subjektiv ist und mein Eindruck dementsprechend stark von den Perspektiven der Person gepr\u00e4gt wird, mit der ich mich \u00fcber dieses Thema unterhalten habe. Sofern ich das beurteilen kann liegt diese Wahrnehmung daran, dass Costa Rica als Kolonie von sehr geringer Relevanz blieb und dementsprechend weniger Ausbeutung erfahren hat und, dass Costa Rica sich wirtschaftlich und politisch in einer Weise stabilisiert hat, wie es nur in wenigen ehemaligen Kolonien gelungen ist, sodass hier m\u00f6glicherweise eine Art Survivorship Bias eingetreten ist. Bei aller gesamtwirtschaftlichen Stabilit\u00e4t und starker Kaufkraft ist allerdings nicht zu verschweigen, dass Costa Rica nach dem Gini-Index weltweit eines der L\u00e4nder mit der gr\u00f6\u00dften Verteilungsungleichheit ist.<\/p>\n<p>Mein gesch\u00e4tzter Kollege und bester Freund hier in Costa Rica sagte zu mir: &#8220;wenn man eine Volksabstimmung dar\u00fcber halten w\u00fcrde, ob Costa Rica ein Teil der USA werden sollte, w\u00fcrden die Leute wahrscheinlich ja sagen.&#8221; Die Kultur und die Strukturen des Landes sind von einer gro\u00dfen USA-Faszination gepr\u00e4gt. So findet man im Gro\u00dfraum San Jos\u00e9 eine gro\u00dfe Anzahl an Malls, es ist \u00fcblich sich mehrmals am Tag essen zu bestellen, US-amerikanische Ketten wie Starbucks, KFC, Burger King, Walmart erfreuen sich gro\u00dfer Beliebtheit und werden als Zeichen des Fortschritts des Landes betrachtet und das Auto ist mit weitem Abstand das beliebteste Transportmittel. Dies schl\u00e4gt sich auch in den vielen Staus wieder, welche beachtliche Ausma\u00dfe angenommen haben. H\u00e4ufig verdrei- oder vervierfachen sie die L\u00e4nge des Arbeitswegs vieler Menschen und auch noch sp\u00e4t Abends kann man in einen Stau geraten. Aus diesem Grund bevorzugen viele meiner Kollegen und Kolleginnen die Arbeit im Homeoffice, anstatt ins B\u00fcro zu fahren. Dies hat dazu gef\u00fchrt, dass ich w\u00e4hrend meines Praktikums die einzige Person war, die jeden Tag ins B\u00fcro gegangen ist, w\u00e4hrend ich meine Mitarbeitenden nur ein oder zweimal pro Woche bei der Arbeit gesehen habe. Das Ausma\u00df der Stauproblematik ist auch eng damit verkn\u00fcpft, dass es nur wenige und wenn, dann meist sehr unzuverl\u00e4ssige \u00f6ffentliche Transportmittel gibt und die Menschen somit auf das Auto als Transportmittel angewiesen sind. Insbesondere Fu\u00dfg\u00e4nger\u00fcberwege sind kaum ausgebaut, sodass man Stra\u00dfen an einer beliebigen Stelle \u00fcberqueren muss. Vor dem Hintergrund, dass viele hier nicht sonderlich gut und nicht selten auch r\u00fccksichtslos Auto fahren, muss man als Fu\u00dfg\u00e4nger dementsprechend vorsichtig sein. Fahrr\u00e4der sind hier vor allem in Form von Mountainbikes und Rennr\u00e4dern zum Sport beliebt, allerdings weniger zu Fortbewegung. Kulinarisch hat Costa Rica aus meiner Sicht durchaus das ein oder andere zu bieten, wenngleich viele Ticos (Selbstbezeichnung f\u00fcr Costa RicanerInnen) dies nicht als au\u00dfergew\u00f6hnlich erachten. Es gibt leckere Reisgerichte zu egal welcher Mahlzeit. Zum Fr\u00fchst\u00fcck gibt es traditionell Gallo Pinto, das ist Reis mit Bohnen, Zwiebel, Paprika und beliebigen weiteren Zutaten. Rice and Beans, das aus der Karibik-Region stammt wird hier h\u00e4ufig genannt, wenn man nach dem Lieblingsessen fragt. Im Vergleich zu typischen Deutschen Mahlzeiten wie Brot oder auch M\u00fcsli ist mit den traditionellen costa-ricanischen Reisgerichten auch ein erheblicher Kochmehraufwand verbunden, allerdings auch f\u00fcr ein leckereres Endprodukt. Im Kontext Essen hat mich besonders die Kultur um das Z\u00e4hneputzen \u00fcberrascht. \u00dcblicherweise wird sich hier nach jeder Mahlzeit die Z\u00e4hne geputzt. Es ist daher nicht ungew\u00f6hnlich sein Zahnputzset \u00fcberall mit hinzunehmen und auch bei der Arbeit auf z\u00e4hneputzende Personen zu treffen. Sogar im Restaurant habe ich mal einen Kellner gesehen, der sich im Bad zwischendurch die Z\u00e4hne geputzt hat. Besonders hervorheben m\u00f6chte ich noch, mit welcher ausgesprochenen Offenheit und Herzlichkeit ich in diesem Land empfangen wurde. Von gleich mehreren