{"id":21567,"date":"2026-03-18T12:39:38","date_gmt":"2026-03-18T10:39:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=21567"},"modified":"2026-03-18T12:39:38","modified_gmt":"2026-03-18T10:39:38","slug":"chirurgie-in-kapstadt-mein-pj-tertial-in-der-rainbow-nation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/chirurgie-in-kapstadt-mein-pj-tertial-in-der-rainbow-nation\/","title":{"rendered":"Chirurgie in Kapstadt: Mein PJ-Tertial in der &#8220;Rainbow Nation&#8221;"},"content":{"rendered":"<p data-path-to-node=\"3\">Winter in M\u00fcnster: Grau, nass und kalt. Januar in Kapstadt: Strahlender Sonnenschein, der \u201eSouth Easter\u201c-Wind und die imposante Silhouette des Tafelbergs und Lions Head.<!--more--> Im Dezember 2025 trat ich mein zweimonatiges Chirurgie-Tertial in S\u00fcdafrika an. Meine Erwartungen waren eine Mischung aus Abenteuerlust und Respekt. Man h\u00f6rt viel \u00fcber die Kriminalit\u00e4t, die \u201eCape Town Bubble\u201c und die krasse Schere zwischen Arm und Reich. Mit diesen Vorurteilen im Gep\u00e4ck \u2013 der Sorge um die Sicherheit einerseits und der Vorfreude auf Weltklasse-Natur \u00a0und einer weltoffenen Millionenstadt andererseits \u2013 landete ich in der \u201eMother City\u201c.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"3\"><a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20251230_0908119042.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1535,&quot;h&quot;:1920}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-21571 alignleft\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20251230_0908119042-240x300.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20251230_0908119042-240x300.jpg 240w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20251230_0908119042-819x1024.jpg 819w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20251230_0908119042-768x961.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20251230_0908119042-1228x1536.jpg 1228w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20251230_0908119042-600x750.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20251230_0908119042-800x1001.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20251230_0908119042.jpg 1535w\" sizes=\"(max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a>Was mich beim ersten Sonnenuntergang faszinierte, war das Wetterph\u00e4nomen des \u201eTablecloth\u201c. Wenn die Wolken wie eine wei\u00dfe Tischdecke \u00fcber die Kante des Tafelbergs quellen, w\u00e4hrend der Rest der Stadt im orangen Sonnenlicht liegt, ist das ein Anblick, an den man sich nie gew\u00f6hnt. Doch Kapstadt ist kein Postkarten-Idyll. Die gr\u00f6\u00dfte Umstellung zum Alltag in Deutschland waren die Geschichten \u00fcber Diebst\u00e4hle und Gewaltverbrechen. Das Thema der pers\u00f6nlichen Sicherheit ist hier kein abstraktes Problem, sondern Teil der t\u00e4glichen Routine. Unser Stadtviertel hatte einen privaten Security-Dienst und jedes Zimmer hatte einen sog. &#8220;panic button&#8221; , ein Alarmknopf, der direkt diese besagte Security alarmiert. \u00a0Man lernt schnell, welche Stra\u00dfenz\u00fcge man meidet, das Handy nicht \u00fcberall offen in der Hand zu halten und nach Einbruch der Dunkelheit nur noch per Uber von A nach B zu fahren. Man begreift schnell, dass S\u00fcdafrika ein Land mit besonderer Geschichte ist, die durch ihre positiven wie negativen Wendungen eine unmittelbar sichtbare Bedeutung f\u00fcr die Gegenwart kreiert.<a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260215_1818174942.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1446,&quot;h&quot;:1920}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-21574 alignright\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260215_1818174942-226x300.jpg\" alt=\"\" width=\"226\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260215_1818174942-226x300.jpg 226w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260215_1818174942-771x1024.jpg 771w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260215_1818174942-768x1020.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260215_1818174942-1157x1536.jpg 1157w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260215_1818174942-600x797.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260215_1818174942-800x1062.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260215_1818174942.jpg 1446w\" sizes=\"(max-width: 226px) 100vw, 226px\" \/><\/a><\/p>\n<p data-path-to-node=\"3\">\u00a0\u00dcberrascht hat mich jedoch, wie schnell diese Vorsicht zur Normalit\u00e4t wird und den Blick auf die Sch\u00f6nheit der Stadt nicht tr\u00fcbt. Mein Bild vom Gastland hat sich dahingehend ver\u00e4ndert, dass ich S\u00fcdafrika nicht mehr nur als \u201egef\u00e4hrlich\u201c oder \u201esch\u00f6n\u201c wahrnehme, sondern als ein Land mit einer unglaublichen Energie mit einem ehrlichen Kern. Die Menschen begegnen den t\u00e4glichen Herausforderungen mit gr\u00f6\u00dferen einer Gelassenheit, die bei gleichen Bedingungen in Deutschland eher weniger denkbar w\u00e4re. Ich kam mit dem Bild eines krisengesch\u00fcttelten Landes und gehe mit der Erkenntnis, dass die Lebensfreude hier trotz (oder gerade wegen) der Widrigkeiten ansteckend ist.