{"id":2138,"date":"2014-10-29T14:02:58","date_gmt":"2014-10-29T12:02:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=2138"},"modified":"2024-10-04T12:04:42","modified_gmt":"2024-10-04T10:04:42","slug":"lissabon-liegt-am-meer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/lissabon-liegt-am-meer\/","title":{"rendered":"Lissabon liegt am Meer."},"content":{"rendered":"<p>Letzten Samstag bin ich fr\u00fch aufgewacht. Leicht verkatert, ja. Das l\u00e4sst sich hier in Lissabon einfach nicht vermeiden. Ich habe einmal versucht am Wochenende einen Abend zu Hause zu bleiben. Leider war es so wie beim AC\/DC-Konzert in der ersten Reihe neben den Verst\u00e4rkern zu stehen. Diese Idee wurde also schnell verworfen. Doch nun stehe ich vor einem anderen Problem: Zum ersten Mal habe ich keine festen Pl\u00e4ne f\u00fcr den Tag. Nun mag das nach einer langen Praktikumswoche mit wenig Schlaf f\u00fcr den ein oder anderen nach einem wahrgewordenen Wunschtraum klingen. F\u00fcr mich war es leicht be\u00e4ngstigend und eine Situation, die ich so nicht stehen lassen konnte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich kommt mir ein Geistesblitz.\u00a0 45 Minuten sp\u00e4ter stehe ich mit meinem Freund Hendrik am Praca de Espanha und warte auf den Bus Nummer 161 nach Caparica. Costa da Caparica ist ein K\u00fcstenort nahe der portugiesischen Hauptstadt, man muss nur einmal die Br\u00fccke \u00fcberqueren, rechts abbiegen und schon ist man in einer anderen Welt. Wir steigen ein, bezahlen 2,60 \u20ac und st\u00fcrmen nach hinten mit den Worten \u201eLetzte Reihe, Klassenfaaahrt\u201c. Hendrik ist leicht aufgeregt, denn er wird jetzt zum ersten Mal die \u201ePonte 25 de Abril\u201c \u00fcberqueren. Ich leiste ihm seelischen Beistand, indem ich ihn mit M&amp;M\u2019s f\u00fcttere. Nach einer hitzigen Diskussion dar\u00fcber, ob blond oder br\u00fcnett besser ist (zwischendurch herrscht ernsthaft f\u00fcr kurze Zeit w\u00fctendes Schweigen, er ist aber auch selber schuld, er musste ja pers\u00f6nlich werden) l\u00e4sst man uns an unserem Zielort raus. Die strahlende Sonne, das Meeresrauschen und ein ausdrucksstarker High Five lassen uns wieder Freunde werden.<\/p>\n<p>Jetzt kann ich ja verraten, was wir hier tun: ich m\u00f6chte mir ein Surfbrett + Neoprenanzug kaufen und somit f\u00fcr die Zukunft vorsorgen, falls mal wieder ein Tag ohne besondere Pl\u00e4ne ansteht. Ich packe also das Problem an der Wurzel und verschaffe mir quasi lebenslange Besch\u00e4ftigung. Ich erkl\u00e4re nun aber kurz das Problem: diese Sachen kriegt man nicht f\u00fcr 2,50 \u20ac. Es muss also schnell gehen, bevor ich merke, was ich hier tue. \u00c4hnlich wie beim Wettessen, bei dem man den K\u00f6rper \u00fcberlistet und so viel wie m\u00f6glich isst, bevor sich das S\u00e4ttigungsgef\u00fchl einstellt. Zwei Stunden sp\u00e4ter stehe ich \u00fcbergl\u00fccklich auf der Strandpromenade. Danke Gott f\u00fcr die Kreditkarte, bei der man gar nicht merkt, dass man Geld ausgibt. Es f\u00fchlt sich gut an, ich bin f\u00fcr einen kurzen Moment unbesiegbar.<\/p>\n<p>Ich liebe diesen Sport. Es ist eine v\u00f6llig irrationale Angelegenheit. Es ist h\u00f6chstanstrengend, ich kann es immer noch nicht besonders gut und in 90 % der Zeit wird mir dabei ziemlich wehgetan. Trotzdem habe ich seit Jahren den Drang, es immer wieder und weiter zu tun. An s\u00e4mtlichen Orten, egal ob bei 5 Grad Wassertemperatur oder viel zu gro\u00dfen Wellen, egal ob ich lange Autofahrten in Kauf nehmen oder morgens um 5 aufstehen muss. Ich bin immer motiviert. Denn wenn man sich durch das tobende Wei\u00dfwasser k\u00e4mpft, zwischendurch die Wellen beleidigt und anbr\u00fcllt, von allen Seiten durchgeschleudert wird, sein Brett an den Kopf bekommt oder kurzzeitig denkt man w\u00fcrde ertrinken: Der Moment, an dem man erkennt, dass es nicht mehr weit ist, die letzten Kr\u00e4fte mobilisiert, sich durch die letzte Welle k\u00e4mpft und hinter dem Breakpoint ankommt, an dem das Meer flach wie ein See ist, einem anderen Surfer zunickt, der es auch gepackt hat, sich auf sein Brett setzt und tief Luft holt: Diesen Moment kann man nur mit sehr wenig aufwiegen. Ich bin v\u00f6llig am Ende und muss mich erst mal ausruhen. Am Horizont geht langsam die Sonne unter und ich sitze Ende Oktober bei 27 Grad auf einem Surfbrett und genie\u00dfe den Ausblick auf das portugiesische Festland. Hendrik wird es sp\u00e4ter auf der Busfahrt zur\u00fcck nach Lissabon auf den Punkt bringen: \u201eIch glaube du hast deine Work\/Life-Balance gefunden.\u201c Er hat vollkommen Recht. Heute nach schlafe ich selig ein. Trotz AC\/DC-Konzert vor meiner T\u00fcr in Bairro Alto.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzten Samstag bin ich fr\u00fch aufgewacht. Leicht verkatert, ja. Das l\u00e4sst sich hier in Lissabon einfach nicht vermeiden. Ich habe einmal versucht am Wochenende einen Abend zu Hause zu bleiben. Leider war es so wie beim AC\/DC-Konzert in der ersten Reihe neben den Verst\u00e4rkern zu stehen. Diese Idee wurde also schnell verworfen. 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