KollegInnen wurde ich zu Ausfl\u00fcgen, Wochenendtrips, Stadionbesuchen, in Restaurants, zum Fu\u00dfballspielen mit Freunden, Partys und vielen weiteren Freizeitaktivit\u00e4ten eingeladen. Vor dem Praktikum war meine gr\u00f6\u00dfte Sorge, dass es schwer werden w\u00fcrde Leute kennenzulernen und, dass ich kein Sozialleben haben w\u00fcrde. Diese Sorge wurde durch die Offenheit meiner KollegInnen geradezu pulverisiert. Dies hat mir die M\u00f6glichkeit gegeben weitreichende kulturelle Einblicke in die Kultur zu bekommen und gro\u00dfe Teile des Landes kennenzulernen. Nicht zuletzt, war das f\u00fcr mich das ideale Szenario, um weiter an meinen sprachlichen Fertigkeiten zu arbeiten. F\u00fcr diese Erfahrungen bin ich unendlich dankbar, sie haben meinen Aufenthalt zu etwas sehr besonderem gemacht.<\/p>\n<p>Die zahlreichen Ausfl\u00fcge und Wochenendtrips haben mir die M\u00f6glichkeit gegeben, innerhalb meines achtw\u00f6chigen Aufenthaltes alle sieben Provinzen des Landes kennenzulernen. Dadurch, dass Costa Rica ein kleines Land ist und die Metropolregion um San Jos\u00e9, welche mehr als die H\u00e4lfte der Einwohner des Landes beherbergt, genau in der Mitte des Landes liegt, ist es m\u00f6glich ein Leben in der Gro\u00dfstadt zu f\u00fchren und am Wochenende Nationalparks, Vulkane oder Str\u00e4nde wahlweise am Pazifik oder an der Karibik zu besuchen. Dies ist sehr willkommen, da San Jos\u00e9 als Stadt leider nur wenig zu bieten hat. Daf\u00fcr verleiht die Mischung aus Vulkanen, Bergen, Regenw\u00e4ldern und Strand dem Land eine sehr besondere Geographie, welche einen Besuch sehr lohnenswert macht. Funfact: trotz seiner Gr\u00f6\u00dfe verf\u00fcgt Costa Rica \u00fcber 5 % der weltweiten Biodiversit\u00e4t. Wenn man eine Reise hierhin plant, sollte man allerdings die Regenzeit beachten. In meinen sechs Wochen in San Jos\u00e9 hat es knapp drei Mal geregnet, gleichzeitig ist Costa Rica eines der L\u00e4nder mit dem h\u00f6chsten relativen\u00a0Gesamtniederschlag. Was das f\u00fcr die Regenzeit bedeutet bedarf wohl keiner weiteren Ausf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Pura Vida! (das kann man hier zu allem M\u00f6glichen sagen, insbesondere als Dank, Beschreibung des Gem\u00fctszustandes oder Verabschiedung)<\/p>\n<p><a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.27.jpeg  data-size=\"{&quot;w&quot;:2000,&quot;h&quot;:1500}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-21730\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.27-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.27-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.27-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.27-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.27-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.27-1920x1440.jpeg 1920w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.27-600x450.jpeg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.27-800x600.jpeg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.27.jpeg 2000w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.45.jpeg  data-size=\"{&quot;w&quot;:2000,&quot;h&quot;:1500}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-21729 alignnone\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.45-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.45-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.45-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.45-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.45-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.45-1920x1440.jpeg 1920w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.45-600x450.jpeg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.45-800x600.jpeg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/WhatsApp-Image-2026-04-02-at-17.40.45.jpeg 2000w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>(links: Vulkan Iraz\u00fa; rechts: Blick aus dem B\u00fcro auf den s\u00fcdlichen Teil der Stadt)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hola, bevor ich mich um mein Praktikum in Costa Rica beworben habe, hatte ich sehr wenig Wissen \u00fcber das Land. 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