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"8\">Mein Arbeitsalltag in Kapstadt unterscheidet sich fundamental von dem, was ich aus deutschen Universit\u00e4tskliniken kenne. Ich arbeitete im Tygerberg Hospital, einem staatlichen Krankenhaus, das die prim\u00e4re Anlaufstelle f\u00fcr einen riesigen Einzugsbereich ist. Das System ist, gelinde gesagt, \u201eresourcengestresst\u201c. Es fehlt oft an grundlegenden Dingen: Verbandsmaterial und andere medizinische Utensilien sind knapp, Betten sind Mangelware, ein in die Jahre gekommener Krankenhauskomplex, und die Wartezeiten f\u00fcr elektive Eingriffe sind lang. Doch genau dieser Mangel bringt eine medizinische Qualit\u00e4t hervor, die beeindruckend war. Die s\u00fcdafrikanischen \u00c4rzt*innen sind klinisch hervorragend ausgebildet. \u00a0 Da sie oft ohne den sofortigen Einsatz von teurer Apparate-Medizin (wie CT oder MRT) entscheiden m\u00fcssen, ist ihr klinischer Blick \u2013 das Abtasten, Auskultieren und die Anamnese \u2013 extrem gesch\u00e4rft. Die praktische Ausbildung und das \u00dcbernehmen von Verantwortung beginnt etwas fr\u00fcher als in Deutschland, da Medizinstudierenden einen wesentlichen Anteil an der Patientenversorgung haben. Ich durfte hier mehr \u00fcber chirurgische Basics und klinische Entscheidungsfindung lernen als in den vorangegangenen Jahren meines Studiums.<a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260213_113045565.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1446,&quot;h&quot;:1920}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-21573 alignleft\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260213_113045565-226x300.jpg\" alt=\"\" width=\"226\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260213_113045565-226x300.jpg 226w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260213_113045565-771x1024.jpg 771w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260213_113045565-768x1020.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260213_113045565-1157x1536.jpg 1157w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260213_113045565-600x797.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260213_113045565-800x1062.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260213_113045565.jpg 1446w\" sizes=\"(max-width: 226px) 100vw, 226px\" \/><\/a><\/p>\n<p data-path-to-node=\"8\">Was den Alltag aber wirklich besonders machte, ist das Miteinander. Ich wurde von den s\u00fcdafrikanischen Medizinstudierenden mit einer Offenheit empfangen, die ich so nicht erwartet h\u00e4tte. Sie sind nicht nur fachlich fit, sondern unglaublich hilfsbereit und integrativ. Vom ersten Tag an war ich Teil des Teams, wurde zu \u201eAfter-Work\u201c-Braais (dem obligatorischen s\u00fcdafrikanischen Grillen) eingeladen und in die komplexen Abl\u00e4ufe der Station eingewiesen.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"8\">\u00a0Mein zweimonatiger Aufenthalt in Kapstadt war eine Grenzerfahrung im besten Sinne. Medizinisch nehme ich eine neue Sicherheit im Umgang mit Akutsituationen und Traumata mit. Gleichzeitig konnte ich neue praktische F\u00e4higkeiten erlernen, die ich so in Deutschland noch nicht Durchf\u00fchren konnte. Doch viel wichtiger sind die menschlichen Lehren: Die Professionalit\u00e4t und Empathie der Kolleg*innen im Angesicht der bestehenden struktureller Probleme im Gesundheitssystem haben mein Verst\u00e4ndnis vom Arztberuf nachhaltig gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"8\">Meine Perspektive auf das deutsche Gesundheitssystem hat sich verschoben. Wenn wir uns in Deutschland \u00fcber lange Dokumentationswege oder die Qualit\u00e4t des Kantinenessens beschweren, denke ich nun an die Patient*innen in Kapstadt, die stundenlang auf einer Pritsche im Flur warten und dennoch dankbar f\u00fcr jede Behandlung sind. Es hat mich gelehrt, Privilegien nicht als selbstverst\u00e4ndlich anzusehen.<\/p>\n<p data-start=\"3566\" data-end=\"4067\">Was ich aus S\u00fcdafrika mitnehme, pr\u00e4gt meinen Blick auf mein Studium und meinen sp\u00e4teren Beruf nachhaltig. Ich sehe meine Ausbildung in Deutschland nun mit ganz anderen Augen und sch\u00e4tze die Privilegien, die dort oft als selbstverst\u00e4ndlich gelten. Kapstadt war eine Lektion darin, wie massiv gesellschaftliche Rahmenbedingungen den klinischen Alltag diktieren. Ich kehre nicht nur fachlich versierter zur\u00fcck, sondern auch mit einer neuen, globalen Perspektive auf die Herausforderungen moderner Gesundheitsversorgung.<a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260103_1301136502.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1446,&quot;h&quot;:1920}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-21572 alignright\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260103_1301136502-226x300.jpg\" alt=\"\" width=\"226\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260103_1301136502-226x300.jpg 226w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260103_1301136502-771x1024.jpg 771w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260103_1301136502-768x1020.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260103_1301136502-1157x1536.jpg 1157w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260103_1301136502-600x797.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260103_1301136502-800x1062.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PXL_20260103_1301136502.jpg 1446w\" sizes=\"(max-width: 226px) 100vw, 226px\" \/><\/a><\/p>\n<p data-start=\"4574\" data-end=\"5200\">Das PJ-Tertial in S\u00fcdafrika war eine intensive Phase des Lernens, die weit \u00fcber den klinischen Alltag hinausging. Die Kombination aus der Arbeit in einem herausfordernden Gesundheitssystem und der beeindruckenden Kulisse Kapstadts hat diese Zeit zu einem Meilenstein meiner Ausbildung gemacht. Kapstadt hat mir neue Horizonte er\u00f6ffnet und mein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr gesellschaftliche Zusammenh\u00e4nge in der Medizin gesch\u00e4rft. Ich bin sehr dankbar f\u00fcr die finanzielle Unterst\u00fctzung durch das PROMOS-Stipendium, die diesen Aufenthalt erm\u00f6glicht hat. Ich kehre mit wertvollen Erkenntnissen und vielen guten Erinnerungen zur\u00fcck nach M\u00fcnster.<\/p>\n<p data-start=\"4574\" data-end=\"5200\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Winter in M\u00fcnster: Grau, nass und kalt. 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